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Darf man sich den „Grexit" ausmalen? Ein Briefwechsel

05.06.2012, 06:14 Uhr  ·  Der Ökonom Thomas Straubhaar antwortet auf einen F.A.S.-Artikel über den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Eine E-Mail-Diskussion entsteht - über die Verantwortung von Ökonomen, Politikern und Journalisten in der Eurokrise. Wir dokumentieren den Mailwechsel zwischen Thomas Straubhaar und Rainer Hank.

Von

Von Rainer Hank

Griechenland - Foto: dapdUnser Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 27. Mai über den „Grexit”, den Austritt Griechenlands aus dem Euroraum hat viele Reaktionen provoziert – unter anderem eine Kolumne von Thomas Straubhaar, Chef des HWWI, auf stern.de. Straubhaar misstraut zutiefst den Austrittsüberlegungen der Ökonomen und nennt sie „unverantwortlich”. Mein Co-Autor Christian Siedenbiedel und ich misstrauen dagegen der Rationalität der Politiker, die ihre Entscheidungen „alternativlos” nennen. Daraus entspann sich ein Briefwechsel über die Verantwortung von Ökonomen, Politikern und Journalisten in der Eurokrise – die Briefe von Thomas Straubhaar stehen eingerückt und fett, die von mir mager und links.

Lieber Herr Hank

immer noch lese ich die FAS mit großem Interesse und auch Genuss! So auch gestern. Der Aufmacher von Ihnen und Christian Siedenbiedel und das 4-Punkte-Programm von Dennis Snower  haben mich sogar dazu inspiriert, einen Kommentar für meine wöchentliche Stern.de-Kolumne zu schreiben. Eigentlich müssten Sie – bei aller Gegensätzlichkeit, die uns bei der Euro-Frage trennt – dem Grundgedanken meiner anderen Sicht beistimmen. Denn eigentlich finde ich vieles, von dem was da so vorgeschlagen wird, eine Anmassung des Wissens, was richtig und falsch ist. Das ist eine Schiedsrichterposition der Ökonomik, die es – das mindestens meine “intellektuelle” Lehre aus den letzten Jahren – weniger denn je gibt.

Herzliche Grüße und auf bald

Ihr Thomas Straubhaar

 


Lieber Herr Straubhaar,

danke für den Text, der seinerseits Anlass zum Nachdenken gibt, allerdings, ich gestehe, mich ganz und gar nicht überzeugt.

Ihr Lob der Kanzlerin, sie denke das Ganze vom Ende her, ist nun wirklich anmaßendes Wissen. Aus welchen geheimen Quellen kennt Frau Merkel das Ende? Und woher weiß Herr Straubhaar, dass der Verbleib “kostenminimierender” ist? Da wäre eine kleine Rechnung schon angebracht gewesen, die über den Gemeinplatz, es gebe keine Patentrezepte und jede Situation sei anders, hinaus geht.

Unsere Gewährsleute (Mayer, Blankart, Neumann etc.) legen Wert darauf, dass sie nicht normativ argumentieren, sondern überlegen, wie es denn kommen könnte, wenn die Griechen zwar im Euro bleiben wollen, aber den Schuldendienst nicht mehr bedienen. Ob es so kommt, wer weiß.

In einem jedoch sind wir uns einig: Es gibt kaum etwas Spannenderes derzeit, als über Europa nachzudenken.

In diesem Sinn grüßt herzlich

Ihr

Rainer Hank

 


Lieber Herr Hank

danke für Ihre Antwort Was sollte “vom Ende her denken” bei aktiv handelnden Menschen wirklich meinen (könnte/sollte)? Mein Punkt ist nicht, dass Merkel oder Straubhaar sagen, wie Europa 2020 oder wann auch immer aussehen soll.

Mein Punkt ist, dass wer in einem fliegenden Flugzeug am Steuerknüppel steht, darüber nachdenken muss, welche Folgen es für Flugzeug und übrige Passagiere hat, wenn er mit dem Fallschirm abspringt.

