Home
Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Die Börse darf unsere Demokratie nicht gefährden!

| 17 Lesermeinungen

Wenn Ethiker über das Finanzsystem sprechen, geht es zunächst nicht um Effizienz und funktionierende Märkte. Sondern darum, ob es die Menschen dabei unterstützt, als Bürger einer freien Gesellschaft zu leben.

Die George-Washington-Statue vor dem ersten Capitalgebäude der Vereinigten Staaten hat die Wall Street genau im Blick.© APDie George-Washington-Statue vor dem ersten Capitolgebäude der Vereinigten Staaten hat die Wall Street genau im Blick.

Als der Ethikprofessor Bernhard Emunds im Oktober 2008, einen Monat nach der Lehman-Pleite, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Finanzkrise sprach, warnte er davor, nun den Untergang des Abendlandes auszurufen. Eine handfeste Wirtschaftskrise, wie sie danach folgte, hielt er für möglich. Aber er sagte auch: „Wir haben keine Krise der abendländischen Vernunft, wie sie sich seit der Aufklärung durchgesetzt hat. Denn diese Vernunft ist nie einfach auf das Strategisch-Instrumentelle oder auf das Ökonomisch-Rationelle beschränkt gewesen.“ Tatsächlich ist auch heute, sechs Jahre später, weder der Kapitalismus an sich verschwunden noch sind die marktwirtschaftlichen Gesellschaften des Westens auseinandergebrochen.

Dafür haben sich mittlerweile Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen mit der Krise und ihren Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Zunächst natürlich die Ökonomen, aber auch Soziologen, Historiker und zunehmend – Ethiker: diejenigen also, die systematisch ergründen, was gut und schlecht ist. Bernhard Emunds ist einer von ihnen. Er leitet das Nell-Breuning-Institut an der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und hat nun seine „Politische Wirtschaftsethik globaler Finanzmärkte“ vorgelegt. Drei konkrete Kritikpunkte, die er darin am bestehenden System vorbringt, klingen so, als würde vornehmlich ein Ökonom sprechen: Die Banken findet er immer noch zu unstabil. Viele Finanztransaktionen bringen aus seiner Sicht nichts in dem Sinne, dass sie zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen. Und zu wenig sei getan worden, um zu verhindern, dass auch künftige Krisen vor allem eher ärmere Menschen treffen.

Im Gegensatz zu Ökonomen geht es dem Ethiker Emunds aber nicht in erster Linie um Kategorien wie Effizienz, Wachstum oder darum, ob ein Markt (perfekt) funktioniert, sondern wesentlich darum, ob wir als freie Bürger einer Demokratie mit gegenseitigem Respekt voreinander leben können. Die Wirtschaft als Teil der Gesellschaft und auch das Finanzsystem müssten das ermöglichen helfen, gibt er eine klare Rolle vor. Schon gar nicht dürften sie dieses Ziel aushöhlen. Zudem stehen in Emunds’ Ethik nicht Fragen im Mittelpunkt wie die, ob ein spezieller Banker zu gierig, ein Bankenaufseher zu lasch oder ein Bankkunde zu leichtsinnig gewesen ist. Ihm geht es um die politisch beeinflussbaren Strukturen insgesamt oder – in den Worten des Wirtschaftsethikers Karl Homann – die „Spielregeln“.

Großer Schaden für Unbeteiligte

Eine zentrale Frage nicht nur für ihn ist in dieser Hinsicht, welche möglichen Risiken das Finanzsystem Unbeteiligten zumutet. „Wie die jüngste Finanzkrise zeigt, sind viele Menschen massiv beeinträchtigt, obwohl sie gar nicht direkt an den Finanzmärkten engagiert sind – und zwar sogar auch dann, wenn sich die Akteure an den Märkten gerade nicht an manipulativen oder betrügerischen Aktionen beteiligt haben“, sagt Klaus Steigleder, Ethikprofessor an der Ruhr-Universität in Bochum. Dass wir andere Menschen Risiken aussetzen, auch ohne sie explizit vorher zu fragen, ist grundsätzlich nicht zu vermeiden. Ein beliebtes Beispiel ist der Straßenverkehr. Wenn wir daran teilnehmen, setzen wir andere immer der Gefahr aus, sie in einen Unfall zu verwickeln. Es dürften eben nur nicht zu große Risiken sein, argumentieren Ethiker wie Emunds und Steigleder. Und vor allem dürfen nicht die eher Unbeteiligten im Nachhinein sogar noch stärker geschädigt sein als die Schadensverursacher.

