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Neues vom barbarischen Relikt

29.08.2012, 16:04 Uhr  ·  Gold ist wunderschön. Es mag auch als Kapitalanlage geeignet sein, solange man sich der Risiken bewusst bleibt. Als Währungsmetall gehört Gold jedoch in die Zeit der Postkutsche und der Dreifelderwirtschaft. Dort sollte es auch bleiben. Von Gerald Braunberger

Von

Gold ist wunderschön und vielleicht auch als Kapitalanlage geeignet. Als Währungsmetall gehört es jedoch in die Zeit der Postkutsche und der Dreifelderwirtschaft. 

Von Gerald Braunberger

Die amerikanischen Republikaner wollen eine Arbeitsgruppe einsetzen, die sich mit einer Goldwährung befassen soll. Das weckt Erinnerungen an den im Nachhinein oft verklärten Goldstandard, ein untergegangenes Währungssystem, das John Maynard Keynes *) indessen schon im Jahre 1923 in einer berühmten Passage als “barbarisches Relikt” bezeichnet hatte.

Wer wissen will, warum goldbasierte Währungen in unserer Zeit nichts zu suchen haben, findet hier zwei nützliche Links:

http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/08/26/golden-instability/ 

http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100019683/the-monetary-maginot-of-the-gold-standard/

 

*) Gelegentlich wird behauptet, Keynes habe das Gold als “barbarisches Relikt” bezeichnet. Das ist unzutreffend. Keynes hatte nichts gegen Gold, in seinem eigenen Modell eines Währungssystems für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hätte Gold sogar einen bescheidenen Platz gefunden. Als barbarisches Relikt bezeichnete Keynes ein Währungssystem, das wesentlich auf Gold basiert hatte.

 

Veröffentlicht unter: John Maynard Keynes, Paul Krugman, Goldstandard

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (14)
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0 rum 02.09.2012, 17:03 Uhr

Der Propagandist für die...

Der Propagandist für die Manipulationswährung (und gegen Goldwährung hartnäckig), Barry Eichengreen, hat kein Problem mit 4% offizieller Inflationsrate: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/oekonom-barry-eichengreen-deutschland-kann-mit-vier-prozent-inflation-gut-leben-11875830.html

0 rum 01.09.2012, 16:31 Uhr

Waren wir in einem goldenen...

Waren wir in einem goldenen Käfig? Sind wir jetzt mit dem Manipulatiossystem mit Geschäften auf dem offenen Markt frei? Warum wird so hartnäckig eine Goldwährung, die nicht mal richtig existierte, schlecht gemacht und der Krise von 1929 beschuldigt? Weil die Befürworter des heutigen geräuschlosen Systems, das uns einschleichend aufgezwungen wurde, ein Feinbild und einen Sündenbock brauchen? Keynes Rede war wahscheinlich aus 1931, aus einer Zeit, in der die Geldpolitik besondere Maßnahmen brauchte: sie kann nicht als ein ernstes Argument gegen die Goldwährung gehalten werden.

0 FAZ-gb 31.08.2012, 21:53 Uhr

Eines der wenigen Videos mit...

Eines der wenigen Videos mit Keynes im Original: http://www.youtube.com/watch?v=U1S9F3agsUA

0 rum 31.08.2012, 13:48 Uhr

"Außerdem nahm Deutschland...

"Außerdem nahm Deutschland zu viele Auslandskredite auf, um seine Reparationen zu zahlen" schreibt Ahamed. Das stimmt nicht. Man sollte eher sagen: "Deutschland zahlte Reparationen mit Devisen aus Auslandskrediten". Die Krediten waren aber nicht dafür, sondern lediglich eine Folge des Zinsgefälles. Gold und Devisen kamen durch die Krediten, nicht nur vom Staat, sondern auch von Privaten, und gingen durch die Reichsbank zurück in das Ausland als Reparationszahlungen. Wie Sie sehen, normale, nachvollziehbare Marktwirtschaft, keine Geschichtserzählung. --- Interessant ist aber, Herr Braunberger, Ihre Frage: "Manche Kritiker meinen, die Geldpolitik sei in den zwanziger Jahren zu expansiv gewesen und habe so zu dem Zyklus von Hausse und Crash beigetragen, der dann zur Weltwirtschaftskrise führte. Stimmen Sie dem zu?" --- Dann frage ich jetzt: Und stimmen Sie zu, was manche Kritiker meinen?

