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Renditetief: Der Bund bringt eine Anleihe mit einem Kupon von null Prozent

22.05.2012, 11:29 Uhr  ·  Der Bund hat am Dienstag eine zweijährige Anleihe zur Auktion ausgeschrieben, auf die er keinerlei Zinsen zahlen muss. Ist das eine Blase? Von Gerald Braunberger

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Der Bund hat am Dienstag eine zweijährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent zur Auktion ausgeschrieben. Der Bund muss damit auf diese Anleihe, deren Volumen 5 Milliarden Euro erreichen soll, keinerlei Zinsen zahlen – eine Rendite für den Anleger kann nur aus der Differenz zwischen Ausgabe- und Tilgungskurs entstehen. Dies ist ein neues Rekordtief, nachdem die zuletzt angebotenen Zweijährigen Kupons von 0,25 Prozent trugen. Die Marktrendite umlaufender zweijähriger Papiere belief sich am Dienstag auf 0,056 Prozent.  

Von Gerald Braunberger

Haben wir es hier mit einer neuen Spekulationsblase zu tun? Viele Kapitalmarktexperten (hier ein Beispiel aus einem bekannten Family Office) halten die Kurse von Bundesanleihen für völlig überhöht (bzw. die Renditen für viel zu niedrig) und sprechen von einer Spekulationsblase. Andererseits ließ sich mit dem Kauf der vermeintlich überbewerteten Bundesanleihen seit Jahresanfang gutes Geld verdienen. Und warum sollen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen (1,47 Prozent) nicht noch weiter fallen und die Niveaus schweizerischer (0,63 Prozent) oder japanischer (0,85 Prozent)  zehnjähriger Staatsanleihen erreichen?

Update: Bei der Versteigerung wurden am Mittwoch zweijährige Papiere für knapp 4,6 Milliarden Euro zugeteilt. Bei einem Kupon von null Prozent errechnete sich eine Emissionsrendite von 0,07 Prozent. Die Nachfrage entsprach dem 1,7-fachen der Zuteilung. Aus der Sicht des Bundes ist das ein sehr gutes Ergebnis, denn wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Emissionen gesehen, bei denen die Nachfrage spürbar geringer war als erwartet.

Prognosen sind nicht nur an Aktien- oder Devisenmärkten schwierig. Auch an Anleihemärkten haben sich schon höchst namhafte Investoren ganz übel verschätzt. Als Warnung für alle, die meinen, sie wüssten genau, was die Zukunft bringt, folgen drei hoffentlich lehrreiche Beispiele:

 

1. “Every human being on the planet should short Treasuries.”

Also sprach Nassim Nicholas Taleb, Erfinder der Theorie des “Black Swan” und Vermögensverwalter, im Februar 2010. Taleb bezeichnete seine Empfehlung als “no-brainer”. Wie der amerikanische Vermögensverwalter Mebane Faber ausgerechnet hat, hätte diese Strategie bis heute einen Verlust von rund 50 Prozent gebracht. Faber kommentiert sarkastisch: ”Not that I need to remind our readers to blindly follow pundit advice, but always good to remember bold calls are great for selling books and speaking fees, not always so good for your wealth…”

 

2. “The legitimate corollary question is: Who will buy Treasuries when the Fed doesn’t?”

Also sprach Bill Gross von der großen amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco und verkaufte im Frühjahr 2011 erhebliche Bestände amerikanischer Staatsanleihen. Wie Gross mittlerweile eingeräumt hat, war dies ein schwerer Fehler.

 

3.Norway Buys Greek Debt as Sovereign Wealth Fund Sees No Default”

Der staatliche norwegische Pensionsfonds ist einer der bedeutendsten Großanleger in der Welt. Im September 2010 teilte der Fonds mit, dass er seine Bestände griechischer Staatsanleihen aufgestockt hatte: “One could say we are investing for infinity.” Vor wenigen Tagen teilte der Fonds mit, er habe seine Bestände europäischer Staatsanleihen reduziert. Kein Wunder, wenn man in Oslo die griechische Umschuldung für einen schweren Fehler hält.