Vom Ende her denken bedeutet (mindestens in meinem Verständnis, aber darüber werde ich in der Tat noch einmal nachdenken), dass man mindestens beide oder alle Szenarien bis zum Ende durchdenkt. Also: wie sieht denn das Ende (also Europa, Deutschland 2020) bei Grexit, Geuro oder anderem aus? Noch einmal: nicht “normativ”, wie es aussehen “soll” (das wäre anmaßend), sondern, wie stellen sich die Kollegen vor, dass Europa, Griechenland u.v.a.m. aussehen werden? Natürlich weiß das niemand, aber es scheint mir nicht anmaßend zu sein, wenn man sich über das Ende (also die Folgekosten) von Verhaltnsweisen Gedanken  macht und zumindest versucht mit Hilfe von Szenarien, vielleicht sogar Prognosen die Folgekosten zu Ende zu denken.

Ein darüber hinaus gehender, ganz grundsätzlicher Punkt: „Experten” haben vielleicht gute Ideen, aber absolut keine persönlichen Folgekosten, wenn es mit ihren Vorschlägen schief geht. (Der immer ins  Feld geführte Reputationsverlust ist minimal und tut nicht wirklich weh). Sie (ich nehme mich da nicht aus!)  können lässig auf dem Lehrstuhl sitzen und sich zu Gott und der Welt oder eben dem Euro äussern, ohne dass ihr Beamtenstatus deswegen in Gefahr kommt. Die wirklichen Kosten von Fehlern der Ökonomen tragen andere.  Das ist in der Politik (und der Wirtschaft) in der Tat anders: Frau Merkel muss entscheiden, ob sie will oder nicht (und auch keine Entscheidung ist eine Entscheidung). Und sie wird auf jeden Fall die Folgen ihrer Entscheidungen persönlich verantworten müssen (bis hin zu persönlichen Haftungsklagen). Ist da nicht zu erwarten, dass sie ihre Entscheidungen besser zu Ende denkt, als Experten, die für ihre Urteile rein gar nichts zu befürchten haben?

Freue mich auf die nächste FAS und grüße Sie in der Zwischenzeit herzlich

Ihr Thomas Straubhaar

 


Lieber Herr Straubhaar,

danke für die Antwort. Schön, dass Frau Merkel noch Freunde hat. Der Fairness halber sollten Sie aber schon hinzufügen, welche politischen Rücksichten Frau Merkel zu nehmen hat, und deshalb anders als Ihre “verantwortungslosen” Kollegen gar nicht (laut) zu Ende denken darf, was beide Szenarien für Folgen hätten. Mein Glaube an Academia ist offenbar größer als Ihrer: Ich will, dass die Damen und Herren auf den Lehrstühlen sitzen, nur der Vernunft und also der Wahrheit verpflichtet. Dazu sollen sie auch unser Steuergeld bekommen und Beamte sein. Mag sein, dass einige darunter sind, die nur um des Effekts willen besonders schräge Gedanken denken. Aber die müssen sich dann der (hoffentlich scharfen) Kritik der Scientific Community aussetzen.

Mehr noch: Politökonomisch werden von den Euro-Akteuren die Rettungskosten (absichtsvoll oder naiv) unterschätzt und die Default-Kosten (absichtsvoll oder naiv) überschätzt. Denn lieber lassen sich Politiker als “Retter” feiern (und verschleiern die Kosten) als dass sie (was Blankart einmal vorschlug) auf Capri baden und die Griechen zum Pariser Club schicken. Wer, wenn nicht Ökonomen und Journalisten, würden dann hartnäckig darauf verweisen, dass die Politik eben nicht “alternativlos” ist.

