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Braucht der Markt Moral? Oder hat er sie sowieso?

15.08.2013, 12:20 Uhr  ·  Ohne Moral könnten Märkte gar nicht bestehen, glaubt der Philosoph Axel Honneth. Trotzdem reicht ihm die Sozialpolitik nicht.

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© Bunnyfrosch, CC-by-SA 3.0Axel Honneth

Ein Philosoph an der Börse: Hegel-Kenner Axel Honneth, der in Frankfurt und New York lehrt, hat am Mittwochabend in den Räumen der Alten Börse in Frankfurt seine Sicht auf Märkte und ihre normativen Grundlagen vorgetragen. Die aktuelle Sozialpolitik hält er nicht für ausreichend. Er verweist aber darauf, dass schon mit dem Beginn der Marktwirtschaft das Für und Wider diskutiert worden ist: Die Befreiung aus feudalen Abhängigkeiten gegen eine Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Heute sieht Honneth drei Deutungsmuster für das Marktgeschehen:

Die erste Deutung ist die vom Homo Oeconomicus. Ziel des Marktgeschehens ist die Effizienzsteigerung, der Wohlstand mehrt sich durch eine unsichtbare Hand – doch Moral ist nicht Teil des Wirtschaftsgeschehens, die Akteure handeln nutzenmaximierend. Honneth beschreibt das mit dem Milton-Friedman-Satz: “Die einzige gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist, ihre Gewinne zu steigern.” Das Problem an dieser Deutung beginnt für ihn schon mit der Frage, ob das Ausgehen von einer reinen Nutzenmaximierung in dieser Sichtweise empirisch oder normativ ist. Für eine empirische Beschreibung sei das Modell zu fehlerhaft, als normatives Modell eigne es sich aber auch nicht.

Nach der zweiten Deutung brauchen Märkte eine sittliche Einbettung durch die Moral, ohne könnten sie gar nicht bestehen. Diese Deutung schreibt er auch Adam Smith zu, zudem einigen Wirtschaftssoziologen wie Émile Durkheim und Jens Beckert. Er nennt die Betrachtungsweise, der er selbst zuneigt, “moralischen Ökonomismus”. Die Sittlichkeit, in die die Märkte eingebettet sind, kann Markt-ermöglichend, Markt-begleitend und Markt-begrenzend sein. Vor allem den Markt-ermöglichenden (wechselseitige Anerkennung) und den Markt-begrenzenden (Kündigungsschutz etc.) Sitten schreibt er große Bedeutung zu. Diese Sitten gehörten zu einem rational verfassten Markt, müssten aber oft durch soziale Kämpfe etabliert werden, zum Beispiel durch die Arbeiterbewegung. Auf solchen Märkten müssten aber alle Teilnehmer in eine Position versetzt werden, sich als freie Akteure freiwillig am Markt zu bewegen. Diese Forderung sei hoch anspruchsvoll, der Sozialstaat habe sie nur in Teilen verwirklicht. Vor allem aber kritisiert Honneth, dass an vielen ökonomischen Lehrstühlen diese Werte nicht berücksichtigt werden: “Der Markt ist wesentlich anspruchsvoller und voraussetzungsreicher, als es seine offiziellen Theoretiker wahrhaben wollen.”

Nach einer dritten Deutung, die Honneth “marxistische Deutung” nennt, löst der Markt sein Versprechen auf höheren Wohlstand nicht ein und auch das auf individuelle Freiheiten nicht. Statt dessen gebe es eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern. Das Marktsystem sei zu Moral gar nicht in der Lage. Das allerdings will Honneth nicht anerkennen, schon die Prämissen der mit dieser Position verbundenen Arbeitswerttheorie seien fragwürdig. Kreative Beschäftigungen und Dienstleistungen würden zu wenig berücksichtigt. Er empfiehlt der Occupy-Bewegung und anderen Markt-Kritikern, eher auf die Moral in Märkten hin zu argumentieren. Denn die Menschen könnten sich heute gar keine nach-marktliche Welt mehr vorstellen könnten (außer der Planwirtschaft).

Update: Den Vortrag gibt es auch als Video.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (15)
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0 Heino Ewerth 18.08.2013, 16:47 Uhr

"der Markt wird es schon richten"?

