Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Was ist Geld und warum hat es einen Wert? (Teil 1)

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Das ist eine der Kernfragen der Wirtschaftstheorie. „Wir verstehen das Problem heute noch schlechter als früher“, klagt der renommierte Ökonom Martin Hellwig. Wir skizzieren in drei Teilen den Vortrag, den er auf der Tagung des Vereins für Socialpolitik in Wien gehalten hat.1) Im ersten Teil beginnen wir mit der Frage, was man gewöhnlich unter Geld versteht.

 

Was bezeichnet das Wort „Geld“?

Eingangs verweist Hellwig darauf, dass die Bedeutung des Wortes „Geld“ vom Kontext abhängig ist: Denn als Geld wird bezeichnet:

  • die vom Staat ausgegebenen Banknoten und Münzen
  • das, was von Privaten als Tauschmittel akzeptiert wird
  • das, was als Aggregat in einer „Geldmarkt“-Gleichung am besten passt: M1, M3….

 

Beziehungen zwischen Bargeld-Giralgeld-Zentralbankgeld

Dann befasst sich Hellwig mit den Geldbegriffen aus der ökonomischen Theorie und ihren Beziehungen. Und das, was er sagt, dürfte unstrittig sein:

Einlagen von Kunden bei Geschäftsbanken sind Forderungen auf Bargeld. Sind Einlagen bei Geschäftsbanken und Bargeld damit auch perfekte Substitute? Hellwig sagt: Für den Kunden und für den Makroökonomen weitgehend, aber es gibt in Krisen Ausnahmen wie in Griechenland 2015.

Sind für Geschäftsbanken Einlagen von Kunden und Bargeld perfekte Substitute? Hellwig sagt: Nein, denn ohne die Kundeneinlagen brauchte eine Bank eine andere Finanzierung.

Ferner sind Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank Forderungen auf Bargeld. Handelt es sich bei diesen Einlagen und dem Bargeld um perfekte Substitute? Hellwig sagt: Weitgehend ja.

 

Begründet die Ausgabe von Geld eine „Schuld“?

Auch hier dürfte es keinen ernsthaften Dissens geben. Hellwig sagt:

Früher waren Banknoten eine Schuld, als es eine Verpflichtung zur Einlösung zum Beispiel gegen Gold gab. Heute sind Banknoten keine Schuldpapiere mehr.

Einlagen bei Geschäftsbanken begründen hingegen eine Schuld, weil sie eine Verpflichtung auf Einlösung in Bargeld der Zentralbank verkörpern.

 

Wie sieht die „Schuld“-Frage bei der Zentralbank aus (Teil 1)?

Hellwigs Thesen lauten:

  • „In der Bilanz der Zentralbank erscheint die Geldausgabe als Verbindlichkeit. Aber diese Verbindlichkeit verpflichtet zu nichts.“ Das dürfte ziemlich unstrittig sein und gehört seit Jahrzehnten zum Standardstoff in der monetären Ökonomik. Man kann heute nicht mit einer Banknote zur Zentralbank gehen und auf Herausgabe eines Aktivums der Zentralbank pochen. (Im Goldstandard war das eine andere Sache; es wäre auch eine andere Sache, wenn eine Zentralbank heute in einem System fester Wechselkurse verpflichtet wäre, eigene Währung gegen fremde Währung zu einem festen Kurs zu tauschen.)
  • „Vermögenseffekte der Ausgabe von Zentralbankgeld: Zu Gunsten der Zentralbank (des Staates) – und bei normalen Reaktionen der Preise zu Lasten der Wirtschaftssubjekte.“
  • „Zeitinkonsistenz einer am Budgetbedarf des Staats ausgerichteten Zentralbank ist ein Hauptgrund für die Unabhängigkeit der Zentralbank.“

 

Die „Schuld“-Frage bei Zentralbankgeld (Teil 2)

Nun lanciert Hellwig – nicht zum ersten Mal – eine harte Attacke, die sich in seiner Präsentation gegen Bundesverfassungsgericht und Bundesbank richtet. Man könnte aber hinzufügen: Auch gegen Ökonomen wie zum Beispiel Hans-Werner Sinn, mit dem Hellwig darüber bereits eine harte öffentliche Kontroverse ausgefochten hatte. Hellwigs Punkte sind:

