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Raghuram Rajan gegen die aktuelle Geldpolitik

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Der bekannte Chicago-Ökonom Raghuram Rajan geht mit der Geldpolitik hart ins Gericht. Und liefert nebenbei eine Erklärung, warum die Autoindustrie so große Probleme hat.

© Verena MüllerRaghuram Rajan

Lange nichts gehört von Raghuram Rajan, dem Wanderer zwischen den Welten: zwischen den alten Fronten von Keynesianismus und Neoklassik/Monetarismus, zwischen Indien und dem Westen. Seit der Chicago-Ökonom den indischen Premierminister berät, hat man von ihm weniger gelesen – er wird gut zu tun haben. Jetzt hat er sich allerdings zurückgemeldet mit einer Rede in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Zentralbank der Zentralbanken. Darin geht er mit der aktuellen Geldpolitik hart ins Gericht.

Zu einem einen ordentlichen Aufschwung haben die niedrigen Zinsen der Zentralbanken ja bisher nicht beigetragen. “Liquiditätsfalle” nennt das der klassische Keynesianer und sagt: Dann muss sich eben der Staat verschulden. Das allerdings ist nicht Rajans Lösung.

Es fängt damit an, dass er die traditionelle keynesianische Krisenerklärung in Zweifel zieht: dass die Haushalte kaum noch Geld ausgeben, weil sie keine Kredite mehr bekommen, und deshalb die Nachfrage schwach ist. Er sieht “Overspending” – zu hohe Ausgaben vor der Krise – als Erklärung, die mindestens ebenso wahrscheinlich ist.

Auch nach der Krise sieht er nicht so sehr fehlende Nachfrage als großes Problem, sondern das Angebot: Im Kreditboom seien sehr oft Dinge gekauft worden, mit denen sich ein Kredit besichern lässt, zum Beispiel Autos und Häuser. Jetzt, wo die Kredite ausfallen, fällt besonders auf, dass gerade diese Sektoren zu schnell gewachsen sind. Im nächsten Aufschwung könnten diese Branchen trotzdem noch leiden – und schlagartig gibt es eine Erklärung dafür, dass sich die Autoindustrie derzeit schwertut.

Dann kommen die allgemein bekannten Gefahren einer lockeren Geldpolitik dazu, die auch Rajan aufzählt: Die Gefahr überriskanter Investitionen mit neuen Schwierigkeiten; zu viel Geld, das in andere Länder fließt und dort Blasen bildet; und Anreize zum Reformstau wie in der Peripherie.

“Falls die jüngsten Entwicklungen einen Mythos zerstört haben, dann ist es wahrscheinlich der, dass die Notenbanker Technokraten sind, die sauber über der Politik und den Ideologien ihrer Zeit schweben. Auch ihre Füße berühren den Boden”, schreibt Rajan. Und: “So wie Quacksalber die Selbstheilungskräfte des Körpers als ihre Wunderheilung reklamieren, so werden einige Ökonomen den Aufschwung ihrem Lieblings-Konjunkturprogramm zurechnen – daran habe ich keinen Zweifel.”

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