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Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der F.A.Z. und der Sonntagszeitung.

Braucht der Markt Moral? Oder hat er sie sowieso?

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Ohne Moral könnten Märkte gar nicht bestehen, glaubt der Philosoph Axel Honneth. Trotzdem reicht ihm die Sozialpolitik nicht.

© Bunnyfrosch, CC-by-SA 3.0Axel Honneth

Ein Philosoph an der Börse: Hegel-Kenner Axel Honneth, der in Frankfurt und New York lehrt, hat am Mittwochabend in den Räumen der Alten Börse in Frankfurt seine Sicht auf Märkte und ihre normativen Grundlagen vorgetragen. Die aktuelle Sozialpolitik hält er nicht für ausreichend. Er verweist aber darauf, dass schon mit dem Beginn der Marktwirtschaft das Für und Wider diskutiert worden ist: Die Befreiung aus feudalen Abhängigkeiten gegen eine Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Heute sieht Honneth drei Deutungsmuster für das Marktgeschehen:

Die erste Deutung ist die vom Homo Oeconomicus. Ziel des Marktgeschehens ist die Effizienzsteigerung, der Wohlstand mehrt sich durch eine unsichtbare Hand – doch Moral ist nicht Teil des Wirtschaftsgeschehens, die Akteure handeln nutzenmaximierend. Honneth beschreibt das mit dem Milton-Friedman-Satz: “Die einzige gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist, ihre Gewinne zu steigern.” Das Problem an dieser Deutung beginnt für ihn schon mit der Frage, ob das Ausgehen von einer reinen Nutzenmaximierung in dieser Sichtweise empirisch oder normativ ist. Für eine empirische Beschreibung sei das Modell zu fehlerhaft, als normatives Modell eigne es sich aber auch nicht.

Nach der zweiten Deutung brauchen Märkte eine sittliche Einbettung durch die Moral, ohne könnten sie gar nicht bestehen. Diese Deutung schreibt er auch Adam Smith zu, zudem einigen Wirtschaftssoziologen wie Émile Durkheim und Jens Beckert. Er nennt die Betrachtungsweise, der er selbst zuneigt, “moralischen Ökonomismus”. Die Sittlichkeit, in die die Märkte eingebettet sind, kann Markt-ermöglichend, Markt-begleitend und Markt-begrenzend sein. Vor allem den Markt-ermöglichenden (wechselseitige Anerkennung) und den Markt-begrenzenden (Kündigungsschutz etc.) Sitten schreibt er große Bedeutung zu. Diese Sitten gehörten zu einem rational verfassten Markt, müssten aber oft durch soziale Kämpfe etabliert werden, zum Beispiel durch die Arbeiterbewegung. Auf solchen Märkten müssten aber alle Teilnehmer in eine Position versetzt werden, sich als freie Akteure freiwillig am Markt zu bewegen. Diese Forderung sei hoch anspruchsvoll, der Sozialstaat habe sie nur in Teilen verwirklicht. Vor allem aber kritisiert Honneth, dass an vielen ökonomischen Lehrstühlen diese Werte nicht berücksichtigt werden: “Der Markt ist wesentlich anspruchsvoller und voraussetzungsreicher, als es seine offiziellen Theoretiker wahrhaben wollen.”

Nach einer dritten Deutung, die Honneth “marxistische Deutung” nennt, löst der Markt sein Versprechen auf höheren Wohlstand nicht ein und auch das auf individuelle Freiheiten nicht. Statt dessen gebe es eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern. Das Marktsystem sei zu Moral gar nicht in der Lage. Das allerdings will Honneth nicht anerkennen, schon die Prämissen der mit dieser Position verbundenen Arbeitswerttheorie seien fragwürdig. Kreative Beschäftigungen und Dienstleistungen würden zu wenig berücksichtigt. Er empfiehlt der Occupy-Bewegung und anderen Markt-Kritikern, eher auf die Moral in Märkten hin zu argumentieren. Denn die Menschen könnten sich heute gar keine nach-marktliche Welt mehr vorstellen könnten (außer der Planwirtschaft).