Der Markt sind wir alle, und mitnichten hat der Markt eine Moral. Ganz im Gegenteil, und wer keine Arbeit hat ist nicht frei, und kann auch nicht auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber verhandeln. Der Staat aber muss Rahmenbedingungen setzen, aber genau da versagt der Staat mehr als 2 Jahrzehnte. Und wie sagte schon der alte Fritz: " Erst kommt das Fressen, und dann die Moral"

5 Linus Huber 17.08.2013, 22:25 Uhr

Die Moral geht dort verloren, wo ein System anonymisiert wird

Wenn ich mit einem anderen Menschen einen Handel abschliesse, sind meist beide Parteien damit zufrieden, da jeder einen aus seiner Sicht vorteilhaftes Resultat daraus erzielt. Ein betruegerischer Vertragspartner kann nur in einer Gesellschaft ueberleben, in welcher aufgrund zentralplanerischer Funktionen die Verantwortung nicht mehr klar zugeordnet werden kann.

Es ist daher unbedingt erforderlich, dass Entscheide auf der moeglichst untersten vertretenbaren Stufe der Gesellschaftsordnung gefaellt werden: Einzelner, Familie, Verwandtschaft/Clan, Gemeinde. Einzig dort kann gesellschaftschaedliches Verhalten wirklich erkannt werden, da die Vertragsparteien bekannt sind und einer automatischen Selbstkontrolle ausgesetzt sind.

Der Staat hingegen versucht eine genau entgegengesetzte Entwicklung zu foerdern, indem dieser Verwaltungsapparat die inhaerente Eigenschaft besitzt, zu wachsen. Dies aufgrund der Menschen, welche in dieser Organisation taetig sind und natuerlich ihre persoenliche Zukunft versuchen abzusichern. Einzig eine klare Umgrenzung der staatlichen Kompetenzen kann diesem krebsartigen Wachstum Einhalt gebieten.

Daraus duerfte man wohl schliessen, dass die Anonymisierung der Grund eines unmoralischen Verhaltensmusters foerdert, oder in anderen Worten, die verschiedenen auf staatlicher Ebene angesiedelten Programme, welche es vielen Akteuren erlaubt, sich zulasten der Allgemeinheit zu uebervorteilen.

0 günther reichert 17.08.2013, 14:11 Uhr

Was der Jurisprudenz ihr Positivismus ist,sind Postulate der Ökonomie.

Damit ist der Weg aller Interpretation von Sachverhalten dem jeweiligen Blickwinkel geöffnet.
Und jeder hat seine eigene Moral.Deshalb gibt es keine Moral.

Der Konstruktivismus in den beiden idealisierenden Wissenschaften geht eben am Menschen vorbei.

7 Günter Schönbauer 16.08.2013, 09:50 Uhr

Ja, ja, die Moral des Marktes und die Mittel zu seiner Analyse

Dass es "Vertragsmoral" gibt, ist doch ein alter Hut. Dass Unternehmen unter gesetzlichen Rahmenbedingungen (Arbeitsschutz, Umweltschutz, Mitbestimmung etc. pp.) tätig sind, ebenso. Der Homo oeconomicus oder die Marxsche Arbeitswerttheorie (in der der Homo oeconomicus als "Charaktermaske" wiederkehrt) thematisiert wirtschaftliches Geschehen im Kapitalismus (oder der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft) in seinem "idealen Durchschnitt". Ob sich damit "Soziales" in Honneths Sinn fassen lässt, ist irrelevant. Wenn Apple iPhones und iPads in den USA nach US-Recht und in China nach chinesischem Recht produziert, ist das mit dem Homo oeconomicus gut fassbar. Natürlich kann man die Ausbeutungsverhältnisse in China bedauern, aber das ist keine Frage des theoretisch-empirischen Zugangs.
G. Schönbauer

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3 Thomas Gerlach 16.08.2013, 09:32 Uhr

Man ersetze das Wort Markt durch Mensch

Was soll denn der Markt sein, ein Platz, eine Wiese, ein Gebäude? Oder eine Ansammlung Waren und Diensten? Es sind die Akteure, die Menschen, die entweder moralisch oder unmoralisch sich verhalten.

