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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Von List zu Rodrik: Debatten über Grenzen der Globalisierung

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Friedrich List (1789 bis 1846) betrachtete Freihandel grundsätzlich als eine gute Sache, aber nur zwischen Nationen vergleichbarer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Lists wichtigster intellektueller Nachfahre heutzutage ist Dani Rodrik.

„Et la Patrie, et l‘Humanité“. Sowohl das Vaterland als auch die Menschheit stellte Friedrich List in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, als er das französischsprachige Motto einer im Jahre 1838 in Paris verfassten Schrift für die Französische Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften voranstellte. Der Platz des Nationalstaates in einer sich internationalisierenden Wirtschaft ist eines der großen Themen dieses württembergischen Feuerkopfes gewesen, der 1789 in Reutlingen zur Welt kam und seinem Leben 1846 in Kufstein selbst ein Ende setzte.

In deutschsprachigen Geschichten des ökonomischen Denkens findet List noch immer seinen Platz – etwa hier und hier -, aber insgesamt scheint sein Name in den Vereinigten Staaten und in Schwellen- sowie Entwicklungsländern heute bekannter zu sein als in seinem Heimatland.

© picture alliance / akgFriedrich List

„Freihandel ja, aber…“ lautet die bekannteste These aus seinem reichen Werk  – eine These, die noch heute für Diskussionen sorgt.

List betrachtete Freihandel als eine grundsätzlich vorteilhafte Organisationsform internationalen Wirtschaftens. Als Deutschland nach den napoleonischen Kriegen in fast 40 Staaten mit fast ebenso vielen Zollgrenzen unterteilt war, verfasste er ein Manifest zur Beseitigung dieser Handelsschranken. Auch mit seinem Eintreten für Gewerbefreiheit, ein möglichst einfaches Steuersystem und einen effizienten Staat vertrat List liberale Perspektiven. „Herr List hält die vollendete bürgerliche Gesellschaft für das anzustrebende Ideal“, urteilte Karl Marx.

Allerdings befürwortete List Freihandel nur zwischen Staaten mit einem vergleichbaren wirtschaftlichen Entwicklungsniveau. Da das im frühen 19. Jahrhundert fragmentierte Deutschland aus überwiegend agrarisch geprägten Staaten bestand, ließ sich für Deutschland die Abschaffung der Handelsgrenzen befürworten. Ganz anders sah es im Handel mit England aus, das damals als erste große Nation in die Industrialisierung eingetreten war und im Vergleich zu Deutschland wie zu den damals jungen Vereinigten Staaten von Amerika eine deutlich höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit besaß, die sich aus technischem Fortschritt erklärte. „Nationen sind ihren Zuständen nach ebenso verschieden wie Individuen“, schrieb List, der wie andere Ökonomen seiner Zeit dem Denken in einem wirtschaftlichen Stufenmodell verhaftet war. „Da gibt es Riesen und Zwerge, Jünglinge und Greise, Krüppel und wohlgebaute Personen … Wie weise Männer allgemeine Regeln auf diese verschiedenartigen Körperschaften anwenden können, kann ich nicht verstehen.“

Länder auf eine niedrigeren wirtschaftlichen Entwicklungsstufe sollten nach Ansicht Lists das Recht haben, sich durch Handelsbeschränkungen gegen die Exporte aus dem fortgeschrittenen Land zu wehren, bis nach noch zurückgebliebene Land den Vorsprung des Konkurrenten aufgeholt hatte. Elmar Baeriswyl schreibt in seiner interessanten Dissertation über Lists Wahrnehmungen: „Er erlebte, wie zur Zeit der Kontinentalsperre deutsche Manufakturen, vor der übermächtigen englischen Konkurrenz geschützt, kurzzeitig einen bedeutenden Aufschwung erlebten. Nach dem Ende der Sperre Napoleons wurden die jungen deutschen Manufakturen wieder der englischen Konkurrenz ausgesetzt und verschwanden zu einem grossen Teil.“

Diese Idee des Schutzzolls oder Erziehungszolls verbindet sich bis heute mit dem Namen Friedrich Lists, obgleich sie bei früheren Autoren nachgewiesen werden kann. Anders als es die damals führende Klassische Wirtschaftslehre, vertreten etwa durch Adam Smith und Jean-Baptiste Say, postulierte, besaßen aus Lists Sicht nicht nur Individuen legitime Interessen, sondern gerade auch Nationen:  „Als charakteristischen Unterschied des von mir aufgestellten Systems bezeichne ich die Nationalität. Auf die Natur der Nationalität als des Mittelgliedes zwischen Individualität und Menschheit ist mein ganzes Gebäude gegründet.“List betrachtete seinen eigenen Ansatz nicht als völligen Bruch mit der Klassischen Ökonomie, sondern als notwendige Ergänzung: „Adam Smith behandelt die Individualökonomie und die Ökonomie der Menschheit. Er lehrt, wie der einzelne in Gesellschaft mit anderen Individuen Wohlstand schafft, denselben vermehrt und konsumiert, und wie der Fleiss und Wohlstand der Menschheit den Fleiss und Wohlstand des einzelnen beeinflussen. Er hat ganz vergessen, wovon der Titel seines Buches über den ,Wohlstand der Nationen‘ zu handeln versprach. Da er den unterschiedlichen Zustand der verschiedenen Nationen bezüglich ihrer Macht, Verfassung, Bedürfnisse und Kultur nicht in Betracht zieht, ist sein Buch einzig eine Abhandlung über die Frage, wie es um die Wirtschaft der Individuen und der Menschheit stünde, wenn die Menschheit nicht in Nationen geschieden, sondern durch ein gemeinsames Gesetz und eine gleiche Geisteskultur geeint wäre. Diese Frage behandelt er ganz logisch, und unter dieser Annahme enthält sein Buch große Wahrheiten.“Im Grunde lehnt List damit die Allgemeingültigkeit von Ricardos berühmtem Theorem von der Vorteilhaftigkeit des Außenhandels ab – ein Theorem, dessen theoretischer Ruf vorzüglich ist und das  empirisch, jedenfalls in Grenzen, als gut abgesichert gilt.List war zeitlebens ein Mann, der mit seinen Ideen lauthals hausieren ging. Er war ungeheuer fleißig und begeisterungsfähig bis zur Besessenheit, aber auch unbequem, halsstarrig und verletzend. Als junger Mann im Staatsdienst brachte er es der Reutlinger „Generalsyndikus der deutschen Zukunft“ (Theodor Heuss) ohne akademische Ausbildung kurzzeitig zum Professor an der Universität in Tübingen. Als Abgeordneter des Ständehauses in Stuttgart geriet er in Händel mit dem Königshaus, worauf er nach Zwischenstationen in Straßburg und in der Schweiz in die Vereinigten Staaten emigirierte. Dort vertrat er die Schutzzollidee und schrieb viel über Politische Ökonomie, was dazu führt, dass „Frederick List“ unter amerikanischen Ökonomen lange kein unbekannter Name geblieben ist.

