Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (9)
 

Was Ökonomen und Journalisten/Blogger voneinander unterscheidet

18.10.2012, 19:25 Uhr  ·  Das in diesem Blog vorgestellte Papier von Acemoglu/Robinson/Verdier über den amerikanischen und den europäischen Kapitalismus ist in vielen Blogs besprochen und zum Teil heftig kritisiert worden. Daron Acemoglu und James Robinson haben sich in einem eigenen Blogbeitrag mit dieser Kritik befasst und dabei auch die unterschiedlichen Herangehensweisen von forschenden Ökonomen einerseits und Journalisten/Bloggern/Kommentatoren andererseits an ökonomische Themen kurz beleuchtet.

Von

Das in diesem Blog vorgestellte Papier von Acemoglu/Robinson/Verdier über den amerikanischen und den europäischen Kapitalismus ist in vielen Blogs besprochen und zum Teil heftig kritisiert worden. Acemoglu/Robinson haben sich in einem eigenen Blogbeitrag mit dieser Kritik befasst und dabei auch die unterschiedlichen Herangehensweisen von forschenden Ökonomen einerseits und Journalisten/Bloggern/Kommentatoren andererseits an ökonomische Themen kurz beleuchtet.

Von Gerald Braunberger

 

“Another aspect is the divide between what the academic research in economics does – or is supposed to do – and the general commentary on economics in newspapers or in the blogosphere. When one writes a blog, a newspaper column or a general commentary on economic and policy matters, this often distills well-understood and broadly-accepted notions in economics and draws its implications for a particular topic. In original academic research (especially theoretical research), the point is not so much to apply already accepted notions in a slightly different context or draw their implications for recent policy debates, but to draw new parallels between apparently disparate topics or propositions, and potentially ask new questions in a way that changes some part of an academic debate.

For this reason, simplified models that lead to “counterintuitive” (read unexpected) conclusions are particularly valuable; they sometimes make both the writer and the reader think about the problem in a total of different manner (of course the qualifier “sometimes” is important here; sometimes they just fall flat on their face). And because in this type of research the objective is not to construct a model that is faithful to reality but to develop ideas in the most transparent and simplest fashion; realism is not what we often strive for (this contrasts with other types of exercises, where one builds a model for quantitative exercise in which case capturing certain salient aspects of the problem at hand becomes particularly important). Though this is the bread and butter of academic economics, it is often missed by non-economists.(Hervorhebung GB)” (Daron Acemoglu/James Robinson)

 

Der gesamte Beitrag, der sich überwiegend mit der inhaltlichen Kritik an dem Papier befasst, ist hier.

 
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (9)
Sortieren nach
0 FAZ-gb 24.11.2012, 23:38 Uhr

Mittlerweile liegt das Paper...

Mittlerweile liegt das Paper von Acemoglu/Robinson/Verdier zusammengefasst und ohne Mathematik bei voxeu vor: http://www.voxeu.org/article/cuddly-or-cut-throat-capitalism-choosing-models-globalised-world

0 Teutobrecht 22.10.2012, 00:55 Uhr

... nein, verehrter Doomday,...

... nein, verehrter Doomday, um die Erfinder geht es nicht, und schon gar nicht um diejenigen unter ihnen, die sich gerade den Kochlöffel mit dem selbstdrehenden Löffel oder die Kaffeekanne mit dem mobilen Ausfüllstutzen ausgedacht haben. Wenn man aber diejenigen zurückbehält, deren Erfindungen - idealiter - einen Kondratieff-Aufschwung stützen könnten, muss man m.E. wissen, in welchem Kontext sie ausgebrütet wurden, dies um so mehr, wenn man soziale Ungleichheit als zentrale unabhängige Variable behauptet; andernfalls liegt der Ideologieverdacht doch auf der Hand. Hätte mir auch ein Wort zum "Global Competitive Index" gewünscht, den einige Kritiker zitieren, um die Innovationskraft der Skandinavier hervorzuheben, oder einen Hinweis, warum andere Länder mit vergleichbaren Gini-Koeffizienten nicht ähnlich innovativ sind wie die USA. Die Akteure der Autoren sind Gesellschaften, d.h. aber, dass gerade davon abstrahiert wird, wo eine Macht- und Gesellschaftsanalyse ansetzt: Vormachteffekte a la Perroux sind Tabu, die Rolle von Arbeiterparteien und Gewerkschaften kein Thema ..., als ob die europäischen Sozialstaaten im Wechselspiel mit amerikanischen Erfindungsreichtum entstanden sind und nicht im Zusammenhang mit der Industrialisierung und den damaligen Auseinandersetzungen. Würde vermuten, dass der Denkansatz von den Hardlinern in der Republikanischen Partei aufgegriffen wird, nachdem das Argument, nur gen Null tendierende Steuersätze bei Bestverdienern würden neue Arbeitsplätze schaffen, selbst bei amerikanischen Arbeitslosen nicht mehr greift. G. Schönbauer P.S. Und lieber germon, bei Ihrer Homepage das Impressum nicht vergessen. Spart Ärger mit lieben Abmahnanwälten.

