Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Wir schaffen was?

| 18 Lesermeinungen

Es ist besser, eine Mauer um den Wohlfahrtsstaat zu bauen als um das ganze Land.

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Mehr als eine Million Menschen werden in diesem Jahr nach Deutschland einwandern, als Arbeitnehmer, als Asylbewerber und Flüchtlinge, als Illegale. „Wir schaffen das“, sagt die Bundeskanzlerin. Ökonomen stellen lieber die Frage: Wir schaffen was? Sie unterscheiden zwischen der Immigration in den Arbeitsmarkt und der Immigration in den Wohlfahrtsstaat. Die Vermutung ist dabei, dass Immigration in den Arbeitsmarkt dem Einwanderungsland nutzt, während die Zuwanderung in den Wohlfahrtsstaat die Einheimischen belastet.

Immigranten haben Hände und Mägen

In der öffentlichen Diskussion werden Zuwanderer oft nur als Konkurrenten gesehen, die Arbeitsplätze wegnehmen. Das ist falsch. Nicht nur, weil die Immigranten in eine alternde Gesellschaft kommen, die Arbeitskraft sucht. Immigranten bringen generell nicht nur Hände und Köpfe mit, mit denen sie arbeiten wollen. Sie haben auch Mägen und Konsumwünsche, die gefüllt und erfüllt werden wollen. Immigranten stärken so das Angebot an Arbeit und, wenn man sie arbeiten lässt, auch die Nachfrage nach Gütern. Das eröffnet Chancen auch für die Einheimischen, Chancen auf Beschäftigung und auf Gewinne für Unternehmen. Die größere Wirtschaft nutzt so allen.

Unzureichend ist es auch, Immigranten als Rivalen bestimmter Gruppen heimischer Arbeiter zu betrachten. Die klassische Analyse der Einwanderung folgt diesem Muster. Kommen Immigranten ohne Schulabschluss, dann konkurrieren sie direkt mit heimischen Geringqualifizierten. Der schärfere Wettbewerb drückt die Einkommen der Niedriglöhner und wertet ergänzende Produktionsfaktoren auf. Akademiker etwa oder Handwerksmeister profitieren von der Einwanderung Geringqualifizierter, weil ihre Leistungen relativ knapper werden. Plastisch mag man sich das im Extrem so vorstellen, dass Rechtsanwälte oder Ärzte mit der Einwanderung aus mehr Haushaltshilfen oder Büroboten wählen können.

Die nicht zu Hause bleiben

Diese Analyse spiegelt einen wichtigen Teil, aber eben nur einen Teil der Folgen der Zuwanderung. Mindestens so wichtig ist, dass Immigranten auch als Schmiermittel am Arbeitsmarkt wirken. Der verstorbene Julian Simon etwa betonte, dass Zuwanderer unternehmensfreudiger und flexibler und ein Gewinn für das Einwanderungsland sind. Das ist einsichtig: Einwanderer sind immer diejenigen, die nicht zu Hause geblieben sind. George Borjas zeigt am amerikanischen Beispiel, dass Zuwanderer räumlich beweglicher sind als die Einheimischen und so helfen, regionale Engpässe am Arbeitsmarkt zu schließen. Das hebt die gesamtwirtschaftliche Produktivität und nutzt allen.

Ifo-Forscher um Michele Battisti mutmaßen, dass Einwanderung Unternehmer dazu verleitet, mehr Arbeitsplätze anzubieten, von denen auch Einheimische profitieren. Der Grund liegt darin, dass Zuwanderer oft weniger scharf verhandeln und so weniger verdienen als ihre einheimischen Kollegen. Zuwanderung kann auch helfen, übertriebene Gewerkschaftsmacht einzudämmen, was einheimischen Arbeitslosen hilft, fanden Forscher um Christoph Schmidt schon 1994 heraus.

Alle diese positiven Wirkungen der Zuwanderung setzen voraus, dass Immigranten arbeiten dürfen. Deutschland ist gegenüber Flüchtlingen offen, am Arbeitsmarkt aber recht verschlossen. Der Mindestlohnzwang verhindert zuverlässig, dass Flüchtlinge mit geringer Ausbildung und fehlenden Deutschkenntnissen leicht in den fremden Arbeitsmarkt hineinfinden können. Generell dürfen Asylbewerber und Flüchtlinge für drei Monate gar nicht arbeiten. Danach haben sie nachrangigen Status. Bevor ein Unternehmer Asylbewerber oder geduldete Flüchtlinge beschäftigen darf, muss er nachweisen, dass er die Stelle nicht mit einem Deutschen oder EU-Bürger hätte besetzen können. Erst nach 15 Monaten Aufenthalt steht Asylbewerbern oder geduldeten Flüchtlingen der Arbeitsmarkt ohne Einschränkung offen. Vorher erhalten sie deutsche Almosen. Der Wohlfahrtsstaat erzieht seine Neubürger zur Abhängigkeit.