In den Vereinigten Staaten entdeckte List aber auch eine andere große Leidenschaft: die Eisenbahn als junges Verkehrsmittel, die mit ihren Transportmöglichkeiten die Voraussetzung für wirtschaftlichen Wohlstand schuf. List ist als „Eisenbahnpionier“ ebenso in die Geschichtsbücher eingegangen wie als Ökonom und als Befürworter eines politischen Nationalliberalismus. Er sah eine „enge Wechselwirkung zwischen der Manufakturkraft und dem Nationaltransportsystem“.

Als List in seinen späten Jahren nach Europa zurückkehrte, bemühte er sich vielerorts um eine Beschäftigung als Planer von Eisenbahnstrecken und als Manager von Eisenbahnen. Lists Kompetenz wurde geschätzt, ihm aber nicht vergolten – der Württemberger scheiterte immer wieder an seiner komplizierten Persönlichkeit, aber auch an politischen Vorbehalten des deutschen Adels gegenüber dem nunmehrigen amerikanischen Staatsbürger. Am Ende sah List, körperlich und seelisch schwer erkrankt und von Armut bedroht, im Selbstmord den letzten Ausweg.

Die Idee des Schutzzolls ist ebenso umstritten wie populär geblieben. Man denke etwa an die früheren Versuche lateinamerikanischer Staaten, sich durch Importsubstitution ein Stück weit unabhängig von den westlichen Industrienationen zu machen – eine Konzeption, deren bekanntester Vertreter der argentinische Ökonom Raul Prebisch war.

Bis heute finden sich in Schwellen- und Entwicklungsländern Anhänger solcher und ähnlicher Ideen zur Begründung von Handelsbeschränkungen. Auf Widerstände aus den Industrienationen verweisen sie auf deren eigene Geschichte: Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatten auch damals wirtschaftlich weit entwickelte Nationen wie das Deutsche Reich zur Zollpolitik gegriffen. Mit der damaligen Schutzzollpolitik sollte unter anderem die unter Konkurrenzdruck stehende und nur eingeschränkt wettbewerbsfähige ostelbische Landwirtschaft geschützt werden – unter dem Beifall von Industriellen.

Die Zunahme der Handelsbeachränkungen auch als Folge des Ersten Weltkrieges gilt als ein Grund für die wenig erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung in derZwischenkriegszeit. Generell aber sind die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine Zeit der Liberalisierung des internationalen Handels gewesen; gerade Zölle spielen heutzutage kaum noch eine Rolle. Alleine in dem Vierteljahrhundert vor Ausbruch der Finanzkrise ist die Weltwirtschaft deutlich gewachsen und eine stärkere marktwirtschaftliche Ausrichtung gilt als ein wesentlicher Grund hierfür, wie zum Beispiel Andrei Shleifer in einem bekannten Aufsatz demonstriert hat: „Between 1980 and 2005, as the world embraced free market policies, living standards rose sharply, while life expectancy, educational attainment, and democracy improved and absolute poverty declined.“ Shleifer befasst sich allerdings auch mit Einwänden gegen diese These.

Die Debatte, ob der Freihandelsgedanke einer Zähmung bedarf, ist gleichwohl niemals verstummt. Sie reicht heute weit über die Zollfrage Lists hinaus. Eine prominente Rolle in dieser Debatte spielt der aus der Türkei stammende Ökonom Dani Rodrik (Foto: Andrzej Barabasz) , der lange an der Universität Harvard lehrte und seit kurzem am Institute for Advanced Studies im amerikanischen Princeton arbeitet. Rodrik wirft nicht nur konkrete Fragen auf wie jene, ob eine finanzielle Globalisierung auch für Länder mit wenig entwickelten Banksystem und Kapitalmärkten vorteilhaft sein muss, wenn diese mit massiven Zuströmen und Abflüssen ausländischen Kapitals ausgesetzt sind. Er geht das Thema auch grundsätzlich an.

In einem im Jahre 2009 erschienenen Buch „Das Globalisierungs-Paradox“ postuliert Rodrik (hier eine Rezension aus meiner Feder), der sich als Marktwirtschaftler und nicht als linker Globalisierungsgegner versteht, ein „fundamententales politisches Trilemma“ der Weltwirtschaft: „Wir können nicht gleichzeitig Demokratie, nationale Selbstbestimmung und wirtschaftliche Globalisierung betreiben. Wenn wir die Globalisierung weiterführen wollen, müssen wir entweder den Nationalstaat oder demokratische Politik aufgeben. Wenn wir die Demokratie behalten und vertiefen wollen, müssen wir zwischen dem Nationalstaat und internationaler wirtschaftlicher Integration wählen. Und wenn wir den Nationalstaat und Selbstbestimmung bewahren wollen, müssen wir zwischen einer Vertiefung der Demokratie und einer Vertiefung der Globalisierung wählen.“ Rodriks Argumentation zielt darauf ab, dass Märkte nach seiner Ansicht eines staatlichen Rahmens bedürfen. Globale Märkte bräuchten dann einen globalen Rahmen, aber Rodrik sieht keine Legitimation für eine Weltregierung. *)

Rodrik hat sich auch mehrfach sehr skeptisch zu der Annahme geäußert, mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Schwellenländern verbinde sich notwendigerweise die Vorstellung einer allmählichen ökonomischen Konvergenz von reichen und nicht so reichen Volkswirtschaften.

