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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Neues vom barbarischen Relikt

| 14 Lesermeinungen

Gold ist wunderschön. Es mag auch als Kapitalanlage geeignet sein, solange man sich der Risiken bewusst bleibt. Als Währungsmetall gehört Gold jedoch in die Zeit der Postkutsche und der Dreifelderwirtschaft. Dort sollte es auch bleiben. Von Gerald Braunberger

Gold ist wunderschön und vielleicht auch als Kapitalanlage geeignet. Als Währungsmetall gehört es jedoch in die Zeit der Postkutsche und der Dreifelderwirtschaft. 

Von Gerald Braunberger

Die amerikanischen Republikaner wollen eine Arbeitsgruppe einsetzen, die sich mit einer Goldwährung befassen soll. Das weckt Erinnerungen an den im Nachhinein oft verklärten Goldstandard, ein untergegangenes Währungssystem, das John Maynard Keynes *) indessen schon im Jahre 1923 in einer berühmten Passage als “barbarisches Relikt” bezeichnet hatte.

Wer wissen will, warum goldbasierte Währungen in unserer Zeit nichts zu suchen haben, findet hier zwei nützliche Links:

http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/08/26/golden-instability/ 

http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100019683/the-monetary-maginot-of-the-gold-standard/

 

*) Gelegentlich wird behauptet, Keynes habe das Gold als “barbarisches Relikt” bezeichnet. Das ist unzutreffend. Keynes hatte nichts gegen Gold, in seinem eigenen Modell eines Währungssystems für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hätte Gold sogar einen bescheidenen Platz gefunden. Als barbarisches Relikt bezeichnete Keynes ein Währungssystem, das wesentlich auf Gold basiert hatte.

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14 Lesermeinungen

  1. @rum
    Ein sehr gutes Buch über...

    @rum
    Ein sehr gutes Buch über diese Epoche ist:
    Liaquat Ahamed: Die Herren des Geldes. FinanzBuch Verlag 2010.
    Hier ist ein Interview mit dem Verfasser:
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/strategie-trends/im-gespraech-oekonom-liaquat-ahamed-es-gibt-keinen-weg-zurueck-zum-goldstandard-11013970.html

  2. Auch der Zeitpunkt der Käufe...
    Auch der Zeitpunkt der Käufe der FED sind aussagend. 1924 vor der Wiedereinführung der Noteneinlösung in England, also wahrscheinlich um Wechselkurse zu drücken, und 1927, nach dem Geheimtreffen von Strong mit Norman, Rist und Schacht in Rhode Island. Natürlich floss Gold nicht nur nach England, sondern auch nach Deutschland, was die Ursache der Krise von 1931 war, aber in Deutschland wirkte auch, dass hier die Zinsen nach der Inflation nie niedrig waren. Auf jeden Fall, gleichgültig was die Absichten bei den Geschäften auf dem Offenen markt war, sind die Folgen klar: Blase, Platzen der Blase, Krise. Warum wird immer wieder die Goldwährung dafür schuldig gemacht? Wahrscheinlich um die Manipulation mit Geschäften auf dem Offenen Markt zu verharmlosen.

  3. Und selbstverständlich,...
    Und selbstverständlich, niedrige Zinsen helfen, Gold abzuschreken und nach England zu schicken, und das erreicht man mit dem Hervorrufen von Blasen, die mal platzen können.

  4. Ich muss mich oben...
    Ich muss mich oben korrigieren. Was den Engländern helfen konnte, war Inflation in den USA. Abwertung ist ein Begriff, der Reserviert ist für die Änderung der Goldparität: selbstverständlich nicht mit Geschäften am offenen Markt zu erreichen. Und Aufwertung ist, was gegen Goldzufluss in die USA eher gewirkt hätte (wenn es nicht andere Nebenwirkungen hätte). Übrigens, deswegen wollten die USA “Aufwertung oder Inflation” von Deutschland in den 1960ern. Auf jeden Fall lohnt sich, auf solche Argumente einzugehen, denn Friedman und andere heutige Geschichtserzähler sind nicht überzeugend, wenn es darum geht, die Krise von 1929 in den USA zu erklären.