  • „Bundesbank/Bundesverfassungsgericht: Es ist demokratietheoretisch problematisch, wenn die Politik der unabhängigen Zentralbank Risiken für den Staatshaushalt mit sich bringt.“
  • „Die Argumentation beweist eine bemerkenswerte Nonchalance gegenüber gerade der deutschen geschichtlichen Erfahrung – oder ein Unwissen darüber, dass jegliche Zentralbankaktivität notwendigerweise Budgetwirkungen hat.“
  • „Genau diese Budgetwirkungen waren seinerzeit der Grund, die Zentralbank unabhängig zu machen.“
  • „Im übrigen verkennen Bundesbank und Bundesverfassungsgericht den Tatbestand, dass letztlich alle Anlagen der Zentralbank riskant sind (siehe die Verluste auf Devisenreserven bei D-Mark-Aufwertungen)…“2)
  • „… und den Zusammenhang, den jeder Geldfälscher versteht, dass bei Geldschöpfung durch Offen-Markt-Käufe zunächst ein nicht ausgewiesener Gewinn entsteht und die Verluste diesen Gewinn nicht übersteigen können.“ In einem Leserbrief an die F.A.Z. schrieb Hellwig einmal erläuternd: „Jeder Geldfälscher weiß, dass er sich bereichern kann, wenn er Papierzettel bedruckt und als ‚Geld‘ in Umlauf bringt, z.B. indem er dafür einen Jahreswagen kauft. Wenn das Auto hinterher kaputt geht, erleidet er einen Schaden, aber danach ist er nicht ärmer als vor dem Kauf des Autos. Die Mitarbeiter der Bundesbank, die vor dreißig Jahren alte, zum Verbrennen bestimmte Geldscheine entwendeten und wieder in Umlauf brachten, wussten das auch. Für die Zentralbank gilt derselbe Zusammenhang, nur dass sie den Staatsanwalt nicht fürchten muss, denn sie hat ein staatliches Monopol für den Verkauf solcher Zettel. Wenn sie dieses Monopol nutzt, um Wertpapiere zu kaufen, so wird sie reicher. Wenn sie später auf diese Wertpapiere einen Verlust erleidet, so wird sie wieder ärmer, aber nicht ärmer als vor dem Kauf.“3)
  • Daraus folgt auch: „Ein Nettoverlust kann nur im Fall einer Umkehr der Offen-Markt-Operationen entstehen, ist aber sehr unwahrscheinlich.“
  • „Hinter diesen Diskussionen steht die Opposition gegen den Aktionismus der EZB.“
  • „Dabei hat gerade Milton Friedman, der Hohe Priester der Marktwirtschaft, betont, eine neutrale Geldpolitik erfordere gleichmäßiges Wachstum von M1 oder M2 und wenn eine Krise im Banksektor kontraktiv auf die Geldmenge wirke, so erfordere Neutralität der Geldpolitik aktive Interventionen der Zentralbank.“3) Aber: „Im späteren Monetarismus verdrängt, teilweise auch unter dem Einfluss von Hayek, der staatliches Papiergeld per se als Übel ansah.“4)

 

Die „Schuld“-Frage bei Giralgeld

Jetzt kommen wir zu einem in den vergangenen Jahren gerade in deutschsprachigen Blogs endlos diskutierten Thema (mit den immer gleichen Thesen durch die immer gleichen Diskutanten): Wie entsteht Geld bei Geschäftsbanken?

Hellwig verweist zunächst darauf, dass er in seinem bekannten Buch mit Anat Admati „Des Bankers neue Kleider“ (hier eine Rezension) geschrieben hat: „Banken finanzieren sich unter anderem mit Einlagen und verwenden die Finanzierung, um Kredite zu vergeben.“ Das ist eine in ökonomischen Texten häufig zu findende Beschreibung, die aber nicht nur in Blogs heftig kritisiert wird.

Dem stellt Hellwig die von älteren Autoren wie Joseph Schumpeter und neueren Autoren wie Ökonomen aus der Bank of England vertretene These entgegen: Es trifft nicht zu, dass Banken Kredite mit Einlagen finanzieren, vielmehr schaffen sie Einlagen, indem sie Kredite vergeben.5)

Hellwig wirft unter anderem die Frage auf, ob hier Strom- oder Bestandsgrößen betrachtet werden sollen. Zwar: „Ein neuer Kredit geht einher mit einer Schaffung einer neuen Einlage.“ Schon recht, doch wir sind hier nur bei Stromgrößen und für die Analyse dessen, was wichtig ist, geht es um die Bestandsgrößen:

„In der Bilanz der Bank steht die Bestandsgröße Kredite auf der Aktivseite und die Bestandsgröße Einlagen auf der Passivseite, und die einzelne Bank kann die Bestandsgröße Einlagen auf der Passivseite nicht einfach durch Kreditvergabe nachhaltig erhöhen.“ Denn die einzelne Bank muss fürchten, dass Einlagen durch Überweisungen ihrer Kunden abwandern. Dem wird häufig entgegen gehalten: Aber im Aggregat der Banken bleibt die Aussage doch gültig! Die Einlagen wandern nur von Bank zu Bank und Banken mit überschüssigen Mitteln vergeben Geldmarktkredite an Banken mit Mittelabflüssen.

