Fazit – das Wirtschaftsblog

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AEA-Meeting (3): Dr. Summers versus Dr. Taylor – wenn Ökonomen aneinander geraten

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Die Ökonomen Lawrence Summers und John Taylor sind so etwas wie zwei Gegenpole. Auf der AEA-Tagung lieferten sie sich einen scharfen Wortwechsel über diskretionäre versus regelgebundene Politik.

© ArchivJohn Taylor

In der wirtschaftspolitischen Diskussion in den Vereinigten Staaten sind die Ökonomen Lawrence Summers und John Taylor so etwas wie Extreme. Der eine, Summers, steht fest im Lager der Demokraten und war während der Finanzkrise Berater von Präsident Barack Obama. Der andere, Taylor, war Staatssekretär im Finanzministerium unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush.

Summers sieht die Vereinigten Staaten in einer strukturellen, langandauernden Stagnation gefangen, aus der nur schuldenfinanzierte fiskalische Stimuli herausführen. Taylor dagegen warnt vor wirtschaftspolitischem Aktivismus, der ad hoc erfolge und keine dauerhafte Heilung verspreche. Die oft willkürlichen Staatseingriffe vergrößerten nur die Unsicherheit, die auf die Stimmung der Investoren drücke und robustes Wachstum in den Vereinigten Staaten verhindere. Er dringt auf eine Rückkehr zu einer regelgebundenen Politik, die von den achtziger Jahre bis zur Finanzkrise in der sogenannten großen Mäßigung gute wirtschaftliche Erfolge gezeigt habe. Nicht umsonst ist Taylors Name in der monetären Theorie mit der Taylor-Regel verbunden.

Auf der Jahrestagung der American Economic Association in Philadelphia leisteten die beiden Professoren sich einen heftigen Wortwechsel. Auslöser war Summers mit einer scharfen Attacke. John Taylor und er hätten einen fundamentalen philosophischen Dissens, sagte Summer und griff zum Beispiel eines Doktors. Er präferiere einen Mediziner, dessen Ratschlag nicht durchweg vorhersagbar sei, sondern der auf die besonderen medizinischen Umstände eingehe und reagiere. In der Ökonomie nenne man das diskretionäre Geld- und Fiskalpolitik.

Allwissende Doktoren?

Mit ironischem Unterton bedankte Taylor sich bei Summers für den Kommentar zum Thema regelorientierte versus diskretionäre Politik, ohne ihm genügend Zeit zur Antwort zu geben. Das sei eine „clevere Diskussionstaktik“, schimpfte der eigentlich ruhige Taylor erregt, um dann auch in die Medizin zu wechseln. Es wäre großartig, wenn man einen allwissenden Doktor habe, der unter allen Umständen das richtige tue, sagte er spöttisch. Das sei aber nicht die Erfahrung der Wirtschaftspolitik. „Wir haben Theorien und wir haben Fakten, und diese deuten darauf hin, dass wir zu viel diskretionäre Entscheidungen haben“, sagte Taylor, auf die Zeit der großen Mäßigung verweisend.

Summers Replik kam wie lange vorbereitet. „Wenn ein Ökonometriker vorbeischwebt und Doktoren beobachtet, die Medizin verschreiben, dann wird er öfter Patienten sehen, die krank sind, als in den Momenten, in denen die Doktoren keine Medizin verschreiben.“ Der Ökonometriker könne daraus den Schluss ziehen, dass die Medizin kontraproduktiv wirke. „Das wäre aber keine gute Art und Weise, über die Dinge nachzudenken“, sagte Summers. „Ich glaube, das ist meine Reaktion auf den Vorschlag, dass die Geldpolitik 2008 überraschendere Dinge tat als während der Zeit der großen Mäßigung.“


Weitere Berichte von der Jahrestagung der AEA:
Ben, willst Du heute Nacht nicht die Welt retten?
Amerika und Deutschland erholen sich von der Finanzkrise am besten
Amerikanische Ökonomen fordern eine neues Konjunkturpaket

 

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1 Lesermeinung

  1. Zauberlehrling Doktor Summers kuriert die Welt
    Larry, der (blinde) Aktionist gegen John den Regelmäßigen, schade wäre gerne dabei gewesen. Der Mäßigung (enkrateia), die neben der Frömmigkeit, der Weisheit, dem Mut und der Gerechtigkeit zu den fünf Haupttugenden gehört, hat sich Taylor verschrieben, recht so. Der Karrierist Larry, immer in viel zu großen Schuhen unterwegs, versteht sich als Mediziner, und ist damit als de facto Kurpfuscher der Makroökonomie völlig verzichtbar. Den menschlichen Organismus mit dem Marktgeschehen gleichzusetzen benötigt schon ein beträchtliches Maß an Banauserie und Ignoranz, um das zu erkennen brauche ich nicht einmal in den USA studiert zu haben.

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