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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Euroland im Wandel: Deutschland wird französischer – und andere ändern sich auch

| 19 Lesermeinungen

Die Krise der vergangenen Jahre hat Politik und Wirtschaft in der Eurozone nicht unbeeindruckt gelassen. Das gilt auch für drei der vier großen Länder: In Deutschland, Frankreich und Spanien ändern sich die "Geschäftsmodelle".

Dieser Beitrag fasst eine aktuelle Arbeit („Swapping growth models in Europe“) von Gilles Moec zusammen, der als Ökonom bei der Deutschen Bank in London arbeitet, und ergänzt sie mit eigenen Bemerkungen und Hinweisen. Dass sich in der Euro-Wirtschaft etwas tut, ist unübersehbar – und wurde vor einiger Zeit von internationalen Kapitalanlagern entdeckt.

 

1. Deutschland wird französischer

Die Entwicklung der Produktivität in Deutschland und Frankreich verläuft schon lange parallel, wie die Grafik zeigt:

Allerdings wurden diese Produktivitätsgewinne unterschiedlich verwendet, wie der Blick auf die Lohnstückkosten (Unit Labour Costs, ULC) belegt: In Frankreich stiegen die Reallöhne, während in Deutschland lange Zeit Lohnzurückhaltung herrschte. Daraus leitet sich der nicht nur in Frankreich vernehmbare Vorwurf ab, Deutschland verhalte sich gegenüber seinen Partnern unkooperativ, weil es mit einer Niedriglohnpolitik seine Exporte fördere, aber gleichzeitig die für zunehmende Importe wichtige Zunahme seiner Binnennachfrage unterminiere. Das kann man auch heute noch von manchen linken Kritikern in Deutschland hören. *)

Bloß, stimmt das überhaupt noch? Moec: „Yet, such a view probably refers to an obsolete version of what is now the “German model”. Actually, since 2008, growth in unit labour costs has been remarkably similar across the two countries.“ Und er fasst auch mit Blick auf aktuelle Debatten in Deutschland zusammen: „After 15 years of hard toil, it seems that the ‚zeitgeist‘ in Germany is evolving towards some ‚controlled decompression‘. We find it quite telling that the institution of a minimum wage is at the centre of the current negotiations between CDU and SPD towards forming a government coalition.“

Die Lohnerhöhungen ebenso wie die zunehmende Beschäftigung haben zu einer Belebung des privaten Konsums in Deutschland beigetragen – und damit nähert sich Deutschland dem französischen Modell an. In den vergangenen Jahren war der Konsum in Deutschland sogar dynamischer als in Frankreich.

Moec sieht damit auch Gefahren verbunden: „If price competitiveness stops improving – as has been the case in since 2008 – or even deteriorates if the wage dynamics get out of control, Germany will be faced with the simple choice of either accepting a lower contribution from net trade to GDP growth, thus embarking on France’s slippery slope, or offsetting the stagnation in price-competitiveness by increasing the intrinsic appeal of its products.“

Eine Veränderung des deutschen Wirtschaftsmodell, ohne in die französischen Kalamitäten zu geraten, erfordert nach Ansicht Moecs vor allem eine Steigerung der sogenannten Totalen Faktorproduktivität (TFP), also jener Produktivität, die nicht durch zusätzliche direkte Steigerung des Einsatzes von Kapital und Arbeit in den Produktionsprozess zu gewinnen ist:  „Germany continues to outperform the rest of Europe with the exception of Spain, but TFP has decreased, while it has continued to increase in the US and in Japan.“

Hier sieht Moec im wesentlichen zwei Möglichkeiten für den Staat:

– Staatsausgaben, die den technischen Fortschritt und seine Einbindung in den Produktionsprozess fördern, also Ausgaben für Bildung und Infrastruktur. Moec hält auch bessere Forschung an Universitäten für notwendig, was für ihn aber mehr ein organisatorisches als ein finanzielles Problem darstellt.

