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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Wie kommt Italien aus der Krise?

| 13 Lesermeinungen

Italien will den Rettungsschirm in Anspruch nehmen können, ohne Bedingungen zu erfüllen. Patrick Bernau ist dagegen. Aber was soll Italien dann tun?

Italien will den Rettungsschirm in Anspruch nehmen können, ohne Bedingungen zu erfüllen. Patrick Bernau ist dagegen. Aber was soll Italien dann tun?

Beim EU-Gipfel hat Italiens Ministerpräsident Mario Monti durchgesetzt, dass der Rettungsschirm italienische Staatsanleihen kaufen kann, ohne dass Italien starke Bedingungen erfüllen muss. In einem Kommentar habe ich dagegen argumentiert. Ein Leser hat daraufhin die oft diskutierte Frage gestellt:

Geschlossener Laden in Italien - Foto: dapd“Italien hat nach dem Abgang von Berlusconi seine, die von Deutschland und der EU vorgeschriebenen Hausaufgaben richtig und gut gemacht. Der „Spread” hat trotz dieser rigorosen Maßnahmen nicht nachgelassen sondern findet sich sogar mit steigender Tendenz. Zu diesem Thema hätte ich Ihre Lösung gerne gelesen.”

Meine Antwort hat drei Teile.

a) Italiens Zinslast ist aus meiner Sicht noch lange nicht untragbar. Das Land ist stärker, als seine Politiker es machen. Die Regierung nimmt zu den hohen Zinsen nur sehr langsam neue Kredite auf – die hohen Spreads werden im Haushalt also nur langsam wirksam. Zudem hat Italien bewiesen, dass es auch mit hohen Realzinsen umgehen kann. Italiens Zinsen waren vor der Euro-Einführung noch höher als heute – wohlgemerkt: die Realzinsen, die Inflation ist schon berücksichtigt.

b) Das gibt Italien Zeit, über nachhaltige Reformen selbst den Haushalt auszugleichen. Ich warte in der Eurokrise schon eine Weile darauf, dass Sparpakete nicht auf Kante genäht, sondern üppig geplant werden. Bislang sind sie aber immer knapp geplant worden. Solange das geschieht, bleiben wir in dem bekannten Teufelskreis: Das Sparpaket kommt, die Wirtschaft stürzt in eine Rezession, die Steuereinnahmen sinken – und das Defizit wird nicht ausgeglichen, also werden neue Sparpakete nötig. Besser wäre es, ein üppiges Sparpaket zu beschließen, das auch dann noch funktioniert, wenn die Steuereinnahmen zurückgehen. Zum Beispiel könnten Vermögen stärker besteuert werden.

c) In der Tat haben die EU-Institutionen offenbar Druck auf Italien gemacht, zu Reformen zu kommen. Das stand nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Anleihekäufen durch die EZB. Aus dieser Prozedur schließe ich nicht, dass die EU weiterhin zahlen muss. Aber selbst wenn Sie zu diesem Schluss kommen, bleibt die Frage: Waren die Reformen so stark wie angekündigt? Unser Korrespondent berichtet, dass beispielsweise die wichtigen lokalen Versorgungsunternehmen ausgenommen worden sind und der Arbeitsmarkt noch lange nicht reformiert ist.

Es gibt viele andere Antworten. Was ist Ihre?

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13 Lesermeinungen

  1. Lieber Herr Bernau,

    Sie...
    Lieber Herr Bernau,
    Sie schreiben : “Wenn man jedes Sparpaket auf Kante näht und dann – huch! – überrascht ist, dass eine Rezession kommt, dann muss man wieder eines schnüren. Und dann kommt – huch! – noch eine.”
    Damit verkennen Sie die Lage. Denn es ist ja nicht so, dass ein Staat spart und dass dann — zufällig (“huch”)— eine Rezession eintritt : huch, so ein Mist, jetzt hätte ich mehr sparen müssen.
    Anders herum wird ein Schuh daraus : es sind die Sparanstrengungen, die die Krise generieren oder verschärfen. Mehr Sparen hat hier gar keinen Sinn. Dies ist Brüning-Politik anno 1930 . Man weiß, was danach kam.
    Man hat den Eindruck, in der deutschen Publizistik sei die Erkenntnis noch nicht angekommen, dass ein Staatshaushalt sich nicht mit einem Privathaushalt vergleichen läßt. Das geflügelte Wort von den Staaten, die über ihre Verhältnisse leben, zieht seine ganze Schlagkraft aus dieser zum großen Teil falschen Voraussetzung. Als Privatmann bin ich persönlich durchaus gegen das Schuldenmachen, wo es irgend geht : und ich schraube meine Bedürfnisse herunter, wenn meine Einkommensverhältnisse sich verchlechtern. Ein Staat arbeitet aber nicht so.
    Insbesondere keinen Sinn hat das Sparen aber dann, wenn alle anderen auch sparen. Sparanstrengungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie in dieser internen Deflation alleine sind, wären die anderen expandieren: so werden sie in der Tat kompetitiv. Prozyklische Politik aber ist Unsinn.
    Nicht vergessen : kompetitiv wird ein Land dadurch, dass es eine effiziente Verwaltung besitzt (ein aufgeblähter Apparat kann in der Tat abgespeckt werden), aber auch eine gute Infrastruktur, gute Bildungseinrichtungen, usw usf; hier darf der Staat nicht sparen…
    Im Gegenteil, wie der Erfolg des New Deal zeigt. Oder auch das Wirtschaftsprogramm des Dritten Reichs, leider leider. Die gestiegenen Staatsausgaben (Rüstung !) haben D damals schneller aus der Krise geholfen als das sparende Frankreich (1934/5 : Kürzung aller Beamtengehälter um 10%, usw…. : Ergebnis Frankreich hatte von allen europäischen Staaten die längste Rezession in den dreißiger Jahren).
    Herzliche Grüße nach Frankfurt
    V.

