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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Schadet Deutschland, was der Deutschen Bank schadet?

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Anshu Jain hält einen Vortrag in Frankfurt: Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank singt ein Hohelied auf das Modell der Universalbank, preist ihren Beitrag zur gedeihlichen Entwicklung der deutschen Wirtschaft seit mehr als 100 Jahren und sieht dieses Modell gleichwohl in höchster Gefahr: durch ein Übermaß an Regulierung.

Rund 600 Gäste im voll besetzten Festsaal des Casinos der Goethe-Universität in Frankfurt hörten dem Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain, zu, der am Dienstagabend im Rahmen eines Kolloquiums des Centers for Financial Studies sprach.

© Foto dpaAnshu Jain

Eine Zusammenfassung der Rede Jains und der anschließenden Diskussion:

1. Die globale Universalbank ist eines von vier real existierenden Bankmodellen, die allesamt ihre Existenzberechtigung besitzen. Die drei anderen Modelle sind Banken/Sparkassen mit einem speziellen Geschäftsmodell, Investmentbanken (oft auch in der Vermögensverwaltung tätig) und auf ihr Heimatland beschränkte regionale „Champions“.

2. Das Modell der globalen Universalbank hat der deutschen Wirtschaft seit der Industrialisierung sehr genutzt: Sie begleitet, gestützt durch ein starkes Niederlassungsnetz in Deutschland, Unternehmen ins Ausland und ist in der Lage, deutschen Sparern Zugang zum internationalen Kapitalmarkt zu verschaffen.

3. Es ist kein Wunder, dass globale Universalbanken vor allem in Ländern mit starker Industrie entstanden sind: Deutschland, Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich. In der Logik der Entwicklung läge es, wenn sich die Chinesen um den Aufbau einer solchen Bank bemühten.

4. In Deutschland gibt es mit der Deutschen Bank nur mehr eine globale Universalbank und auch im Rest Europas sind nicht mehr viele da.

5. Die große Gefahr für das Modell der globalen Universalbank ist eine Überregulierung in Europa, während die Amerikaner aus wohl verstandenem Eigeninteresse davon nichts halten. Das ist keine gute Nachricht für Deutschland. („Was der Deutschen Bank schadet, schadet auch Deutschland“ wäre kein wörtliches Zitat, dürfte aber die Botschaft Jains treffen.)

6. Banken müssen reguliert werden; es wäre ganz falsch, alleine auf Selbstregulierung zu vertrauen. Aber die Regeln von Basel 3 sind ausreichend, statt dessen will man noch drauf satteln und damit droht schwerer Schaden. Jain kritisierte ausdrücklich das „Trennbanken-light-Modell“ des Liikanen-Berichts (pikant, da sein Frankfurter Gastgeber Jan Krahnen einer der Verfasser des Liikanen-Berichts ist) und oberflächliche Leverage-Regeln.

7. Manche Kritik an großen Universalbanken ist unbegründet.
– Es stimmt zwar, dass Großbanken Refinanzierungsvorteile besitzen, da man davon ausgeht, dass sie in einer Krise vom Staat gerettet werden. (Dies ist auch ein von Krahnen bearbeitetes Thema.) Aber dem stehen Nachteile durch deutlich höhere Regulierungskosten entgegen.
– In Schwierigkeiten geraten sind in der Krise nicht so sehr die großen Universalbanken, sondern spezialisierte Häuser wie Landesbanken, Investmentbanken etc.

8. Auch globale Universalbanken müssen abgewickelt werden können. Nichts erzeugt in der Öffentlichkeit so viel Unmut gegenüber großen Banken wie die Privatisierung von Gewinnen in guten Zeiten bei gleichzeitiger Sozialisierung von Verlusten in schlechten Zeiten.

9. Jain brachte auch sein mittlerweile geläufiges „mea culpa“. Vor der Krise sei im Bankgewerbe gesündigt worden, auch in der Deutschen Bank. Aber die Branche habe in der Zwischenzeit viel Eigenkapital aufgenommen und Bilanzsummen reduziert.

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8 Lesermeinungen

  1. "Fürchterlich unterkapitalisiert"
    Ein amerikanischer Regulierer über die Deutsche Bank:

    http://uk.reuters.com/article/2013/06/14/uk-financial-regulation-deutsche-idUKBRE95D0X820130614?feedType=RSS&feedName=topNews&utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

    Jain hatte sich gegen einfache Leverage-Rations mit der Begründung gewandt, sie seien wenig aussagefähig. Außerdem hatte er angedeutet, dass die Amerikaner mit Bezug auf Regulierungen eine Politik zur Begünstigung ihrer eigenen Banken betreiben.