Hellwig wendet ein, dass dies eine Schönwettervorstellung ist: „Die Vision eines reibungslos funktionierenden Geldmarkts ist verführerisch…

  • und hat mit zu den Fehlentwicklungen vor 2008 beigetragen
  • zur Unterschätzung von Liquiditätsrisiken
  • und zu Solvenzrisiken.“

Anschließend befasst sich Hellwig kritisch mit einem anderen Argument, das von Schumpeter bis zu den modernen Autoren aus der Bank of England reicht: Durch Kreditvergabe neu entstandenes Giralgeld verschwindet wieder, wenn die Kredite durch Privathaushalte oder Unternehmen zurückgezahlt werden. Hellwig hält auch das für eine Schönwetterveranstaltung, denn es gibt auch andere Gründe, warum Giralgeld der Banken verschwinden kann – und zwar auf eine Art und Weise, die das Banksystem in Schwierigkeiten bringen kann:

  • Durch Barabhebungen und Bankruns wie in den Vereinigten Staaten 1930 bis 1933 und in Griechenland 2015
  • durch Auslandsüberweisungen wie in Spanien 2012
  • durch den Wechsel von Bankeinlagen zu Staatsanleihen wie in den Vereinigten Staaten im September 2008

Hellwig trifft hier einen Punkt, den vor einigen Wochen auch Rüdiger Bachmann in einer Diskussion in der „Ökonomenstimme“ gemacht hatte: Leute, die mit „Loans create Deposits“ alleine die Welt erklären wollen, scheitern gerade in Krisen – wobei ihr Ausgangspunkt oft in der Behauptung besteht, dass ihre Lehren wichtig seien, weil es – mit der Theorie des Mainstreams nicht analysierbare – Krisen gebe.

Des Weiteren klingt in diesen Erörterungen ein Thema an, das im zweiten Teil unseres Beitrags eine wesentliche Rolle spielen wird: Eine befriedigende Geldtheorie müsste eigentlich auf der Behandlung von Stromgrößen und Bestandsgrößen beruhen. Haben wir eine solche Theorie überhaupt?

 

Geschäftsbanken und Zentralbanken

Was folgt daraus?

Solvenzrisiken der Geschäftsbanken können das Vertrauen in einzelne Geschäftsbanken zerstören und einen Kollaps der Liquidität begründen. Dies wiederum begründet die Eigenkapital-Regulierung der Geschäftsbanken.

Hier sieht Hellwig einen „Kontrast zu Zentralbanken. Die Zentralbank kann immer zahlen, braucht deswegen eigentlich kein Eigenkapital.“ Können Zentralbanken insolvent werden, fragt Hellwig und gibt die Antwort: „Nur, wenn ich die Geldausgabe als ‚Schuld‘ ansehe und ‚Insolvenz‘ entsprechend definiere.“5) Aber, wie weiter oben bereits angeführt: Hellwig – und mit ihm wohl die allermeisten auf solche Themen spezialisierten Ökonomen – sieht in der heutigen Geldordnung Zentralbankgeld im ökonomischen Sinne nicht als Schuld.

 

Damit sind wir am Ende von Teil 1. Der zweite Teil wird deutlich theoretischer…

 

 

 


  1. Ich danke Martin Hellwig für die Überlassung der Folien des Vortrags, auf denen der vorliegende Beitrag beruht. Zudem hat mir Martin Hellwig ergänzende Literatur zur Verfügung gestellt und Fragen beantwortet. Einige Aspekte des Vortrags wurden ausgespart. Alle etwaigen Fehler in der Darstellung der Gedanken Hellwigs gehen zu meinen Lasten.
  2. Mit diesem Punkt erinnert Hellwig aus Episoden aus der Geschichte der D-Mark, die in den siebziger Jahren einmal sogar zu einer – technischen – Überschuldung der Deutschen Bundesbank führten, woran Helmut Schlesinger kürzlich erinnerte. Hierzu gibt es den FAZIT-Artikel: „Als die Bundesbank pleite war“
  3. In einer anderen Arbeit kommt Hellwig nicht nur auf das Thema zurück; er nennt ein gerade zu klassisches Werk der monetären Ökonomik als eine Quelle für diese Diskussionen: Don Patinkins „Money, Interest and Prices“.
  4. Dass nicht wenige deutsche Ökonomen, die früher Milton Friedman huldigten, heute in ihrer Opposition gegen die EZB Positionen vertreten, die im Gegensatz zu Analyse Friedmans stammten, war vor längerer Zeit auch Thema des FAZIT-Artikels „Milton Friedmans verstörte Kinder“.
  5. Das auch in FAZIT mehrfach behandelte Papier aus der Bank of England (2014) gilt manchen Kritikern des ökonomischen Mainstreams als eine Offenbarung. Leider ist eine sehr lehrreiche und sehr kritische Diskussion dieses Papiers durch Hellwig nicht öffentlich bekannt, da auch hierzu offenbar nur Folien vorliegen. In diesen Folien erwähnt Hellwig unter anderem einen Aspekt, der seit Keynes und Tobin in die Diskussion gehört und der Thema eines FAZIT-Beitrags war: Man muss die Vorgänge um die Geldentstehung auch als Portfolioentscheidungen analysieren, wenn man sie richtig verstehen will.
  6. Aus dogmengeschichtlicher Sicht ist dies eine sehr treffende Bemerkung. Wenn es um die Fragen von Geldordnung/Geldpolitik und den Einfluss von Friedman und Hayek ging, ließe sich für manche liberale Ökonomen jener Zeit Goethe zitieren: „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.“ Lange her…
  7. Eine andere Definition von „Solvenz einer Zentralbank“ präsentieren Robert Hall und Ricardo Reis in einer neueren Arbeit.