Einen Vortrag über die aktuelle Bedeutung von Nationalstaaten aus dem Jahre 2012 fasste Rodrik wie folgt zusammen: „The nation-state has long been under attack from liberal economists and cosmopolitan ethicists alike. But it has proved remarkably resilient and remains the principal locus of governance as well as the primary determinant of personal attachments and identity. The global financial crisis has further underscored its centrality. Against the background of the globalization revolution, the tendency is to view the nation-state as a hindrance to the achievement of desirable economic and social outcomes. Yet it remains indispensable to the achievement of those goals.“

Rodrik hat kürzlich in einem sehr interessanten und sehr gelobten Interview – hier in FAZIT zusammengefasst – über seine Erfahrungen als Ökonom geschrieben. Rodrik bedient sich der Arbeitstechniken des Mainstream-Ökonomen, was es ihm in den vergangenen Jahrzehnten erlaubt hat, in den führenden Fachzeitschriften zu publizieren und sich einen vorzüglichen Ruf als Ökonom zu erarbeiten. **) Somit ist er kein völliger Außenseiter in seiner Zunft. Rodrik berichtet aber auch über die Misshelligkeiten, die er erlebt hat, weil er gelegentlich zu Ansichten und Einschätzungen neigt, die nicht jene des Mainstreams sind. List hingegen ist zu seinen Lebzeiten immer ein Außenseiter geblieben, auch wenn ihn Karl Häuser später als „den bekanntesten und volkstümlichsten deutschen Nationalökonomen“ bezeichnet hat und es bis heute eine „List Gesellschaft“ gibt (von der allerdings in den vergangenen Jahren nicht mehr viel zu hören und zu sehen war).

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Dieser Artikel entstand aus einem Beitrag über Friedrich List, der im Rahmen einer Serie über bedeutende Ökonomen am 4. August 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist.

*) Damit hat Rodrik sicherlich recht, aber ein überstaatlicher Rahmen kann auch durch enge Kooperation von Nationalstaaten entstehen – wie weit so etwas, verfassungsrechtlich wie politisch, gehen kann, ist eine Frage, die zum Beispiel aktuelle Debatten in der Eurozone prägt.

**) Was aber natürlich nicht bedeutet, dass seine Thesen unanfechtbar wären. So wäre es reizvoll, Rodriks institutionenökonomisches Denken mit jenem seines Freundes und Kollegen Daron Acemoglu zu vergleichen – was wir bei Gelegenheit einmal tun werden.

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12 Lesermeinungen

  1. Dani Rodrik, China, India
    Vorab Dank an Herrn Braunberger, dass er DANI RODRIK der FAZ-Gemeinde vorstellte.
    Die Wettbewerbsfähigkeit Chinas verdanken wir der kurzsichtigen Politik Henry Kissingers,
    der diplomatische Beziehungen der USA mit diesem wahrhaft maoistischen Einparteienstaat
    einfädelte, dem die Handelsbeziehungen folgten.Asiatischer Merkantilismus in Reinkultur. Der hohe Benzinpreis in Frankfurt und Tuscon (2,40$/gal) ist Folge der chinesischen Nachfrage nach dieser nur einmal und nie wieder aus der Erde zu pumpenden Energie. Die Chinapolitik
    erodiert die Massenkaufkraft in USA. Die Autoren Navarro und Autry haben 2011 in ihrem
    Buch „Death by China“ auf die Langzeitfolgen warnend hingewiesen.
    RODRIK verweist zu Recht auf die Kraft und Beständigkeit der Idee der Nation. Alle 27
    EU-Mitglieder versuchen, aus Brüssel mehr herauszuholen als einzuzahlen. 26 gelingt es.
    Das 27. Mitglied schuftet für einen Exportwahn, der auf den tönernen Füßen des Kredits
    der Importländer steht.

  2. Leider schreiben auch die meisten Kommentatoren hier nur 0815 Unsinn
    Herr Manteuffel die südlichen EU Länder wären ohne den Euro ebenfalls Pleite bzw. wären es bereits seit einigen Jahren gewesen. Der Euro war eine Rettungsmaßnahme bzw. eine verdeckte Abwicklung von Reperationszahlungen an die Südländer via dem Währungssystem.

    Wieso wären die Südländer auch ohne Euro Pleite? Einfach weil sich der Weltmarkt fundamental geandelt hat. Die Konkurrenz in den jeweiligen „Geschäftsfeldern“ wurde immer größer – von Schwellenländern oder Osteuropäischen Staaten. Die Südländer konnten in den letzten 200-300+ Jahren technologisch nicht mit den Nordländern konkurrieren und können es noch immer nicht. Wie auch, es wurde ja in Immobilien investiert und nicht in Forschung und Industrie, Bildung oder ähnliches. Die Gesellschaften sind verkrustet, Plutokratisiert mit Konzentration auf Anwalts- und BWL Berufen zur Besitzstandwahrung. Das System muss nicht effizient sein, es bereichert sich notfalls an seinen Bürgern bzw. am Währungssystem.

    In der Industrie gibt es eine VIELZAHL an Gründen wieso der Süden nicht Wettbewerbsfähig ist – bzw. es gab andere Länder die einfach günstiger sind und den technologischen infrastrukturellen Vorsprung aufgeholt haben. Nehmen Sie die asiatischen Tigerstaaten, die BRICS oder Osteuropäische Staaten in denen heute viele Produkte produziert werden, die zuvor in SP, Gr, It, Fr gefertigt wurden.