Update: Den Vortrag gibt es auch als Video.

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15 Lesermeinungen

  1. Die Moral geht dort verloren, wo ein System anonymisiert wird
    Wenn ich mit einem anderen Menschen einen Handel abschliesse, sind meist beide Parteien damit zufrieden, da jeder einen aus seiner Sicht vorteilhaftes Resultat daraus erzielt. Ein betruegerischer Vertragspartner kann nur in einer Gesellschaft ueberleben, in welcher aufgrund zentralplanerischer Funktionen die Verantwortung nicht mehr klar zugeordnet werden kann.

    Es ist daher unbedingt erforderlich, dass Entscheide auf der moeglichst untersten vertretenbaren Stufe der Gesellschaftsordnung gefaellt werden: Einzelner, Familie, Verwandtschaft/Clan, Gemeinde. Einzig dort kann gesellschaftschaedliches Verhalten wirklich erkannt werden, da die Vertragsparteien bekannt sind und einer automatischen Selbstkontrolle ausgesetzt sind.

    Der Staat hingegen versucht eine genau entgegengesetzte Entwicklung zu foerdern, indem dieser Verwaltungsapparat die inhaerente Eigenschaft besitzt, zu wachsen. Dies aufgrund der Menschen, welche in dieser Organisation taetig sind und natuerlich ihre persoenliche Zukunft versuchen abzusichern. Einzig eine klare Umgrenzung der staatlichen Kompetenzen kann diesem krebsartigen Wachstum Einhalt gebieten.

    Daraus duerfte man wohl schliessen, dass die Anonymisierung der Grund eines unmoralischen Verhaltensmusters foerdert, oder in anderen Worten, die verschiedenen auf staatlicher Ebene angesiedelten Programme, welche es vielen Akteuren erlaubt, sich zulasten der Allgemeinheit zu uebervorteilen.

  2. Was der Jurisprudenz ihr Positivismus ist,sind Postulate der Ökonomie.
    Damit ist der Weg aller Interpretation von Sachverhalten dem jeweiligen Blickwinkel geöffnet.
    Und jeder hat seine eigene Moral.Deshalb gibt es keine Moral.

    Der Konstruktivismus in den beiden idealisierenden Wissenschaften geht eben am Menschen vorbei.

  3. Ja, ja, die Moral des Marktes und die Mittel zu seiner Analyse
    Dass es “Vertragsmoral” gibt, ist doch ein alter Hut. Dass Unternehmen unter gesetzlichen Rahmenbedingungen (Arbeitsschutz, Umweltschutz, Mitbestimmung etc. pp.) tätig sind, ebenso. Der Homo oeconomicus oder die Marxsche Arbeitswerttheorie (in der der Homo oeconomicus als “Charaktermaske” wiederkehrt) thematisiert wirtschaftliches Geschehen im Kapitalismus (oder der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft) in seinem “idealen Durchschnitt”. Ob sich damit “Soziales” in Honneths Sinn fassen lässt, ist irrelevant. Wenn Apple iPhones und iPads in den USA nach US-Recht und in China nach chinesischem Recht produziert, ist das mit dem Homo oeconomicus gut fassbar. Natürlich kann man die Ausbeutungsverhältnisse in China bedauern, aber das ist keine Frage des theoretisch-empirischen Zugangs.
    G. Schönbauer

    • @ Günter Schönbauer - homo oeconomicus
      Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, daß der homo oeconomicus von der wissenschaftlichen Betrachtungsweise in VWL und BWL als eine Art Kunstfigur eingeführt wurde, um Zusammenhänge rein rational zu betrachten. Dabei ist es unerheblich, ob dieser ‘Mensch’ nun gemocht wird oder nicht; damit würde man einen möglichen Erkenntnisgewinn aus Wissenschaft von vornherein in moralisierende Zulässigkeit von Fragestellungen überführen.