Das Lob der Illegalen

Das ist im Kern das theoretische Argument dafür, dass die Einwanderung in den Umverteilungsstaat den einheimischen Bürgern schade. Doch empirisch ist es unklar, ob Zuwanderer in den Umverteilungsstaat eine Belastung darstellen. Wenn unternehmensfreudige und bewegliche Menschen einwandern, zahlen sie schnell mehr in die Sozialkassen ein, als sie erhalten. In einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft können Zuwanderer ferner Lücken schließen, die Generationenverträge der Sozialkassen ein wenig stabilisieren und dazu beitragen, dass sich öffentliche Infrastruktur auch in Randgebieten noch rechnet. Diese Effekte umfassend aufzurechnen ist nicht einfach.

Doch bleibt generell die Sorge, dass der umverteilende Staat der Tendenz nach Menschen anlockt, die von der Umverteilung profitieren, und diejenigen verjagt, die zahlen sollen. Darin gründet das Diktum des verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, dass man freie Zuwanderung und einen Wohlfahrtsstaat zusammen nicht haben könne. Friedman gelangte so zu der Beobachtung, dass illegale Einwanderung wünschenswert sei. Illegale integrierten sich in den Arbeitsmarkt, erhalten aber keine Sozialleistungen.

Das Lob der illegalen Einwanderer wird für Deutschland nicht politische Leitschnur werden. Utopisch auch ist die Erwartung, Zöllner oder Beamte könnten feststellen, welche Zuwanderer in der Zukunft den Sozialkassen zur Last fallen oder nicht. Will man den Sozialstaat nicht beschneiden und die Zuwanderung nicht übermäßig strangulieren, muss man die Anreize zur Einwanderung in den Sozialstaat begrenzen. Eine Möglichkeit wäre, arbeitslose Immigranten für einige Jahre von den Sozialleistungen auszuschließen. Ein Vorbild gibt es: Die Vereinigten Staaten strichen mit der Wohlfahrtsreform 1996 neuen Einwanderern für fünf Jahre den Zugang zu den Sozialleistungen des Bundes. Es sei besser, eine Mauer um den Wohlfahrtsstaat zu bauen als um das gesamte Land, formulierte der verstorbene Ökonom William Niskanen.

 

Battisti, Michele, Gabriel Felbermayr und Panu Poutvaara (2015): Einwanderung: Welchen Nutzen hat die einheimische Bevölkerung? Ifo-Schnelldienst vom 24. September 2015, S. 3-12.

Borjas, George (2001): Does Immigration Grease the Wheels of the Labor Market?, Brookings Papers on Economic Activity, No. 1, 2001, S. 1-51.

Schmidt, C. M., A. Stilz, and K. F. Zimmermann (1994): Mass migration, unions, and government intervention. Journal of Public Economics, Bd. 55, S. 185-201.

Simon, Julian (1989): The Economic Consequences of Immigration. Oxford: Basil Blackwell.

 

Der Text erschien als „Sonntagsökonom” am 27. Dezember in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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18 Lesermeinungen

  1. Geht nicht
    Der Gedanke mit der Mauer um den Wohlfahrtsstaat ist zwar plausibel, würde aber wieder am Bundesverfassungsgericht und anderen Gerichten scheitern, wie deren Urteile in der Vergangenheit gezeigt haben.

  2. Wo ist die Chance für eine zerbrechende EU?
    Stichwort Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland. In beiden Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau.

    Hatten die Befürworter der jetzigen Situation nicht schon lange die Chance gehabt, etwas gegen Überalterung und Fachkräftemangel zu unternehmen, indem man die jungen Menschen aus diesen Ländern versucht zu integrieren?

    Das wäre sicherlich eine große Chance gewesen, den Zusammenhalt der EU auf diese Weise zu festigen.