  2. @Patrick Bernau:
    .
    Italien hat...

    @Patrick Bernau:
    .
    Italien hat die Konvergenzkriterien damals nur dank der glücklichen Hand der Regierung Prodi geschafft. Kaum war der Beitritt zum Euro gesichert war es für Herrn Prodi vorbei.
    .
    Bei Hr. Monti sind die Einschnitte viel gravierender und dementsprechend wird seine Amtsdauer noch viel kürzer sein.

  3. Da stimme ich Ihnen völlig...
    Da stimme ich Ihnen völlig zu, lieber Tricky1. (Bis auf den letzten Satz.) Am besten wäre es, die Staaten würden so sparen, wie sie sich mit ihren Kreditgebern einigen können. Ohne Einmischung von außen. Wenn Italien und Co. aber andere Leute hinzuziehen, sind die anderen halt plötzlich mit drin.

  4. Ich denke nicht dass man als...
    Ich denke nicht dass man als Aussenstehender konkrete Ratschläge geben soll. Wenn man zudem liest wie gewisse Zeitungen über Regierung und Bevölkerung der zahlenden Nation schreiben erst recht nicht.
    .
    Hr. Monti weiss bestimmt selber hinreichend genau was zu tun wäre. Was davon innenpolitisch realisierbar war ist äusserst bescheiden und reicht nirgendwo hin. Dennoch wetzen seine innenpolitischen Gegener bereits die Messer.
    .
    Ich denke nicht, dass er genügend Zeit haben wird um das Ruder gründlich herumzuwerfen.

  5. Lieber Vult,

    es ist aus...
    Lieber Vult,
    es ist aus meiner Sicht nicht mal nötig, dass die Zinsen so rasch fallen, wie Canabbaia sagt. Italien kann diese Zinslast eine Weile tragen, während die Reformen beginnen zu wirken. Die umgekehrte Reaktion haben wir jedenfalls schon oft gesehen: Sobald der Zinsdruck nachlässt, sind auch die Reformanstrengungen weg.
    Nach meinem Dafürhalten ist der “Teufelskreis”, den Sie beschreiben, nur ein Ergebnis mangelnder Planung. Wenn man jedes Sparpaket auf Kante näht und dann – huch! – überrascht ist, dass eine Rezession kommt, dann muss man wieder eines schnüren. Und dann kommt – huch! – noch eine. So wird das nichts. Wenn die Sparpakete von vornherein genug Luft lassen, so dass sich der Haushalt auch im Fall einer Rezession stabilisiert: dann ist der Teufelskreis plötzlich weg.

  6. @ vult:
    da "auch...

    @ vult:
    da “auch einschneidende Veränderungen nur langfristig wirksam sein können, muss doch der kurz- und mittelfristige Druck von den Staaten genommen werden”.
    Typischer Fehlschluss des deutschen Helfersyndroms. Wenn die Finanzmärkte sehen, dass energisch reformiert wird, werden auch die Zinsen fallen!

  7. Italien wird wie alle anderen...
    Italien wird wie alle anderen Volkswirtschaften dieser untergehenden Welt nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform aus der Krise kommen:
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

