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"Report Mainz" über die NPD: Wo sich Fuchs und Mathe Gute Nacht sagen

08.04.2009, 13:25 Uhr  ·  Weil "Report Mainz" vom NPD-Parteitag wieder einmal ausgeschlossen war, rächte sich das SWR-Politmagazin fürchterlich, ließ seinen Fuchs von der Leine und enthüllte: Der Parteichef kann nicht einmal richtig rechnen, und gelüftet haben die Rechtsextremen auch nicht.

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In einem exklusiven Beitrag, der nicht im Fernsehen lief, sondern nur im Internet zu sehen ist, berichtet “Report Mainz” über den Sonderparteitag der NPD. “Können die Kameraden etwa nicht rechnen?”, fragt das SWR-Magazin angesichts der Skandale um die Finanzen der rechtsextremen Partei und zeigt, wie zur Antwort, die Frage einer Journalistin an den sächsischen NPD-Fraktionschef Holger Apfel:

Reporterin: Was ist denn sieben mal neun?

(Apfel wollte ihr das aber nicht sagen und brach das Gespräch an dieser Stelle ab.)

Die Rechenschwäche scheint aber, wenn ich den “Report Mainz”-Beitrag richtig verstanden habe, ein größeres Problem der NPD zu sein. Das Magazin enthüllt, dass Parteichef Udo Voigt in einer “Parteipostille” davon gesprochen habe, dass es in Deutschland in diesem Jahr dreizehn Wahlen gebe. Dabei sind es vierzehn! Sicherheitshalber nimmt sich “Report Mainz” die Zeit, sich, ihm und uns das im Detail vorzurechnen:

Bild zu: "Report Mainz" über die NPD: Wo sich Fuchs und Mathe Gute Nacht sagen
Screenshots: “Report Mainz”

Weil die Leute von “Report Mainz” ihre Sendung aus irgendwelchen Gründen “Das Magazin mit dem Fuchs” nennen, lassen sie außerdem ihr Maskottchen ein paar Mal durchs Bild laufen.

Bild zu: "Report Mainz" über die NPD: Wo sich Fuchs und Mathe Gute Nacht sagen
Bild zu: "Report Mainz" über die NPD: Wo sich Fuchs und Mathe Gute Nacht sagen
Bild zu: "Report Mainz" über die NPD: Wo sich Fuchs und Mathe Gute Nacht sagen

Es bleibt aber offen, ob das Tier besser im Kopfrechnen ist als die NPD-Leute.

Am Ende schaffte es “Report Mainz”, “vorbei an den martialischen Ordnern in den stickigen Saal” zu gelangen. (Anders als man denken könnte, sind die NPD-Leute allerdings nicht im Lüften genauso schlecht wie im Rechnen, sondern durften die Fenster, offiziell aus Sicherheitsgründen, nicht öffnen.) Ein Mann von “Report Mainz” konnte bei der Pressekonferenz sogar dem wiedergewählten Parteichef Udo Voigt (den “Report Mainz” der Einfachheit halber “Udo” nennt) eine Frage stellen, die der allerdings, ganz Politiprofi, nicht beantwortete. Und der Sprecher sagte aus dem Off:

“Fragenbeantworten oder Rechnenkönnen ist nun mal nicht jedermanns Ding.”

Heute vormittag habe ich mal bei “Report Mainz” in der Redaktion angerufen und Ulrich Neumann, einen der Autoren des Beitrags, gefragt, was siebenundzwanzig plus dreizehn ist. Neumann fand das aber total albern und weigerte sich auch bei anderen Aufgaben, mir beim Lösen zu helfen. Meinen Hinweis, dass das doch genau die Art Fragen sei, die seine Redaktion interessiere, verstand er auch nicht. Die Frau am Anfang seines Beitrages sei gar keine “Report Mainz”-Kollegin, das hätte man halt mitgefilmt.

Ich habe ihn dann noch gefragt, ob er glaube, dass es eine angemessene Art der Auseinandersetzung mit einer rechtsextremen Partei ist, darauf rumzureiten, dass ihr Chef sich bei den Wahlen verzählt hat. Neumann sagte, es sei halt darum gegangen, der NPD auf süffisante Art zu zeigen, dass man sich von ihr nicht aussperren lasse. Auf meine Frage, ob er wirklich glaube, dass die NPD sich über diese Art der Berichterstattung ärgere, sagte er, das sei ihm egal. Immer wieder wollte Neumann wissen, worauf ich denn mit meinen Fragen überhaupt hinaus wolle. Als ich ihm, ähnlich verständnislos, erklärte, dass ich eben über den merkwürdigen “Report Mainz”-Beitrag schreiben wolle, sagte er, dass er mir dazu keine Auskunft geben werde.

Na, Fragenbeantworten oder Rechnenkönnen ist nun mal nicht jedermanns Ding.

Es stellte sich dann heraus, dass Redaktionsleiterin Birgitta Weber die Lizenz zum Reden mit der Presse hat. Sie autorisierte schließlich folgende Zitate von sich:

“Unser Ansatz ist es seit Jahren, kritisch über die NPD zu berichten, zum Beispiel über die Holocaust-Leugnung oder die NPD-Konten. Wegen dieser Berichterstattung hat uns die NPD schon mehrfach von ihren Parteitagen ausgeschlossen. Dieses Mal haben wir für unseren Beitrag eine ironische Form gewählt. Auch das muss bei der NPD möglich sein.

Wir legen Wert darauf, dass Berichterstattung auch in ironisch-satirischer Form passieren kann. Erst recht vor dem Hintergrund, dass sich REPORT MAINZ seit Jahren krtisch mit der NPD auseinandersetzt und über NPD-Konten berichtet oder Holocaust-Leugnung durch Herrn Voigt aufgedeckt hat. Dass wir von Parteitagen ausgeschlossen werden, dass unsere Enthüllungen im Bundestag Thema sind, zeigt, wie ernst wir die Auseinandersetzung mit dieser Partei nehmen. Das schließt eine ironische Berichterstattung jedoch nicht aus.”

Der Fuchs, der durchs Bild laufe, sagte Weber noch, symbolisiere, dass der Beitrag ironisch sei. Als “Ironie-Fuchs” will sie ihn aber nicht bezeichnen.

Der “Report Mainz”-Beitrag bei YouTube

(via Medienlese)

 

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Jahrgang 1969. Medienjournalist und Blogger. Mit Bildblog.de erfand er 2004 gemeinsam mit Christoph Schultheis eines der ersten Medienwatchblogs Deutschlands. 2007 wurde der Medienredakteur, der unter anderem für die die ZEIT und die FAS schreibt, vom Medium Magazin zum "Journalist des Jahres" gekürt. Gemeinsam mit Michael Reufsteck brachte er die Bücher "Das Fernsehlexikon" (2005) und "Zapp — Merkwürdigkeiten aus der Fernsehwelt" (2008) heraus.