    In diesem Sinne: „Ich habe einen Plan, wir schaffen das…“

    • Mein Herr, der ab 2013 und in 2014 begonnene
      Versuch mit deutschen Fördermitteln spanischen und griechischen Jugendlichen eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen dürfte als misslungen betrachtet werden (gehen Sie mal auf die Sandschutzbrille). Das geben inzwischen auch viele Ausbildungsbetriebe zu, die bestätigen, dass nicht einmal die Hälfte der „Interessenten“ im Ausbildungsverhältnis verweilt. Viele haben es vorgezogen den garstigen Bedingungen in Alemania den Rücken zu kehren und wieder in den Schoß des Elternhauses unter südlicher Sonne zurückzukehren. Die Gründe dafür möchte ich nicht kommentieren, da diese wieder auf die Ursachen der Mißstände in genannten Ländern führen würden-völlig unerwünscht heutzutage.

  3. Migranten sind also die Lückenbüßer eine verfehlten Innenpolitik?
    so könnten man die Liste der Vorteile auch interpretieren, denn letztlich basieren sämtliche Vorteile darauf, dass hier etwas falsch läuft.
    Also benutzen wir das soziale Gefälle, um ein nicht funktionierendes System mit schweren auch sozialen Defiziten aufrecht zu erhalten?
    Und dann wundern wir uns, das die Immigration in der zweiten und dritten Generation scheitert?

  4. "Doch empirisch ist es unklar, ob Zuwanderer ... eine Belastung darstellen."
    Ein paar Zahlen aus einer offiziellen EU-Statistik:
    http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/File:T3_Unemployment_rate_of_the_population_(aged_20%E2%80%9364)_by_broad_groups_of_country_of_citizenship_and_age_groups,_by_country,_2014.png

    Reicht das aus um die Unklarheit zur Klarheit werden zu lassen?

  5. Titel eingeben
    Generell ist die Überschrift völlig richtig
    Das Problem liegt nur darin, dass jeder Flüchtling, der in Deutschland ankommt, zuerst in den Sozialstaat einwandert, denn nur ganz ganz wenige können sofort eine Stelle finden. Auch wird es natürlich eine höhere Konkurrenz gerade unter den weniger Qualifizierten geben. Und dass die meisten Flüchtlinge sehr gering qualifiziert sind, konnten wir nicht nur hier in der FAZ schon häufiger lesen, sondern auch im Handelsblatt, in der Welt …
    Auch der Hinweis, dass die Flüchtlinge mobiler sind und deshalb dem Wohlfahrtsstaat nicht auf der Tasche liegen werden überzeugt nicht. Wenn dies so wäre, würde Deutschland ja von den eingewanderten Türken profitieren. Tatsache ist allerdings, dass diese weitaus häufiger arbeitslos weil häufig unqualifiziert sind. Daran ändern auch die vielen türkischen Läden nichts, die ja als die Unternehmer gezählt werden.
    Insgesamt überzeugt mich der Artikel nicht und deshalb empfehle ich den Autoren mal die Gegenstudie von Prof. Suntum „Costa ja gar nix – Costa ja ganz viel“ zu der Studie von „Prof.“ Fratzscher zu lesen, der uns das Blaue vom Himmel verspricht.

  6. Es ist besser, eine Mauer um den Wohlfahrtsstaat zu bauen als um das ganze Land.
    Komisch, dieser Gedanke, diese Ideologie wird wie eine Gewissheit ständig als nicht diskussionswürdig verkauft.
    Wieso eigentlich? Aufgrund welcher Argumente? Denn genau die fehlen mir bei diesen Glaubensbekenntnissen jedes mal.
    Es gibt positive und negative Erscheinungen im Zusammenhang mit Grenzen, weil der Zweck den sie erfüllen auch immer Unerwünschtes produziert. Das aber ist allem systematisch innewohnend!
    Letztlich aber kommt es darauf an Ziele und unerwünschte Folgen abzuwägen und nicht das eine oder andere für Sakrosankt zu erklären.

  7. Da ist es wieder
    Mit Flüchtlingen gegen den Mindestlohn schießen. Dabei sollte der Mindestlohn uns alle doch schon lange ruiniert haben.

