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“Für den Euro. Gegen monetären Nationalismus”

21.06.2013, 13:16 Uhr  ·  Der spanische Ökonom Jesús Huerta de Soto ist ein führender Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ("Austrians"). In einem Vortrag plädierte er für den Euro als eine Annäherung an einen wünschenswerten Goldstandard.

Von

The Champions of Liberalism should support the Euro.”
Jesús Huerta de Soto

 

Ein Austrian für den Euro: “Nicht der Euro ist schlecht, sondern die Politik der Europäischen Zentralbank.” Jesús Huerta de Soto, Professor an der König-Juan-Carlos-Universität in Madrid, eröffnete mit seinem Vortrag an der Frankfurter Universität eine neue, “The Order of Money” genannte Veranstaltungsreihe am Center for Financial Studies. Der spanische Ökonom befand sich auf der Durchreise nach Göttingen, wo ihm auf den von der deutschen Hayek-Gesellschaft veranstalteten Hayek-Tagen die Hayek-Medaille verliehen wurde. Es ist keine Überraschung, dass sich Huerta de Soto in seinem Frankfurter Vortrag unter anderem auf Arbeiten Friedrich von Hayeks bezog.

Hier folgt eine Zusammenfassung des Vortrags:

 

1. Der Euro als Annäherung an den Goldstandard

– Die aktuelle Geldordnung ist unvereinbar mit einer Theorie der Marktwirtschaft. Eine grundlegende Reform ist notwendig.

– Eine solche Reform müsste im wesentlichen aus drei Teilen bestehen: Erstens einer Einführung einer 100-Prozent-Mindestreserve auf Sichteinlagen. Zweitens aus der Abschaffung der Zentralbanken. Drittens aus der Rückkehr zum Goldstandard. Der Goldstandard ist eine Währungsordnung, die nicht von Politikern missbraucht werden kann. Der Goldstandard sorgt damit für gutes Geld und verhindert nationalistisches Handeln in der Geldpolitik.

– Der Euro ist als Währungsordnung nicht so gut wie der Goldstandard, aber er eignet sich als eine zweitbeste Lösung, als eine Art Annäherung an den Goldstandard. (Detaillierter wird das weiter unten ausgeführt.)

 

2. Feste Wechselkurse sind viel besser als flexible Wechselkurse

– Austrians stehen in vielerlei Hinsicht den liberalen Ökonomen in der Tradition der Chicago-School (wie z.B. Milton Friedman) nahe; man sieht sich unter anderem in der Mont-Pèlerin-Society. In einer Hinsicht aber stehen sich die beiden Schulden unversöhnlich gegenüber: Ökonomen in der Chicago-Tradition bevorzugen flexible Wechselkurse. Das ist ein verheerender theoretischer und praktischer Irrtum. Denn feste Wechselkurse sind viel besser.

– Mit ihrem Plädoyer für flexible Wechselkurse sind die Chicago-Anhänger auf die plumpesten Thesen der Keynesianer hereingefallen. Denn flexible Wechselkurse schaffen Spielraum für Nationalstaaten, Inflation zu betreiben. Dies hat Friedrich von Hayek schon 1937 gesehen.

– Ein anderer Vordenker der Austrians, Ludwig von Mises, hat die Ansicht vertreten, nur feste Wechselkurse seien mit der Demokratie vereinbar. Denn sie zwängen Regierung, Staatsausgaben über Steuern oder Schulden zu finanzieren – die Finanzierung über die Notenpresse sei nicht möglich.

 

3. Der Euro ist noch besser als ein System fester Wechselkurse.

– Der Euro hat den monetären Nationalismus in Europa beendet.

– In einer Hinsicht ist er sogar noch besser als der Goldstandard: Ein Austritt ist schwieriger.

