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ZDFneo probiert sich mit "Comedy-Lab" an der Mini-Latenight

29.10.2009, 15:03 Uhr  ·  Mit seiner neuen Show bei ZDFneo will "Nightwash"-Erfinder Klaus-Jürgen Deuser zeigen, dass auch Fernseh-Comedy aktuell und politisch sein kann. Showtreppe gibt's keine. Nur einen Tresen, ein kleines Spaß-Ensemble und montags bis donnerstags 15 Minuten Zeit. Kein Wunder: Die Idee ist ja auch im Internet entstanden.

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Laboratorien waren in der westlichen Hemisphäre bisher nicht als Ort der Heiterkeit und des Vergnügens bekannt – obwohl sich der Vorstellung durchaus etwas abgewinnen ließe, dass die weißen Versuchsmäuse sich nachts heimlich aus ihren Käfigen befreien, um große Partys zu veranstalten, bei denen sie farbige Flüssigkeiten aus Rundkolben nippen und Bunsenbrennerfeuerwerke zünden bis die irritierten Laboranten morgens an ihren völlig durcheinander gebrachten Arbeitsplatz zurückkehren. Womöglich ändert der neue Digitalkanal ZDFneo das jetzt. Ganz ohne Mäuse. Dafür aber mit Klaus-Jürgen Deuser, der für den Sender die Mini-Latenight “Comedy-Lab” moderiert.

Bild zu: ZDFneo probiert sich mit "Comedy-Lab" an der Mini-LatenightAm 15. November, einem Sonntag, ist Premiere, danach laufen jeweils montags bis donnerstags um 23.15 Uhr 15-minütige Shows, die Anfang der Woche nacheinander aufgezeichnet werden und einen aktuellen Themenbezug haben sollen – was für Comedy im deutschen Fernsehen bisher eher die Ausnahme ist (es sei denn, man mag “Neues aus der Anstalt” dem Genre zurechnen).

Genau das soll “Comedy-Lab” auch von “Nightwash” unterscheiden, das künftig beim Digitalsender Eins Festival läuft, und politischer könne die Sendung dadurch auch sein, sagt Deuser.

“Die deutsche Comedy hatte ja lange keine Plattform, um politischer zu werden. Wenn man sowas wie ‘Nightwash’ oder ‘Quatsch Comedy Club’ macht, hat man Nummern, die in vier Monaten ausgestrahlt und danach noch zig Mal wiederholt werden sollen. Da kann man noch nicht mal über Fußball reden – weil völlig unklar ist, was in der Zwischenzeit passiert. Im ‘Comedy-Lab’ geht das bald.”

Ein eigenes Studio gibt es für die Low-Budget-Produktion nicht, stattdessen lässt Deuser sein Büro in den Räumen seiner zu Brainpool gehörenden Firma umbauen. Platz ist in der alten Druckerei praktischerweise genug – und vielleicht ist das ja gar nicht schlecht, auf die große Showbühne zu verzichten und sich einfach mit Gästen an einem Tresen zu treffen, um ein bisschen über das zu lästern, was das Land gerade bewegt, weil die Erwartungen, dass alles gleich super werden muss, sich erst einmal in Grenzen halten. (“Dittsche” war da sozusagen Trendsetter.)

Mit seinem Kollegen Sascha Korf plant Deuser eine wochenaktuelle News-Improvisation, der Journalist und Comedian John Doyle (manchen vielleicht noch aus “Star Search” bekannt, wo Deuser als Berater hinter den Kulissen aktiv war) wird als Reporter aus fremden Ländern zugeschaltet, die natürlich allesamt aus der Bluebox stammen – was sich sehr nach der “heute show” anhört, die das ZDF ab 2010 wöchentlich zeigen will. Montags wolle man besonders aktuell sein, verspricht Deuser, dienstags sei Auslandstag, Mittwoch und Donnerstag für Einspieler (unter anderem mit Attik Kargar von “Kargar trifft den Nagel”) und Besuch reserviert, zum Beispiel junge Stand-up-Comedians.

    “50.000 Zuschauer? Dafür muss man ganz schön lange auf Tour gehen”

Bestellt ist “Comedy-Lab” vom ZDF bis Ende März, bis dahin kann Deuser je nach Themenlage jede Meine improvisieren und ausprobieren, ob das wirklich geht: Internet im Fernsehen zu machen. Denn eigentlich ist die Sendung, bei der es höchstens 20 Zuschauer geben soll, aus Deusers Videokolumne “Newspresso” entstanden, die er für sein Blog “Deuser or die” macht (und damit zu den wenigen Leuten aus der Branche gehört, die sich die Möglichkeiten, die ihnen das Netz bietet, auch tatsächlich zunutze machen).

Klaus-Jürgen Deuser: Für mich war’s eine der wichtigsten Aktionen im vergangenen Jahr, das Blog zu starten – daraus haben sich so viele Ideen entwickelt: das ‘Comedy-Lab’, das Buch ‘How to be lustig’, das bald erscheint. Und ich hab auch gemerkt: Es gibt Themen, zu denen du was sagen magst, was bei ‘Nightwash’ schwer möglich ist, weil ich dort eher der Präsentator bin.

Das Fernsehblog: “Nightwash” geht zurück zur ARD, das ZDF lässt dich Neues ausprobieren – Comedy-Nachwuchsförderung scheint erstaunlicherweise doch wieder ein öffentlich-rechtliches Thema zu sein, oder?

Anscheinend haben die öffentlich-rechtlichen Sender es jetzt verstanden, dass es eine große Chance für sie ist. Sie haben sich aber auch lange sehr schwer damit getan. Die Privaten machen leider nichts. Bei ‘TV total’ ist ab und zu Platz, aber sonst bedeutet Nachwuchsförderung, dass es so wird wie ‘Das Supertalent’ bei RTL – das hat immer diesen voyeuristischen Ansatz. Mal sehen, wer scheitert. Mit Förderung hat das nichts zu tun.

Haben Sie keine Angst, mit “Comedy-Lab” und “Nightwash” in den Digitalkanälen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu senden? Mit großen Reichweiten werden ZDFneo und Eins Festival ja erstmal nicht glänzen können.

Wenn’s gut wird, gucken sich’s die Leute schon an. Ich werde nie 1,5 Millionen Zuschauer kriegen – aber für meine persönliche Arbeit ist das ja egal. Ich will, dass die Sendung so gut wie möglich wird. Wenn es anfänglich nur 50.000 sind, ist das doch nicht schlecht. Dafür muss man Live ganz schön lange auf Tour gehen.

Foto: ZDF

 
 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.