Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Sind die Leistungsbilanzsalden ein Schicksal?

| 20 Lesermeinungen

Die Amerikaner haben ein hohes Leistungsbilanzdefizit, Deutschland und China haben hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Warum? Menzie Chinn sagt: Die Gründe sind heute andere als früher. Vor allem die Finanzpolitik könnte die Salden beeinflussen. Das werden aber  weder die Amerikaner noch die Deutschen hören wollen (Jackson Hole Teil 3).

Die diesjährige geldpolitische Konferenz von Jackson Hole hat sich nicht unmittelbar mit Geldpolitik befasst, sondern mit dem aktuellen wirtschaftlichen und politischen Umfeld. Nachdem wir in den ersten beiden Beiträgen unserer kleinen Reihe die Innovationen in der amerikanischen Wirtschaft und die mögliche Rolle expansiver Finanzpolitik in einer künftigen Rezession behandelt haben, kommen wir heute zu dem vieldiskutierten Thema Leistungsbilanzsalden. In Jackson Hole hat der Ökonom Menzie D. Chinn die Ursachen heutiger Leistungsbilanzsalden behandelt. Ein interessantes Ko-Referat stammt vom Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds, Maurice Obstfeld.

Chinn hat dankenswerterweise eingängige theoretische Erklärungen von Leistungsbilanzsalden angeführt, um eine strukturierte Diskussion zu ermöglichen. Er unterscheidet fünf Gruppen von Erklärungen:

  • Leistungsbilanzdefizite entstehen in Ländern, die entweder hervorragende Wachstumsperspektiven besitzen, oder aber in denen aus speziellen Gründen eine hohe Konsumneigung besteht. Chinn nennt dies die „Lehrbuch-Erklärung“. Beispiele für die erste Gruppe von Ländern sind Schwellenländer, die im wirtschaftlichen Aufholprozess viel Auslandskapital anziehen. Ein Beispiel für die zweite Gruppe von Ländern wären die Vereinigten Staaten.
  • Die zweite Erklärung stellt auf die sogenannten „Zwillingsdefizite“, bestehend aus wachsenden Staatsschulden und Leistungsbilanzdefiziten, ab. Ein Beispiel wären die Vereinigten Staaten in den achtziger Jahren. Auf der Gegenseite sind Länder, die zum Beispiel als Folge einer alternden Bevölkerung Kapital in Länder mit vielversprechenderen Renditechancen exportieren. In diese Kategorie fiele Deutschland.
  • Die dritte Erklärung stellt auf eine „Exportbesessenheit“ mancher Volkswirtschaften ab, die, im merkantilistischen Geiste, die Auffassung vertreten, dass mit höheren Exporten automatisch auch höherer Wohlstand verbunden ist. Die „Exportbesessenheit“ würde man manchen asiatischen Staaten zuschreiben, nicht wenige Kritiker würde auch Deutschland in diese Liste aufnehmen.
  • Die vierte Erklärung stellt auf eine „Sparschwemme“ ab. Sie erklärt starke Kapitalexporte aus Schwellenländern vor allem in die Vereinigte Staaten mit unterentwickelten Finanzmärkten in den Schwellenländern. Die Leistungsbilanzsalden sind dann die Spiegelbilder der Kapitalbilanzsalden. Eine Variante dieser Erklärung ist der gegenwärtig sehr populäre Verweis auf die Vereinigten Staaten als Produzent einer global akzeptierten sicheren Kapitalanlage („safe asset“).
  • Eine fünfte Erklärung zielt auf Leistungsbilanzsalden als Ergebnisse der Verzerrung von Wechselkursen durch staatliche Instanzen, zum Beispiel Notenbanken, ab, in deren Folgen sich Leistungsbilanzsalden aufblasen.

Wie leicht ersichtlich, schließen sich diese Erklärungen nicht gegenseitig aus. Mehrere können zur gleichen Zeit zutreffen. Und im Zeitablauf können einzelne Erklärungsmuster an Bedeutung gewinnen, andere an Bedeutung verlieren. Zum Beispiel wird heute weniger über „Zwillingsdefizite“ geschrieben als vor zwanzig Jahren. Andererseits ist die Erklärung von Salden durch eine Nachfrage nach sicheren Kapitalanlagen erst in den vergangenen Jahren sehr populär geworden (das Phänomen gab es aber schon früher).