– Der Euro erzwingt, weil die Mitgliedsstaaten keine Geldpresse mehr haben, marktwirtschaftliche Reformen. Auch wenn sie nicht ausreichend sein mögen, ist viel geschehen. In Spanien hat es Reformen gegeben, die kein Spanier früher zu Zeiten der eigenen Währung für möglich gehalten hätte. Somit wirkt der Euro wie eine Reform- und Produktivitätspeitsche und das ist aus einer marktwirtschaftlichen Sicht sehr gut. Auch in anderen Ländern wie Portugal, Italien, Griechenland und Frankreich kann man Reformen beobachten.

– Die Ankündigung des OMT-Programms der EZB hat allerdings den Reformeifer begrenzt. Daher ist es wünschenswert, dass das Bundesverfassungsgericht das OMT-Programm zumindest einschränkt.

– Auch Griechenland sollte den Euro nicht verlassen. Das gelegentlich genannte Beispiel der Aufgabe der Dollarbindung durch Argentinien ist nicht als Vorbild geeignet, sondern als Abschreckung. Nach der Aufgabe der Dollarbindung fiel Argentinien in ein elend tiefes Loch.

 

4. Die Feinde des Euro sind eine bunte und kuriose Mischung unterschiedlicher Kräfte

– Prinzipienreiter von der extremen Linken und Rechten

– nostalgische Keynesianer

– dogmatische Monetaristen

– naive Vertreter der Theorie des optimalen Währungsraums

– Dollar- und Pfund-Chauvinisten. In New York und London gibt es eine verborgene Agenda, aus eigensüchtigen Gründen den Euro zu bekämpfen: “The Americans are the enemies.”

– verwirrte Defätisten, die den Euro nicht für überlebensfähig halten (Huerta de Soto führte dies nicht näher aus, aber vermutlich würde er nicht wenige Eurogegner unter den deutschen Ökonomen in diese Kategorie einordnen).

– Nach Ansicht des spanischen Ökonomen würde sich das bunte Völkchen der Eurogegner vermutlich auch gegen eine Rückkehr zum Goldstandard verbünden.

 

5. Der fatale Fehler der EZB

– Nicht die Existenz des Euro ist das Problem, sondern eine falsche Politik der Europäischen Zentralbank in den ersten Jahren nach der Einführung der Gemeinschaftswährung.

– Eine politische Union in Europa wäre eine ganz falsche Entscheidung, die viel Schaden anrichtete.

– Der fatale Fehler der EZB bestand darin, sich im vergangenen Jahrzehnt nicht entschieden genug von der zu laxen Geldpolitik der Fed distanziert hat, weil die EZB eine zu starke Aufwertung des Euro fürchtete.

– Überhaupt müsste Europa selbstbewusster gegenüber den Amerikanern auftreten. Es sollten viel mehr Amerikaner nach Europa kommen, um hier die Österreichische Schule zu studieren. Die amerikanische Ökonomik ist nicht marktwirtschaftlich ausgerichtet, sondern am Interesse von “Sozialingenieuren” ausgerichtet.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (106)
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0 Margaretha Wijck van 16.07.2013, 12:33 Uhr

Dogmatische Monetaristen konnen nicht als...

Dogmatische Monetaristen konnen nicht als Feinde der Euo representiert werden, weil das Monetare Artikelsystem die Rettung der Euro bezeichnen kann mit monetare Permittierung der
finanzielle Supplies zur Regierungs-und Produktionsbudgets ohne Verschuldungsverplichtung.

0 Thomas Weiss 07.07.2013, 10:59 Uhr

Von Österreichischer Schule nix verstanden.