 

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41 Lesermeinungen

  1. Geld hat einen Wert?
    Der Artikel ist sehr interessant für mich.
    Der Grundaussage kann ich jedoch nicht zustimmen.

    Geld kann keinen Wert haben. Auch Münzen aus Gold können keinen ökonomischen Wert haben.
    Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis und als solches kann es nur zwischen Menschen etabliert und wirksam werden. Das Geld kann folglich nur ein Bezugspunkt in Wertverhältnissen sein.
    Die eben genannten Gedanken basieren auf der Arbeitswerttheorie von Karl Marx.
    Nimmt man die inneren Widersprüche aus seiner Theorie heraus, dann kann damit auch der Wert, der von den Menschen auf Kunstwerke, auf bestimmte Naturgüter, auf Konzerte, auf Ideen bezogen wird, erklärt werden.
    Die Arbeit ist die wichtigste Grundlage bei der Schaffung von Bezugspunkten für den Wert, aber auch das Eigentum kann genutzt werden, um Bezugspunkte für Wertbeziehungen zu bilden.
    Wert wirkt nur auf der gesellschaftlichen Ebene, nicht in Gegenständen.

    Anmerkung: Der hier dargestellte Gedanke ist mir nicht eben erst eingefallen, ich versuche ihn seit 1980+ zu etablieren und habe dazu ein Buch („Mit Marx zur Marktwirtschaft?“) veröffentlicht.
    Vor kurzem ist es mir gelungen, eine Online-Diskussion zu eröffnen. Das war nicht einfach! Von den Vertretern der üblichen Interpretation der AWT kommt, wie erwartet, heftige Gegenwehr.

    • Ich erlaube mir nur die Anmerkung, dass noch in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre manche DDR-Ökonomen – nachlesbar in der damaligen wirtschaftswissenschaftlichen Fachliteratur – die Auffassung vertreten haben, dass einzig Gold als Währungsmetall in Frage komme und sich der Wert des Goldes nach der für seine Förderung/Verarbeitung verwendeten gesellschaftlichen Arbeit bemisst. Nach meiner dunklen Erinnerung findet sich das auch bei Marx.

      Ich weiß zwar, dass es heute noch Ökonomen mit einem Faible für die Arbeitswertlehre gibt, aber mir ist schon lange kein Beitrag zum Thema Geld aus dieser Schule begegnet. Man kann auch nicht alles mitbekommen…

      Gruß
      gb

    • Titel eingeben
      Vielen Dank für die Antwort, Herr Braunberger,

      mir ist bekannt, dass die Marx’sche Arbeitswerttheorie wohl bei den meisten Ökonomen als überholt gilt.
      Das liegt m. E. an zwei inneren Widersprüchen: Es wird beschrieben, dass der Wert ein gesellschaftliches Verhältnis sei, das sich im Austausch konstituieren würde.
      An anderen Stellen ist der Wert aber „vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit“ und soll auf der Herstellerseite der Waren in diesen vergegenständlicht oder mit ihnen verknüpft werden.
      Diese grundlegenden Ansichten in der AWT passen nicht zusammen.

      Mit der klassischen Interpretation der AWT wird der Goldpreis mit der für die Förderung / Verarbeitung verwendeten gesellschaftlich notwendigen Arbeit erklärt.
      Doch sogar mit der klassischen Interpretation könnte die Wertbildung beim Gold besser erklärt werden. Das zeigt u. a. die unten genannte Diskussion.

      Wird der innere Widerspruch aus der Arbeitswerttheorie entfernt, kann diese für die Beschreibung aller Wertbeziehungen genutzt werden.
      Dass Geld und Waren m. E. keinen Wert besitzen können, liegt daran, dass Wert als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen wirkt und damit auf der gesellschaftlichen Ebene sowohl herausgebildet wird als auch nur(!)dort wirkt. Wert wird nicht in Gegenstände hineingebracht, wirkt dort nicht, wirkt nicht zwischen Gegenständen und auch nicht zwischen Menschen und Gegenständen. Wert wirkt nur zwischen Menschen.
      Als gesellschaftliches Verhältnis besitzt der Wert ideelle Anteile, da er mit dem Bewusstsein zusammenhängt, aber auch einen objektiven, da er ein objektiv existierendes Verhältnis zwischen Menschen widerspiegelt.
      Geld und Waren sind die üblichen gegenübergestellten Bezugspunkte in Wertverhältnissen.