  8. In Analysen sollten vor allem Wünsche nicht mit der Realität vermischt werden
    Alle diejenigen, die laut: „Wir schaffen das“ rufen, wissen regelmäßig nicht was da überhaupt geschafft werden soll und deshalb meinen sie sich nicht selbst, sondern immer: „die anderen schaffen das schon“. Und ob Zuwanderer den Arbeitsmarkt positiv beeinflussen können, hängt nahezu immer davon ab, dass man diejenigen gut auswählt, die man als Zuwanderer haben möchte. Und das so etwas durchaus geht, zeigen eine ganze Reihe von Ländern. Aber eine chaotische und völlig unkontrollierte Zuwanderung, wie wir sie in der jüngeren Vergangenheit nach Deutschland erlebt haben, wird mittel- und langfristig mehr Probleme verursachen als sie nützen kann. Die USA, Frankreich und auch England haben erhebliche Probleme dadurch, dass sie nicht integrationsfähige Zuwanderung geduldet haben und sich dadurch Ghettos mit Gewaltpotential bilden konnten. Und das sieht man oft erst bei den Nachfolgegenerationen, weil die sich, warum auch immer benachteiligt fühlen. Auch bei den sogenannten Flüchtlingen sollten die Fluchtgründe besser differenziert werden: Ob es sinnvoll ist Menschen als Kriegsflüchtlinge anzuerkennen, die einen Bürgerkrieg begonnen haben und sich plötzlich auf der Verliererseite befinden, sollte man prüfen. Und Armut als Fluchtgrund muss dann als zweifelhaft eingestuft werden, wenn die durch einen Kinderreichtum verursacht wird, für den die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen. In vielen sogenannten Kulturen werden Kinder als billige Arbeitskräfte vor allem in der Landwirtschaft missbraucht und/oder sie werden zu einer „Handelsware“ die bei Verheiratung nicht unerhebliche Werte erlangt. Es mag manchmal hart und unmenschlich erscheinen, aber bei einer immer noch stark wachsenden Weltbevölkerung von derzeit mehr als 7 Mrd. Menschen sollte bedacht werden, dass alle von der Natur vorgesehenen Kontrollmechanismen von den Menschen außer Kraft gesetzt worden sind. Wenn also die Menschheit nicht ihr eigenes Grab schaufeln will, dann muss sie wieder für solche Mechanismen sorgen – und möglicherweise wäre es richtiger Mangelerscheinungen nicht abzubauen, sondern wirken zu lassen. Überall in der Natur sorgt z.B. Nahrungsmangel für eine Bevölkerungskontrolle der Arten. Nur die Menschen reden sich etwas anderes ein und klagen dann über Kriege, Umweltverschmutzung, Kriminalität und vieles andere mehr. Aber wer gut analysieren kann, kommt immer auf die Überbevölkerung als Ursache allen Übels.
    Wer sich also die Mühe macht zu einer sauberen Analyse, dem kommen Zweifel, ob man was auch immer schaffen kann.

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  10. Wo anfangen - oder was ist denn "das" welches wir schaffen?
    1.
    a) Dem Friedmanschen Argument der Wohlfahrt der illegalen Einwanderung sei der inhumanitaere Aspekt entgegengehalten; und pointierter ad absurdum gefuehrt als ich dazu in der Lage bin, siehe Link; ich rate allen Interessierten kurz in einen Nachbarblog der FAZ hineinzuschauen:
    http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/12/16/der-brutale-klassenkampf-des-moralischen-imperativs-5895/
    Aber natuerlich sind die grosszuegigen dt. Sozialsysteme ein Wanderungsanreiz, der „entfernt“ werden muss, wie auch immer.

    b) Ob Immigration, egal welcher Art, fuer das Empfaengerland einen Nettonutzen darstellt, haengt praezise davon ab, ob die Ankommenden in der Gruppe oder auch als Einzelperson eine positive Bilanz zwischen zusaetzlicher Leistung und zusaetzlichem Verbrauch bedeuten, kurz- mittel- und langfristig, und da geht die aktuelle Diskussion nicht nur unsystematisch dran, sondern ist in vielen Teilen auch unvollstaendig und – so zumindest meine Wahrnehmung – teilweise auch absichtlich unscharf; was wiederum den aufmerksamen Beobachter vermuten laesst, das er ev. in eine bestimmte Richtung manipuliert werden soll?

