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	<title>Fazit - das Wirtschaftsblog</title>
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	<description>Das Faszinierendste aus Wirtschaft und Finanzen. Prägnant beschrieben und kenntnisreich analysiert von Autoren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Sonntagszeitung.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 24 May 2013 21:01:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
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		<title>Impotente Geldpolitik</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/24/impotente-geldpolitik-1871/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 May 2013 20:05:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiskalische Dominanz]]></category>
		<category><![CDATA[Fiskaltheorie des Preisniveaus]]></category>
		<category><![CDATA[Fiskaltheorie desPreisniveaus]]></category>
		<category><![CDATA[Geldpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Staatsverschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[Überraschungsinflation]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Jens Weidmann hat in einem Vortrag die Kritik an hohen Staatsschulden mit der bislang wenig beachteten Fiskaltheorie des Preisniveaus begründet. In ihr verliert die Zentralbank die Kontrolle über die Inflationsrate. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/24/impotente-geldpolitik-1871/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Central banks are often accused of being obsessed with inflation. This is untrue. If they are obsessed with anything, it is with fiscal policy.&#8221;</em><br />
<em>Mervyn King, scheidender Gouverneur der Bank of England</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich in einem <a rel="nofollow" href="http://www.bundesbank.de/Redaktion/EN/Reden/2013/2013_05_24_weidmann.html">Vortrag auf einer deutsch-französischen Ökonomenkonferenz in Paris</a> mit der Notwendigkeit einer Konsolidierung der Finanzpolitik befasst. Weidmanns Position, für eine langfristige und glaubwürdige Reduzierung der Staatsverschuldung einzutreten, ist ebensowenig neu wie seine Zweifel an Forderungen</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-1874" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/Weidmann-300x203.jpg" width="300" height="203" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Deutsche Bundesbank</span><span class="Bildunterschrift">Jens Weidmann</span></div>
<p>mancher Politiker und Ökonomen, in Anbetracht der schwachen Wirtschaft im Euroraum mit der finanzpolitischen Konsolidierung zumindest vorübergehend deutlich nachzulassen.</p>
<p>Interessant ist hingegen die prominente Rolle, die in seinen Ausführungen die Fiskaltheorie des Preisniveaus (FTP) einnimmt, in der die Finanzpolitik die Geldpolitik dominiert (&#8220;Fiskalische Dominanz&#8221;). Wir haben in FAZIT die Fiskaltheorie des Preisniveaus mehrfach ausführlich behandelt, auch wenn sie bisher in Fachkreisen bei vielen Vertretern als zumindest ein wenig obskur gilt. Wenn sich ein prominenter Entscheidungsträger wie Weidmann in der Öffentlichkeit der FTP annimmt, ist aber damit zu rechnen, dass sie künftig häufiger diskutiert wird. Wir zeichnen daher ihre Grundgedanken noch einmal nach und verweisen ansonsten auf unsere früheren Beiträge: *)</p>
<p>Die FTP postuliert, dass eine hohe Staatsverschuldung Inflation hervorrufen kann, auch ohne dass die Zentralbank Staatsanleihen gegen Geldschöpfung ankauft.</p>
<p>Normalerweise werden Staatsschulden vollständig zurückgezahlt. In diesem Falle entspricht der Wert der Staatsschulden dem abdiskontierten Wert der künftigen Steuerzahlungen, mit denen die Staatsschulden getilgt werden. Nehmen wir nun einmal an, die Staatsschulden werden aus der Sicht der Menschen so hoch, dass ihnen eine künftige vollständige Tilgung aus Steuerzahlungen unwahrscheinlich vorkommt &#8211; sei es, dass eine Wirtschaftskrise die erwarteten Steuerzahlungen schmälert; sei es, die Menschen glauben, die Politik werde die notwendigen Steuererhöhungen nicht bewerkstelligen.</p>
<p>Soll ein Staatsbankrott ausgeschlossen bleiben, gibt es nur eine Möglichkeit, die Lücke zu schließen: Die Inflationsrate muss steigen. Weidmann drückt es so aus: <em>&#8220;Technically, fiscal dominance refers to a regime where monetary policy ensures the solvency of the government. The traditional roles are reversed: monetary policy stabilises real government debt while inflation is determined by the needs of fiscal policy.&#8221;</em> Oder in den Worten des amerikanischen Ökonomen Michael Woodford:<em> “Fiscal dominance manifests itself through pressure on the central bank to use monetary policy to maintain the market value of government debt.”<br />
</em></p>
<p>Der Mechanismus, der zur Inflation führt, ist ein Vermögenseffekt: Da der Wert der Staatsschulden im Falle erwarteter unzureichender Steuereinnahmen größer ist als der Wert der abdiskontierten künftigen Steuereinnahmen, sorgt dieser positive Vermögenseffekt für eine steigende Nachfrage der Wirtschaftsteilnehmer, der die Inflation steigen lässt. Kommen nun Erwartungen weiter steigender Inflationsraten hinzu, bewirken diese über eine noch höhere Nachfrage weiter steigende Inflationsraten, weil die Zentralbank in ihrem Bemühen, den Realwert der Staatsschulden zu kontrollieren, nicht auch noch die Inflation kontrollieren kann. Weidmann zitiert die Schlussfolgerung der FTP:<em> &#8220;A regime of fiscal dominance is characterised by higher inflation and probably also more volatile inflation. Monetary policy is no longer able to control the inflation rate, and therefore welfare losses will occur.&#8221;</em></p>
<p>Nun könnte man dieser Argumentation entgegen halten: &#8220;Das ist ja vielleicht alles gut und schön, aber was hat das mit unserer heutigen Welt zu tun? Die Inflationserwartungen im Euroraum sind außergewöhnlich niedrig **); eine solche Krise steht somit offenbar gar nicht auf der Tagesordnung.&#8221; Hier halten die Anhänger der FTP entgegen, dass sich der inflationsfördernde Nachfrageeffekt wegen der Vorausschau der Menschen schon viel früher als die tatsächlich drohende Überschuldung einstellen kann. Dann wird ein plötzliches Auftauchen von Inflation möglich &#8211; eine Art Überraschungsinflation. Bianchi/Melosi beschreiben in ihrem Papier, wie das Vertrauen in die Finanzpolitik und die Geldpolitik über viele Jahre still und und unbemerkt erodieren kann, bis sich der Vertrauensverlust dann innerhalb kurzer Zeit in hoher Inflation manifestiert.</p>
<p>Um solche unliebsamen Überraschungen zu vermeiden, bedarf es nach Ansicht Weidmanns und der Anhänger der FTP eben einer überzeugenden Konsolidierung der Staatsfinanzen und einem dadurch begünstigten Vertrauen in den Willen der Geldpolitik, sich zuvörderst der Geldwertstabilität zu widmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Soweit die Darstellung der FTP. Man kann hier aus meiner Sicht bei aller Wertschätzung des Ansatzes mindestens drei Einschränkungen/Bedenken formulieren:</p>
<p>1. Die Theorie bedarf vermutlich noch einiger Ausarbeitung und empirischer Überprüfung. Bis heute hat sie sich nicht wirklich in der Branche durchgesetzt (und dafür gibt es Gründe) &#8211; aber das mag noch kommen. Insofern sollte man jedenfalls auf sie schauen.</p>
<p>2. Das Konzept der Überraschungsinflation bedarf eines sorgfältigen Umgangs. Man kann damit ansonsten schnell sich selbst und andere besoffen reden. Ein Beispiel ist der amerikanische Ökonom John Cochrane, der auf der Basis der FTP im Jahre 2009 in Washingtoner Anhörungen einen &#8220;Run&#8221; auf amerikanische Staatspapiere und eine hohe Inflationsrate prognostiziert hatte. Man mag von der amerikanischen Geld- und Finanzpolitik der vergangenen Jahre halten, was man will, aber es hat seitdem weder einen Run auf die Staatspapiere noch hohe Inflationsraten gegeben. Nicht nur Paul Krugman hat sich über Cochrane lustig gemacht.</p>
<p>3. Anhänger der These, eine weitaus expansivere Geldpolitik könne in der aktuellen Krise die Konjunktur beleben, mögen versuchen, Weidmanns Argumentation gegen den Bundesbankpräsidenten zu kehren, indem sie sinngemäß sagen: &#8220;Wenn eine Zentralbank Angst vor der staatlichen Überschuldung hat, sollte sie durch eine expansivere Geldpolitik die Konjunktur anregen und damit die Gefahr fiskalischer Dominanz verringern.&#8221; Diese Denkweise lebt zwar von der Annahme, dass die Geldpolitik noch viel expansiver werden müsste, und ist durchaus umstritten ***), aber es gibt in der Ökonomenwelt zweifellos Anhänger dieser Denkweise. So würde nach unserer Kenntnis z.B. Nouriel Roubini so argumentieren.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><strong>*) Bisherige Beiträge zur Fiskalteorie des Preisniveaus in FAZIT:</strong></p>
<p>- <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2012/09/25/die-inflation-springt-aus-der-kiste-die-fiskaltheorie-des-preisniveaus-vor-risiken-und-nebenwirkungen-wird-ausdruecklich-gewarnt-578/">eine ausführliche Darstellung der FTP</a>. Darin wird auch das Papier von <a rel="nofollow" href="http://www.econ.ucla.edu/workshops/papers/Monetary/BianchiMelosi_Dormant.pdf">Bianchi/Melosi</a> zu den &#8220;schlafenden Schocks&#8221; behandelt, das jetzt auch auf der <a rel="nofollow" href="http://www.banque-france.fr/fileadmin/user_upload/banque_de_france/Economie_et_Statistiques/BdF-Buba_23-24_May_2013_conference_final_program.pdf">Pariser Konferenz</a> vorgetragen wurde und das auch in Weidmanns Manuskript auftaucht<br />
- <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/04/17/geldpolitik-im-teufelskreis-1420/">&#8220;Geldpolitik im Teufelskreis&#8221;</a>; die F.A.Z.-Seite von Markus Brunnermeier und mir, in der die FTP als Inflationsszenario auftaucht<br />
- Erwähnt habe ich die FTP auch in meinem <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2012/10/08/droht-uns-inflation-599/">Überblick über die Brauchbarkeit der üblichen Inflationserklärungen</a></p>