Schon mit der Aussage "Fehler" der EZB (und der Fed) zeigt Prof. de Soto, daß er von der Österreichischen Schule nichts verstanden hat. "Fehler" ergben sich aus falschen Rahmenbedingungen. Ein Monopol oder Oligopol verhält sich - erstaunlich - wie ein Monopol oder Oligopol. Hayek und Österreichische Schule setzen dagegen auf Wettbewerb. So kommt auch die Golddeckung ins Spiel als Ergebnis von Wettbewerb. Nationale Währungen stehen im Wettbewerb und um solide zu sein und sich so auf dem Weltmarkt zu halten binden sie sich an das Gold. Eine nationale Währung, die so Geld druckt wie EZB oder Fed würde durch die Märkte durch Abwertung abgestraft, was aber bei Oligopolwährungen wie Dollar, Yen oder Euro nicht geht, weil die den Wettbewerb aushebeln.

3 Thomas Weiss 04.07.2013, 12:56 Uhr

Hayek für flexible Wechselkurse

Hayek war nicht für feste Wechselkurse, im Gegenteil. Jede Bank sollte auf eigene Verantwortung ihre eigene Währung herausgeben. Der Wettbewerb sorgt dann dafür, dass sich nur die besten Währungen auf den Märkten halten können. Der Euro ist eine staatliche Zwangswährung, die den Wettbewerb zwischen den Währungen ausschaltet, von daher ineffizient.

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

3 Fred Ruegg 28.06.2013, 14:10 Uhr

Warum fordern wir alle denn nicht die STIMMBUERGEER DEMOKRATIE

auf ihren ref Beitrag
Bernd Winkler 24.06.2013, 22:31 Uhr
@Sophia Orti
folgendes an Sie besonders:

in der der Simmbuerger durch Volksinitiativen und Refarendaforderungen Gesetze und Verlasse von den Politikern fordern koennen und auch fuer schon von den Parlamenten beschlossene Gesetze und Verordnungen eine Volksentscheidungsabstimmung verlangen koennen.
Warum verlangen wir die Einfuehrung wirklicher Volksdemokratie angesichts der vorgelebten Tatsache dass alle Parlamentarischen Demokratie Systeme saglos versagen. Die alternative waere sicher happiger.

0 Konstanz Zwitscher 28.06.2013, 08:08 Uhr

@Bernd Winkler "...weil Ihnen das Wissen fehlt, wohlan, hier kann man was lernen."

Denken Sie an Ihr Posting: "Wollen Sie nicht, Können Sie nicht oder sind Sie zu faul?"
Jetzt verweisen Sie auf andere (Blogs und Literatur), die die von Ihnen angekündigte Aufgabe erledigen sollen. Ist es nicht einfach so, Sie sind ein Gläubiger, der Sachverhalte nur so weit hinterfragt solange sie an seinem Glauben nicht kratzen. Sie verstehen sich bestens mit anderen, die dem gleichen Glauben anhängen wie Sie. Anderen, die noch nicht ihrem Glauben anhängen, fehlt die Basis (des Glaubens) um sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Bei so manchem Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie bekommt man, weit mehr als bei anderen, die andere Theorien für richtig halten, den Eindruck, als würden sie diese als Heilsversprechen für die meisten Probleme der Menschheit betrachten.

http://www.misesde.org/
http://www.hayek-institut.at/index.php

0 Sophia Orti 26.06.2013, 21:31 Uhr

Die Währungsordnung der ehrwürdigen Österreichischen Schule

Kann mir jemand sagen, kurz und bündig, ohne Verweis auf die angeblich gute Literatur, sagen, was das ist? Im Zusammenhang, in dem ich mit dem Thema Geldpolitik bisher beschäftigt habe, ist von Misses eine unbedeutende Randerscheinung, Keynes ein normaler Ökonom, kein Verrückter, der Geldvergeudung predigt.

Antworten (4) auf diese Lesermeinung

1 Karl-Heinz Andresen 26.06.2013, 18:44 Uhr

Feste Wechselkurse

sind in unserer Welt, in der wir leben müssen, unpraktikabel, denn sie verlangen von den Staaten harte Austerity ohne Unterbrechung.
Kein Politiker gegenwärtigen Kalibers macht das mit.

