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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Wok-WM: Pro Sieben macht Dauerwerbesendung zur "Dauerwerbesendung"

| 9 Lesermeinungen

Pro Sieben will seine "Wok-WM 2009" als "Dauerwerbesendung" kennzeichnen, um weiter Sponsorenlogos im Programm zeigen zu können. Und muss dafür auf einen Großteil der Werbeunterbrechungen im Tagesprogramm verzichten.

Wenn Sie am 7. März noch nichts vorhaben, dann schalten Sie doch mal Pro Sieben ein. Allein schon, um zu staunen. Denn an diesem Samstag wird der Sender vermutlich so wenige Werbeunterbrechungen zeigen wie noch nie – und das liegt nicht bloß daran, dass es im Werbemarkt eh gerade mau aussieht.

Pro Sieben will tagsüber freiwillig auf einen Großteil der erlaubten Minuten für Werbespots verzichten, um seine “TV total Wok-WM” zu retten. Die ist in ihrer bisherigen Form von der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) untersagt worden, weil unter anderem auf Trikots und am Rande der Bobbahn ständig Logos von Sponsoren zu sehen sind (bzw. deren Namen von den Kommentatoren genannt werden), was in Unterhaltungssendungen nicht zulässig ist. Im Dezember hat das Verwaltungsgericht Berlin das Verbot bestätigt. Und Pro Sieben will die “Wok-WM” jetzt einfach als “Dauerwerbesendung” kennzeichnen, konkret: als “gefährlichste Dauerwerbesendung der Welt”.

Bild zu: Wok-WM: Pro Sieben macht Dauerwerbesendung zur "Dauerwerbesendung"
Screenshot: Pro Sieben

Das ist eine ziemlich clevere Lösung, und lustig noch dazu – aber auch eine knifflige Angelegenheit.

Denn laut den Werberichtlinien der Landesmedienanstalten dürfen Privatsender am Tag lediglich 20 Prozent ihrer Sendezeit für Werbung verwenden, also 288 Minuten. Und weil die “Wok-WM” nicht gerade für ihre Kürze bekannt ist, wird sie einen wesentlichen Teil dieser Zeit beanspruchen. Um nicht den ganzen Tag über auf Werbepausen verzichten zu müssen, will Pro Sieben die “Wok-WM” auf exakt vier Stunden begrenzen, von 20.15 Uhr bis 0.15 Uhr. “Wir werden sehr genau darauf achten, diese Zeit einzuhalten”, sagt ein Pro Sieben-Sprecher. (2008 dauerte die “Wok-WM” bis 0.48 Uhr, 2007 bis 0.34 Uhr – wenn Stefan Raab sich ein bisschen sputet oder ein Team weniger die Bobbahn runterschickt, ist das also ganz gut machbar.)

Damit bleiben von 288 Minuten 48 übrig, die auf Werbeunterbrechungen im Tagesprogramm verwendet werden können. Die Zeit, in der tagsüber sonst Platz für Werbung gewesen wäre, wolle man mit “zusätzlichem Programm” füllen, heißt es in München – und das bedeutet dann: weniger Unterbrechungen.

Genauso soll es beim Qualifying einen Tag vorher laufen, das ebenfalls als “Dauerwerbesendung” gekennzeichnet wird und von 22.15 bis 0.15 Uhr gezeigt wird. (Deshalb ist für den Samstag auch vernachlässigbar, dass um 0 Uhr ein neuer Tag beginnt und 15 Minuten der Werbezeit eigentlich auf den Sonntag gerechnet werden müssten.)

Für die Zuschauer wird sich am Abend gar nicht so viel ändern – außer, dass die Sendung kontinuierlich als Werbung gekennzeichnet sein wird. Während der “Wok-WM” wird es trotzdem klassische Werbepausen geben, in denen normale Spots laufen (kurioserweise können nämlich auch Dauerwerbesendungen mit Werbung unterbrochen werden).

Ob sich die Aktion für Pro Sieben finanziell wirklich lohnt, verrät beim Sender natürlich niemand. Fest steht nur: ohne Sponsoren könnte sich Pro Sieben die “Wok-WM” nicht mehr leisten. Dass die Einnahmen des Senders am 7. März aber noch mehr als sonst vom Erfolg der “Wok-WM” abhängen, ist ein ziemliches Risiko. Und ausgerechnet an diesem Samstag läuft bei RTL im Gegenprogramm zur “Wok-WM” die erste Mottoshow von “Deutschland sucht den Superstar” mit den zehn Finalisten.

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9 Lesermeinungen

  1. Das ist auf jeden Fall eine...
    Das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Angelegenheit. Galt diese Regelung auch schon in den 90ern, als es noch sehr viel mehr Dauerwerbesendungen gab (Glücksrad, Der Preis ist heiss etc.)?

  2. @spiros81: Puh, gute Frage....
    @spiros81: Puh, gute Frage.

  3. Ziemlich bitter was Pro 7 da...
    Ziemlich bitter was Pro 7 da für einen Eiertanz aufführen muss wegen irgendwelchen halbgaren Werberichtlinien gegen angebliche Schleichwerbung.

  4. @spiros81: Ich weiß nicht,...
    @spiros81: Ich weiß nicht, wie die Regelung damals war, aber mit der heutigen Regelung wären diese Sendungen wohl kein Problem, das sie ja nicht vier Stunden dauern: Nach den Werberichtlinien darf man insgesamt 20% der Sendezeit für Werbung aller Art verwenden. Für Werbespots sowieso nur 15%, das heißt es bleiben noch 5% vom Tag, also 72 Minuten, für Dauerwerbesendungen.

  5. wie ist das bei Fußball etc?...
    wie ist das bei Fußball etc? da hängen doch am Rand auch immer Banner rum?

  6. Fußball ist wohl nicht als...
    Fußball ist wohl nicht als Unterhaltungssendung gekennzeichnet sonder als Sportsendung. Daher werden andere Richtlinien gelten.
    Ich finde die Auflage allerdings sehr richtig, da es einfach eine reine Werbeveranstaltung IST. Die erste W-WM war noch schön mit anzusehen aber schon bei der zweiten habe ich nach 20 Minuten umgeschaltet.

  7. Also nachdem ich die Sendung...
    Also nachdem ich die Sendung heute verfolgt habe muss ich meinem Vorredner doch gehörig recht geben. Es ist schon extrem störend wenn alle 15 Sekunden ein Markenname zu hören und alle 0,2 Sekunden ein Logo einer Firma zu sehen ist. Ich finde es irgendwie erschreckend wenn man eine Sendung als Dauerwerbesendung kennzeichnen muss weil so viel geschmackloses Product Placement vorgenommen wird. Ist schade dass es nicht anders zu gehen scheint!

  8. In sämtlichen Filmen wird...
    In sämtlichen Filmen wird doch Schleichwerbung betrieben??

  9. Werbung muss sein, aber bei...
    Werbung muss sein, aber bei mir führt das meistens zum Umschalten. Und nacher weiß ich nicht mehr was ich eigentlich gerade sehe, oder habe keine Lust mehr darauf.

Kommentare sind deaktiviert.