      Dann hätte man bei den Physikern ebenso die Forschung über Kernspaltung unterbinden müssen, damit daraus nicht der Bau der Atombombe entstehen kann.

      In welchem Umfang der homo oeconomicus empirisch nachweisbar ist, das noch ein weiterer Punkt. Alterszyniker würden den Anteil vermutlich auf unter 10 % schätzen, bei der Menge der Poltiker eventuell sogar eher bei 1 %. Dies könnte auch gut erklären, weshalb Wirtschaftsexperten sich häufig bei Prognosen oder Empfehlungen irren – die von ihnen betrachten ‘Versuchskaninchen’ sind viel irrationaler und emotionaler als erwartet.

      Im Fazit wäre für eine sinnvolle und auch ethische Wirtschaftspolitik wesentlich mehr wissenschaftliche Kenntnis über den h.o. und seine Einbeziehung in eine Welt unter dem Leitstern der Moral nötig.

  4. Man ersetze das Wort Markt durch Mensch
    Was soll denn der Markt sein, ein Platz, eine Wiese, ein Gebäude? Oder eine Ansammlung Waren und Diensten? Es sind die Akteure, die Menschen, die entweder moralisch oder unmoralisch sich verhalten.

    Dann reduziert sich die Fragestellung darauf, ob die unmittelbaren Akteure, also Anbieter und Nachfrager, Moral zeigen bei ihren Verhandlungen, wenn man sie sich selbst überläßt. Oder ob dritte Unbeteiligte unmittelbar in das Geschehen eingreifen sollen und dürfen, weil diese Dritten Moral haben, die Akteure jedoch nicht. Der homo oeconomicus hat dabei keine Bedeutung, er könnte moralisch sein oder auch ein kriminelles Schwein. Oder sich mal so oder so verhalten. Menschen sind nicht nur immer nur das Eine oder das Andere, sie tragen beides in sich.

    Das gilt allerdings für die dritten Unbeteiligten ganz genau so. Die Realität zeigt uns Politiker und Beamte, die weder edel und gut sind. Goethes Worte, so sei der Mensch, sind ja nicht eine Feststellung, sondern ein Wunsch, eine Bitte.

    Was bleibt dann übrig? Die Schaffung eines Ordnungsrahmens, der sich möglichst weit dem Ziel von hoher Moral und Ethik nähert – 100 % gibt es nie im wirklichen Leben. Und die Verpflichtung aller Menschen, diesen Ordnungsrahmen nicht zu verlassen oder ihn zu zerstören.

  5. Die Moral des Marktes ist seine Unmoral
    Was man nicht vergessen sollte: Märkte funktionieren, weil sie auf den wechselseitigen Austausch von Vorteilen beruhen Als Käufer will ich meinen Gegenüber nicht moralisch beurteilen müssen. Ich will nichts über seine Überzeugung, seinen Einstellungen und seiner Parteizughörigkeit wissen. Damit schafft der Markt auch dort Frieden, wo sich Menschen ohne dessen friedensstiftende Funktion feindlich gegenüber stünden. Marktteilnehmer aufgrund ihrer Rasse oder Hautfarbe zu diskriminieren ist unmoralisch. Wer erinnert sich denn nicht an das “…kauft nicht bei Juden.” Mit diesem Aufruf wurde genau das erreicht, was Märkte normalerweise verhindern: Diskriminierung und Ausgrenzung.
    Im Sozialismus war es nicht anders. Die Produktionsstandorte wurden zu Kirchen der neuen Religion. Nicht die eigene Motivation, das Eigeninteresse dominierte das Geschehen, sondern der Anspruch der Partei als “moralische” Instanz. In deren Namen ging man über Millionen von Leichen.
    Im Kapitalismus muss der einzelne nicht moralisch sein, damit das System produktiv ist. Im Sozialismus muss jeder „moralisch“ sein, damit das System funktioniert. Sich nicht der sozialistischen Moral zu beugen, heisst das System zu sabotieren. Der Kapitalismus ist gegenüber moralischen Verfehlungen, sehr viel toleranter, setzt aber Eigenverantwortlichkeit als Maxime voraus. Nur sollte man nicht vergessen, dass wirtschaftlicher Erfolg keine moralische Überlegenheit konstituiert, sondern einer anderen gesellschaftlichen Sphäre angehört.