<p>**) Die Inflationserwartungen sind im Euroraum derzeit wirklich niedrig. Der Chef-Volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, schreibt in seinem aktuellen Wochenbericht: <em>&#8220;Die Investoren haben den Abwärtstrend der Inflation aufgegriffen und die Erwartungen für den Anstieg der Verbraucherpreise (ohne Tabak) in den kommenden zwölf Monaten gemessen an Inflationsswaps auf nur 1,0% gesenkt. Das erscheint uns übertrieben mit Blick auf  unsere Prognose, dass die Inflation in den kommenden Quartalen um 1½% schwanken wird. Auf der anderen Seite begrenzt unsere Prognose die von unseren Strategen erwartete Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen.&#8221;</em></p>
<p>***) Ein Keynesianer im Geiste von Keynes würde mit Verweis auf eine Liquiditätsfalle eine eingeschränkte Wirksamkeit der Geldpolitik diagnostizieren und wie Paul Krugman für expansive Finanzpolitik plädieren. Ein Anhänger der Schule von den &#8220;finanziellen Friktionen&#8221; würde darauf achten, Banken und Finanzmärkte von Hemmnissen zu befreien und leistungsfähiger zu machen. Ein &#8220;Austrian&#8221; würde sich vermutlich gleichermaßen gegen expansive Geld- und Finanzpolitik aussprechen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ist das Ende wirklich nah?</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/23/das-ende-ist-nah-1837/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 May 2013 09:52:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Die Phase hoher Leistungsbilanzdefizite in der europäischen Peripherie nähert sich offenbar ihrem Ende. Damit sinkt auch der externe Kapitalbedarf. Die hohen Bestände an Auslandsschulden bleiben jedoch eine Bürde, die eine langfristige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bedingt. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/23/das-ende-ist-nah-1837/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1840" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/Leistungsbilanzen-in-der-Peripherie1.jpg" width="610" height="343" /></p>
<p>1. Ein Beitrag der Ökonomen Matthew Higgins und Thomas Klitgaard im <a rel="nofollow" href="http://libertystreeteconomics.newyorkfed.org/2013/05/foreign-borrowing-in-the-euro-area-periphery-the-end-is-near.html">Liberty-Blog</a> gibt Gelegenheit, wieder einmal einen Blick auf die Euro-Peripherie zu werfen. Die obige Grafik zeigt für Südeuropa eindrücklich, was wir in unseren FAZIT-Reihen zu <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/03/26/lissaboner-langlauf-4-wie-kapitalzuflusse-schaden-konnen-1259/">Portugal </a>und <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/04/03/das-spanische-paradoxon-3-reformen-im-uberblick-1333/">Spanien</a> für diese beiden Länder ausführlich behandelt haben: den außerordentlich kräftigen Rückgang der Defizite im Außenhandel mit Gütern und Dienstleistungen. Das Ende des Zeitalters hoher Leistungsbilanzdefizite scheint dort nahe zu sein &#8211; aber ist es das auch auf Dauer?</p>
<p>2. Higgins/Klitgaard erinneren daran, was eine (annähernd) ausgeglichene Leistungsbilanz bedeutet: Im Inland entsprechen sich Ersparnis und Investitionen (annähernd); das heißt, der Bedarf an neuen Kapitalzuflüssen aus dem Ausland erübrigt sich (weitgehend). Allerdings hat sich (annähernde) Gleichgewicht der Leistungsbilanz bei einem deutlich rückläufigen BIP und hoher Arbeitslosigkeit eingestellt.</p>
<p>3. Gleichwohl kann keine Rede davon sein, dass die Verbesserung der Leistungsbilanz alleine oder ganz überwiegend das Ergebnis rückläufiger Importe wäre. Wie die Tabelle unten zeigt, sind in den vergangenen Jahren die Exporte besonders in Spanien, Portugal und Italien deutlich gestiegen. Die höheren Exporte bedeuten eine teilweise Kompensation der rückläufigen Binnennachfrage. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Weltmarktanteile Spaniens und Portugals in den vergangenen Jahren leicht zugenommen haben. Italien hat seinen Anteil in etwa gehalten, der Anteil Griechenlands ist zurückgegangen.</p>
<p><img alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/ExporteImporte.jpg" width="610" height="343" /></p>
<p>4. Die Grafik unten zeigt eine Ursache des Exportwachstums: Die traditionell stak auf den europäischen Markt ausgerichteten südeuropäischen Länder haben sich stärker für Exporte in Länder außerhalb des Euroraums geöffnet. Das ist im Grundsatz eine erfreuliche Entwicklung.</p>
<p><img alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/Gütertransporte-aus-der-Peripherie.jpg" width="610" height="343" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>5. Das waren die guten Nachrichten. Nun kommen die großen Herausforderungen für die südlichen Peripherienationen. Die erste Herausforderung ist, die Leistungsbilanz nachhaltig nicht wieder in hoher Defizite abgleiten zu lassen. Diese Gefahr wird sich dann einstellen, wenn mit einer Belebung der Konjunktur naturgemäß die Importe wieder deutlich zunehmen. Dann werden auch die Exporte nachhaltig wachsen müssen und hierfür bedarf es einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen, weil die Peripherie trotz der Exportfortschritte in den vergangenen Jahren immer noch sehr stark von der Binnenwirtschaft abhängt. Ein wichtiges Ziel dieser Reformen besteht darin, exportorientierten Unternehmen leichter Zugang zu Kapital und Arbeitskräften zu verschaffen. Daten zeigen, dass viele Peripherieunternehmen unter einem Mangel an Eigenkapital leiden, der ihre Expansion hemmt, und die bisherigen Arbeitsmarktregeln schrecken von der unbefristeten Einstellung von Arbeitskräften ab.</p>
<p>6. Die binnenwirtschaftliche Anpassung der vergangenen Jahre ging in der Peripherie sehr stark zu Lasten der Investitionen. Dass seit 2008 die Immobilieninvestitionen deutlich zurückgegangen sind, ist angesichts der Immobilienkrise in Spanien verständlich. Aber es sind auch die übrigen Investitionen deutlich zurückgegangen. (Der Beitrag von Higgins/Klitgaard enthält eine anschauliche Grafik.) Ein nachhaltige Erholung der Wirtschaft und damit auch der Exporte ist ohne eine lebhaftere Investitionstätigkeit kaum vorstellbar.</p>
<p>7. Die dritte &#8211; und nicht geringste &#8211; Herausforderung ist der Umgang mit den als Folge der früheren Leistungsbilanzdefizite entstandenen hohen Beständen an Auslandsschulden. Wir haben in einem früheren Beitrag das <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/03/26/lissaboner-langlauf-4-wie-kapitalzuflusse-schaden-konnen-1259/">Beispiel Portugals beschrieben</a>: &#8220;Mitte der neunziger Jahre hatte Portugal kaum Auslandsschulden; aber im Jahre 2007 entsprachen die Auslandsschulden mit 165 Milliarden Euro bereits in etwa dem portugiesischen BIP. Die wichtigste Ursache dieser Kapitalströme war die Finanzierung von Leistungsbilanzsalden gegenüber EU-Partnerländern; die Leistungsbilanz gegenüber Nicht-EU-Ländern war niemals extrem defizitär.&#8221; Diese Bestandsprobleme in der Peripherie wurden schon von vielen Ökonomen angesprochen.</p>
<p>8. Solange die ausländischen Kapitalgeber Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit besitzen, werden sie nicht auf schnellen Rückzahlungen ihrer Forderungen gegenüber der Peripherie bestehen. Im Falle fehlenden Vertrauens kann es hingegen, wie nicht nur in der Peripherie bereits beobachtet, zur plötzlichen Verweigerung ausländischer Kapitalgeber kommen, fällige Auslandsforderungen zu prolongieren. Diese sogenannten <a rel="nofollow" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sudden_stop_%28economics%29">&#8220;sudden stops&#8221;</a> sind grenzüberschreitend für die Konjunktur und die Finanzstabilität außerordentlich gefährlich &#8211; in der jüngsten Krise wurden sie über die Target-Salden ausgeglichen, was aber keine dauerhafte Lösung sein kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Geldpolitisches Nichtstun ist gefährlich&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 19:17:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deflation]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Fed]]></category>
		<category><![CDATA[Geldpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[James Bullard]]></category>
		<category><![CDATA[Quantitative Easing]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsanleihen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>James Bullard war in Frankfurt. Der amerikanische Geldpolitiker hat fünf Optionen an der Nullzinsgrenze durchdekliniert. Quantitative Lockerungen, also Anleihekäufe, gefallen dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of St. Louis noch am besten. In Europa könnte die EZB Käufe von Staatsanleihen nach dem BIP der einzelnen Euro-Länder gewichten. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/21/geldpolitisches-nichtstun-ist-gefahrlich-1813/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li><strong></strong></li>
<li></li>
<li></li>
<li></li>
<li></li>
<li><img alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/james_bullard.jpg" width="610" height="407" /></li>
<li>James Bullard (Foto Fed)</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es ist das geldpolitische Problem dieser Jahre: Was soll eine Zentralbank tun, die ihren Leitzins bereits auf oder nahe null Prozent gesenkt hat, die aber angesichts zu niedriger Inflation und schwachen Wirtschaftswachstums einen weiteren Handlungsbedarf verspürt? <a href="http://research.stlouisfed.org/econ/bullard/" rel="nofollow">James Bullard</a> ist ein versierter Ökonom mit sehr guten theoretischen Kenntnissen, der seit einigen Jahren als Präsident der Federal Reserve Bank of St. Louis zur geldpolitischen Elite in den Vereinigten Staaten gehört.</p>
<p>Heute abend erwog er in einem Vortrag an der Goethe-Universität in Frankfurt fünf geldpolitische Optionen. Organisiert hatte die Veranstaltung das der Universität angegliederte <a rel="nofollow" href="http://www.imfs-frankfurt.de/">Institute for Monetary and Financial Stability</a> unter Leitung des Frankfurter Ökonomen <a rel="nofollow" href="http://www.volkerwieland.com/">Volker Wieland</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>1. Option. Verlockend, aber gefährlich: Nichts tun</strong></p>
<p>Die Auffassung, ein Leitzins nahe null Prozent stelle bereits eine ausreichende Voraussetzung dar, für eine Belebung des Wirtschaftswachstums bei niedriger Inflationsrate zu sorgen, bezeichnete Bullard  grundsätzlich als &#8220;nicht so verrückt, wie sie sich anhört&#8221;. Das Problem ist das japanische Beispiel. Es zeigt, dass sich bei einem Leitzins von null Prozent ein stabiles Gleichgewicht mit einer niedrigen negativen Inflationsrate (Deflation) und anämischer Konjunktur einstellen kann. Ein Chart, den Bullard<a rel="nofollow" href="http://research.stlouisfed.org/econ/bullard/pdf/BullardIMFSDistinguishedLecture21May2013Final.pdf"> in seiner Präsentation</a> bereit hielt, deutet an, dass der Euroraum vom Japan-Szenario womöglich nicht mehr weit entfernt sein könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>2. Option. Von allen schlechten Möglichkeiten die beste: Quantitative Lockerung</strong></p>
