Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Selbst Japan steht besser da als Europa (Aktualisiert)

| 6 Lesermeinungen

Die Europäer jubeln, dass die Wirtschaft wieder wächst. Wie gut aber haben Europa und andere die Finanz- und Wirtschaftskrise schon überwunden? Ein internationaler Vergleich in Grafiken - aktualisiert mit neuen Daten.

Die Europäer jubeln. Die Rezession ist vorbei. Die Wirtschaft wächst wieder, im Euroraum im zweiten Quartal um 0,3 Prozent und in Deutschland gar um 0,7 Prozent. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Wie immer ist es hilfreich, die aktuellen Zahlen längerfristig einzuordnen. Ein guter Ausgangspunkt ist die Frage, wie gut die Volkswirtschaften die Finanz-und Wirtschaftskrise überwunden haben. Das führt zu einigen Kernbeobachtungen.

 

1. Der Euroraum hinkt den Vereinigten Staaten deutlich hinterher.

Fünf Jahre nach der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten rund 6 Prozent höher als vor der Krise. Im Euroraum liegt das reale Bruttoinlandsprodukt dagegen immer noch niedriger als vor der Krise.

Das zeigt die folgende Grafik, in die – vorläufig – die erste Schätzung zum Wachstum im zweiten Quartal eingearbeitet ist. Ausgangspunkt ist das erste Quartal 2007, dessen Wirtschaftsleistung als 100 gesetzt wurde. Die Linien zeigen die Entwicklung im Vergleich zu diesem Vorkrisenquartal.

© Patrick Welter 

 

2. Selbst Japan steht besser da als Europa.

Weitet man den Vergleich nach Asien, sieht die europäische Entwicklung noch unschöner aus.

© Patrick Welter 

Japan, der kranke Wirtschaftsriese, steht immer im Vergleich mit vor der Krise derzeit leicht besser da als der Euroraum. Das ist umso bemerkenswerter, als die japanische Wirtschaft weit heftiger von der Wirtschaftskrise 2008/09 getroffen wurde und auch 2011 eine heftige Rezession erlitt. Dieser Wachstumsvergleich sagt natürlich nichts über die langfristigen Aussichten für Japan, das mehr noch als der Euroraum unter der öffentlichen Schuldenlast ächzt. Und er besagt auch nicht, ob die aktuelle – als Abenomics bekannte – drastisch expansive Geld- und Finanzpolitik dauerhaft tragen. Doch lässt der Vergleich aus europäisches Sicht erschaudern.

 

3. Deutschland und die Vereinigten Staaten stehen sich in nichts nach.

Zum Glück aber gibt es nicht nur den Euroraum, sondern auch die deutsche Wirtschaft. Diese hat sich seit der Krise im Trend ähnlich wie die Vereinigten Staaten entwickelt – mal ein wenig besser, mal ein wenig schlechter. Im Winter war es mal wieder ein wenig schlechter, aber das ist noch kein Grund zur Aufregung.

© Patrick Welter 

 

 

UPDATE 6.9.2013 

Die Statistikämter in den Vereinigten Staaten und in Europa haben die ursprünglich gemeldeten Wachstumsdaten für das zweite Quartal mittlerweile überarbeitet. Die Daten stehen nun auf festerem Grund, weil mehr harte Einzelindikatoren und weniger Schätzungen eingeflossen sind.  Im Kern sind die Ergebnisse des Ländervergleichs unverändert, wie folgende Grafik zeigt. Allein der Abstand der Vereinigten Staaten ist größer geworden, nachdem die amerikanische Wirtschaft im zweiten Quartal deutlich stärker gewachsen ist als zunächst angenommen wurde.

© Patrick Welter 

 

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6 Lesermeinungen

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  3. Was für ein Schmarren!!!
    Auf was beruhen denn diese sog. Steigerungen in Deutschland und Frankreich!!!
    Auf Inlandskonsum, wie selbst im Staatsfernsehen zu hören!!!
    Und was heißt das???
    Die Leute geben Ihr Erspartes aus, bevor es nix mehr wert ist, oder wir durch höhere Steuern nach der Wahl enteignet werden!!!
    Die südländischen Pleitestaaten können kaum erwarten, das Merkel und Schäuble weiterhin an der Macht bleiben, und uns Deutsche für sie arbeiten lassen!!!
    Armes Deutschland!!! von was für Banausen wirst du regiert!!!
    Aber noch schlimmer ist, der blöde Michel wählt sie immer wieder!!!

  4. Gehupft wie gehinkt
    Sicher wären Vergleiche pro Kopf und auch noch mit Einbeziehung der Kaufkraftparitäten besser. Aber cum granu salis zeigt sich auch so ein erschreckendes Bild des Auseinanderfallens innerhalb der Eurozone; man rechne einmal die Südländer allein aus (oder auch mit Irland).

    Jedenfalls wird auch hier deutlich, daß die gemeinsame Währung Euro einfach nicht für Länder mit so unterschiedlicher Wirtschaftsleistung gleichermaßen passt.

  5. Die Vergleiche hinken, etwas
    In den USA wächst die Bevölkerung, beim Pro-Kopf-Einkommen sind sie noch nicht über dem Vorkrisenniveau. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und die arbeitende Bevölkerung hat einige Prozente seit der Krise abgenommen – hier in Dt. würde sie wahrscheinlich vom sozialen Netz aufgefangen werden.
    Damit könnte Deutschland besser dastehen, nicht zuletzt weil Deutschland von der Nachfrage aus dem Fernen Osten überproportional profitiert hat, weniger aufgrund politischer Faktoren.
    Es sind, wie beschrieben, Schätzungen und weitergehende Schlussfolgerungen sind (noch) schwierig.

  6. Für mich sind Länder die soviele Schulden haben...
    …nicht unter Erfolg zu verbuchen. Weil sie nicht richtig wirtschaften und haushalten können. Und das Schlimmste, sie erkennen nicht an, wie viel Ramsch sie produzieren, der einfach nur unnötig ist. Devote Automaten. Selbst die Menschen. Lebende Roboter.

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