Wichtig ist zudem: Leistungsbilanzsalden sind nicht statisch. Die ehemals bedeutenden Leistungsbilanzüberschüsse mancher ölexportierender Staaten sind verschwunden. China hat immer noch einen hohen Überschuss der Leistungsbilanz, aber gemessen am BIP sinkt er – so wie im vergangenen Jahr übrigens auch der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in Relation zum BIP zurückgegangen ist. Und es gibt viele Prognosen, nach denen die Salden auf mittlere Sicht weiter zurückgehen sollten.

Chinn überprüft nun anhand der Daten, welche aktuellen Schlüsse aus den Salden zu ziehen sind. Seine erste Schlussfolgerung lautet: Es ist weder realistisch noch wünschenswert, dass sie alle verschwinden. Denn das amerikanische Leistungsbilanzdefizit erklärt sich zum Teil spiegelbildlich durch internationale Kapitalzuflüsse, die Dollaranleihen als sichere Kapitalanlage wertschätzen. Niemand aber kann ein Interesse daran haben, dass sich amerikanische Staatsanleihen nicht länger als sichere Kapitalanlage eignen. Umgekehrt ist es auch nicht zu kritisieren, dass aus Ländern wie Deutschland viel Geld international angelegt wird, was über den Einfluss auf die Kapitalbilanz auch die Leistungsbilanz beeinflusst.

Chinns zweite Schlussfolgerung ist: Finanzpolitik könnte eine Rolle in der Reduzierung von Salden spielen und hier stimmt ihm Obstfeld zu, denn dies ist auch die Position des IWF. So könnte eine straffere amerikanische Finanzpolitik zur Reduzierung des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits beitragen, während eine expansivere Finanzpolitik in Deutschland, zum Beispiel durch mehr öffentliche Investitionen in Infrastruktur, zu einer Reduzierung des deutschen Leistungsbilanzüberschusses führen würde. Wie Obstfeld betont, zeigen sich die Regierungen in Washington und in Berlin für solche Vorschläge wenig empfänglich.

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20 Lesermeinungen

  1. Wie bestimmte "Schicksale" positive "Salden " schöpfen können
    Die „Erlöse “ sind da .
    Dieser FAZIT -wahrlich – ein Discours entstanden.

  2. Ein unnötige Debatte über ein nicht existierendes Problem !
    Deutschland hat einen gigantischen Exportüberschuß gegenüber Frankreich, dem natürlich ein ebenso hoher Importüberschuß Frankreichs gegenüber Deutschland gegenübersteht.
    Die Lösung ( vorausgesetzt, daß es überhaupt ein Problem gibt… ) ist doch ganz einfach: Deutschland und Frankreich werden in einem Staat vereinigt !!! Damit reduziert sich das „Ungleichgewicht“ erheblich. Es wird allenfalls noch einige Statistiker interessieren, die gleichen Statistiker, die sich für die Leistungsbilanz von Bayern gegenüber Nordrhein-Westfalen interessieren.
    Ich lebe hier in Frankreich und ich kann nicht feststellen, daß die Franzosen in irgendeiner Art und Weise unter dem deutschen Export-Überschuß leiden. Im Gegenteil, sie freuen sich, in denen ihnen von den Deutschen netterweise kostenlos zur Verfügung gestellten Autos spazieren fahren zu dürfen und zahlen diese Großzügigkeit mit köstlichen, weit unter Preis gehandelten Weinen zurück.
    Was bedeutet denn – ich spreche im Namen von Frankreich – schon ein Importüberschuss von nicht einmal 100 Milliarden im Jahr, wenn ein Land über ein so hohes „Volksvermögen“ verfügt wie Frankreich, das da besteht aus vielen, vielen jungen und gebildete Menschen, einer fast noch unverdorbenen Natur, einer kulturelle Substanz, die nur noch von der Italiens übertroffen wird.
    „Sind die Leistungsbilanzen ein Schicksal“ ? Natürlich, jedoch nicht unbedingt ein negativ zu bewertendes Schicksal. Auch nach der sorgfältigen Lektüre der zum Teil sehr gelehrten Diskussionsbeiträge sehe ich keine Notwendigkeit noch Möglichkeit, diese „Ungleichgewichte“ ändern zu wollen. Der gesunde Menschenverstand sagt, „don’t change a winning horse“. Außerdem die Zeiten ändern sich. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die USA riesige Exportüberschüsse. Und heute ?

