Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Zum Nobelpreis für Bengt Holmström und Oliver Hart

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Oliver Hart und Bengt Holmström haben den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Die Königlich-Schwedisch-Akademie zeichnete sie für ihre Beiträge zur sogenannten Vertragstheorie aus. Es geht zum Beispiel darum, welche Verträge Unternehmen mit ihren Mitarbeitern schließen sollten, welche Anreize davon ausgehen, praktisch beispielsweise: Was bedeutet es, wenn eine Bank hohe Boni an ihre Investmentbanker zahlt.

Die ganze Welt lässt sich im Grunde auch als Sammlung unzähliger Verträge darstellen, warum schnell klar wird, wie bedeutend das Thema ist. Die wichtigsten akademischen Arbeiten der beiden Preisträger stammen aus den siebziger und achtziger Jahren, sind also schon so alt wie das im Falle des Nobelpreises durchaus üblich ist – dahinter steckt der Gedanke, dass es eine gewisse Zeit braucht, um überhaupt feststellen zu können, wie bedeutsam und nachhaltig eine Idee ist.

Beide, Holmström und Hart, haben aber auch einige Beiträge geschrieben, die wir an dieser Stelle empfehlen möchten, weil sie sehr aktuell sind: Sie beschäftigen sich sozusagen mit dem Kern der Finanzkrise, mit dem, was unseres Wissens nach der akademische Stand in dieser Sache ist.

Informations-insensitiv

Holmström formulierte in seiner Ansprache an die Ökonometrische Gesellschaft einmal so: „Paniken passieren, wenn informations-insensitive Schulden (oder Banken) sich in informations-sensitive Schulden verwandeln (…) Eine Regime-Änderung tritt ein von einer Situation, in der es niemand nötig findet, detailierte Fragen zu stellen, in eine Situation, in der es genug Unsicherheit gibt, dass einige Anleger anfangen, Fragen zu stellen über die unterliegenden Sicherheiten und andere anfangen, sich über die Möglichkeit einer Pleite zu sorgen (..) Das kann zu sinkender Liquidität und schnell fallenden Preisen führen.“

Das klingt sehr technisch, dahinter liegt folgende Frage: Was produzieren eigentlich Banken? Kurzfristige Schulden, lautet die akademische abstrakte Antwort. Einlagen für Sparer oder zum Beispiel Geldmarktpapiere, Titel mit kurzer Laufzeit, die jeder quasi wie Geld selbst verwendet, über die eben niemand Fragen stellt. Und wo es sich eigentlich nicht lohnt, besondere Ressourcen zu verwenden, um mehr darüber zu erfahren – neue Informationen haben per Definition keinen Einfluss auf den Wert dieser Anlagen, deswegen die Beschreibung „informations-insensitiv“. Es gibt eine hohe Nachfrage auf der Welt genau nach solchen sicheren Anlagen, deshalb gibt es Banken, die versuchen, sie herzustellen.

Warum Banken anders sind

Der Finanzhistoriker Gary Gorton hat die amerikanische Finanzkrise genau mit diesem Ansatz erklärt, als einen „Run“ auf als sicher erachtete Bankschulden (Repo), einen Markt, der unterhalb der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit stattfindet (wir haben Gorton vor Jahren einmal in diesem Blog interviewt). Bengt Holmström forschte und forscht auch mit Gorton, beide haben gleich mehrere gemeinsame Papers veröffentlicht. Ein aktuelles und erhellendes aus diesem Jahr heißt beispielsweise „Banks as Secret Keepers“ (zum Text geht es hier entlang). Diese Forschung geht auch darauf ein, dass die Rufe nach mehr oder umfassender Transparenz teilweise am tieferliegenden Kern des Problems vorbeigehen.

Oliver Hart, der einen Lehrstuhl an der Harvard-Universität innehat, hat sich ebenfalls eingehend mit der Finanzkrise befasst. In einem Aufsatz mit dem Finanzmarktfachmann Luigi Zingales aus dem Juni des vergangenen Jahres („Bank are where the Liquidity is“, hier geht es zum Text) beschreiben sie, warum es etwas anderes ist, ob eine Bank pleitegeht oder ein „normales“ Unternehmen.  Sie erklären, dass ein Banken-Schock überproportional gerade diejenigen trifft, die einen besonders hohen Liquiditätsbedarf haben (und ihre Liquidität typischerweise in einer Bank halten). In der Folge sinken gesamtwirtschaftliche Aktivität und Wohlfahrt. Sie betonen, dass dieses Problem sogar auftritt unabhängig vom Problem der möglichen (zu) großen Verflechtung der Banken. Als optimale fiskalische Reaktion erachten sie übrigens ausweislich ihrer Einleitung „Hilfe für die Menschen, nicht für die Banken“.

Wer sich schließlich die Preisbegründung des Nobel-Komitees durchlesen möchte, kann dies entweder in der populär geschriebenen Zusammenfassung oder der wissenschaftlichen Ausarbeitung tun.

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2 Lesermeinungen

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 11. Oktober 2016 | Die Börsenblogger

  2. Ivy league oder Ivory tower,...
    …das ist hier die Frage!

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