0 germon 21.10.2012, 12:20 Uhr

Zur Acemoglu&-These, mehr...

Zur Acemoglu&-These, mehr Wohlfahrtsstaat, weniger Innovation (vorhergehender Blogbeitrag): sehe ich nicht, dass Patentstatistik und Einkommensstatistik hierzu mehr Erkenntnisse liefern können, weil zu sehr Abzählmechanik. Was etwa IT betrifft: wäre Staatsverflechtung zu sehen, insbesondere militärisch-industrieller Bereich. Fallstudien könnten es besser zeigen als etwa Patentstatistik. Zuse Z1 bis Z4 sind ja diesbezüglich gescheitert, auch innovativ. Anders dagegen Turing und Enigma und Folgen. Dann die ganze Internetgeschichte und militärischer Bereich. Beachtlich auch MP3, zwar deutsches Patent, aber wohl keine deutsche Innovation. Das zeigt anschaulich die Differenz von Idee und einer entsprechenden Struktur investiver Risikoübernahme. Was Staat in Deutschland betrifft, wäre auch Subventionierung Verkehrssysteme zu berücksichtigen (Innovationen Autoindustrie), Landwirtschaft/Lebensmittel (Innovationen Chemieindustrie), Subventionen Gesundheitswesen (Innovationen Pharma), Energiewirtschaft usw. Anders gesagt: der Wohlfahrtsstaat ist auch "innovativ", wenngleich subventionistisch. Für US-IT-Innovationen kann der erhebliche Vorsprung mittels Militär-Industrie-Komplex nicht unbeachtet bleiben.

0 Domday 21.10.2012, 11:18 Uhr

Acemoglu und Robinson geht es...

Acemoglu und Robinson geht es nicht um die Erfinder von bit und byte und deren Heimatländer. Das scheint viele, die vielleicht auf diesen Gebieten hervorragende Arbeit leisten, zu verletzen. Es geht A+R vielmehr um die Analyse von Machtstrukturen, Gesellschaftsstrukturen. Dabei spielen dann die Erfinder von bit und byte die gleiche Rolle wie Thales, Pythagoras und ihre verschiedenen Vorläufer und Nachfahren. Insofern gibt es natürlich Bedenken, ob die Zahl der angemeldeten Patente in diesem Zusammenhang das richtige Kriterium ist. A+R haben deswegen ja auch schon einen Korrekturfaktor eingeführt, über den man natürlich auch wieder diskutieren kann. "Musikspieler" und IT: Diese Firmen stellen eine enorme Wirtschaftsmacht dar und sind deswegen in o.g. Zusammenhang von Bedeutung. Bis auf Microsoft würde ich sie aber nicht als IT Unternehmen sehen. Apple vielleicht halb, bei Amazon ist IT nur ein Tool um Handelsstrategien zu implementieren. Ähnlich Google, Ebay, facebook, UPS, WalMart. Ein Taxiunternehmen ist ja auch keine Autofirma, nur weil es viele Autos besitzt. Innovation findet nicht nur im IT Bereich statt. Im übrigen wiederhole ich meine Auffassung, dass das Wachstum der Vermögens- und Einkommensunterschiede der letzten Dekaden wesentlich ein Phänomen der staatlichen Geld- und Schuldenpolitik ist - hier wie drüben. Ich bin gespannt, ob der Dekansatz von Acemoglu und Robinson weiter führt.

0 germon 20.10.2012, 12:03 Uhr

Was soll denn academic...

Was soll denn academic research in economics sein? Mit Adam Smith hat die Ökonomie vielleicht einen Schritt zur Wissenschaft gemacht. Aber Marx, auch wenn er viel Smith mit Hegel verarbeitet hat, war wieder ein Rückschritt in eine Art Religionsersatz. Wenn jetzt in diesem Blog wie neuerlich in der FAZ insgesamt das Wort „Kapitalismus“ hochgehängt wird, kann ich keinen wissenschaftlichen Anspruch erkennen, nur einen ideologischen Kampfbegriff, so wie über Marx zu Lenin, Sombart (Die Juden und das Wirtschaftsleben) zu Nationalsozialisten oder zu Stalin bis Honecker. Keynes war von 1937 bis 1944 Direktor der British Eugenics Society, hatte Eugenik noch 1946 als wahre Soziologie gelobt. Seine einflussreiche Theorie, inspiriert auch von Mussolinis und Stalins Wirtschaftsdoktrin, hatte dieses übertragende Denken von künstlicher Naturbeeinflussung auf staatspolitische Steuerung konjunkturell anfälliger Wirtschaftssysteme anschaulich leicht gemacht. Dass seine Theorie Politik fasziniert ist leider nachvollziehbar. Foucault hat die Eugenik mal als Machttechnik bezeichnet. Als solche würde ich auch den gegenwärtig herrschenden Keynesianismus bezeichnen. Ideologische Kampfbegriffe und Keynesianismus sind aber möglicherweise unter Journalisten/Blogger mehr verbreitet als in der forschenden Wissenschaft. Ich hoffe es jedenfalls sehr.

0 Teutobrecht 19.10.2012, 11:51 Uhr

@derherold, was den...