– Flexibilisierung der Wirtschaft, um einen effizienten Einsatz von Kapital und Arbeit zu erleichtern: „According to the OECD synthetic indicator on Product Market Regulation, Germany is still the most flexible country within the large Euro area member states, but the gap with the other European countries is thinning.“

Zusammengefasst: Dass  Deutschland mit Blick auf die Verteilung der Produktivitätsgewinne etwas „französischer“ wird, ist nicht unbedingt nachteilig. Aber Moec beschreibt auch die Gefahr, dass Deutschland zu „französisch“ wird, indem es einen zu hohen Mindestlohn einführt und zu hohe Staatsausgaben mit sich schleppt und gleichzeitig die weitere Flexibilisierung seiner Wirtschaft verschläft. Aber zwingend ist das nicht: „That Germany permanently embarks of this ‚French shift‘ is not a foregone conclusion. There are ‚checks and balances‘ in the German political and economic structures that are missing in France. In particular, the ultimate dependence of the German economy on foreign trade (exports in 2012 stood for 52.3% of GDP there against 28% only in France) offers a strong ’selfstabilizing force‘.“

 

2. Spanien wird deutscher

Die spanische Wirtschaft war in den Jahren vor der Krise in etwa das Gegenteil der effizienten deutschen Wirtschaft: Angefeuert durch negative Realzinsen wurden große Mengen an Kapital und Arbeit in einen wenig produktiven Wirtschaftszweig, die Baubranche, eingebracht. Seit Ende der neunziger Jahre verlief folgerichtig die Produktivitätsentwicklung in Spanien für einige Jahre sehr viel ungünstiger als in Deutschland und Frankreich.

Gleichwohl – auch dies ändert sich schon seit Jahren: „However, the catch-up in productivity observed since 2008 is impressive, with the gap relative to Germany and France accumulated between 1998 and 2008 closed in only 4 years. This was not simply due to some re-allocation across sectors following the collapse of construction. Actually productivity accelerated significantly across all the sectors of the Spanish economy.“

Besonders auch Moecs letzter Punkt ist wichtig. Nicht zuletzt Hans-Werner Sinn hat oft behauptet, der – nicht bestreitbare – Aufschwung der durchschnittlichen Produktivität in Spanien sei überwiegend das Ergebnis der Entlassung wenig produktiver Mitarbeiter in der Baubranche. Die Daten zeigen aber, dass die Produktivität nicht nur in der Baubranche zugenommen hat, sondern auch in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe.**)

 

Aber nicht nur die Arbeitsproduktivität ist gestiegen, sondern auch die Totale Faktorproduktivität (TFP) als Folge der geringen Leistungskraft der kreditgebenden Banken: „The overall drop in credit availability was enough to trigger a more efficient use of capital and labour (as captured not just by labour productivity but also by the turnaround in TFP).“

Diese Verbesserungen haben es den spanischen Unternehmen in den vergangenen Jahren gestattet, mehr zu exportieren und ihre Rentabilität zu steigern. Die Veränderungen in der Leistungsbilanz sind geradezu dramatisch.

 

Damit befindet sich Spanien auf dem Weg, „deutscher“ zu werden:

„Judging by these various metrics pertaining to the financial position of the business sector, Spain now is, among the large Eurozone countries, the closest to Germany.“

Und: „A decline in the share of wages in value added arithmetically reflects a decline in unit labour costs, which is itself consistent with improved competitiveness, which helps skewing further the transition of Spain from a inward-looking growth model to an export-driven economy, following the example of Germany. Actually, Spain’s export performance, i.e., the difference between actual exports and world demand, has been very reminiscent of that of Germany. While there is still a very significant gap, the share of exports in GDP in Spain is converging towards Germany (52% as of late 2012) faster than in France and Italy.“

Moec sieht zu dieser Strategie allerdings auch keine Alternative: „In any case, pursuing wage austerity is in our view the only avenue in the medium run for Spain. While TFP growth has moved back into positive territory since the beginning of the crisis in Spain, Spain’s best chance at growth still lies, in our view, on making the most of its clearest competitive advantage: the low absolute level of labour costs, by European standards.“

 

3. Frankreich wird spanischer

Frankreich befindet sich fraglos in einer Krise, die unter anderem durch Wachstumsschwäche und hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Aber die Prognosen von Schwarzmalern, die vor der Bundestagwahl für den Herbst eine schwere Krise im Euroraum mit Frankreich als Epizentrum prophezeiten, haben sich zumindest bisher nicht bewahrheitet. Was ist da los?