  8. Sehr geehrter Herr bernau,

    zu...
    Sehr geehrter Herr bernau,
    zu Ihren Ausführungen liesse sich vieles sagen, hier aber erst einmal zwei Einwände :
    1. Einwand : “die notwendigen Strukturreformen”…
    Durch den hohen Zins, den die Länder des europäischen Südens auf die Staatsanleihen zahlen, wird, so argumentieren einige, ein “heilsamer” Reformdruck verursacht…. Nun, Reformen mögen durchaus notwendig sein, aber da auch einschneidende Veränderungen nur langfristig wirksam sein können, muss doch der kurz- und mittelfristige Druck von den Staaten genommen werden. Oder soll Italien z.B. zehn Jahre lang Aufschläge zahlen, wodurch die Staatsschulden nur immer größer werden, wo doch das in die Zinsen verschleuderte Geld benötigt wird, um die Reformen einzuleiten…
    Ich sehe den ökonomischen und politischen Sinn nicht, die Reformen dadurch scheitern zu lassen, dass man ihre Einführung ökonomisch und politisch immer schwerer durchsetzbar macht
    2. Einwand : “exzessives Sparen in der Krise”…
    verschärft nur die Krise, mit dem Teufelskreis, den Sie beschrieben haben : Einbruch der Wirtschafichen Kraft, also Einbruch der Steuereinnahmen, also Verschärfung des Schuldenstands etc. D.h. dies wird für alle Betroffenen immer teurer, statt dass entschiedenes antizylisches Handeln nun gefordert ist durch ein konsequentes Wachstumsprogramm. Es helfen ja alle Reformen etwa auf dem italienischen Arbeitsmarkt nicht, wenn in einem dergestalt liberalisierten Arbeitsmarkt die Zahl der Erwerbstätigen nicht steigt, weil die Unternehmen durch die andauernde Krise gar keinen Bedarf nach neuen Arbeitskräften haben.
    Nicht vergessen : die Krise ist insbesondere eine Krise der Nachfrage (dies erklärt z. B. den derzeitigen Preisverfall der Rohstoffe, insbesondere des Erdöls), da hilft einfaches Ausbessern der Angebotsseite derzeit wenig.
    freundliche Grüße
    Vult

  9. Ich sehe die Situation um...
    Ich sehe die Situation um Italien ähnlich wie Sie. Es ist richtig, die Erwartungen haben sich mit Montis Amtsantritt nicht so recht erfüllt. Denn wirkliche, tiefgreifende Reformen kamen (bis jetzt) auch unter Monti nicht zustande. Die Gründe liegen vor allem bei den innenpolitischen Gegnern (äußerst mächtige Gewerkschaften) und an dem Umstand, dass Monti nunmal kein “echter” Politiker ist und nur von einigen Parteien “toleriert” wird.
    Dennoch bin ich überzeugt, dass echte und vor allem wirkungsvolle Reformen möglich sind, damit Italien (auch auf Spanien lässt sich die Situation beziehen) aus der Krise findet. Dass strukturelle Probleme dringendst gelöst werden müssen, lässt sich aber nicht nur auf Italien, sondern im Prinzip auf halb Europa beziehen. Gerade von der deutschen Opposition wird ja häufig angemerkt, dass sparen in der Krise diese noch verschlimmere.
    Allerdings wird anscheindend oft (mutwillig) vergessen, dass Reformen nicht zwangsweise mit scharfen sozialen Einschnitte einhergehen. In Italien wurde halbherzig begonnen den Arbeitsmarkt ein wenig flexibler zu gestalten, allerdings wurde von jeglichen Umstrukturierungen innerhalb der Justiz abgesehen. Somit besteht zwar erstmals die Möglichkeit, dass Arbeiter wegen konjunktureller und/oder unternehmerischer Schieflage entlassen werden können, trotzdem muss nach wie vor ein zuständiges Gericht darüber urteilen, ob die Entlassung gerechtfertig ist. Und da so ein Urteil gut und gerne bis zu zehn! Jahre dauern kann, ist der Arbeitsmarkt nach wie vor stark verkrustet.
    Das ist nur ein Beispiel und nur ein Teilgebiet, auf dem Reformen und Umstrukturierungsmaßnahmen dringenst erforderlich wären – nicht nur in Italien. Doch anstatt entschlossen zu reformieren, wird immer und immer wieder zusetzliche Hilfen (Geld) verlangt, die den Krisenländern kurzfristig Linderung geben, jedoch nur kurz die Probleme des Landes verdecken. Mittelfristig werden diese allerdings wieder aufbrechen und dann mit noch größerer Wucht das Land (und Europa) erschüttern.
    Wenn wir als Staatengemeinschaft auch in Zukunft noch bestand haben wollen, dann sollten wir (Deutschland und alle anderen noch soliden Länder) den Krisenstaaten erklären, dass eine dauerhafte Alimentierung Deutschland überfordern wird und somit Europa als Ganzes geschwächt wird. Als Ausweg muss allen klar werden, dass die Länder endlich wieder wettbewerbsfähig werden müssen – und das kann nur mithilfe von Reformen funktionieren!

  10. I've read the following in the...
    I’ve read the following in the media
    1. Italy’s major problem is its accummulated debt of €1,9Trillion
    2. The Mafia takes €100B a year out of the Italian economy.
    3. I see on TV that there seem to be mass arrests of Mafiosi in Italy these days. Is it a coincidence that there is apparently a big increase in money from Italy going abroad into countries to buy very expensive property in top locations.
    Is Monti going after the Mafia’s money?

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