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"Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnen

29.07.2010, 11:50 Uhr  ·  Die neue Sat.1-Spielshow "Mein Mann kann" wetten Frauen mit Chips auf das Können ihrer Ehemänner. Das Prinzip hat allerdings eine entscheidende Schwachstelle: In manchen Runden ist schon nach dem Einsatz der Kandidatinnen klar, wer rausfliegt - noch bevor überhaupt gespielt worden ist.

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Bei der neuen Sat.1-Spielshow “Mein Mann kann” sitzen vier Damen um einen Pokertisch und setzen Spielchips auf das Können ihrer Männer: zum Beispiel darauf, wer in einer vorgegebenen Zeit mehr Chilischoten essen kann, wer mehr Fensterscheiben mit dem Ball kaputtschießt oder die meisten Gläser Wurstwasser austrinkt.

Bild zu: "Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnenErfüllt der Mann die Wette seiner Frau, kriegt die alle in der jeweiligen Runde gesetzten Chips. Falls nicht, lässt Moderatorin Britt Hagedorn die Chips in den Jackpot wandern, der in der nächsten Runde gewonnen werden kann. Im Laufe des Spiels müssen die beiden Paare mit den wenigsten Chips die Show verlassen. Wer das Finale für sich entscheidet, gewinnt 50.000 Euro. Eigentlich ganz einfach, das Prinzip. Es hat nur eine entscheidende Schwachstelle: In manchen Runden ist schon nach dem Einsatz der Frauen klar, wer rausfliegt.

In der ersten Sendung ging es im Halbfinale darum, welcher Mann die längste Zeit auf einem galoppierenden Pferd stehen kann. Kandidatin Eliana lag zu diesem Zeitpunkt auf dem letzten Platz und setzte alle ihr verbliebenen Chips: 30 an der Zahl (für 30 Sekunden). Da der Jackpot randvoll war, hätte das bei einem Sieg ihres Mannes den Einzug ins Finale bedeutet.

Kontrahentin Nadine allerdings setzte einen Chip mehr: 31 – und war somit im Finale noch bevor ihr Gatte überhaupt in die Nähe des Pferdes kam (was der aber nicht schnallte und sich stattdessen darüber beschwerte, der Einsatz sei “bescheuert” gewesen). Fakt ist: Es war egal, wie lange Bastian auf dem Pferd stehen würde. Hätte er die 31 Sekunden geschafft sowieso. Aber auch im Fall der Niederlage wäre Kontrahentin Eliana ja mit null Chips aus der Runde herausgegangen, weil sie alle gesetzt hatte – und Nadine wäre mit ihren restlichen Chips, die sie nicht gesetzt hatte, als zweite ins Finale eingezogen. In dem gibt es eine 50:50-Chance für die verbliebenen beiden Paare, weil es dann eh um alle Chips geht und die vorherigen Punktestände nicht mehr zählen. Genauso ist es gekommen.

In der vergangenen Woche, wieder im Halbfinale (bis Freitag online ansehbar), ging es für drei neue Paare um die Aufgabe, welcher Mann in zwei Minuten die meisten Kosmetikartikel korrekt benennen kann. So sah der Spielstand vor der Halbfinalrunde aus:

Bild zu: "Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnen
Spielstand vor der Halbfinal-Runde / Screenshot: Sat.1

Der Grundeinsatz für jeden betrug 12 Chips, Jackpot gab es keinen. Kristina setzte zusätzlich 5 Chips (für 5 Artikel), Bianca 7 und Sabine 8. Nach dem Spieleinsatz sah der Punktestand also wie folgt aus:

Kristina 194 (211 minus 12, minus 5)
Bianca 105 (124 minus 12, minus 7)
Sabine 45 (65 minus 12, minus 8)

Zu gewinnen: 56 (12 + 12 + 12 + 5 + 7 + 8)

Selbst wenn Sabines Mann die Herausforderung gemeistert hätte, hätten die beiden zusammen nur 101 Chips gehabt – und wären ausgeschieden.

Moderatorin Britt Hagedorn darf sowas natürlich nicht stören – nicht auszudenken, die Zuschauer würden merken, dass das nächste Spiel völlig egal ist und die Finalisten längst feststehen. “Für dich geht’s wirklich um alles”, ermutigte sie Sabine vor der Runde. “Das ist ‘ne riesige Runde, ‘ne wichtige Runde, eine, die euch ins Finale katapultiert.” Schade eigentlich: Würde man das überflüssige Spiel streichen, hätte “Mein Mann kann” nämlich fast eine zumutbare Länge.

Danke an Roman G.!
Screenshots: Sat.1

 

 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.