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Italien braucht keinen Bail-out, sondern Privatisierungen

13.08.2012, 19:47 Uhr  ·  Italien braucht im Unterschied zu Spanien keinen Bail-out, sagt der Ökonom Francesco Giavazzi. Italien sollte Staatseigentum privatisieren und bis zu den nächsten Wahlen keine mittel- und langfristigen Anleihen begeben. Von Gerald Braunberger

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Italien braucht im Unterschied zu Spanien keinen Bail-out, sagt der Ökonom Francesco Giavazzi. Italien sollte Staatseigentum privatisieren und bis zu den nächsten Wahlen keine mittel- und langfristigen Anleihen begeben.

Update: Der französische Ökonom Charles Wyplosz widerspricht Giavazzi. Die Lage Italiens sei viel ernster.

Von Gerald Braunberger

 

Francesco Giavazzi ist ein bekannter italienischer Ökonom und Berater Mario Montis. In einem aktuellen Gastbeitrag für die englischsprachige Ökonomenplattform www.voxeu.org stellt er die folgenden Einschätzungen heraus:

 

1. Italien ist nicht Spanien. Spanien wird ein Hilfsprogramm brauchen, Italien nicht.

2. In Italien gibt es im Unterschied zu Spanien keine Krise am Immobilienmarkt. Daher sind die italienischen Banken nicht so schwach wie die spanischen.

3. Italiens Staatsschuld ist zwar mit 123,6 Prozent des BIP sehr hoch. Italien verzeichnet in seinem Staatshaushalt aber aktuell einen bedeutenden Primärüberschuss von gut 3 Prozent des BIP, während Spanien ein Primärdefizit ausweist. *)

4. Die italienische Leistungsbilanz ist in etwa ausgeglichen, die spanische im Defizit.

5. Ein Hilfsprogramm für Spanien würde den italienischen Anleihemarkt belasten. Zur Entlastung empfiehlt sich:

6. Bis zu den Wahlen im Frühjahr 2013 werden mittel- und langfristige italienische Staatsanleihen über rund 100 Milliarden fällig. Diese sollten nicht durch die Ausgabe ähnlicher Papiere erneuert werden.

7. Stattdessen sollte Italien ein Privatisierungsprogramm beschließen. Verkauft werden sollten nicht nur Anteile an börsennotierten Unternehmen, sondern auch Immobilien.

8. Da die Privatisierungen Zeit erfordern, ist eine vorübergehende Brückenfinanzierung des Zentralstaats durch die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti notwendig.

 

UPDATE: Der französische Ökonom Charles Wyplosz hat Giavazzi in einem ebenfalls auf www.voxeu.org erschienenen Beitrag widersprochen: Italiens Lage sei bereits weitaus ernster als Giavazzi meine. Wyploszs schwarzes Szenario erklärt sich nicht unwesentlich mit seiner kritischen Haltung gegenüber Austeritätspolitik.

 

*) Zur Berechnung der Primärbilanz vergleicht man die Staatseinnahmen mit den Staatsausgaben ohne die Zinsausgaben. Sie ist ein von Ökonomen häufig verwendeter Indikator für die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung eines Landes.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)
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0 tricky1 14.08.2012, 08:46 Uhr

Zweifellos ist die Situation...

Zweifellos ist die Situation in den verschiedenen PIGS Ländern ganz unterschiedlich. Italien könnte vermutlich durch Privatisierungen den Kopf nochmals aus der Schlinge ziehen, aber ich sehe nicht wie die in Punkt 8 geschilderte Brückenfinanzierung funktionieren sollte. . Ausserdem müsste Italien den Arbeitsmarkt liberalisieren, was angesichts der politisch Lage sehr unwahrscheinlich scheint. . Der Regierung Monti läuft die Zeit davon!

0 FAZ-gb 13.08.2012, 21:47 Uhr

Der italienische Staat ist...

Der italienische Staat ist unter anderem an den seit vielen Jahren börsennotierten Konzernen Eni (Ölkonzern) und Enel (Stromkonzern) mit jeweils rund 30 Prozent beteiligt.
Der aktuelle Börsenwert der Eni beträgt rund 70 Milliarden Euro (etwas mehr als Siemens), der von Enel rund 23 Milliarden Euro (das entspricht dem Wert der Deutschen Bank). Die beiden Unternehmen sind auch sehr stark international tätig; ein Verkauf der Anteile an internationale Investoren wäre fraglos möglich, wenn auch vielleicht nicht auf einen Schlag.
Der Verkauf von Immobilien wäre natürlich aufwendiger.
Gruß
gb.

0 EgonOne 13.08.2012, 21:24 Uhr

Angenommen man macht das mit...

Angenommen man macht das mit der Privatisierung; dann aber frage ich wer wohl was kauft? Wuerden die guten Buerger von Bella Italia ihre Geld in die zu privatisierenden Unternehmen stecken? Italienische Volksaktien -- wie damals mit Deutsche Telekom in der BRD? Wuerde man internationalen Megacorporations erlauben Kontrolle zu kaufen? Wuerde man es begruessen wenn Hedgefunds ihr Kapital dort investieren wuerden? iele Plaetze in der Welt (China) schwimmen in Geld und suchen versprechende Investitationen. Dazu fragt man sich wie man den "Marktwert" eines staatlichen Untenehmens oder Organisation etabliert? Kann man sich auf deren Buchhaltung verlassen?. Oder muessen wir warten was die Rating Agencies sagen?. Mein erster Eindruck ist, nun ja "Gute Idee". Aber wie in so Vielem im Leben "der Teufel ist in den Details." Let's see if anything comes of this? I have doubts. Pax vobicum

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.