    • Alles eine Frage der Anreize
      Sie erklaeren die Angelegenheit zur Moral des Marktes gut. Erstens muessen wir uns natuerlich bewusst sein, dass wir keineswegs in einem Freien Markt Leben, wenn das Blut des Systems der zentralplanerischen Manipulation unterliegt (Geld), woraus ein dauernder Umverteilungseffekt resultiert.

      Die Effektivität einer Massnahme auf das Verhaltensmuster der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft ist am höchsten, wenn die gesamte Gesellschaft gleichzeitig und dauerhaft damit konfrontiert ist und damit eine Bewusstseinsveränderung erzeugt wird. Es gibt wohl kein anderes menschlich geschaffenes System, welches das Selbstverständnis und die gesellschaftliche Ordnung stärker beeinflusst, als Geld. Geld ist allgegenwärtig, wird täglich von jedermann benutzt, misst den eigenen wirtschaftlichen Erfolg und trägt massgebend zum Selbstverständnis der eigenen Person bei. Der Einfluss dieses Mediums auf den Menschen eines Währungsraums beschränkt sich keinesfalls einzig auf monetäre Aspekte und ökonomische Aggregate, sondern nimmt, aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung, massgebend Einfluss auf die Werte-Skala der entsprechenden Gesellschaft. Die Eigenschaft einer Währung, welche auf der Geldpolitik einer Zentralbank beruht, ist daher von hoher gesellschaftlicher Bedeutung.

      Ausnahmslos verfolgen Zentralbanken eine Politik der Geldentwertung. Es ist eigentlich erstaunlich, dass es keine einzige Ausnahme gibt und sämtliche gegenwärtig im Umlauf befindenden Währungen überall über einen längeren Zeitraum betrachtet, der Entwertung unterliegen. Die einen entwerten sich schneller als die andern, aber sich entwerten, tun sie alle. Ist dies eine natürliche Eigenschaft einer Währung oder ist dies durch Menschenhand gesteuert? Bei genauerer Betrachtung kann man gut erkennen, dass dahinter eine sehr bewusst betriebene Manipulation steckt, indem der Werterhalt einer Währung zugunsten der durch die Manipulation erreichten kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile, geopfert wird. In anderen Worten wird das Recht des Eigentümers der Währung verletzt, um eine statistisch messbare quantitative Verbesserung der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Wachstum kann allerdings nur auf quantitativer Ebene gemessen werden, und vernachlässigt dadurch eine qualitative Einschätzung des erzielten Wachstums. In anderen Worten, Wachstum, welches auf inflationärer Geldpolitik beruht, erzeugt in Anwendung oben erklärter Prinzipien menschlicher Natur negative gesellschaftliche Auswirkungen, welche zwar nicht direkt messbar sind, jedoch die Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen langfristig und fast unbemerkt schädigen. Nachfolgend werden wir einige dieser Konsequenzen erläutern, wobei die Regeln der Reflexivität als Hilfe dienen.

      Wie wir gerade ausführten, wird durch die Manipulation der Währung (dauernde langfristige Entwertung) das Recht des Eigentümers der entsprechenden Währung verletzt. Wenn sich eine Währung entwertet, löst sich der Kaufkraftverlust des Geldeigentümers von zum Beispiel 20 Prozent in 10 Jahren nicht in Luft auf, sondern jemand anders hat sich diesen Verlust an Kaufkraft angeeignet. Im allgemeinen dürfte derjenige, welcher sich verschuldete, davon profitieren. Es handelt sich in diesem Sinne um einen Umverteilungsmechanismus, an welchen sich eine Gesellschaft schrittweise gewöhnte und damit ihre Verhaltensweise entsprechend angepasst hat. Das Resultat ist eine bankenfreundliche Umgebung, da damit das Wachstum des Kreditvolumens gefördert wird; dies aufgrund der Tatsache, dass der geldmässig negativ positionierte (verschuldete) Akteur unter Abzug der Transaktionsmarge der Bank, ohne entsprechende wirtschaftliche Leistung, einen Gewinn erzielen kann.