      Dass eine Diskussion zur Arbeitswerttheorie und der Rolle des Geldes sinnvoll sein kann, soll in diesem Blog gezeigt werden:

      http://marx-forum.de/Forum/index.php?thread/277-arbeitswerttheorie-gesellschaftlich-durchschnittlich-notwendige-arbeitszeit-abst/&postID=4110#post4110

      Gruß
      rl

  2. Zentralbanken machen keinen Bankrott
    Martin Hellwig wird in dem Artikel mit einem sehr interessanten Satz zitiert: „Die Zentralbank kann immer zahlen, braucht deswegen eigentlich kein Eigenkapital.“ Diese Feststellung, gegen die hier viele Foristen und auch vielleicht manche Makroökonomen heftig protestieren würden, halte ich für absolut richtig.

    In der Tat haben viele Zentralbanken kaum Eigenkapital. Bei der Bundesbank betragen das Grundkapital und die gesetzlichen Rücklagen zusammen fünf Milliarden Euro. Dies sind nur einige wenige Promille der gesamten Bilanzsumme – also im Grunde genommen lächerlich wenig. Eine Geschäftsbank bräuchte bei gleich hohen Aktiva mindestens zehn Mal so viel Eigenkapital.

    Herr Braunberger weist darauf hin, dass die Bundesbank in den 1970er Jahren technisch gesehen vorübergehend ein negatives Eigenkapital hatte. Auch die Tschechische Zentralbank hat vor einiger Zeit so hohe Verluste gemacht, dass die Eigenmittel komplett aufgezehrt wurden. Und die Schweizer Nationalbank erlitt im ersten Halbjahr 2015 riesige Verluste von rund 50 Milliarden Franken, als sie vergeblich versuchte, einen Wechselkurs von 1,20 CHF je Euro zu verteidigen.

    In keinem dieser drei Fälle waren jedoch die Fähigkeiten der Zentralbanken eingeschränkt, ihre geldpolitischen Operationen auszuführen. Thomas Jordan vom Direktorium der SNB hatte dies bereits einige Jahre zuvor klipp und klar in einer größeren Untersuchung festgestellt:

    „Zentralbanken (können) nämlich nicht illiquid werden. Dies hat zur Folge, dass eine Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist, wenn ihr Eigenkapital vorübergehend negativ wird. Sie wird auch nicht wie andere Unternehmen dazu gezwungen, Sanierungsmaßnahmen einzuleiten oder ihre Bilanz zu deponieren. Zum anderen hat eine Zentralbank aufgrund des Notenmonopols gegenüber normalen Unternehmen einen Finanzierungsvorteil und kann nach Verlusten langfristig immer wieder Eigenkapital aufbauen.“

    Vor diesem Hintergrund kann man m. E. sehr gelassen die riesigen Target-2-Salden betrachten, die sich in der Bilanz der Bundesbank aufgetürmt haben. Sollte ein Mitgliedsland wie Italien die Eurozone verlassen, wäre die Bundesbank womöglich veranlasst, eine hohe Wertberichtigung auf die Target-Salden zu bilden.

    Angesichts der extrem knappen Eigenkapitalausstattung würden selbst moderate Abschreibungen dazu führen, dass die Bundesbank ein negatives Eigenkapital ausweisen müsste. Sollten wir uns deswegen Sorgen machen?

    Wohl kaum. Der einzige, der vermutlich um seinen Schlaf gebracht würde, wäre der pensionierte Savonarola aus München.

    Theoretisch könnte die Bundesbank m. E. die gesamten Target-Salden abschreiben, die sich aktuell auf rund 800 Milliarden Euro summieren. Dennoch müsste die Zentralbank meiner Ansicht nach nicht die Insolvenz anmelden.

    Ein Minus von 800 Milliarden beim Eigenkapital sieht zwar furchtbar hässlich aus. Doch rechtlich scheint dies durchaus möglich. Mir wäre kein Gesetz, keine Vorschrift bekannt, die dem entgegenstehen würde. Und ihren operativen Handlungsspielraum würde die Bundesbank ebenfalls nicht einbüßen (siehe oben).

    Das einzige Problem: Mit einem exzessiv negativen Eigenkapital könnte die Bundesbank womöglich ihre Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten gefährden. Um das Vertrauen zu erhalten, sollte die Bundesbank das negative Eigenkapital so rasch wie möglich abbauen. Sprich: Die Gewinne müssten über viele Jahre komplett thesauriert werden, so dass das Finanzministerium für lange Zeit auf eine lieb gewonnene Einnahmequelle verzichten müsste. Das wäre aber auch alles.

  3. Einlösbarkeit von Zentralbankgeld
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    „In der Bilanz der Zentralbank erscheint die Geldausgabe als Verbindlichkeit. Aber diese Verbindlichkeit verpflichtet zu nichts.“ Das dürfte ziemlich unstrittig sein und gehört seit Jahrzehnten zum Standardstoff in der monetären Ökonomik.