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (15)
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0 Rolf37 11.01.2013, 15:11 Uhr

Mit dieser Rendite wird es...

Mit dieser Rendite wird es schwierig, die Inflationsrate auszugleichen.

0 Vult 06.06.2012, 07:09 Uhr

tja, da scheinen viele Anleger...

tja, da scheinen viele Anleger keine übermäßige Angst vor der Inflation zu haben, die uns hier in der FAz so oft als Schreckgespenst an die Wand gemalt wurde. Warum sonst wären Anleger willig, solche Renditen zu akzeptieren ?

0 FAZ-gb 31.05.2012, 18:28 Uhr

Update 31.Mai: Als ich vorhin...

Update 31.Mai: Als ich vorhin das Büro verließ, lag die Rendite der deutschen Zehnjährigen bei 1,22 Prozent. Die Zweijährige rentierte mit 0,001 Prozent. Historische Tiefststände wurden auch bei den Zehnjährigen in Frankreich, Österreich und den Niederlanden verzeichnet. Gruß gb.

0 FAZ-gb 30.05.2012, 14:50 Uhr

Update 30. Mai: Heute...

Update 30. Mai: Heute nachmittag wurde eine Rendite von 1,2780 Prozent für die Zehnjährige festgestellt. Gruß gb.

0 FAZ-gb 29.05.2012, 13:38 Uhr

Update 29. Mai 2012: Im...

Update 29. Mai 2012: Im Londoner Handel wurde die Rendite der Zehnjährigen um die Mittagszeit mit nur noch 1,3450 Prozent festgestellt - ein neuer historischer Tiefststand.

0 pinienbaum 29.05.2012, 06:34 Uhr

Die Ironie ist ja, dass eine...

Die Ironie ist ja, dass eine Nullzins-Politik insbesondere die konservativen Anleger trifft. Klassische Rentenversicherungen und staatlich geförderte Varianten wie die Riester-Rente verlieren als Modell der Altersvorsorge zukünftig an Wert. Eigentlich müsste man dem Privatanleger nun raten, in Aktien zu investieren, um der Inflation entgegenzuwirken. Genau das also, was die meisten Anleger aus Angst vor Verlusten nicht tun werden.

0 tricky1 24.05.2012, 08:53 Uhr

@ErnstLudwig: Danke aber das...

@ErnstLudwig: Danke aber das wusste ich schon. Die offene Frage ist, warum ein Nullzins-Papier jemals einen Verkaufswert über Nominalwert erlangt??

0 ErnstLudwig 23.05.2012, 15:15 Uhr

@ tricky 1 Der Trick besteht...

@ tricky 1 Der Trick besteht ja darin, das Papier zu kaufen und dann sofort zu verkaufen, wenn es höher gehandelt wird als zum Einkaufspreis. Das nennt man Spekulation - die wurde von der Politik allerdings als die größte Teufelei der Marktwirtschaft bisher immer angeprangert - nun spielt die Politik selbst mit :-))

0 tricky1 23.05.2012, 08:24 Uhr

Ich kann es nicht verstehen,...

Ich kann es nicht verstehen, aus welchen Überlegungen jemand Geld zinslos auf längere Frist zur Verfügung stellt und damit seine Dispositionsfreiheit aufgibt? Warum sollte ein solches Papier während seiner Laufzeit plötzlich mehr wert sein als derselbe Betrag in bar, denn über diesen kann ich jederzeit frei verfügen?

0 muscat 22.05.2012, 17:50 Uhr

Danke für die Links, Herr...

Danke für die Links, Herr Braunberger. Wie schön, dass ein Herr Wöhrmann die financial repression nun auch bemerkt hat. Ich erinnere mich noch gut an das Frühjahr 2010 - als er in dieser Zeitung griechische Staatsanleihen zum Kauf empfahl...

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.