Frankreichs traditionelles Wachstumsmodell beruht nicht nur auf dem privaten Konsum. Es beruht zudem auf Investitionen, und wie Moec zeigt, ist auch in den vergangenen Jahren die Investitionsquote in Frankreich höher gewesen als in Deutschland.

Das wirft eine offensichtliche Frage auf: „What is surprising however is that French businesses have been able to maintain a high investment ratio in spite of a deep deterioration in profitability, which is the flip-side of the strong resilient wage growth.“ Und weil das nicht zusammen zu passen scheint, hatte auch Moec zu Jahresbeginn noch eine deutliche Kürzung der Investitionspläne durch französische Unternehmen erwartet.

Warum ist es dazu nicht gekommen? Weil Frankreich sich zumindest in einer Hinsicht an Spanien vor der Krise annähert.

Nach Moecs Analyse hat die Geldpolitik der EZB in der jüngeren Vergangenheit in kaum einem anderen Land so gut gewirkt wie in Frankreich. Nicht nur ist der Notenbankzins gefallen, auch die Zinsen für Kredite an Unternehmen in Frankreich sind zurückgegangen, was den anderweitig sehr belasteten Unternehmen eine unerwartete und willkommene Entlastung beschert hat: „Indeed, the cost of credit has fallen substantially in France since the beginning of the great recession. What is particularly striking is that interest rates on corporate loans above 1 million euros with a maturity of more than one year – which we think is the relevant class of loans for investment purposes – fell in France much more quickly in late 2008/2009 than in the other ’strong‘ Eurozone countries such as Germany and the Netherlands.“ Die Unternehmenskredite sind in Frankreich in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als in anderen Euro-Ländern.

Positiv daran ist zweifellos: „5 years into the crisis, France has protected its productive capital base better than Germany. Since it has been able to maintain a decent investment rate, the post-2008 recession may not leave as deep scars on the French economy’spotential than the 1992/1993 recession.“

Auf der anderen Seite steht die an das spanische Beispiel gemahnende Zunahme der Unternehmensverschuldung: „However, the cost of this swift response to the monetary stimulus is a significantly increased debt ratio in the corporate sector. Before the crisis started in 2008, France’s corporate debt to GDP ratio stood at 50 pp below that of Spain. As Spain is (slowly) deleveragingwhile French businesses continue to accumulate debt, the difference now stands at only 17 pp.“

Wie weit der französisch-spanische Vergleich tragen wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob die aktuellen französischen Investitionen rentabler sein werden als die ehemaligen spanischen Bauinvestitionen.

 

4. Italien …. bleibt italienisch

Das Kapitel über Italien kann sehr kurz bleiben. Moec sieht hier keine Annäherung an ein anderes Modell, sondern, von der Finanzpolitik abgesehen, sehr viel Stagnation.

 

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*)Der entgegengesetzte Vorwurf, dass es Frankreich mit der Verteilung zugunsten der Lohnempfänger übertrieben habe und darunter die gesamte französische Wirtschaft in Gestalt eines erheblichen Verlustes an (Preis-)Wettbewerbsfähigkeit leide, wird nicht nur aus Deutschland und von der EZB erhoben. In Frankreich war diese Beobachtung Teil des Gallois-Reports; eine Folge war eine interne Abwertung. (Über den Gallois-Report und die interne Abwertung hatten wir in FAZIT hier berichtet.)

**)Wir hatten letztes Jahr in FAZIT einen längeren Beitrag zu diesem Thema, der auch Kritik an Sinns Position behandelt. Sinns Argumentation lautete, weil die Produktivitätszahlen wenig aussagekräftig seien, müsse man den BIP-Deflator als Beleg für die Entwicklung von Wettbewerbsfähigkeit heranziehen – eine problematische Position, weil der BIP-Deflator selbst allenfalls eingeschränkt tauglich ist.