    Es geht darum, dass niemand einen Anspruch hat, dass seine Banknote gegen ein anderes Aktivum eingetauscht wird.
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Betrachtung des einfachsten Falls:

    Eine ZB kauft eine Anleihe und bezahlt mit Bargeld. Also eine Bilanzverlängerung bei der ZB. Die Anleihe hat ein Fälligkeitsdatum – der Anleiheemittent hat die Pflicht und das RECHT, seine Anleihe zum Fälligkeitsdatum mit Bargeld zurückzukaufen. Die ZB ist VERPFLICHTET, zum Fälligkeitsdatum die Anleihe gegen Bargeld herauszugeben. Geschieht dies, so ist die Anleihe getilgt – Bilanzverkürzung bei der ZB.

    Was daran „seit Jahrzehnten“ nicht zu verstehen ist, bleibt mir unverständlich.

    • Die Idee, die Verpflichtung zur Tilgung einer Anleihe als Recht zur Zahlung von Bargeld darstellen zu wollen, ist bestenfalls kurios.

      Und sie trägt nichts zum Thema bei. Auch in diesem Fall besteht kein Anspruch auf Herausgabe eines Assets der Zentralbank. Das Asset wird von der Zentralbank nicht auf Verlangen herausgegeben, sondern verschwindet einfach wie im Falle jeder anderen Tilgung eines Kredits.

      Gruß
      gb

  4. Links
    Aus gegebenem Anlass: Wir haben selbstverständlich nichts dagegen, wenn hier auch Betreiber anderer Blogs kommentieren. Wir haben natürlich auch nichts dagegen, wenn einmal ein Link zu einem Beitrag ins eigene Blog gesetzt wird. Wenn aber in einem Kommentar vier- oder fünfmal ins eigene Blog verlinkt werden soll, hört das Verständnis auf.

    Gruß
    gb

  5. Basisgeld = Schuldschein der Zentralbank?
    Es ist nicht nur den Regeln der doppelten Buchführung geschuldet, wenn die Zentralbanken wie reguläre Unternehmen buchen (und dabei das ausgegebene Geld auf der Sollseite ausweisen) müssen.
    Das macht auch am Schnittpunkt von Geld- und Realwirtschaft Sinn.

    Wie ich in meinem Vorkommentar gesagt hatte, bezieht der „Erstgeldempfänger“ (Kreditnehmer bei geldschöpfender Kreditgewährung = „Primärkredit“) Waren (hier inkl. Dienstleistungen verstanden) quasi vorschussweise.
    Und muss die später wieder „in den Topf zurück“ legen, indem er selber eine Leistung in den Markt einspeist = seine REALWIRTSCHAFTLICHE Verbindlichkeit tilgt.
    Mit dem dafür erlösten Geld kann er dann seine FINANZIELLE Verbindlichkeit tilgen.)

    Die Zentralbank kann bilanztechnisch bis zur Halskrause überschuldet sein.
    Aber realwirtschaftlich wäre das tödlich: Weil sie dann Geld drucken und einfach verschenken könnte.
    Das wäre jedoch „Willkürgeld“. (Wie es viele Vollgeld-Freaks wollen; die Schweizer Vollgeld-Initiative träumte ja von gigantischen Geldschöpfungsgewinnen.)

    Egal, ob das Geld bei Privaten oder beim Staat landet: Der jeweilige „Erstgeldempfänger“ könnte in diesem System was aus dem Topf nehmen, ohne es später wieder reinzulegen: Es wäre mehr Geld als Waren im Umlauf mit der Folge einer Inflation.

    (Wenn er selber was verkauft, müsste er dann nicht seine finanzielle Schuld tilgen, sondern könnte wiederum was aus dem „Markt-Topf“ herausnehmen: Mit der Folge eines Gütermangels.)

  6. Noch ein bisschen Buchführung zum Bargeld
    Zunächst muss dann Henne-Ei Prolem gelöst werden. Viele vermeintliche Problemlösungen haken daran, dass man, wie Herr Stöcker sagt, einfach Bargeld von irgendjemand geschenkt bekommt. Dann wird darauf aufgebaut, aber eben nicht zurückverfolgt, wo hat der Verschenker das Bargeld her ? Und derjenige, von dem er es hat ?

    Die einzige „Quelle“ von Bargeld ( zumindest echtem ) ist und bleibt die Zentralbank. Der Vorgang wie es dort in Umlauf gebracht wird ( über Geschäftsbanken und Belastung derer Zentralbankkonten ) hat Herr Stöcker schön beschrieben, wenn auch für einen Bänker wie mich überflüssig, da bekannt.
    Und dann stellt sich die Frage, ob jemand der quasi eine Inhaberschuldverschreibung begibt, diese keine Verbindlichkeit/Schuld darstellt, obwohl er sie bei Fälligkeit ( Banknoten sind quasi täglich fällig ) im Zweifel wieder gegen das Kontoguthaben eintauschen muss, gegen welches er sie ausgegeben ( verkauft ) hat.
    Das wäre etwa so als würde ein Casino, nachdem es jemandem ein paar Chips zum Spielen gegen Geld „verkauft“ hat in der Bilanz einen Gewinn ausweisen, weil es ja Geld hat, aber die Chips keine „Schuld“ sind, obwohl das Casino die Rückeinlösung nicht verweigern kann.