<p>Unter quantitativer Lockerung (&#8220;quantitative easing&#8221;) wird die Schaffung von Zentralbankgeld durch den Ankauf von Staatsanleihen oder anderer Wertpapiere verstanden. Diese Strategie verfolgt die Fed seit mehreren Jahren; als Folge ihrer Anleihenkäufe ist die Bilanz der Fed bereits kräftig gestiegen.</p>
<p>Bullards Befürwortung der quantitativen Lockerung lautet: Sie ist traditionellen geldpolitischen Instrumenten ähnlich, indem sie nominale und reale Zinsen beeinflussen will. Während die traditionelle Geldpolitik durch Steuerung des kurzfristigen Zinses funktioniert, nimmt die Zentralbank bei der quantitativen Lockerung auf die langfristigen Zinsen Einfluss. Nimmt man Ankündigungseffekte hinzu, zeigt sich, dass diese Politik in den Vereinigten Staaten tatsächlich Wirkung zeigt.</p>
<p>Sollte die EZB ihre Politik weiter lockern wollen, empfiehlt Bullard Staatsanleihenkäufe, deren Verteilung sich auf die einzelnen Länder nach ihrem Anteil am Euroland-BIP ausrichten soll. Das heißt, die EZB würde mehr deutsche Staatsanleihen kaufen als Anleihen eines einzelnen anderen Landes. Dadurch ersparte sich die EZB den Vorwurf, sie wolle einseitig wirtschaftlich schwache Länder stützen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>3. Option. Riskanter als erhofft: Geldpolitik durch Ankündigungen</strong></p>
<p>Ein &#8220;neuer Schrei&#8221; in der Debatte um Geldpolitik ist die Forderung, eine Zentralbank solle durch mehrjährige bindende Ankündigungen das Spar-und Konsumverhalten der privaten Wirtschaftsteilnehmer beeinflussen. Eine solche Ankündigung könnte zum  Beispiel darin bestehen, den Leitzins solange bei Null zu lassen, bis die Arbeitslosenquote unter einer bestimmten Zielmarke liegt. Vor allem der bekannte amerikanische Ökonom<a rel="nofollow" href="http://kansascityfed.org/publicat/sympos/2012/mw.pdf"> Michael Woodford</a> hat sich für eine solche <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/19/geldpolitik-mit-dem-mundwerk-1748/">&#8220;Geldpolitik mit dem Mundwerk&#8221;</a> (Forward Guidance) stark gemacht. Bullard hatte aber zwei Einwände gegen die Wirksamkeit dieses Konzepts:</p>
<p>- Erstens ist es nicht ausgemacht, dass die Ankündigungen der Zentralbank als glaubwürdig aufgenommen werden. Dann verhalten sich die privaten Wirtschaftsteilnehmer aber vermutlich nicht so, wie es sich die Zentralbank wünscht. *)</p>
<p>- Zweitens kann die Zentralbank mit solchen Ankündigungen Pessimismus erzeugen. Wenn eine Zentralbank beispielweise andeutet, dass sie den Leitzins noch mehrere Jahre sehr niedrig halten wird, könnten die Wirtschaftsteilnehmer daraus den Schluss ziehen: &#8220;Oh weh, die Zentralbank sieht uns noch Jahre lang in der Krise.&#8221; Dies kann die Ausgabebereitschaft von Haushalten und Unternehmen hemmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>4. Option. Nicht so toll: Negative Einlagenzinsen</strong></p>
<p>Eine auch in der EZB diskutierte Option besteht darin, negative Zinsen auf Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank zu erheben. Damit sollen die Geschäftsbanken veranlasst werden, ihr Geld nicht passiv bei der Zentralbank zu unterhalten. Bullard hat zwar in der Vergangenheit Sympathie für die Idee besessen, den Guthabenzins von 25 Basispunkten, die von der Fed den Geschäftsbanken gezahlt wird, zu senken. Aber er hält negative Einlagenzinsen für keine sehr wirksame Strategie, weil der Zins nicht andauernd gesenkt werden kann und die Zentralbank sich dann etwas anderes einfallen lassen muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>5. Option. Auch nicht so toll: Operation Twist</strong></p>
<p>Bei der&#8221;Operation Twist&#8221; hat die Fed auf der Laufzeitenkurve gespielt. Sie verkaufte aus ihrem Bestand Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten und kaufte dafür Anleihen mit langen Restlaufzeiten. Bullard hält dieses Instrument auch nicht für sehr wirksam.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>In der anschließenden Diskussion nahm Bullard noch zu anderen Themen Stellung. Hier eine Zusammenfassung:</em></p>
<p>- Er fände es besser, wenn die Fed wie die EZB per Gesetz nur der Preisniveaustabilität verpflichtet wäre.</p>
<p>- Falls die Zinsen steigen, drohen der Fed aus ihren umfangreichen Anleihebeständen Bewertungsverluste. Bullard befürwortet, dass die Geschäftsbanken als Eigentümer der regionalen Fed-Banken Kapitalzuschüsse leisten, mit denen künftige Bewertungsverluste ausgeglichen würden. Er hat aber keine Mehrheit für diesen Vorschlag.</p>
<p>- Von aktiver Finanzpolitik zur Krisenbekämpfung hält Bullard nichts. Finanzpolitik solle stattdessen einen langfristig glaubwürdigen Stabilitätskurs einschlagen.</p>
<p>- Bullard sagte, dass sich alle Zentralbanken der Gefahren bewusst seien, die sich aus lange Zeit sehr niedrigen Zinsen ergeben. Er nannte unter anderem die Gefahr von Vermögenspreisblasen, aber auch, dass das Sparen entwertet würde. Aus seiner Sicht ist die aktuelle Geldpolitik aus gesamtwirtschaftlichen Gründen aber unumgänglich.</p>
<p>- Bullard betonte auch die Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Banksystem. In den Vereinigten Staaten mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine und schwache Banken den Markt verlassen; in Europa gibt es noch viele dieser &#8220;Zombies&#8221;. **)</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>*) Hier lag in den Diskussionen über Geldpolitik zwischen &#8220;Kantoos&#8221; und mir auf dem verblichenen Blog &#8220;kantooseconomics&#8221; ein Meinungsunterschied. &#8220;Kantoos&#8221; besaß großes Vertrauen in die Signaleffekte einer solchen Geldpolitik, ich weitaus weniger. Vermutlich bekommen wir in den kommenden Jahren interessantes Anschauungsmaterial.</p>
<p>**) Diese Unvollkommenheiten im Bereich der Banken und Finanzmärkte, in der Theorie &#8220;financial frictions&#8221; genannt, haben wir in F.A.Z. und FAZIT mehrfach thematisiert, zum Beispiel <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/04/17/geldpolitik-im-teufelskreis-1420/">hier zusammen mit Markus Brunnermeier </a>oder <a rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/euro-krise-die-grenzen-der-geldpolitik-12189223.html">hier in meinem jüngsten Leitartikel</a>.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Captain Kirk und die Finanzkrise</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/21/mit-stark-trek-durch-die-krise-1734/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 11:52:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexander Armbruster</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Der neue Star Trek-Film ist überaus gelungene Science-Fiction: Was Kirk, Spock und Co. dort erleben, spiegelt sehr gut Konfliktkerne der Finanzkrise. Es geht darum, wann Regeln (nicht) gelten. Eine Analyse für Nerds und alle anderen. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/21/mit-stark-trek-durch-die-krise-1734/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-ala/">Alexander Armbruster</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der neue Star Trek-Film (&#8220;Into Darkness&#8221;) ist ein großer Spaß: sehr unterhaltsam, komisch, zuweilen ernst, spannend, überraschend (bis auf die Tatsache, dass natürlich alle Zuschauer wissen, dass Star Trek-Filme immer gut ausgehen). Und wirklich gute Science Fiction &#8211; gegenwärtig realistische Konfliktkonstellationen werden so in eine fiktive Zukunft transportiert, dass sie nachvollziehbar bleiben und die Frage erlauben: Wie würde ich mich verhalten? Eine Frage, für die sich ja gerade Ökonomen interessieren, und vor allem dann, wenn es um Menschen geht, die nicht sie selbst sind.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-large wp-image-1775" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/16-05-2013-01-37-50-AP-24393540-1024x707.jpg" width="584" height="403" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; AP/Paramount Pictures</span><span class="Bildunterschrift">Der Dogmatiker (Spock) und der Pragmatiker (Kirk)</span></div>
<p>Für Volkswirte, die sich mit der Finanzkrise und ihren Folgen beschäftigen, sind gerade die ersten rund zwanzig Minuten absolut sehenswert: Captain Kirk rennt rastlos einem Stamm Eingeborener davon, irgendwo in den Weiten des Star-Trek-Universums. Er tut dies, damit sein erster Offizier Spock unbemerkt in einen Vulkan hinabsteigen kann, der die gesamte nichts ahnende Eingeborenen-Zivilisation auslöschen würde, wenn er denn ausbräche. Das will und kann Spock verhindern &#8211; mit den technischen Möglichkeiten der Enterprise.</p>
<p>Gleichwohl &#8211; und jetzt wird es ökonomisch höchst relevant &#8211; kollidiert das gesamte Vorhaben mit der wichtigsten Regel, der sich Kirk, Spock und Co im Dienst unterordnen müssen: Sie dürfen sich nicht in die Entwicklung anderer Zivilisationen einmischen. Weil diese Regel für Raumfahrer so eminent wichtig ist, trägt sie im Star-Trek-Universum den Titel &#8220;Oberste Direktive&#8221;. Faktisch ist sie so etwas wie die No-Bailout-Klausel der Sternenflotte.  &#8220;<span style="color: #000000;">Die Oberste Direktive, auch Hauptdirektive oder Erste Direktive genannt, ist die wichtigste offizielle <span style="color: #000000;">Direktive der Sternenflotte</span>. Im Kern ist sie ein Ausdruck des <span style="color: #000000;">Prinzips der Nichteinmischung&#8221;, heißt es beispielsweise auf der für Star-Trek-Hintergründe relevanten Internetseite<a rel="nofollow" href="http://de.memory-alpha.org/wiki/Oberste_Direktive"> memory-alpha.org</a> (vielen Dank an den Kollegen Franz Nestler, der auf diese Quelle und ihre Bedeutung hinwies)</span><span style="color: #000000;">.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a title="Prinzip der Nichteinmischung" rel="nofollow" href="http://de.memory-alpha.org/wiki/Prinzip_der_Nichteinmischung"><span style="color: #000000;">Die Regel wird dort präzisiert als insbesondere gültig im Umgang mit so genannten Präwarp-Zivilisationen. </span></a></span><span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">In die Sprache der Nicht-Nerds übersetzt, sind das Zivilisationen, die (noch) nicht in der Lage sind, Raumschiffe zu bauen, die schneller sind als das Licht (also mit Warp-Geschwindigkeit fliegen). Würde man das Star Trek-Vokabular in die Sprache der Finanzkrisenforscher übersetzen, wäre &#8220;präwarp&#8221; das funktionale Äquivalent zu &#8220;nicht systemrelevant&#8221;. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht hier nicht darum, nicht systemrelevante Banken oder Länder als unterentwickelt darzustellen, sondern um die Frage, ob man ihnen helfen darf oder soll, wenn sie in Schwierigkeiten stecken.<br />
