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Wen wählen und lieben amerikanische Wirtschaftsprofessoren?

08.03.2013, 10:20 Uhr  ·  Fast dreimal mehr wählen Demokraten als Republikaner. Prostitution und Drogen wollen sie eher nicht so stark regulieren. Smith, Keynes, Becker und Krugman als die Lieblingsökonomen.

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56 Prozent wählen die Demokraten, nur etwas mehr als 20 Prozent wählen Republikaner. Die Dominanz der demokratischen Partei unter amerikanischen Ökonomen, die schon in früheren Umfragen hervortrat, ist in einer neuen Befragung bestätigt worden, deren Ergebnisse im aktuellen „Econ Journal Watch“ ausgewertet werden. Befragt wurden zweitausend Professoren für Ökonomie, knapp 300 haben geantwortet. Die Umfrage sei damit „halbwegs repräsentativ für die Ökonomieprofessoren in den Vereinigten Staaten“, schreiben die Autoren Daniel Klein (George Mason University), William Davis (University of Tennessee) und David Hedengren (George Mason).

 

Ein überraschendes Ergebnis: 5,7 Prozent der Professoren antworteten, sie hätten für Kandidaten der Libertarian Party gestimmt, eine radikal-liberale Splitterpartei. Das sei „ungewöhnlich viel“, schreiben die Autoren, die dieser Richtung selbst nahestehen. Für die Grünen, die in Amerika auch nur eine Splitterpartei sind, stimmten 1,7 Prozent der amerikanischen Ökonomieprofessoren.

Insgesamt zeigt sich, dass die Demokraten etwas mehr staatliche Regulierung befürworten als die Republikaner oder gar die Libertären. Auffällig ist, dass die – nicht so zahlreichen – Republikaner unter den Ökonomieprofessoren eher klassisch liberal denken als die republikanische Partei insgesamt. Gegenüber den Demokraten sind sie aber doch wertkonservativer, wenn es um Abtreibung geht, etwas restriktiver in der Einwanderungsfrage (obwohl sie schärfere Kontrollen ablehnen) und eher Unterstützer einer starken Militärpräsenz auch im Ausland.

Umgekehrt sind Demokraten unter den Ökonomieprofessoren restriktiver, was die Regulierung von Prostitution und Glücksspiel angeht – allerdings ist eine Mehrheit der Professoren gegen eine schärfere Regulierung. Auch bei harten Drogen lautet die Meinung einer knappen Mehrheit der Professoren, dass eher weniger als mehr Repression angebracht sei.

Ein auffälliges Ergebnis zeigt sich bei der Frage nach privater „Diskriminierung“. Eine Mehrheit der Ökonomieprofessoren unterstützt „schärfere Restriktionen“ gegen Diskriminierung durch Privatleute etwa auf dem Arbeitsmarkt oder dem Mietmarkt. Die Demokraten sind deutlich dafür, die Republikaner und besonders die Libertären eher dagegen.

In den klassischen Fragen der Ökonomie sind die Meinungen der Anhänger beider Parteien oft recht ähnlich. Aber es gibt doch unterschiedliche Präferenzen. Ein höherer staatlicher Mindestlohn? Im Durchschnitt lehnen die Ökonomieprofessoren das ab. Die Demokraten sind aber eher dafür, die Republikaner und besonders die Libertären dagegen. Fast geschlossen sind die Professoren gegen Handelsrestriktionen.