Dann reduziert sich die Fragestellung darauf, ob die unmittelbaren Akteure, also Anbieter und Nachfrager, Moral zeigen bei ihren Verhandlungen, wenn man sie sich selbst überläßt. Oder ob dritte Unbeteiligte unmittelbar in das Geschehen eingreifen sollen und dürfen, weil diese Dritten Moral haben, die Akteure jedoch nicht. Der homo oeconomicus hat dabei keine Bedeutung, er könnte moralisch sein oder auch ein kriminelles Schwein. Oder sich mal so oder so verhalten. Menschen sind nicht nur immer nur das Eine oder das Andere, sie tragen beides in sich.

Das gilt allerdings für die dritten Unbeteiligten ganz genau so. Die Realität zeigt uns Politiker und Beamte, die weder edel und gut sind. Goethes Worte, so sei der Mensch, sind ja nicht eine Feststellung, sondern ein Wunsch, eine Bitte.

Was bleibt dann übrig? Die Schaffung eines Ordnungsrahmens, der sich möglichst weit dem Ziel von hoher Moral und Ethik nähert - 100 % gibt es nie im wirklichen Leben. Und die Verpflichtung aller Menschen, diesen Ordnungsrahmen nicht zu verlassen oder ihn zu zerstören.

3 Bernhard Keim 16.08.2013, 01:08 Uhr

Die Moral des Marktes ist seine Unmoral

Was man nicht vergessen sollte: Märkte funktionieren, weil sie auf den wechselseitigen Austausch von Vorteilen beruhen Als Käufer will ich meinen Gegenüber nicht moralisch beurteilen müssen. Ich will nichts über seine Überzeugung, seinen Einstellungen und seiner Parteizughörigkeit wissen. Damit schafft der Markt auch dort Frieden, wo sich Menschen ohne dessen friedensstiftende Funktion feindlich gegenüber stünden. Marktteilnehmer aufgrund ihrer Rasse oder Hautfarbe zu diskriminieren ist unmoralisch. Wer erinnert sich denn nicht an das "...kauft nicht bei Juden." Mit diesem Aufruf wurde genau das erreicht, was Märkte normalerweise verhindern: Diskriminierung und Ausgrenzung.
Im Sozialismus war es nicht anders. Die Produktionsstandorte wurden zu Kirchen der neuen Religion. Nicht die eigene Motivation, das Eigeninteresse dominierte das Geschehen, sondern der Anspruch der Partei als "moralische" Instanz. In deren Namen ging man über Millionen von Leichen.
Im Kapitalismus muss der einzelne nicht moralisch sein, damit das System produktiv ist. Im Sozialismus muss jeder „moralisch“ sein, damit das System funktioniert. Sich nicht der sozialistischen Moral zu beugen, heisst das System zu sabotieren. Der Kapitalismus ist gegenüber moralischen Verfehlungen, sehr viel toleranter, setzt aber Eigenverantwortlichkeit als Maxime voraus. Nur sollte man nicht vergessen, dass wirtschaftlicher Erfolg keine moralische Überlegenheit konstituiert, sondern einer anderen gesellschaftlichen Sphäre angehört.

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1 günther reichert 16.08.2013, 00:03 Uhr

Der Markt ist eine amoralische Veranstaltung.Es gibt keine Moral.Ein einheitliches Verständnis,

Sagen und Handeln ist,wie wir es halten wollen ist, nicht möglich.Prinzipiell gilt,dass auf einem Markt immer unvollständige Informationen vorliegen,selbst wenn vollständige Informationen vorlägen,wird es schwierig zu bewerten und zu vergleichen.

Deshalb wird es immer Auwüchse,Betrug,Vorsatz,Lüge und Täuschung geben.Moralische Regeln taugen nicht ,um solche Phänomene einzufangen.
Es bleibt aber eine Möglichkeit solche Phänomene einzugrenzen.Jeder Kennt zB den Fall:ein Mensch behauptet,dass ein Produkt,das er verkaufen will, eine bestimmte Zeit halten wird,dann könnte der potentielle Käufer eine Gegenwette abschließen dürfen,dass zB dass Produkt nur 8 Jahre halten wird.Auch ein Banker,der Derivate verkauft,müßte parallel eine Gegenwette annehmen.Der Wettpreis sollte vorher zwingendg geregelt festgelegt und hinterlegt werden.Die Erfahrung zeigt,dass Menschen,die etwas behaupten,entweder vorsichtiger werden oder keine Wette abschließen wollen.
Dieses Prinzip könnte auf dem Markt eingeführt werden.Es wird wahrscheinlich Betrüger,Täuscher,Amoralische etc von vornherein reduzieren.
Die Wette ,dass man auf dem Markt sein Gegenüber übers Ohr hauen kann,kann nur mit einer Gegenwette ,dass das "Übersohrhauen" nicht aufgeht,bekämpft werden.
Weitere Ideen sind erwünscht.