Herzlich grüßt

Ihr

Rainer Hank

 


Lieber Herr Hank

Danke für Ihre Antwort. Wenn es nur so wäre, dass Ökonomen / Experten Götter in Nadelstreifen sind, die sich von nichts als der reinen Wahrheit leiten lassen! Aber ist eigentlich nicht eher zu erwarten, dass auch sie nur Menschen sind, mit ganz profanen Eigeninteressen? Hat sich nicht gerade in der letzten Dekade der Verdacht verstärkt, dass einige Nobelpreisträger sehr eng mit Akteuren der Finanzmärkte liiert sind, so eng, dass die American Economic Association jetzt eine Offenlegungspflicht von finanziellen Verbindungen für Autoren eingeführt hat?

Recht gebe ich Ihnen in Ihrem Punkt, dass Expertenurteile auf beiden Seiten – also bei Euro-Optimisten wie -pessimisten interessengeleitet sind.  Im Kern geht es beim Streit um den Euro gar nicht um makroökonomische Größen wie Wachstum, Beschäftigung oder gesamtwirtschaftlichen Wohlstand und auch nicht um „Europa”. Das sind eigentlich nur vorgeschobene Argumente, um eigene Interessen zu verdecken. Eigentlich geht es um reine Interessenpolitik und darum, wer die Folgekosten einer Problemlösung zu tragen hat. Und da gebe ich Ihnen recht: da machen beide Seiten bewusst oder unbewusst, absichtlich oder nicht Fehler, in dem die einen die Kosten einer Euro-Rettung und die anderen die Kosten eines Grexit unterschätzen, um für ihre Position zu werben.

In dem Sinne freue ich mich auf die Fortsetzung der intellektuellen Auseinandersetzung mit Ihnen

Ihr Thomas Straubhaar

 

Foto: dapd.

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Veröffentlicht unter: Euro, Eurokrise, Griechenland, Ökonomen

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (10)
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0 lutz-breunig 06.06.2012, 14:13 Uhr

Man kann sich alles ausmalen,...

Man kann sich alles ausmalen, aber wozu führt das ? - Vermutlich zu der sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

0 Vult 06.06.2012, 07:02 Uhr

Ich bitte die FAZ auch, noch...

Ich bitte die FAZ auch, noch einmal daran zu erinnern, wieviel Geld der deutsche Steuerzahler in die Rettung der privaten Hypo Real Estate gesteckt hat (richtig : es waren 100 MILLIARDEN €), und wieviel Geld nun bedingungslos den Banken geschenkt oder geliehen wird, während man den Staaten Europas zur Gewährung ähnlicher Kredite Auflagen macht, die schon deshalb keinen Sinn machen, weil ihre absehbare Nichterfüllbarkeit später die Krise noch beschleunigen wird, die uns letztendlich teurer zu stehen kommt, als im Falle eines beherzten Handelns nun (massive geldpolitische Lockerung der EZB, Eintritt der EZB gegen Währungsspekulationen gegen E, I, P, und IRL, usw.), das wir noch billiger im Jahr 2010 gehabt hätten...

0 Vult 06.06.2012, 07:02 Uhr

GRIECHENLAND IST GESTERN....