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19 Lesermeinungen

  1. Noch eine scharfe Kritik aus Amerika
    Matthew Klein bei Bloomberg:
    http://www.bloomberg.com/news/2013-11-01/u-s-to-germany-try-being-helpful-for-a-change.html

  2. "The Harm Germany Does"
    Paul Krugman:
    http://krugman.blogs.nytimes.com/2013/11/01/the-harm-germany-does/?smid=tw-NytimesKrugman&seid=auto&_r=0
    Seine Schlussfolgerung lautet:
    „They’re not big on macroeconomics as we understand it; actually, they’re not big on accounting identities, since their view seems to be that everyone should be like Germany, and run huge trade surpluses.“

    • The Harm....
      Seine Argumentation beruht auf der Prämisse, dass es in der Weltwirtschaft an effektiver Nachfrage mangele!!!! (Gibt es dafür Evidenz?) Daraus folgt logisch, dass alle Länder expansive Nachfragepolitik machen müssten. Die BRD macht binnenwirtschaftlich übrigens keine Austeritätspolitik – die Staatsnachfrage (Fiskalpolitik) wirkt seit einigen Jahren expansiv, wenn auch nicht so massiv wie die amerikanische im Rahmen des „Obama Programms“. Frankreichs Fiskalpolitik ist expansiv, wirkt aber nicht. England hat Austeritätspolitik mit expanisiver Geldpolitik kombiniert; das scheint erste Erfolge zu haben. Also mir scheint, dass jegliche Evidenz gegen Krugmans ECO 101-Weisheit spricht. Übrigens MACRO 501 und 601 sieht das differenzierter als Krugman. Das lehrt er aber nicht, denn seine „areas“ sind angeben mit: „International trade/finance, Urban economics, Japan“
      „Macroeconomics“ ist nicht sein Schwerpunkt!
      (ECO 101 ist „Einführung in die VWL für Bachelor“ and der Woodrow Wilson School…)

  3. "Deutschland sollte sich taub stellen"
    Hier ist ein Kommentar meines Kollegen Patrick Welter:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/exportueberschuesse-deutschland-sollte-sich-taub-stellen-12642838.html

  4. Gerald Braunberger @ 15.36h
    Ja, das stimmt.
    Doch die Deutschen sollen weiterhin auf „Business as usual“ weltweit fokussieren.

    • Mir hat es wirklich die Sprache verschlagen!
      Der dauerhaft hohe Exportüberschuß Deutschlands liegt nicht nur an den Agenda 2010 Reformen, die ja wegen der hohen Arbeitslosigkeit in D gemacht wurden und nicht um Exportweltmeister zu werden, sondern auch an der Schwäche der Handelpartner Deutschlands. Die USA hat umgekehrt einen nahezu chronischen Importüberschuß, den sie ja auch nicht abbauen. Für die Ungleichgewichte sind sie damit genau so „verantwortlich“. Letztendlich ist eben auch der Euro für die BRD zu niedrig bewertet, was die Auslandsnachfrage auch noch anfeuert.
      Die Binnennachfrage kann man auch über Steuersenkungen statt Nominallohnerhöhungen stärken. Die Konsumnachfrage steigt, weil das verfügbare Einkommen steigt und belebt über den Akzelerationseffekt die Investitonsnachfrage. Auch haben Steuersenkungen einen geringfügig belebenden Effekt auf die Investitionsnachfrage.

      Unsere sich anbahnende Koalitionsregierung setzt natürlich auf andere Belebungskanäle und riskiert die durch die Agenda induzierten Beschäftigungszuwächse. So sehr ich Bildungsinvestitionen begrüße, so sicher ist, dass der zusätzliche Steuerbetrag, der das finanzieren soll, nicht dem nutzt, der durch ihn arbeitslos wird.

      Die USA könnte auch mal ihren Importüberschuß abbauen. Es ist doch ein Witz, dass ein solches Land vor allem Agrarprodukte und ansonsten nur IKT exportiert. Alle anderen Güter scheinen so bescheiden zu sein, dass sie, ausser den Amerikanern selbst, keiner kaufen will.

