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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Warum Banken immer größer werden

Die Forderung ist populär: Eine Bank darf nicht so groß sein, dass ihr Untergang die Gesamtwirtschaft beschädigt. Banken besitzen jedoch einen natürlichen Drang zur Größe. Und der Begriff Systemrelevanz ist nicht klar definiert. Der Sonntagsökonom von Gerald Braunberger

Die Forderung ist populär: Eine Bank darf nicht so groß sein, dass ihr Untergang die Gesamtwirtschaft beschädigt.  Banken besitzen jedoch einen natürlichen Drang zur Größe. Und der Begriff Systemrelevanz ist nicht klar definiert.

Von Gerald Braunberger

Die Debatte, ob Banken so groß werden dürfen, dass ihr Zusammenbruch erheblichen gesamtwirtschaftlichen Schaden verursachen würde, lässt sich nicht unterdrücken. Ein denkbarer Weg bestünde in einem ersten Schritt darin, das Prinzip der Universalbank aufzugeben und das Investmentbanking vom traditionellen Geschäft zu trennen. Dafür tritt aktuell der Vorstandsvorsitzende des großen Rückversicherers Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, ein. Auch mehrere Regierungen, darunter in Frankreich und in Großbritannien, denken an eine solche Trennung, die in der Weltwirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten verwirklicht worden war.

Nur Illustration: Alfons Holtgreve muss man wissen, dass eine solche Trennung schwere Krisen von Banken mit unliebsamen Folgen für die Gesamtwirtschaft nicht immer verhindern kann. Lehman Brothers war eine reine und nicht einmal übermäßig große Investmentbank, deren Zusammenbruch weitreichende Folgen besaß. Die Schwierigkeiten der spanischen Banken und Sparkassen sind wiederum im klassischen Kreditgeschäft zu suchen und nicht im hochgezüchteten Investmentbanking.

Mit dem Wesen und den Problemen großer Banken haben sich kürzlich internationale Ökonomen auf einer Tagung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) befasst. Sie haben eine Reihe von Ergebnissen präsentiert, die für die Debatte um eine geeignete Regulierung großer Banken wichtig sind. Eine Reihe dieser Erkenntnisse sei nachfolgend erwähnt.

1. Ein Trend zur Größe ist natürlich. Es gibt ökonomische Gründe, die das starke Wachstum von Banken in den vergangenen 15 Jahren erklären. Ein Grund ist die starke Ausweitung der privaten Verschuldung in vielen Ländern. Ein weiterer Grund erklärt sich aus den hohen Fixkosten von Banken, unter denen große Häuser weniger leiden als kleine.

2. Die Erwartung, dass große Banken in einer schweren Krise vom Staat gerettet würden, stellt in der Praxis eine indirekte Subvention dieser Banken dar, da sie dank dieses Privilegs sich billiger refinanzieren können als andere Banken. Ökonomen versuchen, diese Vorteile mit Blick auf unterschiedliche Ratings für systemrelevante und nicht-systemrelevante Banken zu schätzen, die sich in unterschiedlichen Finanzierungskosten niederschlagen. Der Unterschied wird auf 60 Basispunkte Ende 2007 und 80 Basispunkte Ende 2009 zugunsten der systemrelevanten Banken geschätzt. Dadurch wird das weitere Wachstum dieser Banken noch zusätzlich befördert. Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass eine Zerschlagung sehr großer Banken, wie von Bomhard sie fordert, für einen intensiveren Wettbewerb sorgen würde.

3. Weil Größe mit wirtschaftlichen Vorteilen einhergeht, begünstigt der Drang nach Größe Fusionen und Übernahmen und damit die Konzentration im Bankwesen. Nach Berechnungen der Bank of England vereinigten die drei größten britischen Banken im Jahr 1999 gut 40 Prozent der Einlagen aller britischen Banken auf sich. Im Jahr 2009 lag dieser Anteil bei knapp 90 Prozent.

4. Man muss die Größe von Banken nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zur wirtschaftlichen Stärke ihres Heimatlandes sehen. Dies ist sehr wichtig für die Definition einer „systemrelevanten” Bank. Die erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die Island und Irland als Folge der Schwächen ihrer Banken gerieten, verdeutlichen die Anfälligkeit gerade kleiner Länder, die große Banken beherbergen. Spürbar ist dieser Effekt auch in Ländern wie Belgien und der Schweiz gewesen.

5. Aber auch größere Länder sind nicht immun gegen Schwächeanfälle ihrer Banken. Wiederum eignet sich Großbritannien als ein Beispiel: Entsprach die Bilanzsumme der britischen Banken im Jahr 1999 rund 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes, so lag das Verhältnis im Jahr 2009 bei etwa 520 Prozent. Spanien hat Hilfe seiner Partner angefordert, weil sich die Regierung nicht in der Lage sieht, die Sanierung der Banken und Sparkassen alleine zu bewältigen.

6. Große Banken sind im Aktiv- wie im Passivgeschäft stärker an Kapitalmärkten tätig als kleinere Banken. Im Aktivgeschäft zeigt sich dies an einem relativ hohen Verhältnis von erworbenen Wertpapieren im Vergleich zu vergebenen Krediten. Im Passivgeschäft zeigt sich dies in Gestalt einer Refinanzierung, die neben Einlagen auch auf die Aufnahme von Geldern. Daneben spielen Gebühreneinnahmen für große Banken einen wichtigere Rolle als für kleine Banken.

7. Das Wachstum der großen Banken mag im Interesse ihrer Manager gelegen haben, sofern deren variable Vergütung von der Größe der Bank abhängig war. Ob die Aktionäre davon profitiert haben, ist nach dem bisherigen Forschungsstand nicht wirklich klar.

8. „Systemrelevante Bank” ist ein schillernder Begriff, der klar definiert werden muss. Ein Kriterium für Systemrelevanz ist die schiere Größe einer Bank, aber weder lässt sich eine kritische Schwelle klar definieren noch ist der Verweis auf Größe ausreichend. Regulierer, die in purer Größe ein Problem sehen, müssten arbiträr eine maximale Größe für eine Bank definieren. Ein zweites Kriterium für Systemrelevanz bildet das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Das Risiko einer Bank wächst dann mit dem Anteil des Fremdkapitals. Regulierer versuchen gegen dieses Risiko durch Mindestvorschriften für die Eigenkapitalausstattung einer Bank vorzugehen. Drittens ist von Bedeutung, wie sich Banken mit Fremdkapital versorgen. Bankeinlagen von Privatkunden sind zuverlässiger als die kurzfristige Aufnahme von Mitteln am Kapitalmarkt. Ökonomen entwerfen derzeit Kennzahlen, das aus einer sich wandelnden Kapitalstruktur entstehende Risiko einer Bank zu messen.

9. Am Ende des Tages ist Systemrelevanz keine feststehende Größe, sondern abhängig vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Eine hohe Abhängigkeit von kurzfristigen Geldaufnahmen an den Märkten mag in normalen Zeiten problemlos sein, während sie in Krisen so gut wie unmöglich werden kann – wie derzeit vor allem griechische, spanische und portugiesische Banken erfahren. Darauf folgt zum einen, dass Regulierung auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld achten und Konjunkturveränderungen in das Regelwerk einbauen muss. Eine viel diskutierte Möglichkeit ist die Festlegung von mit dem Konjunkturzyklus schwankenden Mindestquoten für die Eigenkapitalausstattung großer Banken.

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Banks – how big is big enough? Konferenz im Mai 2012.

Der Beitrag ist der Sonntagsökonom aus der F.A.S. vom 22.7.2012.

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