Die beiden Ökonomen Anton Korinek und Jonathan Kreamer haben jüngst ein Forschungspapier veröffentlicht („The redistributive effects of financial deregulation: wall street versus main street“), in dem sie erklären, wie durch eine Deregulierung der Finanzbranche gerade unbeteiligten Dritten mehr Risiken aufgebürdet werden. Sie vergleichen darin die Finanzwirtschaft mit der Atomindustrie. „Finanzielle Deregulierung ist ähnlich wie die Absenkung der Sicherheitsstandards eines Kernkraftwerkes: Niedrigere Sicherheitsstandards führen zu geringeren Kosten und höheren Profiten für die Kraftwerksbetreiber und womöglich sogar zu günstigeren Stromtarifen für den Rest der Gesellschaft“, schreiben sie. Zugleich erhöhen niedrigere Sicherheitsanforderungen aber auch das Risiko eines Atomunfalls und die damit einhergehenden „massiven negativen Externalitäten“, also einem großen Schaden für Unbeteiligte. Tatsächlich, stellen Korinek und Kreamer fest, bedeute eine zu schwache Regulierung nichts anderes, als demjenigen höhere Profite auf Kosten der Gesellschaft zu ermöglichen.

Angesichts der Finanzkrise und der für notwendig erachteten Bankenrettungen, die einige Länder finanziell so stark in Bedrängnis brachten, dass sie im Gegenzug Sozialleistungen und andere öffentliche Angebote zurückführen mussten, steht auch für viele Ökonomen heute fest: Die Regeln für die Finanzbranche waren zu lax. Dass die zwangsgekürzten Leistungen der Staaten gerade eher weniger wohlhabende Menschen treffen und damit deren Beteiligungsmöglichkeiten an einer demokratischen Gesellschaft einschränken, führen Ethiker wie Emunds als zusätzliches Argument an. Dahinter stecken auch Gedanken aus der Gerechtigkeitstheorie des Philosophen John Rawls, der neben der persönlichen Freiheit auch die Rolle der weniger begünstigten Mitglieder einer Gesellschaft besonders im Blick hatte.

Banken sind Geldschöpfer und nicht irrelevant

Was folgt daraus? Eine zentrale Forderung in Emunds’ Finanzethik lautet: Das Finanzsystem muss robust genug sein, damit Risiken weitgehend diejenigen tragen, die das bewusst wollen. Konkret verlangt er, ähnlich wie etwa der deutsche Ökonom Martin Hellwig, als Lehre aus der Krise deutlich höhere Eigenkapitalforderungen für Geldhäuser. Emunds plädiert für Werte zwischen 10 und 20 Prozent, gemessen an der tatsächlichen Bilanz und nicht anhand gewichteter Vermögenswerte.

Gerade an den Banken anzusetzen hängt mit der ökonomischen Theorie zusammen, die Emunds im Hinterkopf hat: Banken spielen eine zentrale Rolle in der Volkswirtschaft, weil sie selbst Geld schöpfen. Und sie tun dies als eigenständige, gewinnorientierte Unternehmen. Vor der Finanzkrise hatten viele Ökonomen und auch der Hauptzweig der Wirtschaftslehre dies faktisch ignoriert. Denker wie der schon verstorbene und im Zuge der Krise wiederentdeckte Hyman Minsky oder wie Randall Wray und Victoria Chick haben indes gerade die Rolle der Banken als Geldschöpfer jahrzehntelang analysiert – auch im Hinblick auf Finanzkrisen, die aus dem System selbst heraus entstehen. Joseph Schumpeter rief seinerzeit ebenfalls dazu auf, die sehr besondere Funktion der Finanzinstitute nicht zu vernachlässigen. Emunds, der nach Theologie noch Volkswirtschaftslehre studierte, wurde über dieses Thema im Jahr 2000 von Bertram Schefold an der Goethe-Universität in Frankfurt promoviert.