    Die Gesellschaften in ihrer Ordnung und Organisationsform sind mit der jeweiligen Infrastruktur einfach nicht mehr Wettbewerbsfähig.
    Hinzu kommt eine Verschiebung der Preisrelation auf dem Weltmarkt – wir haben seit 10-15 Jahren eine massive Verknappung an Rohstoffen erlebt, ein deutlicher Anstieg der Erdölpreise usw. – doch gerade die Südländer sind extrem Rohstoffarm, weil in der langen Kulturgeschichte alle abbaubaren Gebiete bereits früher erschlossen und abgebaut wurden.

    Und selbst wenn Rohstoffe vorhanden sind, wie z.B. Erdöl und Gas in GR – dann fehlt die Technologie für den Abbau – es sind eben nicht einfach zu erschließende Erdölquellen wie der Great Gusher in den USA.
    Selbst im Tourismus sticht die Türkei Griechenland heute im Preis-Leistungsverhältnis aus – stellvertretend für die gesamten Mittelmeeranreiner in Nordafrika.

    Mitlerweile betrifft diese Verschiebung der Wettbewerbsfähigkeit ja auch ganz massiv die USA – und Frankreich bzw. GB – daher die „Finanzkrise“. Auch hier, wie ansatzweise in der BRD, sind die gesellschaftlichen Organisationsverhältnisse nicht mehr effektiv. Oder sagen wir es direkt – die Kapitaleigner setzen dieses nicht mehr langfristig produktiv ein – vor allem in einem Technologischen Sinn – sondern investieren in scheinbar lukrative Güter ohne wirklichen technologischen Mehrwert: Immobilien, Yachten, Gemäle, Finanzwetten usw.

    @ Herr Siewert

    Bitte beschäftigen sie sich mit Indien im Vergleich zu China – der größte Unterschied beider Länder ist die Ausstattung mit natürlichen Ressourcen. China ist der 4. oder 5. größte Erödlproduzent der Erde und war für über 10 Jahre Erdölexporteuer – so konnten u.a. Investitionen finanziert werden.

    Indien hat eine nicht geringere Anstrengung unternommen Rohstoffe nach seiner Unabhängigkeit zu erschließen – nur gab und gibt es in Indien eben nur sehr, sehr begrenzte Erdöl/Gas Ressourcen.
    Das selbe gilt für Kohle! und Uran – nur die Thoriumreserven, momentan nutzlos, sind reichhaltig.
    Sämtliche Energierohstoffe sind in Indien knapp, von schlechter Qualität (hoher Ascheanteil, geringer Brennwert etc.)

    Doch welche Rohstoffe treiben Dampfmaschinen, Motoren und Generatoren an und sind meist essentiell für chemische Prozesse?
    Enerierohstoffe.
    Das hat der Westen bereits früh erkannt und deshalb sichern noch heute westliche Firmen nachschubrouten und Abbaugebiete weltweit.

    Auch wenn sie sich die Entwicklung Indiens betrachten – England hat die Rohstoffe aus Indien günstig Importiert – mit mehr als ein wenig Kanonen – mit sehr, sehr, sehr viel Gewalt und Geschick. Das „Rechtssystem“ war nur dem Namen nach ein solcher – es gab Rechtsprechung – aber nur im Namen der Briten – es war ein Verwaltungssystem – zur maximalen Ausnutzung der Kolonie zum Vorteil GBs. Es sollte möglichst verhindert werden, dass die Technologie nach Indien exportiert wird. Selbst die Lokomotiven wurden nach Öffnung des Suezkanals per Schiff aus GB importiert – den Suezkanal und die Fortschritte/SEnkungen in den Transportkosten hatte Marx bei seiner Prognose bez. Indien nicht einkalkuliert bzw. wer weis ob die Briten nicht aus seiner „Warnung“ bzw. Analyse einfach die richtigen Schlüsse gezogen haben?

    Als Indien unabhängig wurde, besaß es keinerlei nennenswerte Industrie. Damit auch keinerlei umfangreiche Forschungs und Bildungseinrichtungen. China war in diesem Zusammenhang nie so kolonialisiert wie Indien.

    Lesen sie doch einfach einmal historisch wirtschaftliche Analysen von HISTORIKERN – Hier wird immer deutlich herausgearbeitet, dass in allen Kulturen!, Militär, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft IMMER in einer engen Wechselwirkung standen. D.h. es handelt sich immer um Kuppelstrategien, z.b. brachten Telegraphendienste militärische Vorteile, aber auch Finanzpolitische.
    Die Beschleunigung der Schifffahrt erhöhte die militärische Mobilität, aber senkte gleichzeitig auch wirtschaftliche Transportkosten.
    Die Sicherung von Kolonien ermöglichte den Abbau von Erzen, die deutlich einfacher zu fördern waren als im Mutterland – mehr Ertrag mit kleinerem Aufwand.

    • China vs. Indien plus Wettbewerbsfähigkeit
      @ Herr Metzger,
      der Vergleich bei den Rohstoffen zwischen Indien und China ist interessant und plausibel. Dies gab einen wirksamen Entwicklungsvorsprung für China.
      Indien hat von den Briten seine Eliteuniversitäten, deren Absolventen im Silicon Valley willkommen sind und die nach Rückkehr Indien als Softwarestandort aufgebaut haben. Der Vorteil: hohe Wertschöpfung als Softwarestandort. Der Nachteil: Ressourcen fließen in die Spitzenförderung. Die Breite bleibt arm, geringer Bildungsstand ist ein wichtiger Faktor. Man kann nur spekulieren, was wäre, wenn begrenzte Ressourcen gleichmäßiger in das Bildungssystem kanalisiert worden wären. Nun führt China klar vor Indien und – siehe Pfadabhängigkeit – Entwicklung ist immer besser fortzuschreiben als Brüche zu haben.

