Home
Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Was soll das Pilawa?

| 7 Lesermeinungen

Es mag ja sein, dass es ein bisschen Volkssport geworden ist, auf Jörg Pilawa rumzuhacken, weil er für die ARD hunderte Quiz-Sendungen moderiert, die allesamt nach demselben Prinzip funktionieren. Aber was der ARD-Moderator am Samstag bei "Wetten dass..?" mit seiner kämpferischen Gutgelauntheit ablieferte, war einfach nur daneben.

Wenn Jörg Pilawa in Urlaub fährt, dann wahrscheinlich nur im Laster, weil sonst sein Ego zuhause bleiben müsste. Das ist inzwischen so groß, das passt unmöglich noch in den Kofferraum.

Und gleich vorneweg, nur um das klarzustellen: Es mag ja sein, dass es ein bisschen Volkssport geworden ist, auf Pilawa rumzuhacken, weil er für die ARD hunderte Quiz-Sendungen moderiert, die allesamt nach demselben Prinzip funktionieren. Man muss ihn ja auch nicht mögen, mit seiner gewollt kumpeligen Art, und der Arroganz, die er in Interviews raushängen lässt, in denen er ständig ankündigt, dass er bald mal kürzer treten wolle, das aber dann doch nie macht. Seit Samstagabend allerdings gehört Jörg Pilawa bei mir nicht mehr in die Oliver-Geißen-Schublade (nervig aber harmlos), sondern in die ganz unterste (die noch ohne endgültige Beschriftung ist).

Am Samstag nämlich war Pilawa zum ersten Mal bei „Wetten dass..?“ zu Gast und versuchte, mit einer kämpferischen Gutgelauntheit (die sich auch in diesem Video-Interview besichtigen lässt) während der kompletten Sendung wahnsinnig routiniert zu wirken – bewies aber bloß, wie wenig Ahnung er davon hat, wo die Grenze zwischen witzig und peinlich verläuft.

Als er neben Gottschalk auf der Couch saß und davon erzählte, wie er im Urlaub nackt „Jingle Bells“ auf der Gitarre geübt hat, dauerte es exakt anderthalb Sekunden zu lange bis das Publikum begriff, dass das eine Geschichte sein sollte, nach der man applaudiert. Als Tom Cruise da war, erzählte Pilawa, dass er gestern extra ins Kino gegangen sei, obwohl er am Anfang Kritiker des Cruise-Films „Operation Walküre“ gewesen sei, dann aber Jugendliche vor ihm beobachtet habe, die sich wegen des Films wahrscheinlich zum ersten Mal mit Geschichte befasst hätten – und die Anekdote wirkte unglaublich zurecht gelegt.

Den Wettkandidaten, der mit seiner Zunge Süßstofftabletten aus Mausefallen schnalzte, nahm er in den Schwitzkasten, weil der neben ihm eine Falle losgehen ließ als Pilawa es selbst versuchen wollte und stattdessen furchtbar erschrak (vielleicht auch darüber, dass jemand anders, noch dazu ein Laie, vor ihm einen Lacher gelandet hatte).

Bild zu: Was soll das Pilawa?
Screenshot: ZDF

Und als er nachher seine Wettschuld einlöste und als Marktschreier frische Fische ans johlende Publikum bringen sollte, geriet das so aggressiv, dass es schon zum Schämen war. Der Offenburger Oberbürgermeisterin warf er in der ersten Reihe eine Ladung Fisch vor die Füße, einen Zuschauer holte er aus dem Publikum an den Fischwagen heran, steckte die Geldbörse der Freundin ein, und ließ den Mann nachher, als Pilawa sich seinen Applaus beim Publikum abholte, einfach stehen ohne sich zu bedanken.

Als der Zuschauer auch noch die Geldbörse zurückhaben wollte, watschte Pilawa ihn ab: „Später.“ Und ging. Händewaschen. (Im Video bei zdf.de fehlt diese letzte Szene.)

Bild zu: Was soll das Pilawa?
Screenshots: ZDF

Es war der Auftritt eines Mannes, der glaubt, ganz genau zu wissen, dass das Publikum ihn liebt, und der mit jedem einzelnen Witz, jeder lustig gemeinten Spontaneität zu weit geht, der – im Gegensatz zu Gottschalk – vor allem keine Ahnung hat, wie man mit Menschen umgeht. Aber sich trotzdem über Kollegen lustig macht. „Ich finde es ja gut, dass es solche Sendungen gibt, weil es viele Kollegen gibt, die nichts mehr verdienen, und da verdienen sie was“, lästerte Pilawa über die Dschungel-Kandidaten von RTL. Dabei würde man ihn selbst gerne mal im Dschungel sehen, einfach nur, um mitzukriegen, was wirklich hinter der Kumpelmaskerade steckt.

Bis es soweit ist, kann man Pilawa nur wünschen, dass er noch viele, viele Quizsendungen moderieren darf. Denn wenn ihm irgendwann mal einer sein Pult wegnimmt und damit die Distanz zwischen ihm und seinen Kandidaten aufhebt, würde das zwangsläufig in der Katastrophe enden.