@derherold, was den IT-Bereich anlangt, wurden auch nicht alle Basistechniken in den USA ausgebrütet: Walkman als Archetyp des iPod, Linux, MP3-Technik ... Wahrscheinlich wäre es auch zweckmäßig, bei den Innovationen danach zu unterscheiden, ob sie von einzelnen Erfindern (in der berühmten Garage) oder in einem großbetrieblichen Kontext, ggf. vom Militär angestoßen und gefördert, auf den Weg gebracht wurden. Das für letztere die Einkommens- und Vermögensverteilung eine große Rolle spielt, kann man, glaube ich, guten Gewissens verneinen. Und wenn mit dem Tocqueville-Zitat das alte Tellerwäscher-Märchen aufgewärmt wird (vom Tellerwäscher zum Innovator und dann zum Millionär), habe ich so meine Zweifel, ob man das überhaupt ernst nehmen soll: 1 % sitzt gerade hinter schwedischen Gardinen, 10-15 % haben ernsthafte Probleme mit Lesen und Schreiben, die Armutsquote liegt bei 15 %, 50 % schlagen sich mit einer mehr oder weniger großen Schuldenlast herum - irgendwie keine guten Voraussetzungen, um sich zwischendurch eine Basisinnovation auszudenken ... Wenn schon Tocqueville, dann wäre die Stelle über die Konsequenzen der Gleichheit m.E. sehr viel treffender gewesen, um ein innovationsfreundliches gesellschaftliches Umfeld zu beschreiben: eine Gesellschaft von Individualisten, die von niemandem abhängig sind und im Bewusstsein ihrer Freiheit ihren Weg gehen (S. 240 in der Reclam-Ausgabe). Während mir zum ersten Zitat überhaupt kein Innovator einfällt, zum anderen eine ganze Menge. G. Schönbauer

0 derherold 19.10.2012, 10:24 Uhr

@domsday, da spielen auch noch...

@domsday, da spielen auch noch (Achtung, Acemoglu !) "institutionelle Gründe" eine Rolle. Die USA waren seit den 30-iger Jahren in der Logistik führend, was auf die räumliche Ausdehnung zurückzuführen sein mag. Die von Ihnen genannten "Musikspieler" (Microsoft, Apple, Google, facebook, Amazon) kommen allesamt aus dem IT-Bereich, was einige Fragen aufwirft. Für konsumorientierte Dienstleistungen scheint es nicht ganz unbedeutend zu sein, wenn der Lead markt (um ein Konzept zu nennen), zufällig auch der Heimatmarkt ist. Ich bitte bei allem Jubel über den "Ansporneffekt" nicht zu vergessen, daß Microsoft einst aus kartell-/wettb.rechtlichen Gründen mit der Zerschlagung bedroht wurde; Apple machte noch 2003 Verluste. Vor drei Jahren hätte man vielleicht RIM als dominierend empfunden, vor sechs Jahren Myspace und Nokia. Man muß auch nicht Immelt heißen, um es irritierend zu finden, daß diese Innovationen kaum Auswirkung haben auf die massenbeschäftigende Wertschöpfung.

0 Domday 19.10.2012, 07:53 Uhr

Man sollte den Originalartikel...

Man sollte den Originalartikel lesen, denn dann erst wird deutlich, dass AcemogluuCo nicht behaupten, dass 'incentives' erfinderisch machen. Nein, 'incentives' spornen potentielle Erfinder an zu erfinden, statt sich zurückzulehnen und nur zu spielen. Auch verwenden sie nicht einfach die Zahl der Patentanmeldungen per Einwohner eines Landes, sondern versuchen eine Wertung einzuführen, indem sie die Zitathäufigkeit des einzelnen Patents in ihrer Betrachtung berücksichtigen. Meiner Meinung nach nicht erfaßt werden die 'game changer' FedEx, UPS, WalMart oder die Finanzindustrie. Aber vielleicht müssen sie der Komplexitätsreduktion zum Opfer fallen.

0 derherold 18.10.2012, 22:29 Uhr

"realism is not what we often...

"realism is not what we often strive for": Schöner hätte ich es auch nicht sagen können. Ein paar Kleinigkeiten: Wenn Patentanmeldungen verglichen werden, sollten Acemoglu&Co. erklären können, worauf sie zurückführen, daß zwischen 1996 und 2011 die Zahl der Patentanmeldungen in den USA auf das Zweieinhalbfache angestiegen sind. Wenn incentives so kreativ und innovativ machen, warum finden dann Innovationen und Geschäftserfolge in den USA (polemisch formuliert) nahezu ausschließlich in der IT-Branche statt ? Wenn incentives aus inequality und cutthroat capitalism so erfolgreich machen, warum wirken sie dann nicht bei den Bevölkerungsgruppen der USA, die auf diese incentives am stärksten reagieren sollten ? (Bitte nicht auf "mangelnde Förderung"verweisen, sonst muß ich Larry S. zitieren !) AcemogluCo. könnten auch erklären, warum WIPO in ihrem Global Innovation Index Schweden auf Platz 2, Finnland auf Platz 4, Dänemark auf Platz 7 und die USA nur auf Platz 10 sieht.

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.