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Was soll das Pilawa?

25.01.2009, 19:08 Uhr  ·  Es mag ja sein, dass es ein bisschen Volkssport geworden ist, auf Jörg Pilawa rumzuhacken, weil er für die ARD hunderte Quiz-Sendungen moderiert, die allesamt nach demselben Prinzip funktionieren. Aber was der ARD-Moderator am Samstag bei "Wetten dass..?" mit seiner kämpferischen Gutgelauntheit ablieferte, war einfach nur daneben.

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Wenn Jörg Pilawa in Urlaub fährt, dann wahrscheinlich nur im Laster, weil sonst sein Ego zuhause bleiben müsste. Das ist inzwischen so groß, das passt unmöglich noch in den Kofferraum.

Und gleich vorneweg, nur um das klarzustellen: Es mag ja sein, dass es ein bisschen Volkssport geworden ist, auf Pilawa rumzuhacken, weil er für die ARD hunderte Quiz-Sendungen moderiert, die allesamt nach demselben Prinzip funktionieren. Man muss ihn ja auch nicht mögen, mit seiner gewollt kumpeligen Art, und der Arroganz, die er in Interviews raushängen lässt, in denen er ständig ankündigt, dass er bald mal kürzer treten wolle, das aber dann doch nie macht. Seit Samstagabend allerdings gehört Jörg Pilawa bei mir nicht mehr in die Oliver-Geißen-Schublade (nervig aber harmlos), sondern in die ganz unterste (die noch ohne endgültige Beschriftung ist).

Am Samstag nämlich war Pilawa zum ersten Mal bei “Wetten dass..?” zu Gast und versuchte, mit einer kämpferischen Gutgelauntheit (die sich auch in diesem Video-Interview besichtigen lässt) während der kompletten Sendung wahnsinnig routiniert zu wirken – bewies aber bloß, wie wenig Ahnung er davon hat, wo die Grenze zwischen witzig und peinlich verläuft.

Als er neben Gottschalk auf der Couch saß und davon erzählte, wie er im Urlaub nackt “Jingle Bells” auf der Gitarre geübt hat, dauerte es exakt anderthalb Sekunden zu lange bis das Publikum begriff, dass das eine Geschichte sein sollte, nach der man applaudiert. Als Tom Cruise da war, erzählte Pilawa, dass er gestern extra ins Kino gegangen sei, obwohl er am Anfang Kritiker des Cruise-Films “Operation Walküre” gewesen sei, dann aber Jugendliche vor ihm beobachtet habe, die sich wegen des Films wahrscheinlich zum ersten Mal mit Geschichte befasst hätten – und die Anekdote wirkte unglaublich zurecht gelegt.

Den Wettkandidaten, der mit seiner Zunge Süßstofftabletten aus Mausefallen schnalzte, nahm er in den Schwitzkasten, weil der neben ihm eine Falle losgehen ließ als Pilawa es selbst versuchen wollte und stattdessen furchtbar erschrak (vielleicht auch darüber, dass jemand anders, noch dazu ein Laie, vor ihm einen Lacher gelandet hatte).

Bild zu: Was soll das Pilawa?
Screenshot: ZDF

Und als er nachher seine Wettschuld einlöste und als Marktschreier frische Fische ans johlende Publikum bringen sollte, geriet das so aggressiv, dass es schon zum Schämen war. Der Offenburger Oberbürgermeisterin warf er in der ersten Reihe eine Ladung Fisch vor die Füße, einen Zuschauer holte er aus dem Publikum an den Fischwagen heran, steckte die Geldbörse der Freundin ein, und ließ den Mann nachher, als Pilawa sich seinen Applaus beim Publikum abholte, einfach stehen ohne sich zu bedanken.

Als der Zuschauer auch noch die Geldbörse zurückhaben wollte, watschte Pilawa ihn ab: “Später.” Und ging. Händewaschen. (Im Video bei zdf.de fehlt diese letzte Szene.)

Bild zu: Was soll das Pilawa?
Screenshots: ZDF

Es war der Auftritt eines Mannes, der glaubt, ganz genau zu wissen, dass das Publikum ihn liebt, und der mit jedem einzelnen Witz, jeder lustig gemeinten Spontaneität zu weit geht, der – im Gegensatz zu Gottschalk – vor allem keine Ahnung hat, wie man mit Menschen umgeht. Aber sich trotzdem über Kollegen lustig macht. “Ich finde es ja gut, dass es solche Sendungen gibt, weil es viele Kollegen gibt, die nichts mehr verdienen, und da verdienen sie was”, lästerte Pilawa über die Dschungel-Kandidaten von RTL. Dabei würde man ihn selbst gerne mal im Dschungel sehen, einfach nur, um mitzukriegen, was wirklich hinter der Kumpelmaskerade steckt.

Bis es soweit ist, kann man Pilawa nur wünschen, dass er noch viele, viele Quizsendungen moderieren darf. Denn wenn ihm irgendwann mal einer sein Pult wegnimmt und damit die Distanz zwischen ihm und seinen Kandidaten aufhebt, würde das zwangsläufig in der Katastrophe enden.

 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.