0

7 Lesermeinungen

  1. Eigentlich fand ich Pilawa...
    Eigentlich fand ich Pilawa bisher recht symphatisch – vor allem durch seine fast tägliche Quiz-Sendung.
    Doch bei Gottschalk zeigte er ein anderes Gesicht. Seine gezwungene Coolness wirkte affektiert. Es war einer dieser Momente, wo man zu Hause vor Peinlichkeit im Erdboden versinkt, obwohl man selbst nichts damit zu tun hat.
    Mit so einem Auftreten kann Jörg Pilawa seinen Ruf als perfekter Schwiegersohn bald vergessen und sich dann auch einen neuen Job suchen. Vielleicht wieder zurück zu den Anfängen seiner Karriere, als er bei Sat1 Talk-Show-Moderator im Nachmittagsfernsehen war?

  2. Warum ist der Zuschauer...
    Warum ist der Zuschauer verpixelt? Und nicht Pilawa?

  3. <p>@reiherkopf: Es gibt eben...
    @reiherkopf: Es gibt eben Menschen, mit denen man im Fernsehen nicht erkannt werden will. (Also, ich meine: der Zuschauer nicht mit Pilawa. Quasi ein Schutzpixel.)

  4. ich kam auf diese seite,...
    ich kam auf diese seite, nachdem ich in eine suchmaschine „wetten dass pilawa scheisse“ eingegeben hatte. und ich muß sagen: gut gesehen, herr autor. kam es mir nur so vor, oder hatten sich pilawa und mittermeier auch nur ganz kurz begrüsst? auch wenn mittermeier meist zu viel rumhampelt und blödkaspert, hat er ja wohl an dem abend gelegentlich mal voll ins schwarze getroffen. ist eben nicht so weichgespült wie der andere entertainer von gottes gnaden. noch was zu gottschalk. seine angeblich flachen interviews, seine sogenannten altherrenwitze werden immer wieder kritisiert. wartet, freunde, wer oder was nach ihm kommt. viele möchtegerns haben sich ja schon mehr oder weniger für den mörderischen job auf der couch beworben (raab, kerner, kerkeling, jauch, was weiß ich). aber niemand im deutschen fernsehen schafft es, so charmant und irgendwie liebenswürdig, gleichzeitig mit welt-stars aus amiland, deutschen ministern, supermodels, 12jährigen teenagern, einem baumarktleiter und 2000 menschen im saal – einfach nur (auf gleicher ebene!) ein bißchen zu quatschen. denn: that´s the show! (klasse, wie der gottschalk am samstag mal eben den alten drummer von ganz hinten vorgestellt hat.) und, so ganz nebenbei, hat der thommi den laden trotzdem immer voll im griff. das kann nur er. insofern ist wetten dass immer noch der letzte lichtblick im deutschen tv-showbiz. auch wenn´s langsam dunkler wird.

  5. <p>Sind wir doch mal...
    Sind wir doch mal ehrlich…
    Jeder massenunterhaltungsorientierter Sender hat (s)einen Pilawa. Bei RTL heißt der eben Geissen, bei Sat1 ist`s Herr Balder, RTL züchtet ja mit Marco „The Body“ Schreyl schon einen Geissen-Klon nach. Irgendwo habe ich mal gehört: „Um im Medienbusiness Erfolg zu haben, musst Du hinter der Kamera antiproportionaler Arschloch sein als Du vor der Kamera nett bist!“ Meine Erfahrungen mit einem Herrn Geissen (mehrmals zu Gast in einer seiner Sendungen) haben gezeigt: Das scheint zu stimmen. Kamera aus, schon geht das Genörgle und die raushängende Arroganz los. Fast so wie im Film „Kein Pardon“ mit H. P. Kerkeling und Heinz Schenk.
    Mich schockt da nix mehr, zumal ja davon auszugehen ist, dass zwischen dem normalen TV-Pöbel und den „Ich könnte mit euch allen Pferde klauen“-Diven eine ordentliche Distanz herrscht. Man sollte nur darauf achten, diese Rolle in JEDER Situation zu beherrschen und natürlich jegliche Meinungsäusserung z.B. in sendereigenen Internetforen ordentlich zu filtern – was Beweis genug für eine gewisse Kritikfeigheit und Ego-Armut sein sollte. Aber im Gegenzug immer nach „Meinungsfreiheit für die Medien“ rufen. Ich schließe mit dem Zitat:
    „Es gibt zwei Arten von Moral. Eine, die man predigt aber niemals leben würde und eine die man lebt aber niemals predigen würde.“
    In diesem Sinne….

  6. Ihr habt also wirklich nichts...
    Ihr habt also wirklich nichts besseres zu tun, als den ganzen Tag auf irgendwelchen sympathischen Moderatoren rumzuhacken?
    Euren Neid hört man ganz deutlich aus eurer Wortwahl heraus.
    An einem Sontagabend einen Text (mit fast 50 Zeilen dummen Gerede) zu verfassen… dazu fällt mir echt nichts mehr ein.
    Zumindest befriedigt mich das Gefühl, dass ich weiß, dass Jörg Pilawa nach wie vor im Fernsehen zu sehen sein wird und eure unnötigen Unterhaltungen nichts daran ändern werden. Sucht euch lieber ein anderes Hobby.
    Jörg, du bist Spitze! 😉

  7. Bitte nicht Pilawa für Wetten...
    Bitte nicht Pilawa für Wetten Dass!!! Alle anderen sind besser

Kommentare sind deaktiviert.