</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">Zurück zum Film: Der Enterprise-Captain entscheidet sich dafür, den Untergang besagter Zivilisation zu verhindern. Das gelingt ihm und seiner Crew auch &#8211; allerdings nicht so wie geplant. Spock gerät in Lebensgefahr; die Enterprise-Crew kann ihn aber retten. Dabei sehen die Eingeborenen allerdings das Raumschiff und verehren es fortan &#8211; gleichsam als &#8220;unintended consequence&#8221; &#8211; als eine Art Gottheit. Genau so etwas sollte die Direktive verhindern.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">Kirk (der Pragmatiker) muss sich infolgedessen vor dem Oberkommando der Sternenflotte verantworten. Sein Mentor Admiral Pike (der Dogmatiker) stellt ihn zur Rede und doziert über Verantwortung und Respekt, die sich mit dem Amt eines Raumschiffkapitäns verbänden,  warum es Regeln gebe und es unerlässlich sei, diese einzuhalten, wenn Gemeinschaft (in diesem Fall: eine Raumflotte) funktionieren soll. Es klingt, als würde ein Vater mit seinem Sohn schimpfen. Und wirkt deswegen in gewisser Weise albern. Kirk weiß all das sowieso und kann nicht widersprechen. Auf seiner Seite steht bloß das Faktum, dass die Alternative seines Handelns viele Tote bedeutet hätte.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">Der geneigte Zuschauer kann Kirks Handeln trotz des offensichtlichen Regelbruchs nachvollziehen und richtig finden. Warum? Nun, mit einer schlichten Gegenfrage geantwortet: Was hätte er denn stattdessen tun sollen?  &#8211; Eben.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">Man ahnt: Hier hat sich gerade so etwas wie die Dialektik des Dogmatischen gezeigt. Gerade um ein Ideal (hier: Regelwerk) zu erhalten, muss es möglicherweise mitunter gebrochen werden. Der Grund ist derselbe wie immer in diesem Kernkonfliktfeld -  <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6ckenf%C3%B6rde-Diktum">frei nach Böckenförde</a> könnte man sagen: Auch die &#8220;Oberste Direktive&#8221; (und übrigens auch die während der Euro-Krise über den Haufen geworfene No-Bailout-Klausel) fußt auf Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen kann. Oder konkret und auf diesen Star-Trek-Fall gemünzt: Die notwendige Voraussetzung dafür, dass eine vereinbarte Regel angewendet werden kann, bleibt, dass die Anwender überleben.</span></span></p>
<p>Gar nicht so relevant ist dabei, dass der Oberkommandierende der Sternenflotte, also das qua Funktion Person gewordene Dogma, selbst nahezu jede Regel außer der &#8220;Obersten Direktive&#8221; bricht, wie sich später im Film zeigen wird. Relevant &#8211; wiederum mit Blick auf die Gegenwart &#8211; ist eine wichtige Unterscheidung zwischen der Krise der geretteten Zivilisation in den Weiten des Star-Trek-Universums und der Finanzkrise und ihren Folgen: Ersteres ist eine (drohende) Natur-, das Zweite eine Kulturkatastrophe. Gegen Erdbebenhilfe hat niemand etwas einzuwenden.</p>
<p>Genug zur wirtschaftswissenschaftlich interessanten Seite des Films. Sehenswert sind selbstredend nicht bloß die ersten zwanzig Minuten, sondern der gesamte Kinofilm. Als gute Nachricht haben wir auch aufgenommen, dass J. J. Abrams nach den beiden gelungenen Raumschiff-Enterprise-Verfilmungen offenbar auch im ersten Star Wars-Film aus dem Hause Disney Regie führen wird.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-ala/">Alexander Armbruster</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Geldpolitik mit dem Mundwerk</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/19/geldpolitik-mit-dem-mundwerk-1748/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 May 2013 16:19:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-pwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Eurokrise]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Währungsunion]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Geldpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Draghi]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Carney]]></category>
		<category><![CDATA[Otmar Issing]]></category>
		<category><![CDATA[Währungsunion]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Notenbanker können die Zinsen nicht weiter senken. Jetzt kämpfen sie mit Worten - und mit Versprechungen mit ungewissem Wert. Der Sonntagsökonom. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/19/geldpolitik-mit-dem-mundwerk-1748/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/welter/">faz-pwe</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Europäische Zentralbank steht bereit, im Rahmen unseres Mandats alles zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“ Wie auch immer die Eurosaga ausgehen oder enden wird, mit diesen Worten hat sich EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Sommer einen Platz im Geschichtsbuch der Notenbanker errungen. Es ist das wohl weitreichendste Versprechen in der jüngeren Geldpolitik. Und Draghi ließ auf die Worte Taten folgen – mit dem Ankaufprogramm von Anleihen reformwilliger Krisenstaaten. Eingesetzt hat die EZB das freundliche Folterinstrument, mit dem sie Reformen erzwingen will, indes noch nicht. Doch die Finanzhändler nahmen schon Draghis Wort für bare Münze. Die Verspannungen an den europäischen Finanzmärkten sind seit seiner Verheißung geringer geworden.</p>
<div class="ArtikelBild alignleft"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-1765" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/Holgreve-Geldpolitk-Mundwerk-bild_hoch-226x300.jpeg" width="226" height="300" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Alfons Holtgreve</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p>Das Versprechen von Super-Mario ist ein besonders krasses Beispiel dafür, wie Notenbanker seit der Finanzkrise versuchen, mit Worten und verbalen Zusagen die Märkte zu beeinflussen. Mit dem Leitzins nahe null Prozent und keiner Möglichkeit, den Zins weiter zu senken, haben sie auf der Suche nach neuen Instrumenten das Reden entdeckt. Scheinbar wird die Kommunikation wichtiger, oder – unfreundlicher formuliert – die Geldpolitik verkommt zur Schwatzbude, in der jedes Wort noch mehr als früher auf die Papiergeldwaage gelegt wird. Die Hoffnungen richten sich darauf, mit verbalen Zusagen den Leitzins noch lange niedrig zu halten oder die Anleihekäufe noch lange fortzusetzen, die langfristigen Zinsen noch einen Hauch zu drücken und der Wirtschaft noch ein wenig mehr Anschub zu geben. Von „guidance“ sprechen die Notenbanker, was sich am besten mit Orientierungshilfe oder geldpolitischer Führung übersetzen lässt.</p>
<p>Der Trend, an der Nullzinsgrenze mehr zu reden und sich verbal für die Zukunft geldpolitisch zu binden, hat einen Pionier: die Bank von Japan. Sie deutete schon 1999 an, den Leitzins so lange bei null Prozent zu halten, bis Deflationssorgen vertrieben seien. <a rel="nofollow" href="http://www.bankofcanada.ca/2013/05/speeches/monetary-policy-after-the-fall/">Mark Carney, der scheidende Gouverneur der Bank von Kanada und künftiger Gouverneur der Bank von England, nennt das die erste Generation der verbalen Führung. </a>Die zweite Generation schuf Carney ein Jahrzehnt später selber, als die Bank von Kanada im April 2009 versprach, den Leitzins bis zum zweiten Quartal 2010 bei 0,25 Prozent zu halten. Neu war nicht nur die zeitliche Festlegung, sondern auch die Nebenbedingung, dass die Einhaltung des Versprechens von der erwarteten Entwicklung der Inflation abhängen werde.</p>
<p>Die dritte Generation der verbalen Führung gebar im vergangenen Dezember die amerikanische Federal Reserve, als sie die Abkehr von der Nullzinspolitik davon abhängig machte, dass die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent oder weniger sinke. Die Fed verknüpfte diese Verheißung mit der Nebenbedingung, dass die mittelfristig erwartete Inflationsrate 2,5 Prozent nicht überschreite. Damit lockerte sie zugleich das Inflationsziel von 2 Prozent, das sie sich erst Anfang 2012 gegeben hatte.</p>
<p>Die Finanzhändler hören solche Versprechen der ausgedehnten Niedrigzinspolitik gerne. Studien deuten darauf hin, dass die Notenbanken mit ihren Versprechungen die Zinserwartungen an den Märkten beeinflussen und den erwünschten Effekt entfalten. Doch ist die Wirkung der reinen Worte nicht immer sauber zu trennen von anderen geldpolitischen Änderungen. Beeindruckte die Fed im Dezember 2012 die Händler mehr mit der Bindung der Nullzinspolitik an die Arbeitslosenquote oder mit der faktischen Aufgabe ihres Inflationsziels? Auch Carney selbst weist darauf hin, dass die verbale Führung und befristete Niedrigzinszusage der Bank von Kanada auch deshalb gewirkt habe, weil die Notenbank zugleich ihre Liquiditätshilfen entsprechend verlängerte.</p>
<p>Die entscheidende Frage aber ist, was die Versprechungen wirklich wert sind. Werden die Notenbanken sich künftig an frühere Zusagen der Niedrigzinspolitik halten, selbst wenn etwa Inflation droht? <a rel="nofollow" href="https://www.ifk-cfs.de/index.php?id=2115">Otmar Issing, der frühere Chefvolkswirt von Bundesbank und der Europäischen Zentralbank, hat daran große Zweifel.</a> Er glaubt nicht, dass Notenbanker sich allein mit verbalen Verrenkungen über lange Zeit glaubwürdig binden können.</p>