  3. Ich finde, ein Lösungsansatz wird hier zu unrecht gar nicht erwähnt ...
    und das ist die Lohnpolitik?! Wenn ein Ausgleich der Leistungsbilanzsalden über den Wechselkurs nur noch bedingt funktionieren kann (weil man Teil eines größeren einheitlichen Währungsraums ist), was liegt da näher, einen Ausgleich über (höhere) Faktorpreise im Inland herbeizuführen?! Dafür muss der Staat noch nicht einmal direkt in die Lohnpolitik eingreifen, es würde sehr wahrscheinlich schon ausreichen, die Rahmenbedingen ein wenig zu Gunsten der Arbeitnehmer zu verändern. Zumal es auch empirisch recht eindeutig ist, dass die Lohnquote (trotz Rekordbeschäftigung) in Deutschland gesunken ist.
    Gibt es nicht seit 50 Jahren ein Gesetz (StabG), das bestehenden volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten entgegenwirken sollte?! Was das Ziel des „außenwirtschaftlichen Gleichgewichts“ betrifft, so wird das Gesetz schon ebenso lange ignoriert! Interessanterweise auch von vielen Ökonomen?!

    Wie ist ihre Meinung dazu, Hr. Braunberger?

    • Ohne Herrn Braunberger vorweg greifen zu wollen
      Sehr geehrter Herr Wrobel, erscheint es mir eher unwahrscheinlich, dass durch steigende Löhne die Nachfrage nach ausländischen Produkte, faktisch die Deutschen einen Chrysler als Zweitwagen kaufen, ansteigt. In einer Vielzahl von Fällen sind die Produkte aus Sicht der Deutschen wohl nicht kompetitiv. Auch die Nachfrage nach Olivenöl aus Italien oder Griechenland dürfte nicht gravierend zu nehmen. Insofern ist der Glaube durch höhere Löhne einen Ausgleich der Leistungsbilanz zu erreichen eher Wunschdenken. Auch die Vorstellung mit Hilfe eines staatlichen Investitionsprogramm den Überschuss zu reduzieren, erscheint angesichts einer Importquote von 40% unrealistisch, müsste doch für die Halbierung des Leistungsbilanzüberschusses das BIP um ca. 10% (ca. 300 Mrd Euro) steigen. Bei einem (schon hoch) angesetzten Multiplikator von 1,5 ergäbe sich somit ein Investitionsimpuls von ca. 200 Mrd. Euro oder 7% des BIP. Dieses bedeutet faktisch eine verdrei- bis vierfachung des aktuellen Volumen staatlicher Anlageinvestitionen, wobei sich schon die Frage nach den potentiellen Investitionsprojekten und den notwendigen Kapazitäten, um diese um zu setzten, stellt. Zudem hat Stefan Kooths in einem lesenswerten Beitrag in der FAZ vom 7.8.2017 mit dem Titel „Grundkurs zur Leistungsbilanz“ auf das grundlegende Missverständnis in der Debatte über die „makroökonomischen Ungleichgewichte“ hingewiesen, in dem Volkswirtschaften mit Unternehmen verwechselt werden: „In dieser Vorstellung werden Exporte als Erlöse aufgefasst, während Importe als Kosten gelten. Die Differenz zwischen beiden ergibt dann den vermeintlichen Gewinn (Exportüberschuss, positiver Außenbeitrag) oder Verlust (Importüberschuss, negativer Außenbeitrag). Das ist ein Rückfall in primitive Formen merkantilistischen Denken, der in dem Vorwurf an die Überschussländer (wie beispielsweise Deutschland) gipfelt, sie würden die übrige Welt „ausbeuten“.“ MfG und schönen Tag