Der Euro zeigt es: alle versuchen auf Kosten Anderer zu leben. Schmarotzertum ist die Regel, Austerity gibt es nicht mal mehr in Deutschland - wenn es sie je dort gab.

Professore, träumen sie weiter.

0 Konstanz Zwitscher 26.06.2013, 09:40 Uhr

@Bernd Winkler "Hayek und die Österreicher schlagen ein anderes System vor, welches sehr viel ...

Warum hat, Ihrer Meinung nach, eigentlich noch nie jemand auf die Ideen der Österreichischen Schule, zur Lösung der Probleme, zurückgegriffen. In den Erzählungen hier kommen die Österreicher nicht vor, erst als Lösung.

1 Gerald Braunberger 24.06.2013, 15:54 Uhr

"The Rules of Goldbuggery"

The Rules of Goldbuggery

1. Gold is a Currency: This is rule number 1. It is not a decorative or industrial metal, it is a permanent store of value, as dictated by Greeks in Lydia around 700 B.C. And, it shall be ever thus.

2. The price of gold cannot fall, it can only be manipulated lower: When gold’s price falls, it is an unnatural act. It can only occur as the result of an international cabal of Central Bankers and politicians. Its a conspiracy, and we know who the guilty parties are.

3. If the price of gold is rising, it is doing so despite enormous and desperate efforts by manipulators to prevent the rise: This is the corollary to the prior Rule of Gold manipulation. Gold runs up despite the overwhelming opposition to it.

4. The world MUST return to the Gold Standard one day: It is inevitable that we will return to a Gold Standard. We all know this to be true. When we compare the size of the money supply to past amounts when there was a Gold Standard, we can derive prices of Gold in the $7,000, $10,000 even $15,000. Hence, we know its cheap even at $2,000.

5. Central Bankers are printing money relentlessly, and this can only drive Gold prices higher: NOTE: You must ignore, for the moment, that Gold has not gone higher for the past 2 years as Central Banks around the world have ramped up QE. This only means that ultimately, Gold will go much much higher.

6. Gold works whether the economy is good or bad: When we have a red hot economy, Gold is your hedge against inflation. When we have a bad economy, Gold is a safe harbor against collapse. It is a one way trade that never fails!

7. Gold will survive after the world economy crumbles: Gold is the ultimate currency, as it has a value that will survive even after the whole world tumbles around you. Get yourself some gold coins and a Glock and you will be just fine when the whole world goes to shit. We welcome the era envisioned in the movie Mad Max.

8. Never admit that Gold is essentially a sucker’s bet: Never discuss how in the last century, gold has run up only be to trounced in repeated massive sell offs (always blame rule #2 for this). Do not discuss how this has happened in 1915-20, 1941, 1947, 1951-66, 1974-76 1981, 1983-85, 1987-2000 and 2008.

9. Gold is a rejection of government, and their control of fiat money and finance: There are no printing presses that produce gold, it is finite, natural and God created. How much we scrape out of the ground each year is limited, and the only variable to the old equation. (Just ignore Man’s natural tendency to organize into to
City-States over the past 12,000 years).

10. All Gold discussions must contain ominous macro forecasts: Your description of why Gold is going higher must consist of spurious correlations, unprovable predictions, and a guarded expectation of bad things int he future. Avoid empirical data at all costs.

11. Gold is always rallying in one currency or another: Sure, it may be down 30% in Dollars, the reserve currency it is priced in, but you can always find a currency falling faster than it does and claim you own it in that denomination. Last week, it was up in Japanese Yen. This week, it is up in Zimbabwe dollars.

12. China & India know the value of Gold; the Western world does not: The massive buying of gold by consumers in Chindia reflects the culture, intelligence and investing savvy of the people in these countries. The West doesn’t get it, and it is their loss.