In seiner Finanzethik plädiert er aber nicht nur für robustere Banken. Er hält auch das Finanzsystem insgesamt aus ethischen Gründen für überdehnt. Vieles, was dort passiert, trägt aus seiner Sicht nicht zum gesellschaftlichen Wohlstand bei. „In der neuen Gesamtkonstellation der Finanzwirtschaft verdienen die Finanzinstitute insbesondere damit viel Geld, dass sie die Vermögenspositionen anderer ständig neu arrangieren beziehungsweise diese ständigen Umschichtungen begleiten oder finanzieren“, schreibt er und kritisiert konkret, dass dadurch meist mehr Schulden aufgehäuft werden und damit die Verflechtung im System zunimmt: „Bei solchen Umschichtungen bestehender, nicht neu geschaffener Vermögenswerte wird zumeist auch deren Finanzierung ,optimiert‘, das heißt im Allgemeinen, der Anteil, den die Käufer nicht aus Eigenmitteln, sondern durch Aufnahme neuer Schulden finanzieren, wird immer weiter erhöht.“ Auch diese Kritik klingt eher nach einem Ökonomen als nach einem Ethiker.

Zu viele gute Leute gehen in die Banken

Ein Widerspruch ist das jedoch nicht: Moderne Ethiker verfolgen regelmäßig den Diskurs innerhalb eines Faches und die Schlussfolgerungen der Experten, um ihre ethischen Argumentationsmuster darauf anzuwenden. Was die Frage angeht, wie die Größe des Finanzsystems sich auf das Wirtschaftswachstum eines Landes auswirkt („finance-growth-nexus“), sind die Ökonomen heute viel skeptischer als noch vor Jahrzehnten. Die Annahme, ein umso größeres und weiterentwickeltes Finanzsystem ermögliche immer mehr Wirtschaftswachstum unabhängig von der ökonomischen Entwicklungsstufe, auf der sich ein Land befindet, haben sie in dieser einfachen Form längst fallengelassen. Stephen Cecchetti, ehemals für monetäre Ökonomie verantwortlicher Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, und Enisse Kharroubi sind beispielsweise in einer Analyse im Sommer 2012 (hier)sogar zu dem Ergebnis gekommen, dass die Finanzsysteme der Industrieländer schon lange weit über das Niveau hinausgewachsen sind, auf dem sie für mehr Wirtschaftswachstum sorgen. Ihre heutige Größe gehe eher mit geringeren Wachstumsraten einher. Das Finanzsystem ziehe mit den üppigen Gehältern zum Beispiel viele bestens ausgebildete Spezialisten an, die in der Realwirtschaft der Gesellschaft einen größeren Wohlstand ermöglichen könnten. „Das Ergebnis ist, dass Menschen, die in einer anderen Zeit vielleicht davon träumen würden, Krebs zu heilen oder zum Mars zu fliegen, heute davon träumen, Hedgefonds-Manager zu werden.“

Kritisch diskutiert die Größe des Finanzsystems auch der britische Wirtschaftsethiker John Hendry in seinem gelungenen Einführungsbuch „Ethics and Finance“. Wirklich exakt ausrechnen könne man den Wohlstandsbeitrag des Finanzsystems zwar nicht, konstatiert er. Allerdings hält er es für nicht plausibel, dass die Finanzbranche real tatsächlich einen Betrag leiste, der den Ressourcen entspricht, die sie verschlingt. Als Beispiele nennt er die Gehälter der Investmentbanker und die Gebühren, die Banken verlangen, damit sie Börsengänge oder Unternehmenszusammenschlüsse organisieren und finanzieren. Dabei verweist er unter anderem auf Aussagen des früheren Chefs der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, der sich in den vergangenen Jahren mehrfach kritisch über „seine“ Branche geäußert hat. Ethisch ist das ein Problem: Denn wenn das Finanzsystem schon nicht wie erhofft zur Wertschöpfung beiträgt, sind die mit seiner Größe gewachsenen Risiken (gerade für Unbeteiligte) erst recht schwer zu rechtfertigen.

Was schlagen die Ethiker konkret vor? Emunds würde einige Finanzprodukte wie etwa Verbriefungen von Verbriefungen untersagen. Eher als Verbote würde er aber zum Beispiel Steuern auf Finanztransaktionen einführen und so der Größe des Finanzsystems Kosten auferlegen. Er plädiert auch dafür, das Kreditgeschäft und das Einlagengeschäft von den Wertpapieraktivitäten der Banken zu trennen. Und er fordert, dass Banken und Schattenbanken nur so groß sein dürfen, dass sie im Fall einer Schieflage auch wirklich pleitegehen können, ohne eine Systemkrise auszulösen. Diese Maßnahmen wirken tendenziell der Überdehnung des Finanzsystems entgegen. Der Brite Hendry betont vor allem, dass die Regulierer auf Augenhöhe sein müssen mit einer Bankenbranche, die heute global vernetzt und engagiert ist, und die Regulierer sich deshalb international selbst viel stärker abstimmen und einheitliche Standards setzen sollten.