 

Klein und seine Co-Autoren haben die Antworten der Professoren auf 17 Fragen ausgewertet und danach gerankt, wie (wirtschafts-)liberal die Ökonomen denken. Nach den Kriterien von Klein et al. ist der Anteil der liberalen, strikt marktwirtschaftlichen Ökonomen eher gering: nur 16,4 Prozent. In einer früheren Untersuchung kamen sie auf noch weniger. „Der Anteil der frei-marktwirtschaftlichen Ökonomen ist kleiner, als viele Leute denken“, schreiben sie

 

Interessant sind die Antworten der Professoren auf die Frage nach dem Lieblingsökonomen. Über alle Parteigrenzen hinweg gilt Adam Smith  als der Größte der Klassiker (221 Nennungen), gefolgt von David Ricardo (106) und Alfred Marshall (67). Aus dem 20. Jahrhundert wurde 134 mal John Maynard Keynes genannt, dicht gefolgt von Milton Friedman (124) und Paul Samuelson (90). Hier gibt es schon eher Partei-Unterschiede: Für demokratische Professoren ist die Reihenfolge klar Keynes, Friedman und Samuelson. Für republikanische Professoren jedoch sind die Lieblingsökonomen der 20. Jahrhunderts Friedman, dann Keynes und auf dem dritten Platz Friedrich August von Hayek. Die Libertären nennen Friedman, dann Hayek und als Drittes Ludwig von Mises. Die wenigen Grünen hingegen nannten unter den Klassikern Marx als  Zweitgrößten, für das 20. Jahrhundert Joan Robinson.

 

Unter den lebenden Ökonomen führt die Liste der Älteren Gary Becker die Liste der Lieblingsökonomen an. Allerdings wird er von den Republikanern aufs Siegerpodest gehoben, während die Demokraten eher Kenneth Arrow und Robert Solow lieben und Becker erst als Dritten nannten. Die Republikaner nannten zudem James Buchanan und Ronald Coase. Paul Krugman landete in der Kategorie Lieblingsökonom unter 60 Jahren auf dem Siegerpodest der Befragten (50 Nennungen) – dominiert von den Demokraten –, gefolgt von Greg Mankiw und Daron Acemoglu (je 22).

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)
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0 H. Trickler 11.03.2013, 11:40 Uhr

Ob Befragte in Umfragen immer ihr wirkliches Wahlverhalten offenlegen ...

... möchte ich bezweifeln, und damit haben solche Umfragen einen sehr begrenzten Wert.

0 Herold Binsack 10.03.2013, 19:57 Uhr

Ohne Marx ist Murks

Wer Adam Smith oder Ricardo gelesen haben will, bzw. diese als Favoriten behauptet, dem ist das nicht zu glauben, wenn er Marxens Kritik daran nicht wenigstens gelesen haben will. Und hätte er Marx gelesen, dann wäre ihm klar, dass ohne diese Kritik weder Adam Smith noch Ricardo zu verstehen sind, da nämlich deren politischen Ökonomie ohne eines Marxens „Kritik der politischen Ökonomie“ (wenigstens „Grundrisse“ und „Das Kapital“) nicht vollständig ist. Und wer beides nicht getan hat, also weder Smith noch Marx wirklich gelesen und verstanden, dem kann man schlechterdings nicht den kritischen Ökonomen abnehmen. Dem kann man überhaupt nicht den Ökonomen abnehmen. Und wie gerade wieder mal die aktuelle Finanzkrise und Schuldenkrise zeigt, ist die ganze Debatte ohne Marx (http://blog.herold-binsack.eu/?p=2237) eben Murks.

0 Karl-Heinz Andresen 09.03.2013, 16:09 Uhr

Nichts Neues, daß Libertärians in USA

wie anderswo auf der Welt die Dinge klarer sehen und beurteilen können als die meisten anderen, seien sie Sozialisten (in USA:Demokraten) grün oder sonstwas.

Sich damit statistisch und in Umfragen zu befassen, ist ja nett, schafft aber keine Klarheit über das, was richtig und was falsch wäre - in einer Situation dieser oder jener Art.

Daß Mehrheiten in der Volkswirtschaft nicht maßgeblich sein können, ist evident. Wozu sie denn abfragen? Das Fliegenprinzip mag ja im demokratischen Prozeß halbwegs funktionieren, in der Wirtschaft jedoch nie.

Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft in der F.A.Z.