0 FAZ-gb 31.08.2012, 12:59 Uhr

@rum Ein sehr gutes Buch über...

@rum Ein sehr gutes Buch über diese Epoche ist: Liaquat Ahamed: Die Herren des Geldes. FinanzBuch Verlag 2010. Hier ist ein Interview mit dem Verfasser: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/strategie-trends/im-gespraech-oekonom-liaquat-ahamed-es-gibt-keinen-weg-zurueck-zum-goldstandard-11013970.html

0 rum 31.08.2012, 12:48 Uhr

Auch der Zeitpunkt der Käufe...

Auch der Zeitpunkt der Käufe der FED sind aussagend. 1924 vor der Wiedereinführung der Noteneinlösung in England, also wahrscheinlich um Wechselkurse zu drücken, und 1927, nach dem Geheimtreffen von Strong mit Norman, Rist und Schacht in Rhode Island. Natürlich floss Gold nicht nur nach England, sondern auch nach Deutschland, was die Ursache der Krise von 1931 war, aber in Deutschland wirkte auch, dass hier die Zinsen nach der Inflation nie niedrig waren. Auf jeden Fall, gleichgültig was die Absichten bei den Geschäften auf dem Offenen markt war, sind die Folgen klar: Blase, Platzen der Blase, Krise. Warum wird immer wieder die Goldwährung dafür schuldig gemacht? Wahrscheinlich um die Manipulation mit Geschäften auf dem Offenen Markt zu verharmlosen.

0 rum 31.08.2012, 12:03 Uhr

Und selbstverständlich,...

Und selbstverständlich, niedrige Zinsen helfen, Gold abzuschreken und nach England zu schicken, und das erreicht man mit dem Hervorrufen von Blasen, die mal platzen können.

0 rum 31.08.2012, 11:54 Uhr

Ich muss mich oben...

Ich muss mich oben korrigieren. Was den Engländern helfen konnte, war Inflation in den USA. Abwertung ist ein Begriff, der Reserviert ist für die Änderung der Goldparität: selbstverständlich nicht mit Geschäften am offenen Markt zu erreichen. Und Aufwertung ist, was gegen Goldzufluss in die USA eher gewirkt hätte (wenn es nicht andere Nebenwirkungen hätte). Übrigens, deswegen wollten die USA "Aufwertung oder Inflation" von Deutschland in den 1960ern. Auf jeden Fall lohnt sich, auf solche Argumente einzugehen, denn Friedman und andere heutige Geschichtserzähler sind nicht überzeugend, wenn es darum geht, die Krise von 1929 in den USA zu erklären.

0 rum 31.08.2012, 10:57 Uhr

Milton Friedman erzählt...

Milton Friedman erzählt Geschichten, Harold James schreibt Wirtschaftsromane. Auf zwei Sachen hinweisen. (1) England führte 1925 die Goldeinlösung nach der alten Parität wieder ein, nachdem zwar die Dollarparität wieder erreicht wurde, aber die Kaufkraft des Pfundes hoffnungslos niedrig blieb, wegen Unfähigkeit der Wirtschaft und Unwille der Regierung zu einer restriktiveren Geldpolitik, so dass Gold abfloss bis die Notenauflösung 21.9.1931 eingestellt wurde. (2) Die FED spielte und experimentierte mit Geschäften am offenen Markt, und das machte man damals, um gegen die Wirkung der Goldbewegungen zu wirken. Abwertung in den USA, um eben die Kaufkraft des Dollars mit jener der Pfund anzunähern, half sicher die Engländer, ihre Goldreserven zu halten. Manche erzählen, genau das war die Absicht. Auf jeden Fall wird zu stark die Krise nach dem Platzen betont, und wenig die Blase vorher. Das geht so weit, dass Notenbanker wie Issing leugnen, dass eine Blase vor dem Platzen erkennbar sei. Während eine Gesunde Geldpolitik Blasen vom Anfang an ersticken sollte, sorgt die moderne Geldpolitik, dass Blasen entstehen und wachsen, aber so lange wie möglich leben, ohne zu platzen. Das klappt nicht immer.

0 FAZ-gb 30.08.2012, 16:04 Uhr

Und hier Harold James mit Ben...

Und hier Harold James mit Ben Bernanke (als Text): http://www.nber.org/chapters/c11482.pdf

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.