<p>Schon der simple Blick auf das Hin und Her der Federal Reserve in den vergangenen Jahren bestätigt die Zweifel an der Bindungskraft der verbalen Orientierungshilfen. Erst versprach die Fed im Dezember 2008 niedrige Zinsen „für einige Zeit“, dann im März 2009 für „ausgedehnte Zeit“. Im August 2011 verhieß sie einen Nullzins bis „mindestens Jahresmitte 2013“, im Januar 2012 bis „mindestens spät im Jahr 2014“, im September bis „mindestens Jahresmitte 2015“. Dann wechselte die Fed im Dezember von der Befristung auf die implizite Zielvorgabe der Arbeitslosenquote und tat so, als ob sie den Arbeitsmarkt tatsächlich steuern könne. Wie dieser stete Wandel der Versprechungen und das Herumprobieren der Fed die erwünschte Sicherheit und Zuversicht über die künftige Geldpolitik bringen soll, ist nicht nur Issing ein Rätsel.</p>
<p>Vor allem aber können die langfristigen verbalen Verheißungen, die in der „modernen Geldpolitik“ so in Mode sind, das Problem der Zeitinkonsistenz nicht lösen. Volkswirte meinen damit Folgendes: Eine Notenbank kann heute alles mögliche für die Zukunft zusagen. Wenn morgen aber Inflationsrisiken höhere Zinsen erfordern, sind die Versprechungen von heute gegenstandslos oder Worte ohne Inhalt. Anders gesagt: Die Notenbanker versprechen heute das Blaue vom Himmel herab und wissen doch, dass sie es morgen im Ernstfall nicht einhalten werden können und dürfen. Die geldpolitischen Erwartungen des Publikums lassen sich glaubwürdig nicht dadurch verankern, dass Notenbanker eine feste Zahl für den Leitzins ankündigen. Dafür bedürfe es schon einer glaubwürdigen geldpolitischen Strategie, die vom Publikum verstanden werde, betont Issing. Damit hat er wohl recht. Den Finanzhändlern ist das freilich egal. Sie lassen sich gerne auf das bloße Spiel der Notenbanker mit den Worten ein und hecheln nach mehr.</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.bankofcanada.ca/2013/05/speeches/monetary-policy-after-the-fall/">Mark Carney (2013): Monetary Policy after the Fall. Eric J. Hanson Memorial Lecture University of Alberta, Edmonton.</a></p>
<p><a rel="nofollow" href="https://www.ifk-cfs.de/index.php?id=2115">Otmar Issing (2013): A New Paradigm for Monetary Policy? CFS Working Paper No. 2013/02.</a></p>
<p><i>Der Beitrag erschien als &#8220;Sonntagsökonom” in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 19. Mai. <i>Die Illustration stammt von Alfons Holtgreve.</i></i></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/welter/">faz-pwe</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Redet mit!</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/18/redet-mit-1591/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 May 2013 12:24:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-jpen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Adam Smith]]></category>
		<category><![CDATA[Marktgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marktlogik]]></category>
		<category><![CDATA[Marktwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Sandel]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Alle Welt diskutiert die Ökonomisierung des Lebens - nur die Ökonomen schweigen dazu. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/18/redet-mit-1591/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-jpen/">faz-jpen</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="ArtikelBild alignright"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-1595" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/kari-212x300.jpg" width="212" height="300" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Illustration Holgreve</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p class="newspaper">Die Wurzeln der Ökonomie als Wissenschaft liegen im Grübeln über Gut und Böse: Adam Smith, der Begründer der modernen Disziplin, nannte sich Moralphilosoph und erforschte Motivation und Folgen menschlichen Handelns. Ohne ihr ethisches Fundament wäre der fulminante Aufstieg der Ökonomie erst gar nicht denkbar gewesen.</p>
<p class="newspaper">Heute schweigen die allermeisten Ökonomen zur Ethik, während andere die Frage nach den moralischen Grenzen des Marktes aufwerfen und lautstark die Ökonomisierung des Lebens anprangern. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück poltert gegen eine &#8220;Marktgesellschaft&#8221;, und Harvard-Philosoph Michael Sandel ist mit seiner Kritik der Marktlogik zu einem Wissenschaftsstar aufgestiegen. Egal auf welchem Kontinent der Bestsellerautor auftritt (<a rel="nofollow" href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteinhc/buch.php?id=42311">&#8220;Was man für Geld nicht kaufen kann&#8221;</a>), Sandel zieht Tausende Zuhörer an. Sein Mantra: Der Markt macht sich auch da breit, wo er nicht hingehört. Wenn auf Gesundheit, Sicherheit oder Umweltschutz ein Preisschild klebt, sorgt das für Ungerechtigkeit und zerstört die Werte.</p>
<p class="newspaper">Das Schweigen der Ökonomen verwundert, denn zum einen fordert Sandel ausdrücklich zur Debatte auf, zum anderen bieten seine Schlussfolgerungen Ökonomen reichlich Angriffsfläche. Da ist zum Beispiel das Experiment mit den israelischen Kindergärten, das Sandel zitiert: Weil Eltern ihre Kinder nachmittags nicht pünktlich abholten und die Erzieher deshalb Überstunden machen mussten, führten Kindergärten ein Bußgeld für Zuspätkommer ein. Eine Idee, die nach hinten losging: &#8220;Die Eltern sahen das Bußgeld als Gebühr an, die sie bereitwillig zahlten&#8221;, schreibt Sandel. Die Zahl der zu spät kommenden Eltern verdoppelte sich nahezu. Und als die Kindergärten die Geldbuße wieder abschafften, ging sie nicht wieder zurück.</p>
<p class="newspaper">Sandel sieht in der Beobachtung seine beiden Hauptargumente bestätigt. Wenn der Markt darüber entscheidet, welches Kind länger bleiben kann, entstehe Ungleichheit, schließlich können sich nur die zahlungskräftigen Eltern die Extrabetreuung leisten. Zugleich korrumpiere die Marktlösung die Tugend der Pünktlichkeit und die Sensibilität dafür, dass auch die Erzieher irgendwann Feierabend machen möchten.</p>
<p class="newspaper">Auf den ersten Blick stimmt das natürlich. Niemand, auch kein Ökonom, würde bestreiten, dass Wettbewerb um knappe Güter, hier die Arbeitszeit der Erzieher, Gewinner und Verlierer hervorbringt. Auch, dass Marktanreize unter Umständen intrinsische Motivation zerstört, gestehen manche Ökonomen inzwischen ein. Darüber zu debattieren, in welchen Lebensbereichen Marktlösungen mit all ihren möglichen Nebeneffekten wünschenswert sind und in welchen Bereichen sie unbedingt außen vor bleiben sollten, ist deshalb ein legitimes Anliegen. Sandels große Anhängerschaft belegt zudem, wie sehr das Thema vielen unter den Nägeln brennt. Gelingen kann die Debatte allerdings nur, wenn wichtige Argumente, die Nicht-Ökonom Sandel vernachlässigt, nicht außen vor bleiben.</p>
<p class="newspaper">Das Kindergarten-Beispiel kann man nämlich auch so lesen: Offenbar besteht bei den Eltern ein Bedürfnis, ihre Kinder später als bisher abzuholen. Erst durch die Gebühr wird die Zahlungsbereitschaft der Eltern sichtbar und somit kalkulierbar. Mit dem zusätzlich eingenommenen Geld können höhere Gehälter gezahlt oder bisher arbeitslose Erzieher beschäftigt werden. Und Sandels zwei Kritikpunkte? Die längeren Öffnungszeiten müssen nicht selektierend wirken, denn auch dem Staat spielt das Entdeckungsverfahren des Marktes in die Karten. Passt er das Betreuungsangebot besser den nun sichtbaren Bedürfnissen der Eltern an, kann jeder das erweiterte Angebot nutzen. Auch die Pünktlichkeit, die in Sandels Beispiel übrigens nicht verschwindet, sondern nur geschwächt ist, dürfte dann wieder zunehmen.</p>
<p class="newspaper">Einzelne Ökonomen sehen die Sprachlosigkeit ihrer Profession kritisch. &#8220;Es ist schwer zu bestreiten, dass die Notwendigkeit an der Debatte über Märkte (und Regierungen) teilzunehmen und sich zu engagieren eine zentrale Verpflichtung der ökonomischen Profession ist&#8221;, schreibt <a rel="nofollow" href="http://www.wcfia.harvard.edu/sites/default/files/Sandel_final200213.pdf">Timothy Besley in seinem jüngst erschienenen Essay</a>. Der Forscher der London School of Economics bezeichnet Sandels Bestseller einerseits als &#8220;großartig&#8221; und empfehlenswert. Andererseits formuliert er eine Kritik, die auch in dieser Zeitung schon zu lesen war (F.A.S. vom 13. Januar 2013): Besley fragt nach der Alternative von Marktlösungen und wirft Sandel vor, diese Frage &#8211; genau wie die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung &#8211; offen zu lassen. &#8220;In früheren Zeiten&#8221;, schreibt Besley, &#8220;war es Sozialismus.&#8221; Tatsächlich geht Sandel in seinem Buch nicht näher auf in der Geschichte gescheiterte alternative Verteilungsmechanismen ein. Auch, dass die &#8220;Marktgesellschaft&#8221; kein neues Phänomen ist, sondern in der Geschichte schon weitaus bedenklichere Blüten getragen hat als heute (Sklaverei, Ablasshandel) kommt bei Sandel nicht vor.</p>
<p class="newspaper">In Deutschland haben der Spieltheoretiker Werner Güth (Max Planck Institut für Ökonomik, Jena) und Hartmut Kliemt (Frankfurt School of Finance &amp; Management) Sandels Thesen kritisch aufgegriffen. <a rel="nofollow" href="http://pubdb.wiwi.uni-jena.de/pdf/wp_2013_003.pdf">In ihrer Studie &#8220;Fairness That Money Can Buy&#8221;</a> kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Geld keineswegs zwangsläufig freiwilliges kooperatives Verhalten zerstören. Wenn zum Beispiel in einer Wettbewerbssituation das Verfahren von allen als fair angesehen wird, verhielten sich die Menschen kooperativ.</p>
<p class="newspaper">Das Fazit erscheint paradox. Wie weit sich der Wettbewerbsmechanismus künftig ausdehnen wird, ist letztlich eine Frage des Wettbewerbs (der Ideen). Denn die Menschen sind mündig genug, um selbst abzuwägen, wo Marktmechanismen überlegen sind und weiterhelfen können &#8211; und wo sie eher Schaden anrichten. Diese Grenze auszutarieren ist eine gesellschaftliche Aufgabe, nicht die von Forschern. Ökonomen können, wenn sie ihr Schweigen brechen, aber eine wichtige Entscheidungshilfe sein.</p>
