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Was sich alles nicht vom Privatfernsehen auf ARD und ZDF übertragen lässt

07.04.2009, 15:50 Uhr  ·  ZDF-Programmchef Thomas Bellut macht den Produktionsfirmen wenig Hoffnung, dass sie mit ihren Ideen, die sie wegen der Werbekrise nicht mehr bei den Privatsendern unterbringen, bei den öffentlich-rechtlichen landen können. Die wenigsten Formate ließen sich einfach so übertragen, sagt er. Offenbar gibt es aber eine winzige Zahl von Ausnahmen von dieser Regel...

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Der “Spiegel” berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, wie die einbrechenden Werbeerlöse dazu führen, dass die privaten Fernsehsender ihre Ausgaben zurückfahren müssen. Für ARD und ZDF seien das gute Zeiten, heißt es:

Weil sie sichere Gebührenmilliarden einnehmen, sind sie für Produzenten so attraktiv wie selten. Die würden ihm fast die Türen einrennen, sagt ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut. Aber manche Hoffnung, bei den Privaten abgelehnte Formate bei den Öffentlich-Rechtlichen unterzubringen, dürfte sich zerschlagen. Das wenigste lasse sich einfach von einem Privatsender auf öffentlich-rechtliches Fernsehen übertragen, meint Bellut.

Recht hat er. Welche Formate lassen sich schon einfach so vom privaten aufs öffentlich-rechtliche Fernsehen übertragen?

Die Daily Soap ist eine Ausnahme, wie “Marienhof” und “Verbotene Liebe” in der ARD beweisen (und der ZDF-Versuch, mit “Jede Menge Leben” eine eigene Variante von “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” im Programm zu etablieren, brachte es auch immerhin auf 313 Folgen).

Ach ja, und die Telenovela ist im Grund natürlich auch ein privates Format, macht sich aber gerade als “Sturm der Liebe” (ARD), “Rote Rosen” (ARD) und “Alisa – Folge deinem Herzen” (ZDF) im öffentlich-rechtlichen Nachmittagsprogramm breit.

Sicher, die tägliche Quizshow wäre noch ein Gegenbeispiel, ein gewisser Jörg Pilawa hatte sie vor ein paar Jahren bei Sat.1 etabliert, kam aber dann damit ins Erste.

Logisch, die große Prime-Time-Quizshow mit Riesengewinnen muss man auch ausnehmen, wenn man die Show “CA$H – Das eine Million Mark Quiz” kennt, mit der das ZDF 2001 auf den Erfolg von “Wer wird Millionär” im ZDF reagierte.

Klar, das Konzept eines Boulevardmagazins ließ sich auch relativ mühelos von “Explosiv” (RTL) auf “Brisant” (ARD) und “Hallo Deutschland” (ZDF) übertragen.

Und Castingshows natürlich, aus “Deutschland sucht den Superstar” (RTL, 2002) wurde ruckzuck “Die deutsche Stimme” (ZDF, 2003).

Okay, und Doku-Soaps sind auch eine Ausnahme: Die RTL-Reihe “Papa gesucht” läuft im ZDF unter dem Titel “Kleine Familie sucht große Liebe”, die RTL-Reihe “Unser neues Zuhause” heißt in den Dritten Programmen von WDR und NDR “Frau Dr. Haus” und das Konzept der RTL-Reihe “Rach der Restauranttester” findet sich im NDR-Fernsehen unter dem Namen “Retten Sie unser Hotel!”

Richtig, Test-Shows müsste man noch nennen: Nachdem bei RTL von 2001 an “Der große IQ-Test” lief, machte die ARD 2003 aus der Idee unter anderem “Pisa” mit Jörg Pilawa und das ZDF 2007 “Wie schlau ist Deutschland” mit Johannes B. Kerner.

Hach, und die Familientauschformate sind natürlich auch Ausnahmen, wie die ZDF-Sendung “Gottschalk zieht ein” und die ARD-Variante “Hausbesuch” bewiesen.

Und die Idee, im Talk am Sonntagabend so gegen zehn mit Politikern Woche für Woche die gleichen Themen durchzunudeln, die ließ sich auch ganz leicht vom privaten (“Talk im Turm”, Sat.1, ab 1990) ins öffentlich-rechtliche (“Sabine Christiansen”, ARD, ab 1998) Fernsehen übertragen.

Gut, und das Format der B-Promi-vor-Filmausschnitt-Shows, in denen unbekannte Menschen Dinge und Ereignisse kommentieren, möglichst verbunden mit irgendeinem Ranking, musste von den Vorbildern wie der “Ultimativen Chart-Show” oder der “80er Show” (beide RTL) auch nicht verändert werden, um endlos vervielfacht in den Dritten Programmen wie dem HR-Fernsehen Platz zu finden.

Aber von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen, da hat Herr Bellut schon Recht, lassen sich wirklich die wenigsten Formate einfach vom Privatfernsehen auf öffentlich-rechtliches Fernsehen übertragen.

 

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Jahrgang 1969. Medienjournalist und Blogger. Mit Bildblog.de erfand er 2004 gemeinsam mit Christoph Schultheis eines der ersten Medienwatchblogs Deutschlands. 2007 wurde der Medienredakteur, der unter anderem für die die ZEIT und die FAS schreibt, vom Medium Magazin zum "Journalist des Jahres" gekürt. Gemeinsam mit Michael Reufsteck brachte er die Bücher "Das Fernsehlexikon" (2005) und "Zapp — Merkwürdigkeiten aus der Fernsehwelt" (2008) heraus.