    2. Die voellige Unklarheit darueber, was „das“ eigentlich sein soll, was wir da schaffen?
    a) Das Berliner Politiktheater hat via die Regelbrueche zur EuroRettung, und jetzt Dublin, die gesamte europaeische Rechtsordnung in den Augen vieler Buerger delegitimiert, denn wer soll das noch Ernst nehmen, wenn alle Gesetze wahlfrei und „alternativlos“ den kurzfristigen Machtinteressen der Europapolitiker geopfert werden? Wie soll Glaubwuerdigkeit mit dem agierenden Personal wiederhergestellt werden? Bzw – die Folgen der dann aufzudeckenden Verluste wirtschaftlich und politisch „verarbeitet“ werden – sollte man sich jemals bequemen, die Regeln wieder halbwegs ernst zu nehmen?
    b) Es ist voellig klar, dass das politische Asyl des GG nicht gemacht ist fuer die Masseneinwanderung, die gerade de facto stattfindet – noch so ein Rechtsbruch, by the way. Das heisst, es waere allerhoechste Eisenbahn, einen dem Realitaeten angemessenen Rechtsrahmen zu schaffen mit 1) poli. Asyl 2) vorruebergehender Schutz nach Genfer Konvention 3)wirtschaftli. Einwanderung a la Kanada; in Kombination mit klaren, verbindlichen Anforderung, sich unseren „Regeln“ anzupassen.

    Gerade letztere Diskussion hat noch jedes weihnachtliche Zusammentreffen dieses Jahr in hitzige Diskussionen verwandelt, mit tiefen Bruechen durch jede Runde, und mit der zunehmend fehlenden Bereitschaft, sich mit einem abweichenden Standpkt ernsthaft auseinanderzusetzen. „Wir“ haben gar keine Vorstellung davon, was Deutschsein eigentlich sein soll (oder nur sehr wage), koennen uns maximal auf den Minimalkonsens „GG“ einigen – damit ist aber meine Erwartung, das man Menschen unabhaengig von Geschlecht oder Religion die Hand bei der Begruessung gibt, nicht abgedeckt. [Oder treiben wir die Ruecksichtnahme so weit, dass irgendwann auch alle dt. Frauen Kopftuch tragen muessen, aus Ruecksichtnahme auf die Befindlichkeit der Kommenden?]

    Der ironische Widerspruch, das bereits hierlebende Menschen mit Migrationshintergrund die Zuwanderung besonders heftig ablehnen (wohl auch, weil sie Angst haben, das jenes, vor dem sie einst selbst geflohen sind, auf diese Weise wieder im Alltag leben zu muessen – und die wissen im Zweifel besser als die naiven Einheimischen, was das bedeuten kann) – und viele Deutsche meinen, „Deutschsein“ ablehnen zu muessen, weil man ja sonst semantisch zumindest bei Pegida, wenn nicht noch schlimmer verortet werden koennte. Und wie soll man den Ankommenden klarmachen, in was sie sich den „integrieren“ sollen, wenn das den Einheimischen nicht einmal klar ist? Und wie soll Integration unter dieser Voraussetzung klappen – wenn sich gleichzeitig unsere Politikspitzen zw. Obergrenze und Verneinung eines Einwanderungsgesetzes verzetteln – waehrenddessen Tausende Fluechtlinge sang- und klanglos vor der Registrierung aus den Heimen verschwinden – und damit ihren Beitrag zur Beendigung der staatlichen Kontrolle beitragen, eingeleitet durch die Weigerung der Kanzlerin, mit den unangenehmen Bildern von geschlossenen Grenzen zu leben, und damit einen weiteren Schritt naeher an den Abgrund getan hat.
    c) Reden wir ueber die mittlerweile ca. 1.2-15 Millionen, die allein dieses Jahr kamen – und von denen viele hoffen, ihre ganzen Familien nachholen zu koennen – oder von den noch unklaren Zahlen, die uns fuer 2016, 17 usw noch bevorstehen koennten – wenn „das“ nicht genauer definiert wird?
    d) Die UN schaetzt das derzeit zw. 60-80 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, (und das ist bevor noch irgendwo ein weiterer Krisenherd „aufpoppt“ )- und wenn Deutschland das einzige Land auf der Welt bleibt (und so sieht es mir nach den Diskussionen in Bruessel u.a. aus) – wollen wir die alle „willkommen“ heissen – bzw. – Wann und wo wird die Grenze gezogen?

    Um all diese Fragen waere dringend eine oeffentliche Diskussion in Deutschland noetig, ohne Scheuklappen (aber auch ohne braune Sosse) – denn nur, wenn die, die bereits da sind, endlich fuer sich selber herausfinden, was „Deutschsein“ heute heissen soll – koennen wir den Ankommenden sagen – das erwarten wir, und wenn Dir das nicht passt, geh bitte – und damit die historische Chance in zweierlei Hinsicht nutzen – die diese Immigrationwelle uns bieten kann – zum einen, endlich die spannende Reise zur eigenen, ev. auch deutschen Identitaet zu gehen und gleichzeitig die oekonomischen Vorteile, die „richtige“ Integration bieten kann, angesichts der demographischen Entwicklung zu nutzen.