Die Größe des Finanzsystems als ethisch problematisch zu betrachten, ist dabei zumindest nach der in der traditionellen katholischen Soziallehre gängigen Ethiktradition nicht unbedingt naheliegend. Als der Jesuitenpater Oswald von Nell-Breuning im Jahr 1928 seine „Grundzüge der Börsenmoral“ veröffentlichte, orientierte er sich noch stark an der Naturrechtsethik. Dabei geht es zunächst darum, einen Sachverhalt genau zu verstehen unter der Annahme, dass die Dinge ja nicht zufällig so sind, wie sie sind. Ethisch legitim ist es danach kurz gesagt, wenn eine Sache ihren Zweck erfüllt. Auch der Philosoph Peter Koslowski orientierte die im Jahr 2009 überarbeitete aktuelle Fassung seines Werkes „Ethik der Banken“ an diesem Ansatz. Für Emunds ist diese Herangehensweise ein guter Ausgangspunkt. Er bemängelt aber, dass auch der Zweck einer Sache ja nicht „vom Himmel fällt“, sondern selbst Gegenstand von (politischer) Diskussion ist. Er geht wiederum auf der anderen Seite aber auch nicht so weit wie der Schweizer Wirtschaftsethiker Peter Ulrich, der etwa von einem Unternehmer verlangt, sein Handeln maßgeblich auch an der (lokalen) Gemeinschaft auszurichten, in der er sein Unternehmen betreibt. Emunds will weder den Unternehmer noch den Arbeitnehmer überfrachten oder gar überfordern mit einer Vielzahl moralischer Aufträge. Ethisch in Ordnung sein müssen vor allem die Institutionen.

0

17 Lesermeinungen

  1. Es gibt nicht "die" Ethik - es gibt Millionen unterschiedliche Ethiken...
    …und niemand kann beweisen, welche Ethik falsch und welche richtig ist. Es sind Systeme von Soll-Sätzen, die man letzten Endes individuell wählen muss – ganz so wie man die Pulloverfarbe wählt, von der man glaubt, dass sie zu einem passt. „Ethiken“ haben den gleichen methodologischen Status wie „Ästhetiken“. Sie zählen deshalb zu den subjektiven Präferenzen. Und da gönnen wir uns in pluralistisch verfassten Gesellschaften nun einmal mit guten Gründen einen sehr großen individuellen Entscheidungsfreiraum – den man auch Freiheit nennt.

    Wenn sich jemand im Namen „der Ethik“ zu einem wirtschaftspolitischen Problem äußert ist das eigentlich schon eine ziemliche intellektuelle Anmaßung. Auf keinen Fall sollte man so einer Person dann auch noch einen priviligierten Status in der Diskussion zubilligen.

  2. Es mutet etwas seltsam an, ...
    … wenn über unser Geld-, Banken- und Marktsystem gefachsimpelt wird und der Staat in seiner früheren und jetzigen Rolle innerhalb dieses Systems nicht einmal erwähnt wird.
    Wenn die Präsidenten Carter und Clinton indirekt zu Subprimekrediten (Stichwort „Redlining“) animierten und mehr als das, dann ruft das Reaktionen bei allen anderen Akteuren hervor. Natürlich sind damit keine Betrügereien gemeint, aber welche Bank kann schon die Klumpenrisiken von zB Subprimekrediten tragen? Wie heiße Kartoffeln wurden sie weitergereicht. War schon der Kredit allein für einen seriösen Banker nicht tragbar, so wurde die fachliche Basis mit der Weiterreichung der Risiken nicht seriöser. Und wo begann die Kette? Bei Carter und Clinton und später den NGOs, die mit Demostrationen vor den Banken halfen, die politischen Forderungen durchzusetzen.
    Oder die massiven Anreize europäischer Staaten, Anleihen aus dem PIIGS-Raum zu zeichnen. Kraft staatlicher Autorität wurde das Risiko von PIIGS-Anleihen verschleiert und sie wurden sogar durch Herabsetung der Beleihungsstandards gefördert.
    Was ist mit den EU-Schattenhaushalten und gesonderten Kreditentitäten, die in keinem Staatshaushalt aufgeführt werden? Was bei den Banken als toxisches Papier gebrandmarkt wurde, feiert hier wieder fröhliche Urständ.
    Was ist mit der gigantischen Verschuldung, sozusagen Konsumkredite als Mittel der Wahlpolitik?
    Welche Verzerrungen des Geldmarktes werden durch all dies und noch mehr verursacht? Natürlich tragen die LIBOR-Absprachen und illegalen Goldpreisfixings zu dieser katastrophalen Situation bei.
    Der Staat ist Regulierer UND bei weitem größter Marktteilnehmer – the elephant in the room! Da muß jeder selbst sehen, wo er bleibt.