  2. Deutsche Träume
    Deutschland als Einheit mit der Deutschen Bank wäre sowieso ein überholter Begriff in einer eurozonen-weiten Bankenunion.

  3. Bescheidenheit...
    statt Kolloquien. Manche lernen nur durch bittere Erfahrung. Das Schlimme,
    sie reden, als wüßten sie…und reißen viele mit.
    Geld-Wirtschaft ist ein „Gordischer Würge-Knoten“ geworden…Erkenntnis und Gefahr bannen
    oder bittere Erfahrung…wenn der Mensch die „Beherrschung“ verliert…dann wird er beherrscht.
    Die Geschichtsbücher sind voll davon…auch von „Geschichtswiederholungen“.
    Griechenland: Erkenne Dich Selbst…und NICHTS IM ÜBERMASS.
    BESCHEIDENHEIT und HERZ, auch der „Wirtschaftsweisen“, ist das Maß.

  4. ich verstehe die fragestellung nicht...
    Schadet Deutschland, was der Deutschen Bank schadet? – Aber die Deutsche Bank ist doch Deutschland, oder? Die Deutsche Bank ist die Definitionssumme dessen was im allgemeinen Sprachgebrauch „Deutschland“ genannt wird, oder? Was nicht zur Definition oder funktionellen Notwendigkeit für die Deutsche Bank gehört, ist auch nicht „Deutschland“, oder? Deutsche Bank = deutsche Kultur, oder? Nacktbaden im Wald oder einfach nur mal Lustig sein ist nicht Deutsche Bank!!!

  5. Wir werden die Welt erst ab dem Tag verbessern können
    ab dem wir die Amis dazu bringen, brauchbare Rahmenbedingungen auch gegen Eigeninteressen festzuschreiben und einzuhalten. (Pkt. 5)

    An dieser Stelle gebe ich Jain absolut recht. Und ich kann mich auch genau erinnern, dass die Deutsche Bank bei den Finanzmarkt-Schweinereien erst den teuflischen Angelsachsen nachziehen musste, um nicht von diesen platt gemacht zu werden.

    Einseitig werden wir immer nur ärmer, aber die Welt nicht wirklich besser.

    Bloß: Wie bringt man imperiale Großmächte zum Schaffen und Einhalten von für alle akzeptablen Spielregeln?

    Zumindest darf man nicht am Ende des Kettenbriefes deren ganze Risiken aufkaufen, wie das kurz vor dem Finanzknall geschehen ist. Wir brauchen hier fähige Finanzpolitiker und ehrliche Banker, die uns nicht immer zum großen Deppen der Angelsachsen machen lassen.

    Notfalls müssen seriöse Banken gegen angelsächsische Zockerbanken geschützt werden, wenn deren Geschäftsmodelle nicht unseren festgelegten Ansprüchen gerecht werden. Denn kurzzeitig sind diese Banken oft extrem liquide und können nahezu alles aufkaufen, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Oft ist der Spuk nach wenigen Jahren vorüber, aber schon extrem viel seriöse wirtschaftliche Aufbauarbeit vernichtet.

  6. Das kommt ganz darauf an
    wie sie Deutschland definieren. Folgen Sie dem mittlerweile in Politik und Medien etablierten Deutschlandbegriff, muss man die Frage wohl in den meisten Fällen bejahen. Dort gilt nämlich weitestgehend konsensual: Deutschland = DAX, DAX = Deutschland.

    Das ist das neue politische Primat. Wenn die eigentlich doch so wunderschön abgerichtete Generation Y (http://www.titanic-magazin.de/news/so-ticken-die-jungen-leute-von-heute-5747) sich plötzlich weigert, sich für nen Appel und n Ei ausbeuten zu lassen und die meisten um die 50-Jährigen dieses Spiel noch nie mitgespielt haben und jetzt auch noch ihre geistige Plastizität nachlässt, wird Migration von „Fachkräften“ natürlich immer wichtiger, man muss schließlich irgendwie der Vollbeschäftigung entgegenwirken. Die Integrationskosten übernimmt natürlich die Allgemeinheit.

    Wenn Eltern lieber arbeiten gehen wollen anstatt ihre Kinder groß zu ziehen, ist es natürlich Aufgabe der Politik, ohne Rücksicht auf das Kindeswohl allen Eltern das Recht auf einen Kitaplatz zu zusichern. Damit maximiert man nicht nur die Flexibilität der potentiellen ArbeitnehmerInnen und hilft damit „Deutschland“, sondern perturbiert gleichzeitig dieses gestrige, „deutschland“feinliche Konstrukt namens Familie. Dass Arbeitgeber solche Einrichtungen finanzieren ist natürlich undenkbar. Bezahlt wird der Ausbau gerne von der Allgemeinheit.