    • Nun, Hr. Ruge, ich würde ja nicht behaupten wollen,
      dass höhere Löhne den Leistungsbilanzüberschuss 1:1 verringern würden, aber zu einem Teil ganz bestimmt, z.B. indem einfach mehr Menschen im Ausland Urlaub machen (eines der Klassiker). Es geht ja nicht darum, tatsächlich einen Leistungsbilanzausgleich herzustellen (das gelingt sowieso nicht). Aber die Richtung hin zu einem Ausgleich sollte stimmen. Ein temporärer Leistungsbilanzüberschuss ist auch kein größeres Problem, ein permanenter dagegen schon eher. Langfristig sollte eine Volkswirtschaft das, was sie selbst produziert hat, auch selbst konsumieren. Ansonsten beschneidet sie sich selbst. Das wussten bereits die Väter des StabG und internationale Ökonomen sehen das genauso, nur die deutschen sind hier eine Ausnahme?!

    • ---
      Durch höhere Löhne in Deutschland soll die Inflation steigen. Liegt die Inflation in Deutschland über mehrere Jahre höher als in anderen Euroländern, bedeutet dies eine reale Aufwertung, die sich selbstverständlich auf die Leistungsbilanzsalden auswirkt.
      Der enorme Anstieg des Saldos sowie der Exportquote fand ja auch in der Zeit von 1999 bis 2008 statt, genau dann als der reale Wechselkurs Deutschlands abwertete.

  4. Mit Vollgeld nicht mehr möglich
    Zitat als entscheidendes Kriterium: „Die Gründe sind heute andere als früher. Vor allem die Finanzpolitik könnte die Salden beeinflussen.“

    Für mich das Entscheidende und leider wird darauf gar nicht eingegangen, obwohl es alle 5 Gruppen betrifft.

    Zum einen ist es der aufgegebene Goldstandard, wonach früher ein echter Gegenwert in den Bilanzen hat stehen müssen. Zum anderen die Währungspolitik am Beispiel des Euro. Deutschland exportiert nicht nur Daimler, sondern eben auch die negativen Kriterien wie z.B. Arbeitslosigkeit gleich mit. Kredite werden von Personen aufgenommen, die sich einen Daimler gar nicht leisten könnten. Er wird ihnen indirekt durch die EZB aber gewährt, weil die Geschäftsbanken nicht wissen wohin mit dem vielen Geld, ansonsten würden sie Minuszinsen bezahlen müssen.

    Das Schizophrene daran, Deutschland baut nicht nur Daimler, bezahlt eben auch die Komponenten und Werkstoffe dazu, exportiert es und bezahlt als grösster Bürge der EZB den Daimler obigen Bestellers hinterher gleich noch. Das kommt aber erst zeitversetzt zum Vorschein.

    Die Zahlen in der Buchhaltung der involvierten Geschäftsbanken sind virtuelle Werte. Also Geld das gar nicht existiert. Es kann heute alleine durch das in die Buchhaltung schreiben geschaffen werden.

    Das Gegenmittel dazu sind verschiedene Vollgeld-Initiativen. Die erste kommt nächstes Jahr in der Schweiz zur Abstimmung. Für Geschäftsbanken und andere Finanzdienstleister soll es nicht mehr möglich sein aus dem Nichts selber Geld zu schaffen. Dies soll nur noch der Notenbank vorbehalten sein, wie heute beim Bargeld.

    Das bedarf für Geschäftsbanken bei der Vergabe eines Kredits auf der anderen Buchhaltungsseite eine Gegenposition die einen echten Wert besitzt. Nicht Unternehmensanteile die volatil sind, sondern ein messbarer echter Gegenwert. Es ist mit einer Art Goldstandard vergleichbar.

    Wird dieses Vollgeld-Konzept eingeführt, kann eine Volkswirtschaft nicht zu viel exportieren bzw. nur kontrolliert, wenn ein Gegenwert wirklich vorhanden ist. Dann kann noch so viel Export auch nicht mehr schaden. So ganz nebenbei werden damit Blasen verhindert und auch die „too big to fail“-Problematik gelöst.

    • Grundgütiger
      Wenn ich schon Vollgeld höre ….