    Wenn wir „Wir schaffen „das““ sinnvoll zu definieren und leben – kann es was werden – nur dazu braeuche es den Mut, sich mit vielen deutschen Taboos zu beschaeftigen – wenn dieser Schritt nicht gegangen wird – tja… dann….

    • Der ironische Widerspruch, daß "bereits hierlebende Menschen mit...
      ..Migrationshintergrund die Zuwanderung besonders heftig ablehnen“, liegt nicht so sehr an Ängsten, sondern an potentiellen Animositäten mit den Neu-Zuwanderern.

      Ausgangspunkt ist, daß die bereits hier lebenden mit Migrationshintergrund und die Neu-Zuwanderer nicht der gleichen Ethnie angehören, und sich – besonders gravierend – aus historischen, lange zurückreichenden Gründen ganz und gar nicht „Grün“ sind. Konkret ist es der alte Widerstreit zwischen Türken und Arabern. Die wenigsten Deutschen wissen, daß sich Türken und Araber nicht „Grün“ sind (was historische Gründe hat), viele denken auch gar nicht daran, daß sie völlig andere Sprachen und andere Schrift haben und selbst die Religion (Islam) kein verbindendes Band darstellt, da Türken zumeist Sunniten, die Flüchtlinge aber überwiegend Schiiten sind, mit Anteilen an Christen und Yessiden.

      Deshalb muß die eigentliche Frage lauten, wie viele der hier lebenden Türken sind heute wirklich integriert? Doch schon allein die Frage danach stellend, wird man scheel angesehen, abgesehen davon, daß die Antwort in keiner Statistik auffindbar ist. Dabei haben wir mit Türken gut 40 Jahre „Erfahrung“, Doch nun kommen Araber, Afghanen und Afrikaner und andere – etwa aus Bangladesch, Pakistan und rund 30 anderen Ländern – sind dabei die Koffer zu packen, und die Flucht zur Insel der Seligen, ins Gelobte Deutschland, aufzunehmen. Daß dahinter heute als „Marketing“ der eindeutig kriminellen Schlepperorganisationen die Lügengebilde unvorstellbar fantastischer Versprechungen über „Willkommensgeschenke Deutschlands“ an jeden Flüchtling stehen, der „es schafft“ steht, ist eine Wechselwirkung mit der von der Naiv-Politikerin Merkel ausgerufenen „Willkommen-WirSchaffenDas“-Politik. Im Prinzip der gleiche Teufelskreis, wie im Mittelalter, als von Zeit zu Zeit falsche Propheten auftauchten (heute würde man sagen Kriminelle), die dem Volk aufgrund von Kometenerscheinungen, Sonnenfinsternissen, Erdbeben oder Wetterphänomenen einen kurz bevorstehenden Weltuntergang einreden konnten, um am Verschleudern der Besitzungen und am Chaos zu verdienen. Frau Merkel spielt in diesem Vergleich die Rolle einer (hypothetischen) Landgräfin, die ausrufen läßt, alle, die Hab und Gut angesichts des prophezeiten Weltuntergangs verschleuderten und nach dessen Ausbleiben ruiniert zurückließ, auf ihrem Landgut aufzunehmen, zu verköstigen und ihnen und ihren Familien ein Haus oder Wohnung gratis zur Verfügung zu stellen. Sehr nobel, aber unglaublich naiv und für alle sichtbar selbstzerstörerisch.

      Vor allem aber vergißt die Landgräfin die Bedürfnisse der schon auf ihrem Land lebenden Bevölkerung. Aus unerfindlichem Grund stuft sie die Bedürfnisse der Zuwanderer plötzlich zu einer Menschenwürdigkeit hoch, die sie zuvor den „eigenen Leuten“ nicht zugestand, ja sogar bewußt vorenthielt. Aber nicht nur das, vergißt sie darüber hinaus, daß zu diesen „eigenen Leuten“ auch die „regulären Zuwanderer der Vor-Flüchtlingszeit“ zählen. So handelt sie sich nicht nur den eigenen wirtschaftlichen Ruin und den ihres Landguts ein, sondern auch ein geschichtliches Ansehen, das im Rückblick zu einer weiteren „dunklen Epoche“ werden wird.

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