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Spanien: Eine schlechte Auktion ist eine gute Nachricht

Spanien hat am Dienstag bei der Versteigerung kurzlaufender Schatzwechsel sehr hohe Renditen zahlen müssen. Die Börsianer freuen sich trotzdem. Von Gerald...

Spanien hat am Dienstag bei der Versteigerung kurzlaufender Schatzwechsel sehr hohe Renditen zahlen müssen. Die Börsianer freuen sich trotzdem.

Von Gerald Braunberger

Das Königreich Spanien hat am Dienstag für 3 Milliarden Euro Schatzwechsel versteigert. Die Renditen von 5,07 Prozent für einjährige Papiere und von 5,11 Prozent für eineinhalbjährige Papiere sind für solche Laufzeiten sehr hoch und wurden im Falle Spaniens zuletzt im November 2011 erreicht. Zum Vergleich: Zweijährige Papiere des Bundes rentieren derzeit mit 0,05 Prozent. Als Spanien zuletzt so hohe Renditen für Kurzläufer zahlen musste, reagierte bald die EZB. Obgleich am Dienstag Gerüchte über Anleihekäufe der EZB am Markt kursierten, spricht nicht viel dafür: Die Zentralbank hat schon seit längerer Zeit keine Staatsanleihen mehr am Markt gekauft und auch deutlich kommuniziert, dass sie solche Käufe nicht beabsichtige. Der nächste Markttest steht am Donnerstag bevor. Dann will Spanien mehrjährige Anleihen versteigern.

Und doch war die Stimmung am Dienstag gut an den Märkten. Die Renditen für mehrjährige Staatsanleihen aus Spanien und Italien sanken um 10 bis 15 Basispunkte. Damit rentierte die zehnjährige spanische Anleihe wieder knapp unter 7 Prozent und die zehnjährige italienische Staatsanleihe wieder unter 6 Prozent. Im Nachmittagshandel begannen dann auch die Aktienmärkte in Europa zu steigen. Der Dax lag im Nachmittagshandel mit 1,8 Prozent im Plus, der Euro-Stoxx-50 mit 2 Prozent. Der Ibex-Index für 35 führende spanische Aktien gewann am Dienstag knapp 3 Prozent; seit Anfang Juni hat der Index um rund 11 Prozent zugelegt.

Umgekehrt stiegen die Renditen von Papieren mit besonders hoher Bonität wie etwa deutschen Bundesanleihen um 10 bis 15 Basispunkte. Auch ein unerwartet schlechter ZEW-Konjunkturindex aus Deutschland konnte die Stimmung so wenig trüben wie die Prognose eines Anlagemanagers einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, der erhebliche Existenzrisiken für den Euro sieht.  

Diese sehr kurzfristigen Schwankungen zwischen Risikofreude und Risikoscheu sind für diese Krise typisch geworden. Nachdem man sich in den vergangenen Jahren an bedeutende kurzfristige Kursausschläge bei Aktien gewöhnt hatte, trifft es nun auch Anleihen. In den vergangenen zwei Wochen waren tägliche Schwankungen um 50 bis 60 Basispunkte bei manchen Staatsanleihen zu beobachten. Vielen Anlegern fehlt angesichts der sehr großen Unsicherheit eine klare langfristige Orientierung. Sie warten daher ab. An manchen Anleihemärkten im Süden sind nur noch geringe Umsätze zu beobachten. Dadurch gerät die Preisbildung immer stärker unter den Einfluss des an technischen Modellen ausgerichteten Programmhandels. Dagegen ist zu hören, dass große deutsche Fondsgesellschaften im bisherigen Jahresverlauf gegenüber dem Vorjahr Rückgänge um 20 Prozent und mehr im Geschäft mit deutschen Aktien verzeichnen.

Worauf beruhte die Zuversicht am Dienstag? In erster Linie auf vagen Hoffnungen durch zusätzliche geldpolitische Stimuli. Demnach dürfte eine Eintrübung der deutschen Konjunkturaussichten der EZB eine Leitzinssenkung erleichtern. Vor allem aber nimmt an den Finanzmärkten die Erwartung zu, dass sich die Fed doch noch zu einem dritten geldpolitischen Lockerungsprogramm (“QE3″) entschließen könnte. Die spanische Auktion von Schatzwechsel wurde sogar leicht positiv bewertet, weil die Nachfrage nach den Papieren sehr stark gewesen sei: So wird auch eine schlechte Auktion noch zu einer guten Nachricht. Hoffnung gibt es auch auf eine rasche Regierungsbildung in Griechenland. Tatsache bleibt, dass unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkte gerade in Europa Aktien mancher guter Unternehmen nach traditionellen Kriterien sehr niedrig bewertet sind. Derzeit aber stehen die Börsen vor allem im Banne der Politik. Insofern wäre es nicht erstaunlich, wenn die Stimmung schon morgen wieder drehte.

Update: Die “Financial Times” berichtet von einer Konferenz aus Monaco, dort habe der Hedgefondsmanager – und FT-Kolumnist – Gavyn Davies berichtet, alle Analysemodelle von Hedgefonds zeigten eine deutliche Überbewertung von Bundesanleihen an. Deren Rendite dürfte in den kommenden Monaten deutlich steigen. In einem anderen Bericht weist die “Financial Times” darauf hin, dass viele Hedgefonds in der Euro-Krise schlecht agiert hätten und dass sich die gesamte Branche seit zwei Jahren schwer tue, Geld zu verdienen.

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