GRIECHENLAND IST GESTERN. BITTE AUF SPANIEN UND ITALIEN BLICKEN Nun, die Frage, ob GR in der Euro-Zone verbleibt oder nicht (und die Konsequenzen eines möglichen Austritts) ist durchaus von Bedeutung, aber die gesamte Griechenland-Frage ist überhaupt nichts verglichen mit den Problemen, die jetzt wirklich anstehen. Und da ist als erstes das spanische Problem zu nennen : da haben wir es mit anderen Dimensionen zu tun. Und Spanien ist übrigens ein Beispiel, das die ganze Herangehensweise der FAZ und Merkels eine falsche ist. Denn Spanien ist NICHT wegen übermäßiger STAATSVERCHULDUNG in die Bredouille gekommen (wie etwa GR, wo eine verfehlte Politik und Verwaltung an dem Desaster eine große Mitschuld tragen : ein Land ohne funktionierendens Steuersystem.....), sondern wegen einer (privaten und privatwirtschaftlich finanzierten) Immobilienblase... (die zugegebenermaßen durch die liberale Politik des laissez-faire noch befeuert wurde). Übrigens hatte Spanien 2007 eine weit geringere Staatsverschuldung als Deutschland : die Krise ist also nicht, wie Herr Hank zu glauben oft vorgibt (oder vielleicht tatsächlich glaubt (!?)), eine Folge der Spendierfreudigkeit Regierungen, die nutzlos Geld in Sozialsysteme verpulvert. Die Merkozy-Sparpolitik, die von der Regierung Rajoy willig übernommen wurde, hat die Situation nicht verbessert. Wie auch ? Denn selbst derjenige, der glaubt, man müsse die staatlichen Ausgaben zusammenstreichen, weiß eigentlich genau, daß die sogenannten "Strukturreformen" Jahre brauchen, bevor sie wirken : wir aber haben jetzt nur mehr einige Monate Zeit, und da ist ein beherztes Handeln und eine Aufgabe der monetaristischen Dogmen der Buba und des Wirtschaftsteil der FAZ mehr als notwendig.

0 hgebhardt 05.06.2012, 21:22 Uhr

Ueber die Arbeitslosenquote...

Ueber die Arbeitslosenquote wird überhaupt nicht diskutiert bei diesen Wissenschaftlern? Lasst uns mal alle aufzählen, die das Gesicht verlieren, wenn die Austeriätspolitik aufgegeben wird und Inflation in Deutschland den €uro und die €U rettet: Merkel Schäuble Steinbrück CDU/CSU FDP Straubhaar Schuldenbremser Asmussen Trichet EZB Junker gesamte €U-Commission Sarkozy usw. usf. Deshalb wird sich vernünftige Politik nicht durchsetzen.

0 Nyarlat 05.06.2012, 18:34 Uhr

Ein Austausch von...

Ein Austausch von Gemeinplätzen. Gähn! Fingerhakeln für Zeitungsschreiber. Aua. Das derweil Hunderttausende, nein Millionen, die verrückte Austerity Politik von Angela Merkel ausbaden müssen scheint sekundär. Klar war die Griechische Elite mit Schuld. Aber was ist mit Irland, Spanien, England? Bitte mal Paul Krugman lesen! Der hat wesentlich mehr auf der Pfanne als diese beiden deutschen Möchtegern-Wirtschaftswissenschaftler.

0 Einbauschrank 05.06.2012, 15:53 Uhr

Was mich an Íhrer Aussage...

Was mich an Íhrer Aussage stört, Herr Straubhaar, ist der Passus "wer am Steuerknüppel sitzt ...". Wir reden hier von riesigen Volkswirtschaften, die allen Unkenrufen zum Trotz nach halbwegs marktwirtschaftlichen, das heißt freien, Grundsätzen funktionieren. Diese Gebilde haben keinen Piloten.

0 Vult 05.06.2012, 14:34 Uhr

OB SPARPOLITIK ALTERNATIVLOS...