<p class="newspaper">Michael Sandel: Was man für Geld nicht kaufen kann. Ullstein Buchverlag, 2012.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-jpen/">faz-jpen</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Hollandes zweite Pressekonferenz &#8211; Wohin steuert Frankreich? &#8211; Live!</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 14:01:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Frankreichs Staatschef Hollande hält rund ein Jahr nach seiner Amtsübernahme seine zweite große Pressekonferenz im Festsaal des Elysée-Palasts ab. Eingeladen sind rund 400 Journalisten; auch werden die Mitglieder der Regierung anwesend sein. FAZIT bloggt live. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/16/hollandes-zweite-pressekonferenz-wohin-steuert-frankreich-live-1695/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(16.01) <em>Der Präsident wird nach der Planung mit einer zwanzigminütigen Ansprache beginnen. Daran werden sich Fragen und Antworten anschließen. Wir werden uns auf wirtschafts- und finanzpolitische Themen konzentrieren. (<a href="http://blogs.faz.net/fazit/2012/11/13/fran-ois-hollandes-erste-pressekonferenz-640/">Hier</a> ist unsere Aufzeichnung der ersten Pressekonferenz vor einem halben Jahr.)</em></p>
<p>(16.13) <em>Hollande beginnt:</em> Europa hat Finanzkrise hinter sich gelassen. Das große Problem ist jetzt die Rezession, die das Ergebnis von Austeritätspolitik ist. Rezession bedroht ganz Europa. Mittlerweile gibt es einen realistischeren Ansatz in Europa, um Wirtschaftswachstum und solide Staatsfinanzen miteinander zu vergleichen.</p>
<p>(16.14) Das deutsch-französische Paar ist unverzichtbar.</p>
<p>(16.15) Die Regierung hat bedeutende Reformen angepackt. Beginn der haushaltspolitischen Konsolidierung. Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch unter anderem Senkung der Arbeitskosten. Reform des Arbeitsmarkts mit Hilfe der Sozialpartner; eine Reform, die früher als undenkbar galt. Reform des Bankwesens; Gründung einer öffentlichen Investitionsbank.</p>
<p>(16.20) Man braucht eine europäische Initiative. Europa ist die größte Wirtschaftsmacht der Welt, wird aber als krank und schwach wahrgenommen. Die vier Punkte der europäischen Initiative:</p>
<p>- Gründung einer europäischen Wirtschaftsregierung, das sich monatlich trifft und einen Präsidenten hat.</p>
<p>- Möglichst schnelle Mobilierung von Geldern zur leichteren Eingliederung junger Menschen in den Arbeitsmarkt</p>
<p>- Gründung einer europäischen Gemeinschaft in der Energiepolitik</p>
<p>- Man muss eine europäische Haushaltspolitik installieren mit der Möglichkeit, Anleihen auszugeben.</p>
<p>(16.25) Deutschland tritt für eine stärkere politische Union ein &#8211; Frankreich wird sich dem anschließen: zwei Jahre für die Entwicklung eines Plans</p>
<p>(16.33) Stärkung der Eigenkapitalfinanzierung: Lebensversicherungen sollen leichter in Aktien investieren können. Spezielle Sparpläne zur Bereitstellung von Eigenkapital für kleine und mittelgroße Unternehmen. Revision der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen.</p>
<p>(16.40) Sarkozys Rentenreform war unzureichend. Die Defizite die auflaufen und in Zukunft drohen, sind untragbar. Drei Prinzipien einer neuen Reform:</p>
<p>- Die höhere Lebenserwartung muss berücksichtigt werden.</p>
<p>- Ein höheres Maß an Gleichheit. <em>(Es gibt in Frankreich sehr viele Sonderregelungen für bestimmte Berufsgruppen.)</em></p>
<p>- Reform soll bis Ende des Sommer stehen.</p>
<p>(16.43) Frankreich muss nicht zu Reformen gezwungen werden, Frankreich will reformieren. Frankreich weiß, dass es sich ändern muss, um in einer sich ändernden Welt eine große Nation zu bleiben. Frankreich besitzt das Potential, um sich zu seinem Vorteil zu ändern.Die Arbeitslosigkeit bleibt ein ganz großes Problem.</p>
<p>(16.50) <em>Statt 20 Minuten hat Hollande etwa 45 Minuten geredet. Es wird bei den Fragen und Antworten zunächst um innenpolitische Fragen gehen.</em></p>
<p>(16.51) Frage: Ist Hollande nicht wankelmütig? Zum Beispiel preist er Kostensenkungen für Unternehmen und erhöht gleichzeitig Steuern und Abgaben.</p>
<p>Antwort: Kein Wankelmut. Staatsausgaben sind stabilisiert und werden sinken. Seine Abgabenerhöhungen betrugen letztes Jahr nur 4 Milliarden Euro; die übrigen 12 Milliarden Euro entfielen auf die Vorgängerregierung. Frankreich hat unter anderem mit Deutschland ein Wettbewerbsproblem, man muss sich dem stellen. Er will nicht im Ausland als Präsident der Steuererhöhungen gelten.</p>
<p>(16.57) Frage nach internen Spannungen in der Regierung.</p>
<p>Antwort: Hollande singt ein Loblied auf den stark kritisierten Premierminister Ayrault und spricht ihm für die kommenden Monate weiter sein Vertrauen aus. Es gibt nur eine wirtschaftspolitische Linie in der Regierung; Hollande lobt Finanzminister Moscovicis Arbeit auf dem internationalen Parkett. Eine Regierungsumbildung ist kein aktuelles Thema.</p>
<p>(17.19)<em> Es geht derzeit um reine Innenpolitik&#8230;</em></p>
<p>(17.21) Frage: Will Hollande mit seinen Reformen die französische Linke verändern?</p>
<p>Antwort: Hollande will Frankreich verändern, nicht einzelne politische Lager. Aber auch die französische Linke hat kein Interesse an schwachen französischen Unternehmen.</p>
<p>(17.34)<em> Im Internet ist mehrfach die Frage aufgeworfen worden, inwieweit die Fragen der Journalisten vorher mit dem Elysée abgesprochen worden seien. Die Kollegen von &#8220;Le Monde&#8221; versichern, es sei überhaupt nichts vorher vereinbart worden.</em></p>
<p>(17.37) <em>Hollande lehnt eine Regierung der &#8220;nationalen Einheit&#8221; ab. Für eine solche Regierung hatten sich vor wenigen Wochen in einer Umfrage deutlich mehr als 50 Prozent der befragten Franzosen ausgesprochen. Eine solche Regierung wäre für das in Frankreich verbreitete Lagerdenken sehr ungewöhnlich; zuletzt gab es eine solche Regierung im Jahre 1946. Hollande betont, dass nirgendwo sonst die politische Auseinandersetzung verbal so brutal sei wie in Frankreich. Wenn es gemeinsame Interessen über die Lager hinweg gebe, könne man sie auch gemeinsam verfolgen. Aber eine Regierungsumbildung sei derzeit keine Option.</em></p>
<p>(17.43) <em>In vielen Fragen geht es jetzt darum, wie man die Kaufkraft und die sozialen Standards der Franzosen bewahren und gleichzeitig eine Reformpolitik betreiben kann. Hollande versucht zu verdeutlichen, dass schwache Unternehmen und immer weiter steigende Defizite kein Weg sind, um den Lebensstandard der Franzosen zu sichern. Mehrfach wird die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit erwähnt.</em></p>
<p>(17.51) Frage: Wie ist das Verhältnis zu Angela Merkel?</p>
<p>Antwort: Frankreich und Deutschland haben eine geteilte Verantwortung für Europa, das wissen Merkel und Hollande. Sie dürfen Europa nicht dominieren wollen, müssen aber die Leitlinien geben. Merkel und Hollande haben politische Unterschiede, können aber Kompromisse schließen. Er versteht, dass die Deutschen nicht unbegrenzt für andere zahlen wollen. Wenn Frankreich und Deutschland auseinander fielen, fiele Europa auseinander, und das wäre äußerst schlimm.</p>
<p>(18.08) <em>Man ist jetzt bei der Außenpolitik &#8211; konkret bei Syrien. Kein Thema für FAZIT&#8230;</em></p>
<p>(18.16) Ein Kollege vom SPIEGEL fragt, was Hollande von der auf der französischen Linken vorhandenen Idee hält, wonach an der Krise in Europa vor allem die deutschen Austeritätsforderungen und deutscher Egoismus verantwortlich seien.</p>
<p>Antwort: Es gibt kein persönliches und kein nationales Problem in Europa oder zwischen Frankreich und Deutschland, aber ein politisches. Es geht um die Frage, die man die notwendige Haushaltskonsolidierung mit mehr Wirtschaftswachstum verbindet. Das ist Hollandes Thema seit dem ersten Tag im Elysée. Er ist bereit zu reformieren, aber man braucht dafür haushaltspolitischen Spielraum. Man braucht für Europa ein gemeinsames Projekt und das kann nicht nur die Idee solider Staatsfinanzen sein. Deutschland will nicht isoliert sein und ist kompromissbereit. Frankreich will nicht isoliert sein und ist auch kompromissbereit. Man darf nicht nur von politischer Union reden, sondern muss sie mit Leben füllen.</p>
<p>(18.30) Frage: Kann man sich die Europäische Union ohne Großbritannien vorstellen?</p>
<p>Antwort: Die EU hat auch schon vor dem Eintritt Großbritanniens funktioniert. Er wünscht die Briten in der EU, aber das müssen die Briten selbst entscheiden. Ihm geht es aber in erster Linie um die Weiterentwicklung der Eurozone; Länder, die der Eurozone fernstehen, sollen nicht die Möglichkeit besitzen, die Weiterentwicklung der Eurozone zu blockieren.</p>
<p>(18.35) Frage: In Japan und in den USA belebt sich das Wirtschaftswachstum wegen der aggressiven Geldpolitik dort. Muss man nicht das Statut der EZB ändern?</p>
<p>Antwort: Alle Länder müssten einer Änderung des Statuts zustimmen, aber nicht nur Deutschland ist dagegen. Die EZB hat bereits ihre Zinsen auf nahe Null gesenkt, da geht nicht mehr. Aber die EZB könnte noch etwas für die mittleren und kleineren Unternehmen tun. Das Beispiel Japans zeigt, dass man mehr Liquidität braucht.</p>
<p>(18.40) <em>Hollande hat die Pressekonferenz beendet.</em></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Warum die Amerikaner nervös werden</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/15/warum-die-amerikaner-nervos-werden-1683/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 16:54:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-pwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[BIP]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Euroraum]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinigte Staaten]]></category>
		<category><![CDATA[Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftswachstum]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Im transatlantischen Konjunkturvergleich halten die Amerikaner sich seit der Wirtschaftskrise besser als die Deutschen oder die Europäer. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/15/warum-die-amerikaner-nervos-werden-1683/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/welter/">faz-pwe</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Transatlantische Wachstumsvergleiche zwischen den Vereinigten Staaten und Europa leiden oft darunter, dass die Statistiker dasselbe messen, es aber unterschiedlich ausdrücken. Das Stichwort lautet: Annualisierung. Diese lässt zumindest optisch die Vereinigten Staaten oft besser dastehen. Bei den jetzt veröffentlichen ersten Angaben zum Wachstum im Euroraum und in Deutschland im ersten Quartal 2013 fallen diese statistischen Unterschiede nicht ins Gewicht: Die Zahlen sind auf europäischer Seite ganz einfach schlecht.</p>