    • Steuern senken durch negative Einkommensteuer
      Sehr geehrter Herr Dr. Caspari,

      ich kann Ihnen in allen Punkten zustimmen. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, welche Form der Steuersenkung Sie hier meinen. Letztlich geht es doch darum, welche Art von Steuersenkung die stärksten Multiplikator- und Akzeleratoreffekte auslösen können. Dies scheint mir im Falle einer negativen Einkommenssteuer als negative Flat-Tax mit dann echter linearer Progression (Ohne Buckel) die effektivste Methode zu sein. Friedman war hier übrigens sehr nahe bei Keynes, wie Hayek selbst bekennen musste. Mehr zu dieser Idee finden Sie unter http://zinsfehler.wordpress.com. Ihre Meinung hierzu würde mich schon sehr interessieren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michael Stöcker

    • Steuern senken...
      Sehr geehrter Herr Stöcker,
      hätten wir eine negative income tax… Ja, je niedriger das Einkommen, desto höher die marginale Konsumneigung und damit der „Entlasungseffekt“ der Einkommenssteuer. Aber auch eine Reduktion der indirekten Steuern, die eher regressiv wirken, würde natürlich Bezieher niedriger Einkommen relativ stärker entlasten. Durch die hohen Steuerfreibeträge in den meisten Einkommenssteuertarifen, ist der faktische Entlastungseffekt der unteren Einkommen gering, weil die eh kaum direkte Steuern zahlen – indirekte schon. Die Frage ist, wie man den „negativen“ Bereich gestalten will. Wenn der Tarif im „positiven“ Bereich abflacht, soll er dann auch im „negativen“ Bereich abflachen oder nicht, d.h. sollen die „Subventionen“ geringer werden?

      Das Konsumklima ist momentan in der BRD recht robust, wohl auch aufgrund der extrem niedrigen Zinsen (und natürlich Weihnachten). Dagegen wirkt dieser geringe Zins nicht im geringsten belebend auf die dümpelnde Investitionsnachfrage, weil offensichtlich der Finanzsektor keine hinreichend günstigen Kredite offeriert, also den niedrigen Zins nicht weiter reicht. Es könnte aber auch sein, dass es einfach keine richtig guten Investitonschancen in der BRD gibt. Das hat C.C.v. Weizsäcker öfter hier in der FAZ und in vielen Vorträgen betont. Eine Stagnationsthese, die auf Keynessche und Schumpetersche Argumente zurück greift.

  5. Frankreich mit Deutschland zu vergleichen?
    Frankreich lebt immer noch in der Vergangenheit (c’est „La Grande Nation“) wobei die Deutschen sind sehr auf die deutsche Wirtschaft fokussiert.
    Ich nehme Monsieur Moec nicht sehr ernst – will er uns auf diesem deutschen Blog
    einfach nur provozieren?

  6. Sehr geehrter Herr Braunberger,
    wie immer bei Ihnen, geistig sehr anregend. Danke dafür. Aber es regen sich bei mir einige Widersprüche:

    1. Wenn Deutschland französischer wird, dann wird wohl die Arbeitslosigkeit auch bei uns bald wieder steigen. Wo kommt dann die Kaufkraft her für 2. und 3.?

    2. Wenn Spanien deutscher wird, dann ist das erst einmal in der hier angedeuteten Weise zu begrüßen. Es stellt sich aber dann die Frage, wer sich dann verschulden wird, um die Leistungsbilanzüberschüsse der Spanier auch bezahlen zu können? Oder machen dann die arbeitslosen Deutschen Dauerurlaub an der Costa Brava?

    3. Wenn Frankreich spanischer wird, dann stellt sich die Frage, warum die Franzosen in weitere Kapazitäten investieren sollten (der niedrige Zins allein kann es nicht sein!), wenn wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der damit fehlenden Kaufkraft keine Nachfrage zu erwarten ist. Zudem gibt es Überkapazitäten en masse und der Prozess des Deleveraging dauert an. Zu Recht betonen Sie von daher auch die Frage nach der Rentabilität. Und da bin ich eher pessimistisch, denn deflationäre Tendenzen machen es den Unternehmen grundsätzlich schwerer, ihre Kredite zu bedienen.