    Was die Aktivposition Scheidemünzen angeht sollte man ja wissen ( leider auch hier viel Unwissen, weil für viele Menschen irrtümlicher Weise „der Staat“ das „Geld“ druckt ), das die Münzen tatsächlich von der Bundesregierung begeben werden ( Münzregal ), die Scheine aber ausnahmslos von der Zentralbank. Deshalb stehen die schmucken ausgegebenen IHS names Banknote als Verbindlichkeit rechts, und die in handliche Form gepressten Metallklumpen, die vom Staat „gekauft“ wurden und auf Auslieferung warten, auf der Aktivseite links.

    • „Banknoten sind quasi täglich fällig“
      Tut mir leid, Herr Goerke, aber diese Aussage erscheint mir nicht korrekt. Was meinen Sie mit „quasi täglich fällig“?

      LG Michael Stöcker

  7. Was ist Geld...Gold...Besitz?
    Das raffinierteste „Vernunfttherapiemittel“ von….?:=)

  8. Wessen Schuldschein ist das Geld?
    Geld ist ein Schuldschein des „Erstgeldempfängers“ (Kreditnehmers) auf Güter. Im Detail habe ich das hier https://beltwild.blogspot.de/2016/02/wessen-schuldschein-ist-das-geld.html erläutert.

    Solange die VWL nicht lernt, zwischen „Erstgeldempfänger“ und „Zweitgeldempfänger“ zu unterscheiden, wird sie das Geldsystem nicht wirklich verstehen.
    Vgl. näher meinen Blott „Warum Fiatgeld notwendig ‚Schuldgeld‘ sein muss: Ein Kredit kommt niemals allein – sondern immer im Doppelpack!“- https://beltwild.blogspot.de/2016/12/warum-fiatgeld-notwendig-schuldgeld.html

  9. Den Goldstandard jibett nich mehr
    @ Goerke

    Die „Schnapsideen“, von denen Sie fabulieren, sind in allen Industrieländern eine seit langem geübte (und bewährte) Praxis. Als 1973 das System von Bretton Woods kollabierte, wurden auch der Goldstandard und die fixen Wechselkurse beerdigt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Sie zumindest bei der Federal Reserve jederzeit Dollar-Banknoten präsentieren und hierfür die Herausgabe von Gold verlangen.

    Einer solchen rechtlichen Verpflichtung unterliegt, soweit ich sehen kann, heute keine einzige Notenbank dieser Welt. Sie können bei den Herren Draghi und Weidmann betteln, solange Sie wollen – die werden voraussichtlich keinen einzigen Goldbarren herausrücken. Und auch keine anderen Assets, die sich im Besitz von EZB oder Bundesbank befinden.

    Dies ist eben der große Unterschied zwischen Banknoten auf der einen und Anleihen, Schuldscheinen und Wechseln auf der anderen Seite. Diese Papiere haben in der Regel einen festen Fälligkeitstermin, zu dem der Schuldner zahlen muss. Genau dies ist bei Banknoten nicht der Fall.

    Schauen Sie bitte in Ihre Brieftasche – wo steht auf den Geldscheinen ein Datum, zu dem Sie diese „Schuldscheine“ bei der Notenbank vorlegen können?

    Und falls ja: An welche Zentralbank können Sie sich wenden – die EZB, jede beliebige Notenbank im Euro-Raum oder nur an die für Deutschland und deutsche Staatsbürger zuständige Bundesbank?

    Und wenn es die Bundesbank ist: Wofür genau haftet diese – für den gesamten Banknotenumlauf in der Eurozone? Das wären rund 1,2 Billionen Euro.

    Oder nur für die Banknoten, die die Bundesbank selbst in Umlauf gebracht hat? Das wären immerhin noch knapp 600 Milliarden.

    Oder doch nur für die Verbindlichkeiten, die in der Bundesbank-Bilanz ausgewiesen werden? Das sind nur 265 Milliarden Euro.

    Und vor allem: Können Sie alle Euro-Banknoten jeder Euro-Zentralbank vorlegen? Oder nur jener, die die Geldscheine tatsächlich herausgegeben hat? Dann müssten Sie zur Einlösung von 500-Euro-Scheinen nach Frankfurt fahren. Für 200-Euro-Scheine wäre dann beispielsweise Paris zuständig. Und für den Fuffziger Mailand. (Pech nur, dass die meisten Euro-Zentralbanken kaum Gold im Keller haben…)

    Sie sehen: Wenn man etwas tiefer bohrt, wird sehr schnell deutlich, wie absurd es ist, von Euro-Banknoten als Schuldscheinen zu sprechen. Formaljuristisch ist dies so, ökonomisch gesehen ist es jedoch Unsinn.

    Darauf dann einen Cognac!