<p>Die deutsche Wirtschaft stagniert faktisch und die Euroraum-Wirtschaft schrumpft abermals. Im Vergleich haben die Vereinigten Staaten die globale Wachstumsdelle seit der zweiten Jahreshälfte 2012 besser überstanden. Das gilt auch dann, wenn die Daten – wie in dieser Grafik – wirklich vergleichbar (und für Amerika nicht annualisiert) sind.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-1684" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/20130515-Wachstum-1.jpg" width="391" height="482" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Patrick Welter</span><span class="Bildunterschrift">Wachstumsvergleich 1</span></div>
<p>Nun sind alle diese Daten vergangenheitsorientiert und sie sagen relativ wenig über die künftige konjunkturelle Entwicklung aus. So ist bei weitem noch nicht klar, ob etwa die deutschen oder die amerikanischen Hoffnungen sich erfüllen, dass die Delle überwunden ist oder wird. Ebenso unklar ist, wann der Euroraum die seit Ende 2011 andauernde Rezession überwindet.</p>
<p>Aufschlussreich ist für den transatlantischen Vergleich dennoch, sich die Konjunkturentwicklung in einer anderen Beobachtungsweise anzuschauen und auf die Veränderung des BIP gegenüber dem Vorjahresquartal zu fokussieren. Diese Betrachtungsweise nimmt ein wenig kurzfristiges Gezappel aus den Kurven und lässt den Trend besser erkennen.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-1686" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/20130515-Wachstum-21.jpg" width="391" height="482" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Patrick Welter</span><span class="Bildunterschrift">Wachstumsvergleich 2</span></div>
<p>In diesem Vergleich zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten und den Europäern: Die amerikanische Wirtschaft wächst seit Jahresbeginn 2010 &#8211; unter nur leichten Schwankungen &#8211; mit einer Rate von rund 2 Prozent. Das ist im historischen Vergleich nicht überragend, aber bemerkenswert stabil.</p>
<p>In Deutschland und im Euroraum dagegen gehen die Wachstumsraten (gegenüber dem Vorjahresquartal) seit Jahresbeginn 2011 stetig zurück. Zuletzt waren sie nicht nur im Euroraum, sondern selbst in Deutschland negativ. Das heißt, zum ersten Mal seit der Wirtschaftskrise war die deutsche Wirtschaftsleistung geringer als vor einem Jahr.</p>
<p>Dieser Vergleich zeigt, warum die Amerikaner nervös werden, wenn sie auf das europäische Wirtschaftsdrama schauen: Der seit zwei Jahren andauernde Abwärtstrend der Euro- und der deutschen Wirtschaft ist unübersehbar und bislang nicht gebrochen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/welter/">faz-pwe</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Frankfurts vergessene Notenbank</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/13/frankfurts-vergessene-notenbank-1635/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 12:59:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bank deutscher Länder]]></category>
		<category><![CDATA[BHF-Bank]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Zentralbank]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Bank]]></category>
		<category><![CDATA[Landeszentralbank]]></category>
		<category><![CDATA[Münzgasse]]></category>
		<category><![CDATA[Notenbank]]></category>
		<category><![CDATA[Preußen]]></category>
		<category><![CDATA[Reichsbank]]></category>
		<category><![CDATA[Silber]]></category>
		<category><![CDATA[Silberwährung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Als das Silbergeld in Schubkarren transportiert wurde: Vor der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank gab es am Main die Frankfurter Bank AG. Sie ist mit Unrecht fast völlig vergessen. Denn man kann noch heute viel aus ihrer Geschichte lernen. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/13/frankfurts-vergessene-notenbank-1635/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Die Sachsenhäuser brachten das für die Anzahlung erforderliche Silbergeld auf Schubkarren mit“</em>, heißt es in einer alten Schilderung des Frankfurter Geldwesens. Am Main <em>„konnte man zu jeder Stunde des Vormittags zahlreiche Karren und Lastträger mit Säcken und Fässern Silbergeld in den Straßen in Bewegung sehen.“</em> Zugetragen haben sich diese Szenen in der Mitte des 19. Jahrhunderts; geschildert hat sie <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Winterwerb">Rudolf Winterwerb</a>, der Chronist der ersten Jahrzehnte der Frankfurter Bank. *)</p>
<p>An die Frankfurter Bank erinnert längst nur mehr der Buchstabe „F“ im Namen der heute noch aktiven BHF-Bank. Sie wurde im Jahre 1854 als Notenbank der Freien Reichsstadt Frankfurt gegründet und sollte durch die Ausgabe von Banknoten dem unpraktischen und die Wirtschaftsentwicklung hemmenden Bewegen großer Mengen Silbermünzen ein Ende bereiten. Die Noten der Bank beliefen sich auf den damals als Währung in Süddeutschland verbreiteten Gulden und waren auch jenseits der Stadtgrenzen wegen der Solidität der Bank geschätzt, auch wenn sie kein gesetzliches Zahlungsmittel waren und damit kein Annahmezwang herrschte. So schrieb im Jahre 1885 Meyers Konversationslexikon:<em> „Eine besonders geachtete Stellung nahm in der kaufmännischen Welt von jeher die Frankfurter Bank in Frankfurt a. M. ein.&#8221;</em></p>
<p>Das ursprünglich in der &#8211; nomen est omen &#8211; Münzgasse ansässige Haus begründete eine reiche Tradition. Frankfurt könnte sich mit sehr wohl als „Stadt der Notenbanken“ bezeichnen. Die Stadt beherbergt derzeit die am Willy-Brandt-Platz (und bald im Frankfurter Osten) gelegene Europäische Zentralbank und die wenige Kilometer nördlich im Diebsgrund befindliche Deutsche Bundesbank. Zur Organisation der Bundesbank gehörte einst die für die Notenbankgeschäfte in Hessen zuständige und in der Taunusanlage ansässige Landeszentralbank (deren großer Saal noch heute für allerlei Vorträge und Konferenzen genutzt wird). Der im Jahre 1957 gegründeten Bundesbank ging die 1948 ins Leben gerufene Bank deutscher Länder mit Sitz ebenfalls in der Taunusanlage voraus.</p>
<p>Auch die Gründung der Frankfurter Bank besaß eine lange Vorgeschichte, denn die Etablierung einer eigenen Notenbank wurde am Main mehrfach erwogen und angesichts des Widerstands einflussreicher Privatbankhäuser mehrfach abgelehnt. Es gab aber auch Bedenken in der Frankfurter Politik; die Ausgabe von Papiergeld galt nicht wenigen Traditionalisten als ein fragwürdiges Unterfangen. Erst die Gründung einer eigenständigen Bank in Darmstadt, die man am Main als Bedrohung ansah, veranlasste die Verantwortlichen in Frankfurt, ihr eigenes Projekt zu realisieren.</p>
<p>So wurde die Frankfurter Bank als Aktiengesellschaft gegründet und mit einem strengen Regelwerk versehen, das ihr geschäftliches Abenteurertum verunmöglichen sollte. Die Bank arbeitete stets seriös, was sich an dem guten Ruf ihrer überwiegend durch Edelmetall, aber auch durch Wechsel (also Unternehmenskredite) und Wertpapiere gedeckten Noten ablesen lässt. Sie verdiente ordentliches Geld und schüttete regelmäßig Dividenden aus. Erster Leiter ihrer Geschäftsführung war Wilhelm Isaak Gillé, später von Gillé (1805 bis 1873): <em>&#8220;Gillé hat die größten Verdienste um dieses Institut, das er von kleinen Anfängen schnell zu großer Bedeutung brachte und das er sicher durch die Gefahren der beiden Kriege, wie durch sonstige Krisen steuerte.&#8221;</em></p>
<p><img alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/FrankfurterBank.jpg" width="610" height="569" /></p>
<p>Die Geschichte der Frankfurter Bank ist aber auch die Geschichte einer Notenbank in wirtschaftlich und politisch bewegten Zeiten. Diese Geschichte belegt, dass eine Notenbank in ihrer jeweiligen Zeit lebt und sich, ohne Prinzipien zu verraten, an die Herausforderungen ihrer Zeit anpassen muss, wenn sie ihrer Aufgabe nachkommen will.</p>
<p>Übrigens wurde die Bank anlässlich ihrer Gründung verpflichtet, der Stadt Frankfurt auf Verlangen innerhalb eines von Vornherein festgeschriebenen Rahmens Geld zu leihen. Heute würde man dies als gemeingefährliche Staatsfinanzierung durch die Notenpresse bezeichnen. **)</p>
<p>Zum einen zeigt die Geschichte der Frankfurter Bank, dass auch in Zeiten der Edelmetallwährungen ein beachtliches Auf und Ab an Wirtschaft und Börsen herrschte, das zudem mit grenzüberschreitenden Zu- und Abflüssen von Edelmetallen einher ging. So kam es vor, dass <em>„die Gewölbe der Bank manchmal nicht ausreichten, um die Masse des Silbergeldes zu verwahren. In solchen Fällen musste das Silber in Säcken oder Kasten vorübergehend im Hof untergebracht werden, wo es natürlich von Militär bewacht wurde.“</em></p>
<p>Zu den wichtigsten Geschäften einer Notenbank gehörte damals das Diskontgeschäft, also der Ankauf von in Handelswechseln (mit maximal drei Monaten Laufzeit) verbrieften Unternehmenskrediten mit einem Abschlag („Diskontsatz“). Um den internationalen Geschäftsverkehr der Frankfurter Wirtschaft zu fördern, kaufte die Frankfurter Bank auch ausländische Wechsel an. So hatte im Jahre 1864 <em>„der Verkehr in Wechseln auf auswärtige Plätze unter den Eingangs berührten Umständen ein glänzendes Resultat geliefert.“</em></p>
<p>Gelegentlich ging es schief, indem Wechsel platzten, weil das ausstehende Unternehmen zahlungsunfähig wurde: <em>„Von den durch die Bank hier angekauften, und in der Krise des abgelaufenen Jahre nothleidend gebliebenen Wechsel auf auswärtige Plätze ist ein Theil noch nicht zum Vollen remboursiert worden.“</em> Manchmal dauerte es Jahre, ehe ausstehende Forderungen eingetrieben werden konnten. Hin und wieder verlor die Bank mit einem Wechselgeschäft Geld; ihre Existenz war jedoch wegen solcher Verluste nie bedroht.</p>
<p>Sie war durchaus bereit, traditionelle Grenzen zu überschreiten, wenn die Wirtschaft am Boden lag, um zur Stabilität des Banksystems und der Belebung der Wirtschaft beizutragen. Dies geschah im Anschluss an die Krise nach dem sogenannten Gründerboom in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Nachdem sich die Frankfurter Bank zuvor standhaft geweigert hatte, amerikanische Staatsanleihen als Sicherheit für Kredite zu akzeptieren, gab sie nach und nahm solche Papiere in den Bestand. Amerikanische Staatsanleihen waren nach dem Ende des Bürgerkriegs ein beliebtes Spekulationsobjekt in Europa.</p>