OB SPARPOLITIK ALTERNATIVLOS IST Es ist sehr schön, dass Herr Hank sich hier in de FAZ über die in der Tat ärgerliche Vokabel "alternativlos" aufregt, und Gadankenspiele anstellt zu einem möglichen Ende der Partizipation GR am Euros. Allerdings sei ihm auch angeraten, andere Dogmen in Frage zu stellen, die hier in der FAZ im Bereich der europäischen Finanzpolitik als alternativlos dargestellt werden, wo sich doch tagtäglich zeigt, dass die in der Euro-Zone und auch auberhalb (siehe Grossbritannien) seit bald drei Jahren verfolgte Politik kontraproduktiv ist. Kontraproduktiv ist die Sparpolitik, weil prozyklisch in der Rezession, die alle Länder Europas erfaßt hat (und nur Deutschland steht derzeit besser da...), die staatlichen Ausgaben heruntergefahren werden (weshalb die staatlichen Einnahmen noch radikaler einbrechen und durch ein circulus vitiosus die Krise sich nch verschärft), wo doch das Gegenteil gemacht werden muß, um die Wirtschaft anzukurbeln und durch dadurch generierte Steuereinnahmen damit begonnen werden kann, die Staatshaushalte zu sanieren... Die FAZ hat sich stets in den Chor derjenigen gesellt, die Kürzungen der staatlichen AUsgaben als alternativlos hingestellt haben -- nachdem dies so einen durchschlagenden Erfolg gehabt hat, bin ich auf die Revision dieser Position gespannt. Es merke : 1945-1975 dreissig Jahre mit ständig steigenden staatlichen Haushalten: beständiges Wachstum in der westlichen Welt 1980-2012 : dreißig Jahre Liberalisierung gemäß der Theorie, dass der Staat schlank zu sein habe : dreißig Jahre Arbeitslosigkeit in Europa, Blasenbildungen 2001 & 2007 und nun Eurokrise. Alternativlos ?

0 heidelpaul 05.06.2012, 11:12 Uhr

Politikern geht es heute wie...

Politikern geht es heute wie Piloten die durch dichten Nebel fliegen. Ihnen werden zwar von diversen Fachleuten immer wieder selbstgemalte Karten hingehalten, aber blöderweise stimmen diese Karten nicht überei und vorallem stimmen die Experten nicht darüber überein WO auf der Karte sich das Flugzeug im Moment grade befinden mag. Wenn man aber nicht weis WO man sich befindet, nutzt einen auch eine Karte nichts um dem nächsten potentiellen Berg auszuweichen, denn es könnte ja sein, daß einen die vorgeschlagene Berg-Umrundungs-route erst recht an einer Steilwand zerschellen läßt. Was macht also ein Pilot in so einer Situation ? Er legt all die wiedersprüchlichen Karten der Fachleute weg und schaut aus dem Fenster in den Nebel. Wenige Meter nur langt sein Auge, aber diese geringe Strecke muss dann halt ausreichen um das Flugzeug herumzureissen. Anders geht es nicht, kann es auch nicht gehen...

0 LutzBrux 05.06.2012, 11:03 Uhr

Sehr schöne, elegante...

Sehr schöne, elegante akademische Spiegelfechterei. Was bleibt ist die Tatsache, dass sehenden Auges Hunderte Milliarden Euros zugesagt werden um die Griechen zu halten, beim nächsten Kandidaten wird es schon knifflig (will sagen: untragbar). Es hat aber bisher noch kaum eine Diskussion darüber gegeben, was es uns (Deutsche), die (andere Europäer) und uns (alle Europäer) kosten wird, falls die Griechen gehen und alle anderen, die sich an den Fleischtöpfen laben wollen, wahlweise wenn wir (Deutschen) gehen.

0 tricky1 05.06.2012, 09:49 Uhr

Leider stimmt was Hr....

Leider stimmt was Hr. Straubhaar schreibt: "Folglich kann es in der Ökonomik anders als in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften - keine immer richtigen Naturgesetze oder abschließenden exakten Wahrheiten geben". Das wird allerdings von den meisten Experten seines Fachs nicht zugegeben und viele haben nicht die geringsten Bedenken, ihre Modelle im falschen Zeitpunkt am unzutreffenden Exempel anzuwenden. Niemand ist in der Lage, mit hinreichender Genauigkeit Kosten und Nutzen diverser Strategien für Griechenland auszurechnen, und zwar nicht einmal im Nachhinein, geschweige denn im Voraus. Ich habe damals nicht begriffen, warum die EU-Politiker eine Referendumsabstimmung der Bevölkerung Griechenlands abgewürgt haben. Man hätte heute schon ein hoffentlich klares Ergebnis, denn auch der nächste Wahlgang wird keine klare Mehrheit hervorbringen.