      Menschen, die nicht wirklich wissen wie ein Bank, eine Zentralbank und das Geldsystem wirklich funktionieren, wollen das Geldsystem reformieren.
      Und werfen dabei dem jetzigen System „virtuelle Werte“ vor, dabei basiert das Vollgeldsystem vollständig auf virtuellen Werten. Forderungen, die beim Schuldner nicht als Verbindlichkeiten auftauchen und umgekehrt. Luftbuchungen in Reinkultur ohne das jemand erklären kann, wie es praktisch funktionieren soll.

    • Leistungsbilanz/Vollgeld
      Ich erlaube mir den freundlichen Hinweis – auch eingedenk der Art und Weise, wie anderswo im Internet Diskussionen über Vollgeld geführt wurden bzw. werden -, dass es hier NICHT primär um Vollgeld geht. Wenn es bedeutende Erkenntnisse um die Verbindung von Leistungsbilanz und Vollgeld geben sollte, kann darüber gerne auch hier diskutiert werden, aber eine allgemeine Diskussion über Vollgeld wäre hier nicht am richtigen Platz.

      Gruß
      gb

  5. Herr Braunberger ...
    … Sie geben eine Reihe von technischen Erklärungen für das Entstehen von Leistungsbilanz-Ungleichgewichten. Letztlich glaube ich, es hat, wie der Name ja schon vermuten läßt, mit der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaften zu tun. Viel spannender ist doch die Frage, warum die üblichen Mechanismen zum Ausgleich der Ungleichgewichte (Wechselkurse, Kapitalmärkte) schlecht funktionieren oder bedroht sind. Eigentlich müßte z.B. der USD am Boden liegen. Ferner müßte das Protektionismus-Risiko oder militärische Risiken in den USA betrachtet werden, die die Kreditwürdigkeit der USA in Frage stellen könnten. Meine Meinung: Chronische Leistungsbilanz-Ungleichgewichte haben ganz wesentlich politische Ursachen.

  6. Einige Konnotationen
    Wie auch immer Begriffsverwirrungen und -Verständnis oder analytische
    wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse politisch koloriert sein mögen
    von Leistungsbilanzsalden ,eins bleibt :Die Geschäfte [politisch und wirtschaftlich] seien immer im Transition,gerade heute unvorhersehbare
    politische Schwankungen fällig,eins bleibt:
    Eine herausfordernde und doch herausragende Art die Dinge gefasst
    anzugehen!
    Und denn meine ich nicht wie sich das französische „En Marche“ sich
    lässt definieren.

  7. Der "Markt" wird es richten! Jede Einmischung des Staates ist Gift für den Markt!
    Ist das nicht das Credo aller Marktteilnehmen in Nord, Süd, Ost&West. Hab ich da vielleicht was missverstanden, fordern Ökonomen Regierungen auf, steuernd in den „freien Handel“ einzugreifen, gar geldpolitische „Regeln“ vorzugeben…..
    .
    Also, das geht doch gar nicht. Denn s.o…..
    .
    Es ist immer wieder erheiternd, je nach Glaubensbekenntnis die verschiedenen „Ökonomischen Kirchen“ laut beten zu hören.
    .
    Jede möchte ihre passenden „Spezialitäten“ aber alle gemeinsam „speien Feuer“ wenn eine Gesellschaft die „Freiheit des Marktes“ mit festen, allen nutzende Regeln eingrenzen will.
    .
    Gruss Sikasuu

