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Wok-WM: Pro Sieben macht Dauerwerbesendung zur "Dauerwerbesendung"

21.01.2009, 14:49 Uhr  ·  Pro Sieben will seine "Wok-WM 2009" als "Dauerwerbesendung" kennzeichnen, um weiter Sponsorenlogos im Programm zeigen zu können. Und muss dafür auf einen Großteil der Werbeunterbrechungen im Tagesprogramm verzichten.

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Wenn Sie am 7. März noch nichts vorhaben, dann schalten Sie doch mal Pro Sieben ein. Allein schon, um zu staunen. Denn an diesem Samstag wird der Sender vermutlich so wenige Werbeunterbrechungen zeigen wie noch nie – und das liegt nicht bloß daran, dass es im Werbemarkt eh gerade mau aussieht.

Pro Sieben will tagsüber freiwillig auf einen Großteil der erlaubten Minuten für Werbespots verzichten, um seine “TV total Wok-WM” zu retten. Die ist in ihrer bisherigen Form von der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) untersagt worden, weil unter anderem auf Trikots und am Rande der Bobbahn ständig Logos von Sponsoren zu sehen sind (bzw. deren Namen von den Kommentatoren genannt werden), was in Unterhaltungssendungen nicht zulässig ist. Im Dezember hat das Verwaltungsgericht Berlin das Verbot bestätigt. Und Pro Sieben will die “Wok-WM” jetzt einfach als “Dauerwerbesendung” kennzeichnen, konkret: als “gefährlichste Dauerwerbesendung der Welt”.

Bild zu: Wok-WM: Pro Sieben macht Dauerwerbesendung zur "Dauerwerbesendung"
Screenshot: Pro Sieben

Das ist eine ziemlich clevere Lösung, und lustig noch dazu – aber auch eine knifflige Angelegenheit.

Denn laut den Werberichtlinien der Landesmedienanstalten dürfen Privatsender am Tag lediglich 20 Prozent ihrer Sendezeit für Werbung verwenden, also 288 Minuten. Und weil die “Wok-WM” nicht gerade für ihre Kürze bekannt ist, wird sie einen wesentlichen Teil dieser Zeit beanspruchen. Um nicht den ganzen Tag über auf Werbepausen verzichten zu müssen, will Pro Sieben die “Wok-WM” auf exakt vier Stunden begrenzen, von 20.15 Uhr bis 0.15 Uhr. “Wir werden sehr genau darauf achten, diese Zeit einzuhalten”, sagt ein Pro Sieben-Sprecher. (2008 dauerte die “Wok-WM” bis 0.48 Uhr, 2007 bis 0.34 Uhr – wenn Stefan Raab sich ein bisschen sputet oder ein Team weniger die Bobbahn runterschickt, ist das also ganz gut machbar.)

Damit bleiben von 288 Minuten 48 übrig, die auf Werbeunterbrechungen im Tagesprogramm verwendet werden können. Die Zeit, in der tagsüber sonst Platz für Werbung gewesen wäre, wolle man mit “zusätzlichem Programm” füllen, heißt es in München – und das bedeutet dann: weniger Unterbrechungen.

Genauso soll es beim Qualifying einen Tag vorher laufen, das ebenfalls als “Dauerwerbesendung” gekennzeichnet wird und von 22.15 bis 0.15 Uhr gezeigt wird. (Deshalb ist für den Samstag auch vernachlässigbar, dass um 0 Uhr ein neuer Tag beginnt und 15 Minuten der Werbezeit eigentlich auf den Sonntag gerechnet werden müssten.)

Für die Zuschauer wird sich am Abend gar nicht so viel ändern – außer, dass die Sendung kontinuierlich als Werbung gekennzeichnet sein wird. Während der “Wok-WM” wird es trotzdem klassische Werbepausen geben, in denen normale Spots laufen (kurioserweise können nämlich auch Dauerwerbesendungen mit Werbung unterbrochen werden).

Ob sich die Aktion für Pro Sieben finanziell wirklich lohnt, verrät beim Sender natürlich niemand. Fest steht nur: ohne Sponsoren könnte sich Pro Sieben die “Wok-WM” nicht mehr leisten. Dass die Einnahmen des Senders am 7. März aber noch mehr als sonst vom Erfolg der “Wok-WM” abhängen, ist ein ziemliches Risiko. Und ausgerechnet an diesem Samstag läuft bei RTL im Gegenprogramm zur “Wok-WM” die erste Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” mit den zehn Finalisten.

 
 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.