      Durch die Teilenteignung des Geldeigentümers nimmt Geld vermehrt Attribute verbunden mit Besitz anstelle von Eigentum an. Besitz und Eigentum, obwohl sie meist zusammenfallen, sind jedoch konzeptionell verschieden. Wir können sehr wohl ein Auto besitzen, ohne dessen Eigentümer zu sein. Dies stellt sich zum Beispiel ein, wenn man ein Auto mietet. Verhalten wir uns genau gleich unter Verwendung eines gemieteten oder eines eigenen Fahrzeugs? Dieser oder jener Mieter mag sich tatsächlich genau gleich verhalten in der Benutzung des Autos. Trotzdem hält sich das Gefühl der Sorge und der nachhaltigen Pflege für einen nur auf Zeit ausgeliehenen Gegenstand in Grenzen. Es liegt in der Tatsache, dass Eigentum nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht beinhaltet, nämlich die Pflicht sich nachhaltig darum zu kümmern. Mit der Schwächung des Eigentumsrechts wird der Mensch in der Folge konditioniert, kurzfristig und nicht nachhaltig zu handeln. Wenn dies nur ein einziges oder ein kleiner Teil der Mitglied(er) der Gesellschaft so handhabt, werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft schwach ausfallen. Wenn jedoch aufgrund jahrzehntelanger Konditionierung sich zunehmend ein immer höherer Anteil der Gesellschaft ihr Verhalten in diese Richtung verändert, ergeben sich dadurch schädliche gesellschaftliche Folgeerscheinungen, indem sich das kurzfristige und nicht nachhaltige Verhalten festsetzt.

      Zum Beispiel entwickelt sich die Kultur der unverzüglichen Gratifikation, welche sich dadurch ausdrückt, dass man etwas sofort besitzen muss und nicht zuerst dafür spart. Diese Entwicklung führt dazu, dass das aktuelle Verhalten den Wert der Nachhaltigkeit untergräbt. Das Konzept, dass man sich einen gewissen Lebensstandard zuerst erarbeiten muss, wird dadurch zunehmend geschwächt. Heute und jetzt wird wichtiger, da die Zukunft ungewiss und nicht mehr kalkulierbar geworden ist. Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft ist geboren.

      Das Verhältnis im Verhalten gegenüber Risiken verändert sich ebenfalls, indem die Kosten von Risiken zunehmend vom Risikonehmer auf die gesamte Gesellschaft transferiert werden. Die Entlastung des Risikonehmers von den möglichen negativen Konsequenzen eines Risikos untergräbt die gesellschaftli

  6. Der Markt ist eine amoralische Veranstaltung.Es gibt keine Moral.Ein einheitliches Verständnis,
    Sagen und Handeln ist,wie wir es halten wollen ist, nicht möglich.Prinzipiell gilt,dass auf einem Markt immer unvollständige Informationen vorliegen,selbst wenn vollständige Informationen vorlägen,wird es schwierig zu bewerten und zu vergleichen.