  8. Die Globalisierung verspricht, was sie nicht einzulösen vermag
    Das Hauptproblem ist nachwievor die ungleichmäßige Entwicklung des Kapitalismus, bedingt durch im Wesentlichen zwei Tendenzen. Erstens durch den „tendenziellen Fall der Profitrate“, was die Konzentration des Kapitals (welche dieser Tendenz im Übrigen zugrunde liegt) weiter beschleunigt“ (vgl.: Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 25, „Das Kapital“, Bd. III, Dritter Abschnitt, S. 221 – 241
    Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983). Und damit zweitens den Kapitalstrom genau dorthin lenkt („Kapitalexport“), wo die höchsten Profite zu realisieren sind. Was wiederum die Kapitalkonzentration begünstigt. Dieser innere Widerspruch der kapitalistischen Entwicklung ist es, der diesen Kapitalismus letztlich sogar „unmöglich“ macht, wie Rosa Luxemburg das auf den Punkt bringt („Die Sache wird ganz klar, wenn wir uns für einen Augenblick vorstellen, die Entwicklung des Kapitalismus sei so weit vorgeschritten, daß auf der ganzen Erdkugel alles, was von Menschen produziert wird, nur kapitalistisch, das heißt nur von kapitalistischen Privatunternehmern in Großbetrieben mit modernen Lohnarbeitern, produziert wird. Alsdann tritt die Unmöglichkeit des Kapitalismus deutlich zutage.“ – Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5. Berlin/DDR. 1975. „Einführung in die Nationalökonomie“, S. 770-778) Der klassische Streit zwischen den ökonomischen Schulen des Kapitals wird daher darum (und immer wieder) geführt, inwieweit der Staat da gegenlenken kann und soll. Ein Streit, wie er auch dieser Debatte hier zugrunde liegt. Zwei Weltkriege liefern den Beweis dafür, dass dieses Problem eben innerhalb der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsweise letztlich nicht zu lösen ist, will heißen: die Ökonomen wie die Gesellschaft immer wieder auf die gleiche Problemstruktur zurückwirft. Was ganz nebenbei eine Erklärung dafür liefert, warum Deutschland wieder einmal als aggressive Macht wahrgenommen wird. Neben China im Übrigen. Und ich denke, dass die Globalisierung das Problem zusätzlich verschärft, ob der Tatsache, dass selbst der mächtigste kapitalistische Staat, neben dem transnationalen Kapital, zu klein geworden ist, und womit auch Rosa Luxemburg eine späte Bestätigung verliehen wird. Die Globalisierung verspricht, was sie vom Grunde her nicht einzulösen vermag: die ganze Gesellschaft auf den Gegensatz von Kapital und Arbeit zu reduzieren.

  9. Mir fehlt in der Liste der Erklärungen eine wichtige
    Mir fehlt in der Liste der Erklärungen eine wichtige: Wenn US-Unternehmen den US-Konsum mit Gütern bedienen, die sie im Ausland herstellen lassen, entsteht auch dadurch ein Defizit. Es kommen viele Waren herein, gehen aber deutlich weniger hinaus, weil US-Vorstände es ausdrücklich so entschieden haben – aber auch US-Konsumenten, indem sie beim Einkaufen den Konkurrenzdruck ausüben. Eine Firma wie Wal-Mart hat ihre Lieferanten ganz ausdrücklich ermutigt, nach China auszulagern. So sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt, beschuldigt aber die anderen Bäume – mit diesem Wahlkampfthema konnte Herr Trump viele Stimmen fangen.

    Deutschland hat seine Industrie behalten und ausgebaut, viele andere haben sie abgebaut und ausgelagert (in Frankreich etwa wurde sie in nur einer Generation halbiert). In den Neunzigern haben sie das postindustrielle Zeitalter ausgerufen. Nun merken sie, dass es doch keine gute Idee war. Kein Wirtschaftsbereich exportiert so viel wie die Industrie, zumal sie auch ein ganzes Ökosystem an Dienstleistungen nährt.

  10. Öffentliche Inverstitionen ?
    Ich habe noch nie verstanden, wie eine Steigerung der öffentlichen Investitionen Leitungsbilanzüberschüssen entgegenwirken soll. Die Erneuerung der deutschen Straßen wird doch hauptsächlich von DEUTSCHEN Arbeitern durchgeführt werden, Investitionen in die Datenübertragung werden doch wohl hauptsächlich von DEUTSCHEN Unternehmen abgearbeitet werden, Gleiches gilt für den Bau neuer Energieerzeuger… Langfristig werden damit nur DEUTSCHE Industrien und Techniken stimuliert, die in zehn Jahren noch mehr Exportüberschüsse erzeugen werden. Was hat das Alles Sinn und Zweck ?
    Andere Frage: wem tun denn die deutschen Exportüberschüsse weh ( außer den Volkswirten ) ? Allenfalls entsteht ein Ausfallrisiko fûr deutsche Auslandsforderungen, aber darüber brauchen sich doch die Amerikaner keine Sorgen machen !?