  3. Titel eingeben
    Die Börse darf unsere Demokratie nicht gefährden? Ethik in Wirtschaftsfragen? Mit Verlaub, ich kann nur milde darüber lächeln!
    Das sind leider nur Schönwetterrezepte, die Realität sieht anders aus!
    Der Bankmitarbeiter oder der in der Versicherungsbranche Tätige wird vom Kundenbetreuer über den Abteilungsleiter bis zum Vorstand zum Schluss an schnöden Verkaufszahlen und Erträgen gemessen, nicht aber an besonders ethisch-großzügigem Verhalten! Das gilt natürlich auch für alle anderen Bereiche! Die Wirtschaft und die Börsen laufen nach ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ab! Der Wettbewerb ist hart, wird durch Deregulierung und Liberalisierung auch nicht einfacher, da bleibt für ethische Fragen, insbesondere in schlechten Zeiten, wenig Raum! So nüchtern muss das nun einmal betrachtet werden!

    Im Übrigen hat die Börse schon grundsätzliche demokratische Regeln außer Kraft gesetzt, in dem die Politik dem Bürger – nach Wahlen – regelmäßig zu erklären sucht, was auf einmal alles nicht geht, eben weil u.a. wirtschaftliche Prozesse dies nicht erlauben sollen! Zwar wird vermieden, direkt auf die Börsen zu verweisen, aber machen wir uns nichts vor, zum Schluss beeinflussen Entwicklungen an der Börse politische Entscheidungen! Und vergessen wir nicht den Einfluss börsennotierter Unternehmen auf Wahlen, Regierungen und deren Entscheidungen! Hier seien nur die Totschlagsargumente Arbeitsplätze und Wohlstand genannt! Wenn die Aktienkurse wichtiger Unternehmen stark sinken oder gar ein Börsencrash droht, dann werden eben solche Maßnahmen zur Stützung der Kurse unternommen, wie die Gründung von ESM und EFSM, die den Handlungsspielraum der Parlamente massiv einschränken! Wie ist der Lobbyismus, mittels dessen börsennotierte Unternehmen Einfluss auf die Politik nehmen, aus ethischer Sicht zu betrachten? Oder Parteispenden börsennotierter Unternehmen? Die Auswirkungen der Bankenrettung auf die sozialen Gegensätze werden zwar erwähnt, aber es ist weder seitens der Wirtschaft noch seitens der Politik ein Versuch erkennbar, wie die Verlierer der letzten Krise in den USA, Irland, Griechenland, Portugal … wieder in normale soziale Verhältnisse zu bringen! Im Gegenteil, die „Reformen“ zementieren die sozialen Gegensätze! Ich sag es ganz deutlich, für mich ist es ethisch nicht vertretbar, dass ca. 15% der Bevölkerung an oder unterhalb der Armutsgrenze leben!