    Die Richtung, die Sie beschreiben, ist zwar grundsätzlich richtig, da dies zu tendenziell ausgeglicheneren Leistungsbilanzen führt, aber der kasus knaxus ist die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung, die den Anpassungsprozess behindert, wenn nicht sogar verhindert.
    Das ganze Dilemma habe ich anlässlich des morgigen Weltspartags in einem neuen Beitrag beschrieben, den Sie hier nachlesen können: http://zinsfehler.wordpress.com/

  7. Danke für die interessante Aufstellung!
    Es scheint mir ziemlich klar, dass Deutschland bezüglich der Lohnkosten aufpassen muss, den Vorsprung nicht zu verlieren.

    Wenn Moec beschönigend meint, dass dies auch durch weiter verbesserte Produkte ausgeglichen werden könnte („by increasing the intrinsic appeal of its products“), so übersieht er dass dies schon immer überdurchschnittlich gut gemacht wurde und nicht beliebig gesteigert werden kann.

    Wenn Spanien den Kurs der letzten Jahre trotz sozialer Spannungen fortsetzen kann, scheint eine Stabilisierung möglich, während Moec imho bezüglich Frankreich eher zu optimistisch scheint?

  8. Euroland im Wandel Französisches Modell
    Ich möchte die Aussage von Gilles Moec nach diesem FAZIT Eintrag aufgreifen und kommentieren:
    “Yet, such a view probably refers to an obsolete version of what is now the “German model”. Actually, since 2008, growth in unit labour costs has been remarkably similar across the two countries.”
    Diese Ausage gibt Anlass zu diesem Kommentar: Die Betrachtung der Entwicklung der Lohnstück-kosten „since 2008“ führt nicht weit. Wer die Eurokrise verstehen will, muss sich die Entwicklung seit Einführung des Euro ansehen, seit 1999. Aus Ameco kann jeder leicht ersehen, dass die Lohnstück-kosten sich erheblich auseinander entwickelt haben. Mit den bekannten Folgen für die Preise im Au-ßenhandel. Wie kommt denn der Autor Gilles Moec zu der Auffassung, dass es gerade nicht so sei? Dafür kommen zwei Deutungsmöglichkeiten in Betracht.
    Die erste: „since 2008“: wenn jemand sich den Betrachtungszeitraum frei wählt, und nicht – wie in al-len Analysen zur Krise der Eurozone üblich – den Zeitraum von Beginn der Einführung des Euro in 1999 heranzieht, dann bringt er/sie Unklarheit in die Betrachtung der Lage. Relevante Zusammen-hänge ergeben sich, wenn man die Entwicklung der Lohnstückkosten seit Einführung des Euro be-trachtet.
    Die zweite: Es gibt einige Studien, die die Meinung von Gilles Moec vertreten (Georg Erber, ifo Schnelldienst 5/2012 – 65. Jahrgang). Die Aussagen von Erber bedeuten: sie verwechseln nominale und reale Lohnstückkosten. Der Text von Erber führt zu der Aussage: die Lohnstückkosten in den Ländern der Eurozone konvergieren, sie laufen keineswegs auseinander. Sie sind damit kein Sprengsatz für die Eurozone. Wie kommt Erber zu dieser Ansicht? Real und nominal verwechselt. Jedes Lehrbuch zeigt, dass die realen Lohnstückkosten die Lohnquote spiegeln. Dagegen geben die nominalen Lohnstückkosten den entscheidenden Hinweis auf die Wettbewerbsposition. Und in dieser Hinsicht gibt es die bekannten Divergenzen, die niemand bestreitet, noch nicht einmal die FAZ, jedenfalls bestreiten das weder der IWF, noch die EZB, noch das Bundesfinanzministerium. Sogar die Bundeskanzlerin lässt sich von ihren Beratern sagen, dass die Lohnstückkosten, die nominalen Lohnstückkosten, der Maßstab für die Wettbewerbsfähigkeit sind.
    Kurzum: Wenn der Autor Giles Moec schon in den Grundlagen irrt (Verwechslung von nominalen und realen Lohnstückkosten), dann kann er nicht begreifen, wieso es zu den Unterschieden in den Leis-tungsbilanzen der Länder des Euroraums gekommen ist und wieso wenig Aussicht besteht in den nächsten Jahren, dass sich daran etwas ändert.