    • Die Idee ist, dass höhere Investitionen im Inland inländische Ersparnis absorben, die ansonsten ins Ausland fließen würde. Würde als Ergebnis der staatlichen Investitionen das BIP nachhaltig steigen, würde dies zu einer Erhöhung der Importe führen.

      Inwieweit das in der Praxis tatsächlich so stattfände, ist in der Tat eine andere Frage.

      Gruß
      gb

    • Öffentliche Investitionen
      Die Antwort auf Ihre Frage steckt in der Frage: Die DEUTSCHEN Unternehmen und Arbeitnehmer arbeiten dann für DEUTSCHE Kunden und nicht für den Export, der sich dadurch verringert.

    • Warum nutzlos Risiken eingehen ?
      Wenn die Exportüberschüsse niemandem schaden und niemandem nutzen, warum in aller Welt sollte man sie dann beibehalten, wenn dadurch „nur“ unaufhörlich und in völlig aberwitzigem Ausmaß Risiken ( Ausfallrisiken + Wechselkursrisiken ) entstehen ?

      Nur mal als Beispiel. Die Welt kauft jeden Tag – netto ! – weit mehr als eine Miliarde US-Dollar. Wozu das ganze, wenn die hierfür ursächlichen Leistungsbilanzungleichgewichte sonst keinen Nutzen stiften ?

      Überall wird immer wieder auf „Schuldenarmut“ und „Finanzmarktstabilität“ wert gelegt, außer es geht um den freien Welthandel. Da verliert sich sofort jedes Risikomaß und die Blase wird zum Normalzustand. Schwer verständlich Logik.

    • It takes two to tango
      Bei annähernder Vollbeschäftigung wie in Deutschland oder auch der Schweiz führen höhere staatliche Ausgaben für Bildung und Infrastruktur zu einer tendenziellen Überhitzung, in deren Folge es zu höheren Löhnen kommt; und zwar insbesondere am unteren und mittleren Ende der Einkommensskala. Diese Einkommensgruppen haben eine deutlich höhere Grenzneigung zum Konsum. Konsumgüter/Urlaub werden zu einem großen Teil importiert.

      „Andere Frage: wem tun denn die deutschen Exportüberschüsse weh ( außer den Volkswirten ) ?“

      Hier ist Adam Smith einschlägig: https://de.wikipedia.org/wiki/Beggar-thy-Neighbor-Politik. Auch Deutschland hat mit seinem überdimensionierten Exportsektor ein strukturelles Problem.

      Zu den Problemen persistenter LB-Ungleichgewichte hat sich anlässlich von Jackson Hole nun auch Carmen Reinhart zu Wort gemeldet: https://www.project-syndicate.org/commentary/unbalanced-america-external-deficit-by-carmen-reinhart-2017-08. Meine Sicht auf dieses unverstandene Problem habe ich hier dargelegt: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/ (dort finden Sie auch einen Link zu einem Vortrag von George Friedman, in dem er auf die große Gefahr der einseitigen Exportausrichtung Deutschlands eingeht).

      Der Streit um die Wirksamkeit von Geld- und Fiskalpolitik ist nicht neu und wurde u. a. zwischen Simons und Friedman ausgetragen. Der scheinbare Widerspruch in der Analyse von Simons und Friedman liegt mAn in der einseitigen Überbetonung von Fiskalpolitik oder Geldpolitik. Eine ideologische Fehlprogrammierung (Keynesianer vs. Monetaristen) führte sodann zu den falschen Schlüssen. It takes two to tango; und die Führung sollte nun die Fiskalpolitk übernehmen. Entweder über eine höhere Verschuldung (eher in Deutschland) oder aber eine fiskalische Abschöpfung via Erbschaftssteuer sowie höhere Grenzsteuersätze (insbesondere in den USA). Hier gibt es weitere Empfehlungen für die USA, die in vielen Bereichen auch für Deutschland gelten könnten: https://www.bloomberg.com/view/articles/2017-08-17/13-ways-to-strengthen-america-s-economy.

      LG Michael Stöcker

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