1 Frank Schwartz 15.08.2013, 22:47 Uhr

Welche Moral kennt der Markt?

Honneth scheint nicht die Kernfrage gestellt zu haben: "Welche Moral braucht der Markt aus Sicht der Marktteilnehmer?" Marktteilnehmer sind einerseits die im Markt schaffenden (Kurztitel: Banker), andererseits die den Markt Nutzenden (Kurztitel: "Verbraucher") und außerdem die den markt Beobachtenden (Kurztitel: "Wissenschaftler/Politiker"). Jede der drei Gruppen hat offensichtlich andere Vorstellungen von Moral am Markt, die auch mit den jeweiligen Interessen zusammenhängen. Die wichtigste Frage ist für mich zunächst einmal: Welche Moral hat der Banker und nach welchen Wertvorstellungen werden sie ausgebildet und geführt? Ist Moral in dieser Gruppe überhaupt erwünscht? Darüber sollten sich Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler mehr Gedanken machen. Die alten Theorien über den Homo oeconomicus, marxistische Pseudomoralphrasen und millionenschwere Gutmenschen (die es gerade unter Bankern wenig zu geben scheint) helfen uns nicht weiter; insofern bleibt der dargestellte Vortrag von H. an der Oberfläche. Es scheint mir ein verfall von werten in der Gesellschaft bei uns wie auch in anderen Ländern stattgefunden zu haben, sonst wären die Finanzkrisen der letzten 10 Jahre so nicht eingetreten. Lernt man an der Universität auch moralische Aspekte der Wirtschafts- und Finanzwissenschaft? Und welche Werte werden in Finanzinstituten vermittelt? Jeder junge Banker lernt von den älteren.; wie überall im Leben? Wann und warum setzte der deutlich gewordenen Moralverfall in der Wirtschafts- und Finanzwelt ein? kann das gute alte Leitbild vom ehrbaren Kaufmann auch in so anonymen Welten wie Banken noch Geltung finden? Welcher Banken-, Versicherungs- oder Wirtschaftsboss geht mit gutem Beispiel voran? Bereits dieser Generation scheinen moralische Werte abhanden gekommen zu sein. hat die 68ger Generation den Grundstein für den Moralverfall mitgelegt?

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2 Florian Guthoff 15.08.2013, 20:07 Uhr

Markt sind wir alle

"Nach einer dritten Deutung, die Honneth “marxistische Deutung” nennt, löst der Markt sein Versprechen auf höheren Wohlstand nicht ein und auch das auf individuelle Freiheiten nicht. Statt dessen gebe es eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern. Das Marktsystem sei zu Moral gar nicht in der Lage. "
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Was für ein Quatsch. Keiner kann wohl behaupten dass wir heute in Deutschland nicht alle freier und mit wesentlich höherem Wohlstand/Lebensstandard leben als noch vor einigen Jahren.
Und das auch aufgrund dessen dass der Markt durch höhere Produktivität und dadurch günstigeren Preisen viele Güter für den Durchschnittsbürger erschwinglich gemacht hat.
Eine Abhängigkeit von den Kapitalgebern besteht immer. Wenn keiner das haben will was ich anbiete dann ist das nun mal so. Aber mit Crowdfunding und allerlei anderen Förderungen ist es heutzutage doch recht einfach für Leute mit guten Ideen, diese am Markt auch umzusetzen.
Der Markt sind doch wir alle zusammen. Wir entscheiden selbst welche Produkte wir kaufen und welche nicht.
Eine Nach-marktliche Welt wäre höchstens vorstellbar wenn es vielleicht irgendwann mal einen Replikator wie in Star Trek gibt.

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0 Peter Schubart 15.08.2013, 17:59 Uhr

Der Beginn jeder Moral

zu einem Geschäft gehören mindesten zwei Personen. Damit ist ein persönliches oder gesetzlich geregeltes Vertrauensverhältnis gegeben. Hier fängt die Moral des Marktes an, sie kann hier auch bereits enden. Alles Weitere ist lediglich wünschenswert und liegt in der Person der jeweiligen Marktteilnehmer und deren Möglichkeit zur Interaktion.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.