Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Was wissen wir über die CDS?

Jetzt werden die Kreditversicherungen auf Griechenland fällig. Wie gefährlich ist das für die Banken und die Börse? Von Patrick Bernau

Jetzt werden die Kreditversicherungen auf Griechenland fällig. Wie gefährlich ist das für die Banken und die Börse?

Von Patrick Bernau

Plötzlich sind CDS wieder interessant: „Credit Default Swaps“ – Kreditausfall-Versicherungen. Am Freitagabend hat der zuständige Verband beschlossen, dass die Griechenland-Umschuldung ein Kreditereignis ist und die CDS fällig werden. Dabei hatten Politiker und Banker monatelang versucht, genau das zu verhindern. Mario Draghi hatte gar vor einer „Systemkrise“ für diesen Fall gewarnt – allerdings noch bevor er EZB-Chef wurde.

Jet Griechenland - Foto: dapdzt ist die große Frage: Drohen aus der Fälligkeit der CDS noch Probleme? Bricht die Börse in zwei Wochen zusammen – so, wie sie das zwei Wochen nach der Lehman-Pleite tat? Unstrittig ist, dass theoretisch nichts passieren dürfte. Das sagen die Regulierer und Bankenverbände. Aber wie groß sind die Gefahren in der Praxis? Und was wissen wir überhaupt über die Verteilung der CDS?

Heute ist die Datenlage schon besser, als sie es vor einigen Monaten noch war. Im Moment gibt es drei wichtige Datenquellen über CDS:

1. Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC). Sie erfasst nach eigenen Aussagen nicht alle, sondern nur „so gut wie alle“ CDS. Von ihr erfahren wir, dass brutto rund 70 Milliarden Dollar an CDS auf Griechenland ausstehen. Die Bruttopositionen müssten einander so aufheben, dass sich die Vermögen der beteiligten Banken und Unternehmen netto nur um rund drei Milliarden Euro verändern. (Mehr zu Brutto und Netto spare ich mir hier, Lisa Pollack von FT Alphaville hat das sehr klar aufgeschrieben). Die DTCC hat noch genauere Daten, die sie aber nicht an die Öffentlichkeit weitergibt. Allerdings gibt es Lücken in den DTCC-Daten. Sie erfasst nur die CDS, die ihr von selbst gemeldet werden – darunter sind zwar quasi alle Banken, aber bei Fonds ist die Datenlage schon dünner.

2. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erfasst in großen Abständen sehr grobe Daten, die für die Beurteilung der Risiken wenig helfen.

3. Die Europäische Bankenaufsicht hat Ende 2011 für ihren Stresstest eine Reihe von Daten aus europäischen Banken erhoben, darunter auch die Positionen in „CDS und anderen Kreditderivaten“, aufgeteilt nach Banken und Ländern. Von ihr wissen wir zum Beispiel, dass die Deutsche Bank zum 30. September eine Nettoposition von 96 Millionen Euro in CDS auf Griechenland hatte. Diese Position besteht allerdings aus Zahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe: Die Deutsche Bank muss 4,4 Milliarden Euro bezahlen und darf sich 4,3 Milliarden von anderen Banken zurückholen. In der Theorie sollte das funktionieren. Zwei Probleme gibt es mit diesen Daten: Zum einen hat die Europäische Bankenaufsicht nur Daten für Europäische Banken, nicht aber für Banken aus anderen Ländern. Zum anderen hat sich der Wert – Update: möglicherweise – seit dem 30. September geändert. Inzwischen ist – anders als beim Erscheinen des Beitrags – klar: Dass die Griechenland-Pleite immer näher gerückt ist, sollte den Wert dieser Positionen nicht gesteigert haben. Unklar ist aber trotzdem, wie sich die Positionen verändert haben. Banken sind dazu notorisch schweigsam.

Es gibt also noch einiges, was nicht bekannt ist. Wie sind die Positionen der Banken außerhalb Europas? Das dürften wenigstens die Regulierer wissen. Wie die Positionen der Hedge-Fonds lauten, ist nicht bis ins letzte bekannt. In Summe steht zu vermuten, dass das Restrisiko klein ist. Doch ein Restrisiko bleibt.

 

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