  4. Ökonomie muss in der Ethik begründet sein
    Anlässlich dieses sehr lesenswerten Artikels von A.Armbruster wird wieder einmal deutlich, dass Ökonomie sich nicht selbst begründen kann, sondern eine zugeordnete Dienstfunktion zum Nutzen des Menschen und der menschlichen Gesellschaft hat. Wer Ökonomie aus diesen sozialen Bezügen der Verantwortung lösen will, der macht sie zu einem Instrument des Parasitären. Wo dies hinauskommt, sehen wir die letzten Jahren leider nur zu deutlich: Die Entkopplung von Geld und Macht von Verantwortung führt zu Entsozialisierung durch die Bereicherung weniger Asozialer.
    Jede Gesellschaft muss sich immer wieder der Tragfähigkeit ihres Ethos vergewissern. Wer dies für einen Selbstläufer hält, ist- bestenfalls- naiv.
    Ersichtlich hilft hier auch „Moralisieren“ (also der „Moral für Andere“- Ansatz der Linken/Grünen) nicht weiter. Wir bedürfen nicht Moral in Dosenform zur Bekundung allfälliger Betroffenheit, sondern einen ethischen Entwurf sozialer Gerechtigkeit: nichts anderes meint soziale Verantwortung!

    • Und wie soll der bitte aussehen?
      „Wir bedürfen…einen ethischen Entwurf sozialer Gerechtigkeit“

      Und wie soll der bitte aussehen? Was gerecht und was ungerecht ist, ist persönliche Ansichtssache. Wer will für mich entscheiden, was ich als „gerecht“ zu erachten habe?

      Unter dem Deckmantel „der Ethik“ macht sich derzeit jede Menge totalitärer Gesinnung breit. Wir brauchen keine Ethik-Muftis. Wir brauchen den freiheitlich verfassten demokratisch regierten Rechtsstaat!

    • Kurzes Beispiel wäre "soziale Marktwirtschaft" (im wesentl. in der kathol.Soziallehre ge-
      gründet)- und die hat es bis vor 25 Jahren bei uns gegeben (wie wir alle wissen). Das Problem fing an mit einer „deregulierung“ nicht von Bürokratie und Handelsschranken, sondern von Werten.
      Wir stehen also derzeit in der Diskussion vor der Frage einer positiven Restauration zurück zur sozialen Marktwirtschaft auf Staatsebene und auf europäischer Ebene kann man sich nur wünschen, dass dort Subsidiarität endlich vor Solidarität buchstabiert wird.

      Die derzeitige Regierung in D löst das Problem nicht, indem sie eine Wertediskussion des Sozialen betreibt, sondern sie meint es zu lösen (und verschlimmert es), indem sie einen Staatsrigorismus u. mit Brüssel einen Zentralismus fördert, der wiederum alle Verantwortung obsolet macht und damit das Individuum in seiner Aktionsmöglichkeit beschneidet.

      Wer einen Werterelativismus ohne Diskussion betreibt, wie Sie ihn argumentieren wollen(@Ludovico …), der nimmt einer Gesellschaft die Möglichkeit, Recht zu bestimmen und fördert damit die Ausbeutung der Schwachen durch den Starken (also einen parasitären MEchanismus).

    • @Ludovico Settembrini - 6. Dezember 2014 um 21:03 Uhr
      Zweifellos gibt es verschiedenste und auch totalitär wirkende Ethiken.

      Wenn Ihnen eine bestimmte Aussage einer bestimmten Ethik nicht zusagt, wäre es angesagt dieser eine eigene Formulierung entgegen zu setzen!

  5. Pingback: Die Börse darf unsere Demokratie nicht gefährden! « Onvestment.de

  6. Pingback: Die Börse darf unsere Demokratie nicht gefährden! » qoi.de

  7. Hallo Herr Armbruster
    Ich denke Geld generell darf nicht den Reifeweg, Qualitätsweg, Güteweg, der Human-Identität-Bildung, einen immer humaner „gebildeten“ Lebensweg der Einzelpersonen in immer humaner „gebildeten“ Gesellschaften gefährden oder gar zerstören. Das Gegenteil sollte die Wirkung des Geldes sein. Die „geistige Tiefe“ der „Human-Identität“ jedes Einzelnen bestimmt den humanen Gesellschaft-Wirkungsgrad und damit die Lebensqualität, in welcher Gesellschaftsform auch immer.
    Human-Identität-Bildung = humane Vernunft-Bildung…die Basis
    auf der jede „Zeit-Geist-Status-Quo-Qualität“ begründet ist.
    Die Qualität des reifenden Zeit-Geistes, als Resultierende aller Einzelgeistqualitäten einer Gesellschaft bis hin zur Weltgesellschaft, bestimmt die Freiheit(qualitäten), Frieden(qualitäten), Gerechtigkeit(qualitäten)…alle „Status-Quo-Human-Qualitäten“.
    Moralqualitätwirkung, Ethikqualitätwirkung ist Human-Geist-Identität-Qualität-Wirkung.
    Wir könnten uns also um gezielte „Human-Geist-Identität-Qualität“ in
    allen, besonders den „Bildung bildenden“, Gesellschaft-Strukturen, Gesellschaft-Institutionen bemühen und so die gesellschaftsgefährdenden „Geldwirkungen“, mittels wirkender „Bildungsreife“, bildungsgereift eliminieren.
    Unser Geist weiß schon viel von Moral, Ethik, aber wir handeln
    nicht entsprechend unserem Geistwissen; weil die notwendige, die
    „Not wendende“, gezielte Bildungstiefe fehlt.
    Human-Identität-Qualität, ein Evolutionskreislauf der Generationen.
    Gezielte Evolutionsunterstützung vermindert unnötige
    „Evolution-Schmerzerfahrungen“.
    Gefahr erkannt, Gefahr gebannt:=)