    Befürchtet eine im DAX vertretene Branche Absatzeinbußen oder Stagnation, springt der Staat selbstverständlich zur Hilfe. Auch diese vor einigen Dekaden noch höchst lästigen Gewerkschaften machen endlich einen saturierteren Eindruck und fragen nicht mehr, wo denn die ganzen Rekordgewinne der letzten Jahre geblieben sind, sondern fordern lieber in harmonischem Einklang mit den Arbeitgebervertretern Kurzarbeitergeld und Abwrackprämien. Die Politik überschlägt sich mit Zusagen, die Kosten trägt die Allgemeinheit.

    „Deutschland“ profitiert vom Euro am meisten! Denn dank Agenda 2010 ist im Gegensatz zu anderen Staaten die Lohnsklaverei nicht mehr verpönt, was Arbeitnehmer unschlagbar günstig, fungibel und entrechtet macht! Damit können Staaten wie Frankreich oder Italien mit ihren potenten Gewerkschaften nicht mithalten. Gut, der Staatsbankrott in den Peripherien muss natürlich aufgehalten werden, schließlich hat „Deutschland“ dort selbst noch massive Forderungen und ein Wegbrechen der ganzen Absatzmärkte ist nicht zu verantworten. Bürgen (und demnächst zahlen) darf natürlich die Allgemeinheit.

    Diese Schafe merken aber auch nichts!

  7. Das mit der "Größe" ist ja so ne Sache ...
    Als das Römische Reich unter Trajan seine größte Ausdehnung erreicht hatte, war es anschließend nur noch mit der Sicherung der Grenzen beschäftigt. Das führte zu Machtkämpfen der überprportional wichtig gewordenen Feldherren, dies wiederum zu häufigen Machtwechseln, Diskontinuität des Staatswesens … und irgendwann wars weg. Im Europa des 18.und 19. Jahrhunderts waren die „deutschen Landen“ trotz der vielgeschmähten Kleinstaaterei in Sachen Lebensstandard des Mehrheitsbürgers im Mittelfeld der europäischen Länder. In Auseinandersetzungen waren die Staaten des Rheinbundes mal mit Frankreich verbündet, Sachsen mal mit Österreich und Russland, viele konnten neutral bleiben … dann kam das Kaiserreich 1871, dann der 1 WK, dann der 2. WK – in der Betriebswirtschaft gibt es eine optimale Betriebsgröße, wird die überschritten können solche Unternehmen bei Veränderungen der Rahmenbedingungen nur schwerfällig reagieren und scheitern. Last but not least – Luxemburg. Eines der kleinsten Länder dieser Welt, mit nahezu dem höchsten Lebensstandard dieser Welt … und: Krebsgeschwüre haben die Angewohnheit solange weiter zu wachsen, bis sie ihr Wirtsbiotop getötet haben – also GROß sollte mitnichten zwanghaft mit GUT, SINNVOLL, WÜNSCHENSWERT gleich gesetzt werden, es ist oft genau das Gegenteil!

  8. George Orwells "Farm der Tiere" ist für die Banker so nah wie nie
    „Aber die Branche habe in der Zwischenzeit viel Eigenkapital aufgenommen und Bilanzsummen reduziert.“ Er vergaß, dass dies dadruch geschah, dass die Zentralbanken billigstes Geld zur Verfügung stellten, welches ursprünglich dafür gedacht war, es an die Wirtschaft und Privatleute zu günstigen Konditionen auszuloben. Das ist aber nicht geschehen, oder wie erklären sich die hohen Dispo- und Kreditzinsen? Die Banken haben es MISSBRAUCHT um die Eigenkapitaldecke massiv zu erhöhen. Gelder vom Steuerzahler für die Bankkundensteuerzahler zweckentfremdet!!! Kein Untersuchungsauschluss, kein Bürgerprotest, nix. Blockupy ist aktuell die einzige Bewegung die den Ar… hoch kriegt und solche Missstände erkennt und anprangert. Aber dann kommen die vom Steuerzahler bezahlten hoch gerüsteten Polizisiten um diese „Störer“ beiseite zu schaffen. Die Lobbyisten und Banken haben die finale Runde der Abschaffung der Demokratie eingeleitet und am Ende wird, wenn wir uns nicht spätestens jetzt dagegen wehren die Weltherrschaft von Leuten wie Jain -dessen Namen im indischen normalerweise für entsagen und bescheiden steht- marionettenhaft die übrig gebliebene Politkaste wie Säue durchs Dorf getrieben. Erinnert doch sehr stark an Orson Wells „Farm der Tiere“!! Die Rede hielt der Co-Chef der DEUTSCHEN BANK bestimmt in deutsch oder?

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