      China hat – nicht nur mit den Rohstoffen – viel historisches Glück mit seinem Geschäftsmodell. Eine Kombination aus staatlicher Infrastruktur, Staatsbetrieben, der Privatwirtschaft und die Integration in internationale Wertschöpfungsketten. Nun sinkt der Grenznutzen und weit und breit gibt es keinen Ersatz. Und wird es nicht geben. Sie haben seit 30 Jahren keine Strukturreformen! In Deutschland war die Agenda 2010 politisch schwierig durchzusetzen, hier potenzieren sich die Probleme. 20 Jahre Stagnation wie in Japan? Es kann noch schlimmer kommen, nur wissen wir nicht, ob morgen oder in 5 Jahren. Der Lewis-Punkt tritt Anfang 2020 ein, vorher implodiert das Modell gewiss. China ist schon too big for failure, aber eine Fortsetzung dieser wahnsinnigen Wachstumsraten bleibt aus.

      Historiker: Empfehlungen? Es geht immer um Mustererkennung in einem Netz aus Abhängigkeiten und sich verändernden und widersprüchlichen Faktoren. Meine Grundidee ist, dass sich die Zweiteilung in Arm und Reich als logische Folge des Marktes entfaltete. Indien wie England trugen asymmetrisch zur industriellen Revolution bei und profitieren asymmetrisch von ihr – inzwischen gibt es mehr Mobiltelefone als Menschen, dies hätten Entwicklungsländer noch lange nicht alleine ohne den Westen geschafft. Nicht nur Chancen und Ressourcen sind sehr ungleich verteilt, auch die Ergebnisse. Wie sie verteilt werden, ist ein geopolitischer Prozess, früher mit Kanonen, heute effektiver mit dem Rechtsanwalt, internationalen Organisationen, mitunter auch Demokratie und Menschenrechte.

      Thema Wettbewerbsfähigkeit: USA ist im Pro-Kopf BSP unter 2008. Aber: Europa und Japan stehen eher schlechter da. Strukturell und demographisch liegen sie signifikant zurück. Damit bleibt mindestens für die nächsten 10 Jahre die USA unangefochten bei neuen Basisinnovationen und dominiert weiter. Stärke und Effektivität sind relativ und gerade bei Erneuerungsprozessen hilft nur „Trail und Error“, je mehr desto besser. Und allein aus dem rechnerischen Vorsprung der USA bleibt- selbst bei schlechter Politik – ein Vorsprung erhalten oder erweitert sich sogar. Siehe die enorme Unterstützung/Subvention des Staates (Verteidigungsministerium) für das Silicon Valley. Second to none (Maßstäbe). Die eigentliche Quelle des Wettbewerbsvorsprungs. Auch das mag unfair sein, trotzdem ist es effektiv.

    • Sie irren Herr Metzger!
      Sie schrieben: „Herr Manteuffel die südlichen EU Länder wären ohne den Euro ebenfalls Pleite bzw. wären es bereits seit einigen Jahren gewesen.“
      Das ist so nicht richtig, denn eine eigene griechische Währung wäre abgewertet worden und hätte Griechenland in die Lage versetzt wettbewerbsfähig zu bleiben (oder wieder zu werden). Zugleich wären die Importe eingeschränkt geworden, weil sie zu teurer geworden wären. Eine Eigene Währung hätte die Griechen (auch wegen höherer Zinsen) automatisch diszipliniert.

  3. Eine Währung ist stets Spiegel der wirtschaftlichen Potenz eines Landes - List hatte also Recht.
    Mit Ländern wie Schweden, Dänemark, Holland, Frankreich und England (plus Luxemburg und ein Paar anderen) hätte man einen Euro machen können (also entsprechend dem Nord-Euro wie er jetzt diskutiert wird). Die Griechen haben durch die Euro-Einführung nur Nachteile – und wir schon recht. Man blicke auch nach Nordamerika – zwar gibt es dort keine Pläne einer gemeinsamen Währung, wohl aber eine Freihandelszone. Dies wäre auch für Europa das richtige Modell gewesen, denn viel zu ungleich sind die Wirtschaftskraft der einzelnen Länder, auch deren Mentalität usw. Der Euro ist von Politikern gewollt – nicht von Ökonomen und schon gar nicht von den Menschen. Zumal in Deutschland nicht, denn jeder weiss, dass die Deutschen durch den Euro de facto enteignet worden sind. Schäuble versucht nun, durch eine Krise seinen Euro-Zentral-Staat gegen die Menschen durchzusetzen. Damit ist er sich mit den Südländern einig, die Morgenluft wittern. Ziel ist es, den deutschen Wohlstand entgültig auf die EU zu verteilen, damit dann aus der Krise heraus der Bürokraten-Moloch EU zu einem Zentral-Staat ausgebaut werden kann. Die nationalen Souveränitäten, vor allem die Finanz-hoheit Deutschlands soll dann entgültig aufgebrochen werden. Dahinter steckt Ideologie: Es sollen alle Brücken beseitigt werden, damit kein Rückweg mehr möglich ist. Das erinnert stark an die destruktive Politik Deutschlands im Zweiten Weltkrieg – hoffen auf eine blinde Ideologie. Auch die innere Sicherheit soll diesem Wahn geopfert werden, wie wir in Deutschland immer stärker beobachten. Am Ende soll – auf Druck der Lobbys in Brüssel – die Türkei in die EU geholt werden. Denn die Wirtschaft will diesen gigantischen Konsumenten-Markt. Dass die EU dann Aussengrenzen mit Irak, Iran, Syrien u.a. haben wird, ist der Wirtschaft natürlich egal und die Beamten in Brüssel werden schlicht korrumpiert. Das aber wäre dann der entgültige Untergang unserer Demokratie, denn schon jetzt stehen wir ja fast vor inneren Unruhen durch die völlig fehlgeschlagene Integration. Ein Beitritt der Türkei würde Deutschland das Genick brechen – und unsere Parteien wollen genau das. Letztlich resultiert das aus den Komplexen, die der verlorene Krieg in den Köpfen blinder Gutmenschen-Ideologen hinterlassen hat. Und diese Leute lenken zur Zeit unseren Staat.

