Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Der unzuverlässige Elefant – oder: Warum es dem Westen besser geht als gedacht

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Das „Elefanten-Chart“ soll die Ungleichheit zeigen und den Aufstieg Donald Trumps erklären. Doch jetzt wird klar: Es hat seine Tücken.

Nicht oft hat eine Grafik so einen rapiden Aufstieg erlebt wie das „Elefanten-Chart“. Es soll zeigen, wie sich die Globalisierung auf die Einkommen der Weltbevölkerung ausgewirkt hat – und dass ausgerechnet die Mittel- und Unterschicht der reichen Staaten schlecht abgeschnitten haben. Sie gehörten zu den reichsten 80 Prozent der Welt, und ihr Einkommen sei zwischen 1998 und 2008 gefallen.

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Es ist eine wichtige Untersuchung des ehemaligen Weltbank-Ökonomen Branko Milanovic. Sie zeigt auch, dass die Globalisierung den Ärmsten der Welt genutzt hat. Doch die schlechte Lage der Mittelschicht in den reichen Staaten wurde in den vergangenen Wochen häufig dazu herangezogen, die scheinbar populistische Erfolge wie die Brexit-Entscheidung in Großbritannien und die Popularität von Donald Trump zu erklären. Und weil sich darunter so wunderbar ein Elefant zeichnen lässt, hatte es bald den Namen weg: Elefanten-Chart.

So dramatisch ist die Lage nicht

Auch ich habe zu denen gehört, die diese Einkommensverteilung zur Erklärung verwendet haben: sehr früh, gleich im ersten Kommentar zur Brexit-Entscheidung. Doch jetzt zeigt sich: Ganz so dramatisch, wie das Elefanten-Chart die Lage zeigt, ist sie nicht wirklich.

Der britische Think-Tank „Resolution Foundation“ zeigt in einem neuen Bericht eine Schwäche der Grafik auf: Sie berücksichtigt nicht das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort hat sich die Zahl der Menschen in den vergangenen 20 Jahren deutlich schneller gesteigert als in den reichen Staaten. Das heißt auch: Die Menschen, die 1998 am 75. Perzentil der weltweiten Einkommensverteilung waren, sind da heute nicht mehr – heute sind bewegen sie sich aufs 80. Perzentil der Einkommensverteilung zu. Am 75. Perzentil sind heute Leute, die früher näher am 70. Perzentil waren. Die Grafik vergleicht also die Einkommen von Reicheren (früher) mit denen von Ärmeren (heute) und unterschätzt deshalb die Einkommensgewinne.

Diese Grafik zeigt, wie das Elefanten-Chart aussähe, wenn sich nur die Bevölkerungszahlen geändert hätten, aber nicht die Einkommen:

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Am grundsätzlichen Trend ändert sich nichts: Niemand hat weniger Einkommen gewonnen als die Mittel- und Unterschicht in den reichen Staaten. Aber die Resolution Foundation hat ausgerechnet, dass die Entwicklung weniger dramatisch gewesen sei. Überall habe es wenigstens kleine Gewinne gegeben.

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Nimmt die Ungleichheit sogar ab?

Branko Milanovic selbst hat inzwischen eine aktualisierte Version seiner Grafik veröffentlicht: In den drei Jahren zwischen 2008 und 2011 sah der Elefant anders aus: Damals litten vor allem die Reichsten der Welt. Das allerdings könnte – an den Erfahrungen mit Statistiken aus Einzelstaaten gemessen – an der Finanzkrise liegen. In vielen Ländern drehte sich der Trend in den Jahren nach 2011 wieder.

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