    • ja aber. licht ist auch welle und korpuskel. wissen die physiker. "und" halt. von daher
      tendierten wir dazu, auch solche, möglciherweise eben auch nicht absichtslos so erstellten ausarbeitungen zu begrüßen.
      .
      ansonsten wird sich der kleine moritz eher fragen: wenn im sine von falls der euro zerbräche, woran eigentlich? an den real existierenden unterschieden der realen oder der nominalen lohnstückkosten?
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      „klar ist nur eines“, würde helmut kohl sagen: „alle finanz-flüsse aller kontinente fließen schlußendlich ins meer. kein mensch kann sie stauen. “ (vielleicht einige einmal für einige zeit, aber nicht alle für immer) und so auch hier: die unterschiede, welche auch immer, werden sich auf staatlicher und anderer ebene ausgleichen. eben auch die finanzunterschiede drängen, wie bekannt banalerweise, auf ausgleich. ob auf ebene der ezb oder auf ebene des elend ins den kasernen oder arbeiterviertel oder zulasten von unternehmensbilanzen oder westviertelersparnissen, oder dritte-welt-ländern (welche sich stärker bekriegt und/oder ausgeplündert sähen) ist dabei zwar letzten endes nicht egal, aber für viele leider trotzdem auch nicht die frage. so lange sie nur selber nicht betroffen sind.
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      kriegsgewinnler und eurokrisengewinnler fingen so gesehen mittlerweile an, sich einander auf eine gewisse art und weise zu ähneln, nicht wahr?
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      und selbstverständlich muss london das behalten des königlich-britischen pfundes rechtfertigen: alle stellungnahmen von dort werden solcherart (psychologisch mehr oder weniger reflektiertert) grundiert sein.
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      die dort schreiben, stehen auch nicht königlich über den dingen, sondern sind teil einer herde.
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      yes, the hunt is on. der euro ist längst zum erlegen frei gegeben. käme nur drauf an, wer mehr außer atem wäre, wenn er fiele – und deswegen weniger abbeißen könnte. die wahren raubtiere im globalen zoo – es ist die wildbahn, imer noch, noch lange kein zoo, es sei bemerkt – halten sich noch zurück. sie sind schon da, nur noch nicht so gut sichtbar.
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      europa wird auf jeden fall verlieren. den euro eben. es ist nichts anderes vorgesehen.
      .
      (soviele junge arbeitskräfte von überall her auf der welt können und wollen die europäer aus sozialen gründen, weil es psychosozial bequemer wäre für sie selbst, nicht hierher importieren, die „mehrwertreproduktion“ hier in europa im gewohnten/erforderlichen maße aufrechtzuerhalten – und den restlichen zugriff global auf solche arbeitskräfte in anderen ländern, also solche ak, die dort bleiben und arbeiten, wo sie sind, werden sich die usa und china als hauptakteure des weltgeschehens vermutlich sozial exklusiver teilen, als man es in europa im moment geneigt sein könnnte, sich vorzustellen. die usa und china werden, was das angeht im globalen massstab, und nur er zählt, kapitalistisch vermutlich auch weiterhin sehr viel rücksichtsloser und skrupelloser sein, weil sie eben sie viel bedürftiger wären, als die europäer.)
      .
      „typisch finanzidioten, die sehen auch immer nur ihren eigenen, kleinen weltausschnitt.“ (?)
      .
      ungefähr. (speziell die physiker können einem auch weiterhin leid tun. „eigentlich“ wollten sie doch nur in ruhe forschen. und „ein glück des findens“ genießen. gemächlich-glücklich. aber die welt.)
      .

    • Frage an FAZ
      Ist das bei Moec wirklich unzweckmässig dargestellt?

  9. So verbringt man die Zeit als Banker in London?
    Man muss Arbeit nicht tierisch ernst nehmen – wie in Frankfurt?

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