  4. List bestätigt: Asymmetrisches Gleichgewicht und die globalen Folgen des Handels
    Es gibt die wenig bekannte Analyse von Oded Galor und Andrew Mountford “Trading Population for Productivity: Theory and Evidence“ über die Folgen des Handels mit einer bestechenden Logik, die viele der Argumente von List und Rodrik aufnimmt.

    England exportiert Textilien, dann, mit dem technologischen Durchbruch, zunehmend Industriegüter, Indien importiert sie, anfangs mit etwas Unterstützung von Kanonen. Indien war der größte Textilproduzent, nun ist er es nicht mehr. Nach Ricardo profitieren Indiens Konsumenten von den geringeren Textilpreisen und dem Zugang zur Industrie, Eisenbahn, Rechtssystem. Es ist Handel zum gegenseitigen Vorteil. Die Marktgesetze wirken, wenn auch mit der Herausbildung einer bürgerlichen Gesellschaft in England und sozialen, nur schwer beherrschbaren Umbrüchen in Indien. Nun beginnt etwas Kritisches: Indien ist bei Textilien nicht mehr wettbewerbsfähig, es konzentriert sich auf seine komparativen Vorteile – Rohstoffe. Dies lassen sich durch eine größere Bevölkerung mehren. Die Bevölkerungsexplosion folgt einem einfachen ökonomischen Imperativ. Quantität schlägt Qualität, mehr Kinder machen Sinn, nicht ihre Ausbildung. Investitionen in das Humankapital unterbleiben, ohne Bedarf bleiben die Institutionen unterentwickelt. Während Mengenumsatz und Pioniergewinne in England die industrielle Revolution voranpeitschen, driftet Indien ab, die Kluft zum Westen wird größer. Dies passiert auch mit der Industrialisierung in Brasilien, dem Sklavenhandel in Westafrika und, und. Mit anderen Worten, in völliger Übereinstimmung mit dem Markt erhalten wir eine Zweiteilung der Welt, die große Divergenz zwischen der Ersten und Dritten Welt. (Die zweite Welt blieb auf sich selbst beschränkt und implodiert nach einiger Zeit). Dies ist bis heute so. Keine Entwicklungshilfe kann daran etwas ändern. Die Wirtschaft hat sich gewandelt, die Industrie hat einen Kreislauf vollendet und ist vom Mutterland England nach China gewandert. Sie folgt dem Weg der Landwirtschaft, ist Know-how-Träger und kritische Komponente, aber kein Wachstumstreiber.
    Nicht so die Wertschöpfung. Industrialisierung bedeutet die Entstehung globaler Wertschöpfungsketten. Von den primitiven Formen und Kanonenbooten und Opiumkriegen sind wir weg. Leitwährungen und NSA sind billiger und effektiver. An der Spitze bleibt die USA mit dem IPad, Anwendungsinnovationen kommen aus dem Westen (BMW baut schöne Autos um das IPad herum), arbeits- und umweltintensive Erzeugnisse kommen aus den Schwellenländern. Siehe auch den in diesem Blog besprochenen Beitrag Acemoglus zum asymmetrischen Gleichgewicht. 80 fragile, zerfallende Staaten sind an der ökonomischen Peripherie, Teil des Geschehens, aber ohne politischen und wirtschaftlichen Einfluss auf die zukünftige Produktivität. Eigentlich eine unglaubliche globale Erfolgsgeschichte. Weniger für die 1.2 Milliarden Menschen, die nach wie vor in Subsistenz leben – mehr als die Bevölkerung zu Beginn der Industrialisierung. Es bleibt viel Zufall und viel Illusionen über die wunderbaren Wirkungen des Marktes.

  5. Die EU ist der neuzeitliche BEWEIS…
    …für die Wahrheit der Erkenntnis des Herrn List:

    “Nationen sind ihren Zuständen nach
    ebenso verschieden wie Individuen.”

    Und deshalb wird sie auch nie und nimmer
    „funktionieren“ k ö n n e n.

    Die trostlosen
    BANKEN-RETTUNGEN
    sprechen hier Bände!

  6. Einige Gedanken dazu
    Zum Nationalstaat und seiner Einwohnerzahl
    Aufgrund der immer noch zunehmenden Automatisierung können immer weniger Menschen immer mehr Produkte herstellen. Ein Grund für die Stärke der BRD vor 1990 liegt meiner Meinung nach darin, dass man mit ca 60 Millionen Einwohner womöglich nahe einem Optimum war. Die BRD hatte in fast allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen eigene international konkurrenzfähige Organisationen und Konzerne. Da stellt sich einfach die Frage: Was macht man mit 18 bis 20 Millionen weiteren Staatsbürgern, wenn die Arbeitsplätze mit auskömmlichen Einkommen ziemlich genau und gut für 60 Millionen Menschen gereicht haben?

    Was soll man erst machen, wenn wir einen EU-Staat hätten mit 300 Millionen Staatsbürgern, die Arbeitsplätze mit auskömmlichen Einkommen aber vielleicht nur für 150 Millionen reichen?
    Das führt automatisch zur Notwendigkeit eines starken Anstieges sozialer Transferleistungen. Solche Transferleistungen sind aber besser vertretbar, wenn man eine engere Bande zwischen Gebern und Nehmern besteht: Bei kleinen Nationalstaaten weiß man eben mehr oder weniger, wer das Geld bekommt, und man weiß, wofür die Nehmer es ausgeben – in einer EU aber landet das Geld irgendwo tausende Kilometer entfernt bei Menschen, mit denen einen weder persönlich noch kulturell noch privat auch nur das geringste verbindet; es landet teilweise sogar in Kulturen, die eine Auffassung vom Zusammenleben haben, die man seit Jahrzehnten selber rundweg als kriminell und sitten- und würdelos und gar asozial bezeichnet hat.

