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"Ich war voller Glück in mir drin": Pro Sieben bringt "Popstars" zu Ende

11.12.2009, 10:28 Uhr  ·  Jetzt steht's endlich fest: Vanessa und Leo sind das neue "Popstars"-Duo "Some & Any", das am Donnerstag bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach anderthalb Minuten ausgeblendet wurde, damit Pro Sieben eine Dauerwerbesendung zeigen konnte. Die Proteste nach dem verschobenen Halbfinal-Voting spielten in der Show freilich keine Rolle.

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Nach den schönsten Momenten aus dem Halbfinale, den schönsten Momenten von Dagmara und Daniel, die auf den dritten Platz kamen, den schönsten Momenten aus der gerade erst gelaufenen Halbfinalentscheidung, den schönsten Momenten der Entscheidung vom Dienstag, als Elif und Nik ins Finale gewählt wurden, den schönsten Momenten der zurückliegenden “Popstars”-Staffel, den schönsten Momenten der Jury und den schönsten Momenten mit den Superstars, die die Kandidaten bei “Popstars” getroffen haben, war es nach einer Stunde im großen Live-Finale von “Popstars” endlich soweit: Elif und Nik, das erste der beiden Finualduos, durfte singen. Also: fast.

Bild zu: "Ich war voller Glück in mir drin": Pro Sieben bringt "Popstars" zu Ende“Doch bevor die beiden performen, möchten wir Ihnen noch die schönsten Momente der beiden zeigen. Viel Spaß”, sagte Moderatorin Charlotte Engelhardt und lachte kurz. (Vielleicht, weil sie wusste, dass noch die schönsten Momente von Vanessa und Leo sowie die schönsten Eskalationen der ausgeschiedenen Kandidaten folgen würden.)

Engelhardts wiederholte Frage, “Wer wird Popstars 2009?”, war nicht nur grammatikalisch äußerst kreativ, sondern wurde gegen 23.15 Uhr sogar beantwortet: Vanessa und Leo sind das neue “Popstars”-Duo “Some & Any”, das gleich mit seinem ersten offiziellen Auftritt und der Single “Last Man Standing” nach anderthalb Minuten ausgeblendet wurde, damit Pro Sieben eine Dauerwerbesendung für ein Haarpflegeprodukt zeigen konnte. Die Sieger freuten sich trotzdem:

Leo: “Ich war voller Glück in mir drin.”
Vanessa: “Ich hatte ein Feuerwerk in mir. Buff-buff-buff.”

Bild zu: "Ich war voller Glück in mir drin": Pro Sieben bringt "Popstars" zu Ende
Screenshots: Pro Sieben

Den Ärger, den das verschobene Halbfinalvoting nach dem Dienstag gebracht hatte, ignorierte der Sender konsequenterweise. Nur Engelhardt sagte kurz: “Ganz große Gefühle waren das beim Halbfinale und vor allem auch ‘ne Menge Diskussionsstoff. Da war einiges los.” Der Zuschauerbetrug hat Pro Sieben, vereinzelten Boykottaufrufen zum Trotz, nicht geschadet. 2,46 Millionen Menschen sahen das auf drei Stunden gestreckte “Popstars”-Finale in der Arena Oberhausen, der Marktanteil in der Zielgruppe lag bei 17,4 Prozent. Man darf also damit rechnen, dass sich solche Überraschungen demnächst wiederholen. “Überraschung” war zumindest der Ausdruck, den Pro Sieben auf Twitter gebrauchte, als der Sender nach den Protesten im Netz mitteilte:

“Liebe Follower, wir werden morgen an die Redaktion weitergeben, dass vielen die Überraschung am Ende des Halbfinales nicht gefallen hat.”

Sendersprecher Christoph Körfer, der lieber standardisierte Antworten verschickt als konkret auf Fragen einzugehen, meint: das verschobene Voting vom Dienstag sei “eine geplante redaktionelle Entscheidung” gewesen. “Schon häufiger wurden bei ‘Popstars’ Teile einer Entscheidung erst in der nachfolgenden Sendung aufgelöst”. Was er nicht dazu sagt, ist, dass es in diesen Fällen kein Live-Voting gab.

Dazu, dass das Halbfinale ganz im Dienste des Kooperationspartners Disney stand, sagt Körfer (diesmal ganz konkret):

“Ja, es war eine Kooperation, eine redaktionelle Kooperation, sonst hätte die Sendung wohl kaum ‘Popstars meets Disney’ geheißen. Mit Werbung hat das gar nichts zu tun, sondern es ging rein um redaktionelle Inhalte.”

Eine redaktionelle Kooperation, mit deren Umsetzung man bei Disney übrigens auf Nachfrage “absolut zufrieden” ist. (Aber das wird uns an dieser Stelle demnächst noch mal beschäftigen.) Und bis dahin ist das ja auch ein tolles Zeichen von Pro Sieben an seine Werbekunden: Warum teuer für die Ausstrahlung von Werbespots bezahlen – wenn so eine “redaktionelle Kooperation” doch viel effektiver ist?

 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.