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Dschungeltagebuch (4): Gottschalk versteht die Jugend nicht

25.01.2009, 22:56 Uhr  ·  In "Bild" hatte Thomas Gottschalk vorher noch gelästert, RTL sei es bestimmt nicht Recht, Ingrid van Bergen mit ihren 77 Jahren zur Dschungelkönigin zu machen, weil sie ja nicht mehr zur werberelevanten Zielgruppe gehöre. Aber dann sahen doch ein paar junge Menschen zu, wie genau das passierte. Mehr als bei "Wetten dass..?"

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Mit “I Still Remember” von Bloc Party und einem hübschen Zusammenschnitt der schönsten Szenen aus dem Camp ging am Samstagabend die vierte Staffel von “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” zu Ende. Und mit einer Dschungelkönigin namens Ingrid van Bergen, über die Thomas Gottschalk, der zeitgleich mit “Wetten dass..?” im ZDF sendete, zuvor in der “Bild”-Zeitung geschrieben hatte:

“Die ist aber auch sowas von jenseits der umworbenen jugendlichen Zielgruppe, dass es den Werbestrategen von RTL geradezu schlecht werden muss. Die würden lieber Känguruschwanz schlucken, als die 77-Jährige als Dschungelkönigin feiern zu müssen.”

Wie sich die Werbestrategen von RTL derzeit fühlen, ist nicht überliefert. Aber wir tippen mal: ganz gut. Obwohl Gottschalk mit seiner (nachher in “Wetten dass..?” wiederholten) Theorie sogar ein bisschen Recht haben könnte: Es ist eher unwahrscheinlich, dass van Bergen so wie ihr Vorgänger Ross Antony künftig die Hälfte des RTL-Programms moderiert. Aber das wird RTL nicht ins Unglück stürzen, vor allem, weil die Sendungen des nun nicht mehr amtierenden Dschungeloberhaupts Ross nicht gerade Quotenknaller waren.

Entgegen Gottschalks Auffassung, junge Menschen würden sich im Fernsehen nur für junge Menschen interessieren, sahen am Samstag eine ganze Menge junger Leute zu, wie eine 77-Jährige Dschungelkönigin wurde, nämlich 4,63 Millionen (auch dann noch, als van Bergen nach der Entscheidungsverkündung minutenlang alleine im Bild war und schweigend so etwas wie Dankesgebete gen Himmel sandte). Die auf jugendlich-peppig getrimmte “Wetten dass..?”-Sendung, die kurz davor zu Ende gegangen war, interessierte immerhin noch 3,03 Millionen Zuschauer. Aber Gottschalk hätte es deutlich besser gestanden, weniger über die Konkurrenz zu lästern und einfach seine Show zu machen.

Der einzige, der mit seinem Unverständnis darüber, welche seltsamen Sendungen ihm inzwischen Konkurrenz machen, an diesem Abend alt gewirkt hat, war nämlich er selbst.

 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.