  8. Nicht die Börse ist das ethische Problem sonder der Versuch der Poltik diese zu beeinflussen
    Ethik ohne Selbstbestimmung und Fairness hat keine Grundlage. Es die Gewaltenteilung, die den Menschen von der staatlichen Willkür bewahren soll.

    Die Gewaltenteilung kommt klassisch zu dritt daher, die Presse hat sich als 4. Macht selbst inthronisiert. Dazu käme eigentlich der Markt, das Spiel der Freien (Menschen), damit auch die Börse, sagen wir als die 5. Macht.

    Aber was sehen wir heute, die Legislative beansprucht das Primat über die Judikative. Exekutive und Legislative sind mindestens in der GroKo-Zeit verschmolzen. Große Teile der „freien“ Presse gehören Parteien oder sind, wie bei den Öffentlich/Rechtlichen, eine Gossenbrüderschaft mit der Politik eingegangen.

    Der Markt wird in zunehmenden von der Politik reguliert, der freie Handel eingeschränkt. Die Politik und die Banken zusammen ziehen den Bürgern im Wechsel das Fell über die Ohren. Alle laufen medienwirksam im Kreis, jeder zeigt auf seinen Vordermann und erklärt denselben zum Schuldigen.

    Ganz ehrlich, und nun lohnt sich die Frage noch, ob die Börse unethisch ist?. Als Ablenkung vielleicht!

  9. Pingback: Die Börse darf unsere Demokratie nicht gefährden! | Bundesdeutsche Zeitung

  10. Titel eingeben
    Im Vordergrund steht der Mensch. Der trägt einen Januskopf – Gutes und Böses sind untrennbare Teile seines Ichs. Markwirtschaft trägt diesem Prinzip insoweit Rechnung, als es beide Teile aufeinder losgehen läßt; dahinter steht Freiheitlichkeit. Die Ökonomie fordert aber auch, daß beide Seiten gleich große Chancen haben, also Wissen und Macht.

    Andererseits hat die Ökonomie nie geleugnet, daß die Schwächeren, soweit sie nicht können, dabei auf der Strecke bleiben. Normative, also politische Ökonomie, stellt dabei den Ausgleich dar. Das Ergebnis ist die sogenannte Soziale Marktwirktschaft. Aber Sozialwirtschaft ist etwas ganz Anderes. Sie hat nämlich Marktwirtschaft nicht nur gelenkt, sie hat sie abgeschafft – weil sie die Ordnungspolitik völlig vergessen hat. Und dabei hat sie das wesentliche Element von Demokratie und von perönlicher Freiheit (einschließlich des Januskopfes) zerstört.

    Nimm einem Menschen das „Gutsein“ ab – was tut er? Er freut sich, einem anderen die Probleme aufzuhalsen. Von wegen Goethe:“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Eine wünschenswerte Utopie; so sind Menschen sind nicht generell.

    Schicken wir doch Oma in das Altersheim auf Staatskosten, lassen wir doch den Nachbarn von Hartz sowieso ernähren. Das nennt man TEAMwork – Toll, Ein Anderer Machts. Das sind wir.

    Mit der Börse hat das nichts zu tun? Oh doch sehr viel. Da toben wir nämlich unseren Januskopf ebenso aus. Es ist keine Frage der Größe, es ist eine Frage der Einstellung.

Kommentare sind deaktiviert.