    Letztlich gründen sich die Regeln für das friedlich Zusammenleben darauf, das man ähnliche Ansichten zu Sitte und Anstand hat – wenn die Blockparteivertreter die BRD mit anderen Kulturen zu einem gemeinsamen Staat vereinigen wollen, dann muss jeder Teile seiner Ansichten zu Sitte und Anstand aufgeben und dem anderen anpassen. Dies zu erzwingen sind die Politiker aber nicht legitimiert. Dies könnte nur über eine Volksabstimmung zu einer neuen Verfassung geschehen.

    Unter den Voraussetzung der Industrialisierung und Automatisierung und der Unterschiede in der Lebensauffassung ist die EU zum Scheitern verurteilt.
    In der Folge wird es zu weiterem wirtschaftlichem Abstieg und sozialen Unruhen kommen, die nur in der jeweiligen Region untereinander lösbar sein werden – Brüssel oder eine EU-Regierung ist nur ein selbstbersorgender Moloch ohne positive Funktion.

    Zu den Wirtschaftstheorien
    Ohne Übertreibung – seit ich als Erwachsener am täglichen Leben teilnehme, lese und höre ich von Leuten, die versuchen Fragen zu beantworten, die zum Großteil schon vor Jahrhunderten – zur Fragen der Gerechtigkeit gar schon seit Jahrtausenden – vernünftig beantwortet sind. Erst vor zwei Tagen bin ich mit einem an sich tadellosen Mitmenschen ins Gespräch gekommen, der über den „Kapitalismus“ klagte, der eine bestimmte Forum des „Kommunismus“ anstrebt, der das Geld abschaffen will – das übliche halt.
    Aber als ich dann mit ihm über konkrete Aspekte von Geld und Bezahlung, über Gerechtigkeit und Wirtschaft gesprochen habe, hat er zum Teil Fragen gestellt bzw Ansichten geäußert, die längst beantwortet sind bzw widerlegt sind. Z.B. über Geldschöpfung und faire Bezahlung und Nachfrage.

    Leider sind unsere öffentlichen Medien ca seit 1998 vollkommen eingespannt worden in die politische Propaganda. Einem Bildungsauftrag kommt man kaum noch nach. (Vielleicht 2 Sendung in der Woche bei insgesamt über 16(?) TV-Sendern und noch viel mehr Radiosendern.)
    In den Schulen wurden Wirtschaftstheorie und das Wissen um die Grundlagen und den Sinn der Bürgerrechte schon zu meiner Zeit konsequent, ja geradezu fanatisch marginalisiert.
    (Meine Mitschüler und Kollegiaten waren da größtenteils wesentlich sachlicher und gelassener als ein Teil derjenigen Lehrer, bei denen man einen zwar unterdrückten aber doch erkennbaren 68-Hintergrund gab.
    In der Folge trifft man in öffentlichen Diskussionen, ja sogar im FAZ-Forum, immer wieder auf Leute, die mit glühendem Eifer Ansichten vertreten, die unpraktikabel, ungerecht oder gar unsinnig sind. (Mit dem „sogar“ meine ich nicht die üblichen Verdächtigen der Öko-Kirche, der Klimagaukler und der Altstalinisten. Vielmehr meine ich die, die „soziale Gerechtigkeit“ nicht mehr als Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben erkennen.)

    Jedenfalls hatte mein Gesprächspartner erfreulicherweise auch einige richtige Ansichten. Auf meine Frage, ob er denn meine, dass die Mittelmeerländer weiterhin billiges Geld bräuchten, hat er mit absolut Klarheit geantwortet: „Die niedrigen Zinsen für Kredite in den letzten Jahren haben den Mittelmeerländern überhaupt nicht geholfen.“ – Damit ist er immerhin weiter als alle Vertreter der Blockparteien, die wir in den letzten 15 Jahren in unseren Talkshow ertragen konnten!

    Zusammengefasst:
    1. Meiner Ansicht nach liegt die optimale Größe eines Nationalstaates heute zwischen 40 und 60 Millionen Staatsbürgern. Alles andere ist – trotz gutem Willens – nicht vorteilhaft für die Mehrheit der Wähler.
    2. Eines der größten Übel unserer Zeit sind gekaufte „Gutachter“, Wirtschafts“weise“ und sonstige Leute, die trotz besseren Wissens die vielen gut gelösten Aspekte des Handels und der Wirtschaft immer wieder verdrehen, verstellen und mit baren Erfindungen übertönen wollen. Die Folge sieht man bei meinem Gesprächspartner: Jung, freundlich, studiert, motiviert – aber keine Ahnung vom alltäglichen Wesen der Wirtschaft.

  7. Empirische belegte Thesen......
    Ich frage mich ganz erhlich, haben Sie sich, als Autor des Textes, jemals wirklich mit dem Thema Entwicklungspolitik befasst? Oder ist dieser Text als trojanisches Pferd zu verstehen, in dem Sie dem Leser die Gedankenwelt eines Herrn Lists näher bringen, allerdings sich selbst „schützen“ indem Sie dies aus einem kritischen Blickwinkel schildern?

    List schreibt nur, was für Unternehmen und in der Betriebswirtschaftslehre als State of the Art gilt: Porter wandte BWL Strategien auf die Entwicklungspolitik an und entwickelte das Modell der selektiven Weltmarktintegration – d.h. in manchen bereichen sollten Staaten – wie Unternehmen – auf dem Weltmarkt integriert sein, in anderen Bereichen die Wirtschaft durch Schutzölle oder ander Markteintrittsbarrieren schützen.