    Deshalb wird es immer Auwüchse,Betrug,Vorsatz,Lüge und Täuschung geben.Moralische Regeln taugen nicht ,um solche Phänomene einzufangen.
    Es bleibt aber eine Möglichkeit solche Phänomene einzugrenzen.Jeder Kennt zB den Fall:ein Mensch behauptet,dass ein Produkt,das er verkaufen will, eine bestimmte Zeit halten wird,dann könnte der potentielle Käufer eine Gegenwette abschließen dürfen,dass zB dass Produkt nur 8 Jahre halten wird.Auch ein Banker,der Derivate verkauft,müßte parallel eine Gegenwette annehmen.Der Wettpreis sollte vorher zwingendg geregelt festgelegt und hinterlegt werden.Die Erfahrung zeigt,dass Menschen,die etwas behaupten,entweder vorsichtiger werden oder keine Wette abschließen wollen.
    Dieses Prinzip könnte auf dem Markt eingeführt werden.Es wird wahrscheinlich Betrüger,Täuscher,Amoralische etc von vornherein reduzieren.
    Die Wette ,dass man auf dem Markt sein Gegenüber übers Ohr hauen kann,kann nur mit einer Gegenwette ,dass das “Übersohrhauen” nicht aufgeht,bekämpft werden.
    Weitere Ideen sind erwünscht.

  7. Welche Moral kennt der Markt?
    Honneth scheint nicht die Kernfrage gestellt zu haben: “Welche Moral braucht der Markt aus Sicht der Marktteilnehmer?” Marktteilnehmer sind einerseits die im Markt schaffenden (Kurztitel: Banker), andererseits die den Markt Nutzenden (Kurztitel: “Verbraucher”) und außerdem die den markt Beobachtenden (Kurztitel: “Wissenschaftler/Politiker”). Jede der drei Gruppen hat offensichtlich andere Vorstellungen von Moral am Markt, die auch mit den jeweiligen Interessen zusammenhängen. Die wichtigste Frage ist für mich zunächst einmal: Welche Moral hat der Banker und nach welchen Wertvorstellungen werden sie ausgebildet und geführt? Ist Moral in dieser Gruppe überhaupt erwünscht? Darüber sollten sich Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler mehr Gedanken machen. Die alten Theorien über den Homo oeconomicus, marxistische Pseudomoralphrasen und millionenschwere Gutmenschen (die es gerade unter Bankern wenig zu geben scheint) helfen uns nicht weiter; insofern bleibt der dargestellte Vortrag von H. an der Oberfläche. Es scheint mir ein verfall von werten in der Gesellschaft bei uns wie auch in anderen Ländern stattgefunden zu haben, sonst wären die Finanzkrisen der letzten 10 Jahre so nicht eingetreten. Lernt man an der Universität auch moralische Aspekte der Wirtschafts- und Finanzwissenschaft? Und welche Werte werden in Finanzinstituten vermittelt? Jeder junge Banker lernt von den älteren.; wie überall im Leben? Wann und warum setzte der deutlich gewordenen Moralverfall in der Wirtschafts- und Finanzwelt ein? kann das gute alte Leitbild vom ehrbaren Kaufmann auch in so anonymen Welten wie Banken noch Geltung finden? Welcher Banken-, Versicherungs- oder Wirtschaftsboss geht mit gutem Beispiel voran? Bereits dieser Generation scheinen moralische Werte abhanden gekommen zu sein. hat die 68ger Generation den Grundstein für den Moralverfall mitgelegt?

    • Werteverfall
      < Es scheint mir ein verfall von werten in der Gesellschaft bei uns wie auch in anderen Ländern stattgefunden zu haben, sonst wären die Finanzkrisen der letzten 10 Jahre so nicht eingetreten. <

      Was erwarten Sie anderes, als "Werteverfall", wenn die Individuen, von denen Sie moralisches Handeln erwarten in einem völlig moralfreien Kontext handeln (können/sollen/müssen)?
      Nehmen wir mal die beiden 2 dt. Diktaturen, das 3. Reich und die DDR, beides autoritäre Staatssysteme:
      Gab es da auch einen "Werteverfall" der jeweiligen Machteliten?
      War es "Werteverfall" wenn Lageraufseher "Staatsfeinde" totprügelten oder bespitzelten und drangsalierten?
      Oder viel eher die Konsequenz aus dem bestehenden System selbst, aus den Möglichkeiten, die die herrschende Ordnung Indiviuen ggü. gab?
      Also als Polizist z.B. Menschen, "subversive Elemente", nach geltenden Recht legal zu misshandeln?
      Oder heute als Unternehmer die eigene Marktmacht ausnutzend, Arbeitnehmer in prekäre Jobs zu nötigen.
      Dahinter stehen immer horrende Machtdisparitäten, die sowohl diktatorischen Staatsformen wie kapitalistischen Wirtschaftsformen inhärent sind und – im Sinne der herrschenden Klassen und Kasten, egal ob Geldoligarchie oder Politbüro – als alternativlos beschworen werden.
      Diskussionen um angeblich fehlende oder verfallende Werte, sind Nebelkerzen der Herrschenden, die von den systemischen Grundlagen ihrer Privilegien ablenken sollen!

