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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Warum Google doch ein Monopol sein könnte

© ReutersVor den Google-Büros in Dublin

Wie gefährlich sind die Monopole von Internet-Firmen? Diese Diskussion läuft schon seit einiger Zeit, jetzt sind einige neue Gedanken dazu gekommen.

Die Grundidee: Mag das (faktische) Monopol von Firmen wie Google und Facebook auch selbst erarbeitet sein, ist es doch vielleicht schädlich. Vor allem, wenn die Märkte Eigenheiten haben, die ein Monopol geradezu herausfordern – wenn auf den Märkten also ohnehin ein natürliches Monopol herrscht.

Das ist gerade im Internet oft der Fall. Oft haben es Firmen umso leichter, einen attraktiven Dienst anzubieten, je mehr Menschen ihn nutzen. Das ist ein so genannter „Netzwerkeffekt“. Facebook zum Beispiel ist für den einzelnen Nutzer umso attraktiver, je mehr von seinen Freunden dort sind – da herrscht schon eine Tendenz zum Monopolnetzwerk. Wie sieht das mit Google aus? Klar ist: Hohe Entwicklungskosten lassen sich umso besser wieder einspielen, je mehr Menschen die Suchmaschine nutzen. Das an sich ist schon eine Tendenz zum natürlichen Monopol. Aber kann jederzeit eine andere, bessere Suchmaschine kommen? Ist Googles Monopol „angreifbar“? Das ist die entscheidende Frage.

Jetzt haben Justus Haucap und Christiane Kehder ein sehr schlaues und umfassendes Paper über Google veröffentlicht: 40 zum Lesen empfohlene Seiten. In der Monopolfrage ziehen sie das Kernargument aus einer Arbeit von Geoffrey Manne und Joshua Wright.

Was Googles Monopol (möglicherweise) unangreifbar macht, sind Googles Erfahrungen über die Vorlieben der Nutzer. Darüber, welche Suchergebnisse sie mögen oder nicht. Manne und Wright zweifeln aber daran, dass dieses Wissen noch relevant ist. Auch zusätzliche Daten würden nicht immer weiter helfen (auch hier gilt das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen). Dieser Punkt sei schon lange erreicht, schließlich habe Google auch Yahoo als dominante Suchmaschine ablösen können.

Das allerdings ist schon ein paar Jahre her, im Internet ist das eine Menge. Die Welt entwickelt sich weiter. Und ich glaube, dass Googles Datenmenge der Firma inzwischen einen enormen Vorsprung verschafft. Dazu muss man nicht mal darüber nachdenken, was Google alles an Informationen über uns gesammelt hat. Es reichen schon die reinen Suchabfragen – und zwar aus zwei Gründen:

  1. Google selbst sagt, dass es noch nicht am Ziel angekommen ist. Nach wie vor arbeitet Google darauf hin, Fragen in menschlicher Sprache zu verstehen. Einem alten Zitat zufolge möchte Google sogar Antworten geben, bevor die Fragen gestellt werden. Davon sind wir noch weit weg. Und auf dem Weg dorthin hilft nichts so sehr wie automatisiert auszuwertende Daten darüber, welche Antworten auf welche Fragen beliebt waren.
  2. Die schiere Zahl möglicher Suchanfragen. Selbst wenn wir mal nur Zwei-Wort-Anfrgen betrachten, macht das rund 19 Milliarden möglicher Suchanfragen in deutscher Sprache (der Duden kennt 140.000 Wörter). Viele davon sind nicht sinnvoll, aber es geht hier erst mal nur um die Größenordnung.
    Google selbst kam im vergangenen Jahr Schätzungen zufolge auf rund 1,9 Billionen Suchanfragen weltweit – das könnten ganz ungefähr 190 Milliarden Suchanfragen in deutscher Sprache sein.
    Dann bedeutet das: Jede mögliche Zwei-Wort-Anfrage kommt bei Google ungefähr zehn Mal im Jahr vor (und lässt sich zehn Mal auswerten). Die Konkurrenten haben aber nur rund ein Hundertstel von Googles Marktanteil. Das heißt: Bei ihnen kommen die meisten Suchanfragen überhaupt nicht vor. Also können sie daraus auch nicht lernen.

Aber was tun? Völlig zu Recht stellen Haucap und Kehder in ihrem Paper fest, dass gute Abhilfen noch nicht gefunden sind. Wir sollten weiter suchen.

Zwei zusätzliche Fragen bleiben für mich wichtig:

  • Welche Rolle spielt es, dass Macht auf einer Marktseite Macht auf der anderen Marktseite mit sich bringt? Also: Wie wichtig ist es, dass sich Webseitenbetreiber hilflos einem Monopol gegenübergestellt sehen?
  • Welche Rolle spielt es, dass eine Konkurrenzsituation quasi nie zu erreichen ist? Denn: Hätte ein anderer Konkurrent Erfolg, würde nur das Monopol ausgewechselt.

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