<p>Das Jahr 1866 beendete die Unabhängigkeit Frankfurts, das preußische Provinzstadt wurde, und damit die Glanzzeit der Frankfurter Bank als Notenbank. Die in Berlin ab 1876 agierende Reichsbank wurde Deutschlands führende Notenbank, auch wenn private Emittenten wie die Frankfurter Bank zugelassen blieben und, unter strengem preußischen Reglement, Noten ausgeben durften. Das Geschäft besaß im Schatten der durch die Politik protegierten Reichsbank aber auf Dauer keine Zukunft und so gab die Frankfurter Bank die Notenausgabe zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf.</p>
<p>Ihre Geschichte war damit nicht beendet; Ende des 19. Jahrhunderts baute sie sogar einen neuen Hauptsitz (siehe Bild). Sie etablierte sich als Vermögensverwalter und als Spezialbank für Wertpapiergeschäfte und verdiente damit deutlich mehr Geld als zu ihrer Zeit als Notenbank. Diese Phase endete mit dem Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 verwandelte sie sich in eine Kreditbank für vorwiegend mittelständische Unternehmen &#8211; wiederum mit einem hervorragenden Ruf. Im Jahre 1970 ging sie als Ergebnis eines Zusammenschlusses mit der seit langem befreundeten Berliner Handels-Gesellschaft in der damals neuen BHF-Bank auf.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br />
*) Rudolf Winterwerb: Die Frankfurter Bank 1854-1929.  Druck- und Verlagsanstalt Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 1929. 254 Seiten.</p>
<p>**) Im Zuge der Besetzung Frankfurts durch feindliche preußische Truppen im Jahre 1866 wurde Frankfurt vom siegreichen Militär kurzfristig eine Zahlung von 6 Millionen Gulden auferlegt, die von der Frankfurter Bank in der Not zur Verfügung gestellt wurde, da deren Keller voll mit Silber waren. In der darauf folgenden Hauptversammlung gab es lange Debatten darüber, ob der Vorstand damit die Unabhängigkeit der Bank verraten und eine Art unzulässige Staatsfinanzierung betrieben habe. Nach mehreren Jahren zahlte Preußen die Millionen zurück.</p>
<p>Das Bild zeigt den Ende des 19. Jahrhunderts gebauten neuen Hauptsitz an der Frankfurter Junghofstraße, der im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Bildquelle: BHF-Bank Aktiengesellschaft.</p>
<p>Eine kürzere Version dieses Beitrags ist am 12. Mai 2013 als &#8220;Sonntagsökonom&#8221; in der Frankfurter Allgemeinen Sontagszeitung erschienen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Was einen Ökonomen ausmacht</title>
		<link>http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/08/portrat-eines-guten-okonomen-1614/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 14:10:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-gb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dani Rodrik]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Hierfür gab es viel Lob auf Twitter. Dani Rodrik spricht darüber, was einen guten Ökonomen ausmacht: Vertrautheit mit modernen Methoden, thematisches Ausgreifen und intellektuelle Aufrichtigkeit. Verzichten kann man dagegen auf ideologische Blindheit und Opportunismus. <a href="http://blogs.faz.net/fazit/2013/05/08/portrat-eines-guten-okonomen-1614/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<div class="ArtikelBild alignright"><div class="MediaLink"><img class="wp-image-1633 " title="Dani Rodrik" alt="" src="http://blogs.faz.net/fazit/files/2013/05/Dani_Rodrik_AB.jpg" width="300" height="200" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Andrzej Barabasz, CC-BY-SA-3.0</span><span class="Bildunterschrift">Dani Rodrik</span></div>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.hks.harvard.edu/fs/drodrik/">Dani Rodrik</a> &#8211; in F.A.Z. und FAZIT mehrfach <a rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1716/rodriks-unmoegliches-dreieck-1612995.html">unter anderem hier</a> erwähnt &#8211; ist Rafiq Hariri Professor of International Political Economy an der John F. Kennedy School of Government, die zur Harvard University gehört. Er betätigt sich auch <a rel="nofollow" href="http://rodrik.typepad.com/">als Blogger</a>. Wir fassen <a rel="nofollow" href="http://www.worldeconomicsassociation.org/files/newsletters/Issue3-2.pdf">ein aktuelles Interview</a> zusammen.</p>
<p><em>&#8220;I would say I am pretty conventional and mainstream on methods, but generally much more heterodox on policy conclusions.&#8221;</em></p>
<p>- Neoklassische Mainstream-Ökonomik ist eine extrem wichtige Grundlage: &#8220;You need to state your ideas clearly, you need to ensure they are internally consistent, with clear assumptions and causal links, and you need to be rigorous in your use of empirical evidence.&#8221;</p>
<p>- Mit der Neoklassik lässt sich thematisch weit ausgreifen, wenn man ihre Potentiale nutzt: &#8220;Truly great economists use neoclassical methods for leverage, to reach new heights of understanding, not to dumb down our understanding. Economists such as George Akerlof, Paul Krugman *), and Joe Stiglitz are some of the names that come to mind who exemplify this tradition. Each of them has questioned conventional wisdom, but from within rather than from outside.&#8221; Was implizit auch bedeutet: Wer schon methodisch aus einer Außenseiterposition startet, hat es von Anfang an schwer, ernst genommen zu werden -vor allem, wenn die eigene Methodologie nicht weit führt: &#8220;I often find myself in agreement with those critics on substantive grounds, but find a lot to criticize in their work on methodological grounds.&#8221;</p>
<p>- Weil die Welt kompliziert ist, kann es nicht <em>das </em>Modell zur Erklärung der Welt geben. Es kommt darauf an, was man als Ökonom untersuchen will. Ein Beispiel: <em>&#8220;A market behaves differently when there are many sellers than when there are a few. Even when there are a few sellers, the outcomes differ depending on the nature of strategic interactions among them. When we add imperfect information, we get even more possibilities. The best we can do is to understand the structure of behaviour in each one of these cases, and then have an empirical method that helps us apply the right model to the particular context we are interested in. So we have &#8216;one economics, many recipes,&#8217;&#8230;&#8221;<br />
&#8220;However, contemporary economics in North America has one great weakness, and that is the excessive focus on methods at the expense of breadth in terms of social and historical perspective. PhD programs now train applied mathematicians and statisticians rather than real economists. To become a true economist, you need to do all sorts of reading from history, sociology, and political science among other disciplines that you are never required to do as a graduate student. The best economists today find a way of filling this gap in their education.&#8221;</em></p>
<p>-  Ein ernstes Problem besteht darin, dass Ökonomen nicht aufrichtig mit ihren Forschungen umgehen, wenn ihnen die politischen Konsequenzen nicht gefallen: <em>&#8220;A peculiar deformation of mainstream economics is the tendency to pooh-pooh the real-world relevance of all the theoretical reasons market fail and government intervention is desirable. This sometimes reaches comical proportions.&#8221;</em></p>
<p>- Als Beispiel nennt Rodrik Außenhandelsökonomen, die ihre theoretische Reputation auf der Untersuchung von Abweichungen vom Freihandelsideal aufgebaut haben, aber politisch uneingeschränkt Freihandel verteidigen: &#8220;Somehow, the minds of these analytically sophisticated thinkers turn into mush when they are forced to take seriously the policy implications of their own models. So ironically, I think my heterodox approach has stronger foundations in mainstream economic methods than the views of many of the mainstream economists themselves.&#8221;</p>
<p>- Die Sozialisation von Ökonomen scheint ein ausgeprägtes Gruppenverhalten zu begünstigen: &#8220;There are powerful forces having to do with the sociology of the profession and the socializationprocess that tend to push economists to think alike.Most economists start graduate school not having spent much time thinking about social problems or having studied much else besides math and economics. The incentive and hierarchy systems tend to reward those with the technical skills rather than interesting questions or research agendas. An in-group versus out-group mentality develops rather early on that pits economists against other social scientists.&#8221; Das erschwert die Zusammenarbeit zum Beispiel mit Politologen oder Soziologen.</p>
<p>- Ein politisch motiviertes Gruppenverhalten unter Ökonomen tritt hinzu. Als Rodrik auf einer Konferenz ein Paper vorstellte, das allzu optimistische Wachtumsgewinne als Ergebnis von Freihandel in Frage stellte, wurde er gefragt: &#8220;Warum schreibst Du so etwas?&#8221; Eine andere Arbeit, die Globalisierung nicht unkritisch pries, brachte ihm den Vorwurf ein, er würde &#8220;die Barbaren mit Munition&#8221; versorgen.</p>
<p>- Seinen eigenen Kopf zu haben, kostet &#8211; jedenfalls einen etablierten Mann wie Rodrik, aber für Nachwuchskräfte mag dies anders aussehen &#8211; dennoch nicht zwingend den Kopf: &#8220;But ultimately, the reward of challenging conventional wisdom that has gone too far is that you are eventually proved right&#8230;.And many of the arguments I made about the contingent nature of the benefits from trade and financial globalization are much closer to the intellectual mainstream today than they were at the time. I do not think of this as a great achievement. These changes were bound to happen, and I essentially rode the wave.&#8221;</p>
<hr width="100%" />
<p>*) Hier ist offenbar der junge Paul Krugman gemeint, der mit Arbeiten zur Außenhandelstheorie für Furore sorgte und dafür einen Nobelpreis gewann &#8211; aber nicht unbedingt der heutige Blogger Paul Krugman (obgleich der Blogger Krugman- egal, was man von ihm hält &#8211; auf seine Weise auch ein Phänomen ist, das vielleicht einmal einen Beitrag lohnt.)</p>
<p>Und da wir gerade bei bloggenden Ökonomen sind:</p>
<p>Justus Haucap bloggt jetzt auch:</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://edgeworthblogs.wordpress.com/">http://edgeworthblogs.wordpress.com/</a> Herzlichen Glückwunsch zum Start und viel Erfolg!</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/fazit/author/faz-gb/">faz-gb</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/fazit">Fazit - das Wirtschaftsblog</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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