Bonus rule: Never admit Gold might be falling because it trades on human emotions and psychology and has no intrinsic value whatsoever.

http://www.ritholtz.com/blog/2013/04/the-10-rules-of-goldbuggery/

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

8 Julius Calvelage 24.06.2013, 11:54 Uhr

Dilemma

Abgesehen von den jüngsten Beiträgen eines gewissen Herrn Zwitscher (Sie haben 6000 Zeichen zur Verfügung, warum nutzen Sie die nicht, um Ihren Standpunkt klar zu machen?) ist für mich als ökonomischen Halblaien (Ich habe während meines Studiums das Zusatzfach Wirschaft, das mit einer abgespeckten Version des universitären Grundstudiums vergleichbar ist, belegt, war allerdings einigermaßen erschrocken über die simple Großzügigkeit, mit der man zur Generierung von deduktiven Modellen Variablen isoliert bzw. ausklammert) diese Diskussion sehr interessant.

Es scheint Konsens zu sein, dass das Fiatgeldsystem in seiner aktuellen Ausprägung temporär begrenzt ist (es drängt sich die Assoziation "Schneeballsystem" auf) und wir uns dieser Grenze nähern. Eine Abkehr von diesem System zugunsten eines Rohstoffstandards wäre mit einer massiven Rezession verbunden, weil das Ponzisystem des ungedeckten Geldes zu einer mehr oder weniger auf Sand gebauten Entkoppelung des BIP von der tatsächlichen von Angebot und Nachfrage determinierten Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft geführt hat. Zudem nutzen viele Staaten die Möglichkeit, neben der Schaffung von günstigsten Bedingungen für die Geldschöpfung aus dem Nichts selbst tätig zu werden und ihren Haushalt teilweise über die Notenpresse zu finanzieren.

Huèrta de Soto ist offenbar der Ansicht, dass die EZB zumindest letzteres verhindern kann. Dieser Meinung bin ich (auf Basis der jüngsten Erfahrungen) nicht. Macht auch nichts, es ändert nämlich nichts an den Grenzen von Schneeballsystemen.

Das Dilemma scheint zu sein, dass wir zwei Optionen haben, die beide schlecht sind und in den ökonomischen Kollaps führen:

1. Wir halten dieses System durch staatliche Eingriffe zu massiven Kosten (Unterstützung der Banken durch verschwindend geringe Leitzinsen und Mindesteinlagen, Übernahme von "faulen Krediten", Rekapitalisierung aus Steuergeldern) so lange am Laufen, bis es nicht mehr möglich ist, weil

a) entweder die Bürger begreifen, was geschieht oder
b) die Finanzmacht der Staaten bzw. Staatengemeinschaften an ihre Grenzen stößt und das System unkontrolliert zusammenbricht.

2. Wir führen augenblicklich ein System der gedeckten Währungen ein. Dazu

a) müsste es (denke ich, vielleicht ist dies aber auch auf kleinerer Ebene zu realisieren) einen internationalen Konsens geben, der zur Zeit kaum realistisch erscheint.
b) müssten die Bürger davon überzeugt werden, dass die nötige Bereinigungsrezession so oder so unausweichlich ist.
c) müsste man Politiker finden, die bereit sind, diese Verantwortung auf sich zu nehmen.

Aus meiner Sicht gibt es keine weitere Alternative. Da ich in der kontrollierten Rückkehr zu einem Rohstoffstandard höhere Gestaltungsspielräume sehe als während eines kontrollierten Zusammenbruchs und der unsäglichen Sozialisierung von Verlusten engere Grenzen gesetzt wären, bevorzuge ich Option 2. Es sieht allerdings (und das ist nicht zuletzt der Logik unseres politischen Systems geschuldet) eher nach Option 1 aus.

Falls jemand (und dafür wäre ich sehr dankbar) einen plausiblen dritten Weg sieht, der mit weniger Wohlstandseinbußen verbunden ist, wäre ich für eine Erläuterung sehr dankbar.

Julius Calvelage.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.