    Wenn wir die Entwicklungsrealität anschauen, so haben alle! Nationen diese Strategie angewandt – selbst GB schützte seine Wirtschaft in bestimmten „kriegswichtigen“ Bereichen permanent.

    Der Freihandel wurde oftmals als Strategie des Kostenführers / Entwicklungsführers beschrieben seinen Marktanteil und Profit zu erhöhen. Sobald andere Nationen diesen Vorteil eingeholt haben oder gar überholt, wurde IMMER auf Schutzzölle oder andere Maßnahmen zurückgeriffen.

    Nehmen Sie doch einfach die rechtliche Situation in den USA – hier zahlen – empirisch stichahtlig nachgewiesen – insbesondere ausländische Unternehmen deutlich erhöhte Summen oder die US Regierung interveniert offen (siehe Samsung) bzw. die Patentämter erteilen für jeden Unsinn Patente – an US Firmen.

    Für mich ist dieser Artikel, wie die meisten Veröffentlichungen von Ökonomen – Theologie.

    Wie kann ernsthaft!!! die wirtschaftliche Entwicklung diskutiert werden, OHNE Forschungs, Entwicklungs und Entdeckungsprozesse, oder große politische Umwälzungen zu diskutieren?!?

    Die „Mainstream“ Wirtschaftswissenschaften sind eine Rechtfertigungs“wissenschaft“ für die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den USA / Welt.

    Ich empfehle die Lektüre von William Easterly – seine Bücher beschreiben die Istsituation der Wirtschaftswissenschaften sehr akkurat, wobei seine Ansichten nicht den meinen Entsprechen.

    Oder lesen Sie die Bücher von Prof. Sachs – auch nciht meine Meinung, aber treffend wird die Unsinnigkeit der jetzigen Wirtschaftswissenschaften beschrieben….

    Zudem sollte sich endlich jeder Bundesbürger einmal informieren, wie unsere Geldwirtschaft funktioniert. Insbesondere, dass Geld per Knopfdruck aus dem Nichts erschaffen wird und eine Zentralbank NIEMALS Schulden bezahlen muss, bzw. jederzeit unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung stellen kann. ABER auch normale Banken können Geld aus dem NICHTS erschaffen.

    Die moderne Wirtschaftswissenschaften sind die Knechte dieses Geldwesens – wobei die Realwirtschaftliche industrielle Entwicklung vollständig vernachlässigt wird, obwohl jedem normalen Menschen dies nicht logisch vermittelt werden kann – deswegen lernen BWLer auch keine/kaum VWL weil sie praktische Probleme lösen müssen und hier der gesunde Menschenverstand wichtig ist, genausowenig Geschichtswissenschaftler, Soziologen, andere Wissenschaftler oder Ingeieure – umd die Mainstream VWL zu verstehen muss der „Student“ der VWL erst Semesterweise indoktriniert werden und es DARF niemals ein historischer Überblick erfolgen ODER versucht werden alle Annahmen in einer Theorie zu vereinigen.

    Mikro / Makrotheorie – Marketingstrategie vs. Makroökonomie oder Militär- / Politikwissenschaften mit der VWL.

    Wenn Sie Schumpeter, Keynes u.a. diesen Unsinn versucht hätten zu verkaufen, der heute unter VWL gehandelt wird, wären diese in schallendes Gelächter ausgebrochen. Es hat lange gedauert bis in der BRD die letzten vernünftigen Professoren aus den Lehrstühlen beseitigt waren….. daher stört sich aktuell auch niemand daran, dass Theorie und Realität überhaupt nicht übereinstimmen. Das ist so gewollt.

    List war immer aktuell und wird es immer bleiben. Jede erfolgreiche Nation ist seinen Ratschlägen gefolgt: die gesamten BRICS – selbst Korea, Japan, Taiwan, Singapor etc. glänzen durch eine selektive Weltmarktintegration – es gibt KEIN einziges Beispiel eines Landes ohne Handelshemmnisse das erfolgreich war. Keins. Niada. Aber trotzdem wird von „empirisch belegten Zusammenhängen“ geredet…… Schämen Sie sich!

    • hervorragende Ergänzung zum Artikel
      dem ist nichts hinzuzufügen

    • Foreign companies in USA
      BMW feierte dieses Jahr 25 Jahre Production in Spartanburg/Greer. Aber hier, wie bei
      Toyota, waren Ausländer u.a. Mittel zu dem Zweck, die Macht der Gewerkschaft bei
      Ford und GM in Detroit zu zerschlagen. Well, dabei ging die ganze City drauf.
      Im Frachtbusiness wollte doch das Postkind DHL ein Stueck vom Kuchen, den sich
      FedEx und UPS teilten. Stillgelegte DHL-Cargoflieger sind noch heute neben der Route 66
      in Arizona zu besichtigen. Gibt es politische Ursachen fuer das Desaster von Thyssen-Krupp
      in USA ? Andererseits brachte Walmart in Germany kein Bein auf die Erde, gab auf.
      Herr Metzger, die Geldschöpfung der Banken ist viel höher als die der Buba / EZB.
      Wegen der hauchdünnen Eigenkapitaldecke (2-4%) sind dann gleich die Einlagen ge-
      fährdet, wenn mal ’ne Blase platzt oder ein Königsteiner Baulöwe am Gründonnerstag
      bei der Volksbank ’ne ungedeckte Millionenüberweisung veranlaßt.
      Keynes war auch nicht mit der menschlichen Natur vertraut. Er postulierte antizyklisches
      Engagement des Staates! Als ob sich in der Hochkonjunktur Regierungen dazu durch-
      ringen könnten, durch Steuererhöhungen die Schulden zur Überwindung der letzten Flaute zu tilgen!

  8. Um es mit Angela Merkel zu sagen: Zum ...
    … Nationalstaat gibt es (noch) keine Alternative!

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