    • Widerspruch in sich ist immer Unsinn
      Die Erde ist keine Kugel, aber rund. So oder so ähnlich ließt sich : Der Banknotenumlauf gehört als Verbindlichkeit ( Schulden ) auf die Passivseite der Bilanz, stellt aber keine Schulden dar.

      Was sind die Grundsätze zur Buchführung und Bilanzierung, die ja richtig sind, wenn icht etwas ökonomisches ?

      Man braucht doch schon eine sehr besondere Affinität zu Gold ( extreme Überbewertung des edlen Metalls ) um aus der Zäsur in den 70ern, die uns vor vielem Schlimmen bewahrt hat, eine Änderung im Wert einer Banknote zu erkennen, den es tatsächlich nie gab.

      Eine Banknote muss und wird heute immer noch jederzeit gegen das Guthaben eingetauscht, gegen das sie bei Ausgabe erworben wurde, was ein vollkommen ausreichender Einlöseanspruch ist.
      Und selbst wenn man keinen Auszahlungsanspruch auf die Aktiva hat ( hat man bei Geschäftsbanken auch nicht ) ergibt sich aus den o.G. Grundsätzen der Bilanzierung, dass die gesamte Aktiva der ZB für ihre Schulden haftet, auch wenn es in Ihren Augen keine Schulden sind.

  10. @ H. Stöcker
    Entschuldigung, hatte jetzt erst bemerkt, dass Sie auch auf meinen Beitrag geantwortet hatten.

    Sie haben Recht, den Kommentar in der Ökonomenstimme hatte ich wohl überlesen, oder verdrängt. Lustig ist er, aber leider gehaltlos. Und nur weil eine These ohne wirkliche Begründung in den Raum gestellt wird, muss sie nicht wahr sein.

    Wie kommt man zu Bargeld ? Man kauft es ! Bargeld fällt nicht wie Manna vom Himmel oder wird von der Zentralbank einfach so verteilt.

    Würde der Bargeldumlauf nicht bilanziert, würde die ZB mit jeder ausgegebenen Note einen Gewinn machen, da die Aktiva zunimmt ( oder die Passiva ab ) ohne das eine Gegenbuchung entsteht.

    Buchführung ist aber immer doppelt, bei jedem kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb. Nur „per“ oder nur „an“ zu buchen ist nicht statthaft.
    Sie können auch den Beitrag von Herrn Heismann nochmalls lesen. In dem Punkt hat er Recht.

    • "Schnapsidee"
      „Wie kommt man zu Bargeld ? Man kauft es !“

      Herr Goerke, das ist aber nun wirklich eine „Schnapsidee“ und übertrifft die Irrtümer der „Vollgeldphantasten“ um Längen. Ein Euro kostet immer noch 1,00 €! Sie können eine fremde Währung kaufen, aber doch nicht die eigene.

      Sie kommen zu Bargeld, wenn Sie hierfür eine reale Leistung am Markt erbringen, stehlen, erben oder Geld geschenkt bekommen. Dieses Bargeld wurde zuvor in den meisten Fällen per Kredit erzeugt. Es kommt zudem ursprünglich (nach dem Druckvorgang) von der Zentralbank; und zwar durch einen Passivtausch (Ausnahme mein Gedankenexperiment weiter unten; da ist es eine Bilanzverlängerung: Goldreserven an Banknotenumlauf). Dem Passivtausch bei der ZB entspricht ein Aktivtausch bei der GB. Bargeld erhalten Sie von Nichtbanken durch eine Leistungserbringung/Erbe/Schenkung/Diebstahl und von einer GB durch Reduktion Ihres Kontoguthabens oder einen Banküberfall.

      Passivtausch bedeutet, dass die Geschäftsbank einen Bedarf an Bargeld bei der ZB anmeldet und ihr dieser Betrag angeliefert wird. Die Gegenbuchung erfolgt auf dem Konto der Geschäftsbank, das diese bei der ZB unterhält.

      Selbstverständlich muss der Bargeldumlauf gebucht werden. Aber es ist keinesfalls eindeutig, dass es sich hierbei um Fremdkapital handelt (siehe mein Goldankauf-Beispiel weiter unten). Und dann sinnieren Sie doch einmal über die Aktiva-Position 11.1 der Bundesbankbilanz (Scheidemünzen). Nicht nur aus diesem Grund spricht Perry Mehrling von “essential hybridity”:

      „The second barrier is “essential hybridity”. Money is part private (bank deposits) and part public (central bank currency), though in normal times we hardly notice because the two kinds of money trade at par. Similarly, central banks are part private bankers’ bank and part public government bank, with the proportions shifting over time with financial development and with the exigencies of the state (such as war). This fact of hybridity is however apparently hard to accept, mainly because it offends political sense. Idealizations of pure public money attract the left (quoting Knapp), and idealizations of pure private money attract the right (quoting Menger), so that the actual system seems to everyone to be somehow polluted by illegitimate extension.” http://www.perrymehrling.com/2015/06/why-is-money-difficult/

      LG Michael Stöcker

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