  5. Milton Friedman erzählt...
    Milton Friedman erzählt Geschichten, Harold James schreibt Wirtschaftsromane. Auf zwei Sachen hinweisen. (1) England führte 1925 die Goldeinlösung nach der alten Parität wieder ein, nachdem zwar die Dollarparität wieder erreicht wurde, aber die Kaufkraft des Pfundes hoffnungslos niedrig blieb, wegen Unfähigkeit der Wirtschaft und Unwille der Regierung zu einer restriktiveren Geldpolitik, so dass Gold abfloss bis die Notenauflösung 21.9.1931 eingestellt wurde. (2) Die FED spielte und experimentierte mit Geschäften am offenen Markt, und das machte man damals, um gegen die Wirkung der Goldbewegungen zu wirken. Abwertung in den USA, um eben die Kaufkraft des Dollars mit jener der Pfund anzunähern, half sicher die Engländer, ihre Goldreserven zu halten. Manche erzählen, genau das war die Absicht. Auf jeden Fall wird zu stark die Krise nach dem Platzen betont, und wenig die Blase vorher. Das geht so weit, dass Notenbanker wie Issing leugnen, dass eine Blase vor dem Platzen erkennbar sei. Während eine Gesunde Geldpolitik Blasen vom Anfang an ersticken sollte, sorgt die moderne Geldpolitik, dass Blasen entstehen und wachsen, aber so lange wie möglich leben, ohne zu platzen. Das klappt nicht immer.

  6. Und hier Harold James mit Ben...
    Und hier Harold James mit Ben Bernanke (als Text):
    http://www.nber.org/chapters/c11482.pdf

  7. Hier ist Milton Friedman über...
    Hier ist Milton Friedman über den Goldstandard (als Video):
    http://www.youtube.com/watch?v=MvBCDS-y8vc

  8. Dass die Goldwährung 1931 ein...
    Dass die Goldwährung 1931 ein Hindernis war, das es 2008 nicht gab, kann man relativieren. Seit 1914 galt nicht mehr ganz die Goldwährung. Als die Krise aufbrach, als Wechsel vermehrt diskontiert wurden, um an Gold und Devisen der RB zu kommen, um die gekündigten Kredite aus dem Ausland einzulösen, wussten manche schon, wie man sofort reagieren sollte: Noteneinösung wieder einstellen, Kreditrestriktion aufgeben (und daher Zinsen erhöhen, also Lockerung der Geldpolitik). Es war keine reine Goldwährung, wie manche sich heute vorstellen, sondern ein Gemisch aus Goldwährung und Währung mit Diskontierung von Handelswechseln, und eher das letzte war ein Hindernis, und trotzdem kaufte oder nahm als Sicherheit die RB alles mögliche. Man reagierte leider zu zögerlich, man hatte nicht die Erfahrung, das war eher das Problem. Man betont zu viel, dass man die Krise nicht überwunden hätte, wenn man sich an die Goldwährung gehalten hätte, und verschweigt, dass die Krise wegen Schlamperei am Offenen Markt verursacht wurde, die mit der Goldwährung nicht vereinbar war. Diese Kritik hat etwas Ideologisches und kommt in der Regel von Anhängern von Milton Friedman (den das Papier übrigens zitiert, wie auch den Geschichtserzähler Harold James, aber vielleicht lohnt sich, das Papier zu lesen …)

  9. Hier ein Paper, das die Krise...
    Hier ein Paper, das die Krise von 1931 (mit Goldwährung) und von 2008 (ohne Goldwährung) miteinander vergleicht:
    http://www.bis.org/publ/work348.htm

  10. <p>Ich weiß nicht, Herr...
    Ich weiß nicht, Herr Braunberger, ob Sie etwas sagen wollen oder nur provozieren wollen. :)
    .
    Während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Goldwährung mehr oder weniger in einer natürlichen Weise eingeführt wurde, kann das heute nicht mehr der Fall sein. Das Gold ist ungleichmäßig verteilt und gehortet, unter anderem von Spekulanten und Notenbanken, es ist nicht in Umlauf, um es auf einmal als Zahlmittel-Standard zu deklarieren. Die Beziehung des modernen Menschen zum Gold ist krank. Die US-Amerikaner werden der Welt einen Goldstandard nicht diktieren können, und der Goldstandard allein in den USA wäre nicht der Goldstandard, sondern eine neue Kunstwährung wie alle modernen Währungen. Die Kritik der Kritiker kann ich nicht teilen, weil sie nicht den Goldstandard kritisieren, sondern das, was sie meinen, es wäre der Goldstandard gewesen. Und das Lob der Lobender kann ich aus demselben Grund nicht teilen. Aber aus der Zeit des Goldstandards ist viel zu lernen, manche Probleme von damals bestehen genau so heute, zum Beispiel: Hot-Money.

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