  8. Markt sind wir alle
    “Nach einer dritten Deutung, die Honneth “marxistische Deutung” nennt, löst der Markt sein Versprechen auf höheren Wohlstand nicht ein und auch das auf individuelle Freiheiten nicht. Statt dessen gebe es eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern. Das Marktsystem sei zu Moral gar nicht in der Lage. ”
    ————–

    Was für ein Quatsch. Keiner kann wohl behaupten dass wir heute in Deutschland nicht alle freier und mit wesentlich höherem Wohlstand/Lebensstandard leben als noch vor einigen Jahren.
    Und das auch aufgrund dessen dass der Markt durch höhere Produktivität und dadurch günstigeren Preisen viele Güter für den Durchschnittsbürger erschwinglich gemacht hat.
    Eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern besteht immer. Wenn keiner das haben will was ich anbiete dann ist das nun mal so. Aber mit Crowdfunding und allerlei anderen Förderungen ist es heutzutage doch recht einfach für Leute mit guten Ideen, diese am Markt auch umzusetzen.
    Der Markt sind doch wir alle zusammen. Wir entscheiden selbst welche Produkte wir kaufen und welche nicht.
    Eine Nach-marktliche Welt wäre höchstens vorstellbar wenn es vielleicht irgendwann mal einen Replikator wie in Star Trek gibt.

    • "Der Markt sind doch wir alle zusammen."
      Der Staat sind wir auch alle.
      Zumindest in der Theorie bzw. in der Propaganda.
      Denn entscheident ist ja, dass einige sehr viel Markt/Staat sind, und andere nur sehr wenig. Wie sollte es auch sonst in einer bürgerlichen Klassengesellschaft sein?

      BTW – Sehe ich richtig, dass die erlaubte Zeichenanzahl pro Post massiv aufgestockt wurde?
      Wenn ja:
      Vorbildllich!

  9. Der Beginn jeder Moral
    zu einem Geschäft gehören mindesten zwei Personen. Damit ist ein persönliches oder gesetzlich geregeltes Vertrauensverhältnis gegeben. Hier fängt die Moral des Marktes an, sie kann hier auch bereits enden. Alles Weitere ist lediglich wünschenswert und liegt in der Person der jeweiligen Marktteilnehmer und deren Möglichkeit zur Interaktion.

  10. Moral als Basis...braucht "Vernunft-Bildung" als "Basis-Baustoff"...
    wenn “Vernunft-Handeln” Ziel ist.
    Es gilt, eine Qualität der Begriffsinhalte zu entwickeln, evolutionieren.
    Letztendlich ein nicht endender, “bewußter” Bildungsweg der ständigen Qualitätreife.
    Vernunft als Synthese von Herz und Verstand…Emotion und Intelligenz gleichwertig,
    entsteht umso schneller, je bewußter wir auf dieses Ziel “Hin-Bilden” und nicht
    nur der natürlichen Evolution, Reifung, mit dann allen möglichen “Zerstörungserfahrungen”
    überlassen.
    Wir können Moral “bewußt” lenken, als “Lebenseinfluß”…mittels “Vernunft-Bildung”.
    “Vernunft-Reife-Bildung-Weg”.

    Der Anfang braucht wohl seine “Reife-Zeit”.

    :-)

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