Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (4)
 

NDR-Fernseh-Chefredakteur Cichowicz: "Wir zeigen nicht jedes neue Schiff"

16.08.2010, 06:17 Uhr  ·  NDR-Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz über die Kreuzfahrtbegeisterung seines Senders, Strategien zur Vermeidung von werblichen Effekten bei der Berichterstattung und Moderatoren, die bei großen Schiffen ins Schwärmen geraten.

Von

NDR-Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz über die Kreuzfahrtbegeisterung seines Senders, Strategien zur Vermeidung von werblichen Effekten bei der Berichterstattung und Moderatoren, die bei großen Schiffen ins Schwärmen geraten.

Das Fernsehblog: Herr Cichowicz, der NDR berichtet regelmäßig über neue Schiffe, die auf Kreuzfahrt gehen. Woher kommt die Begeisterung?

Bild zu: NDR-Fernseh-Chefredakteur Cichowicz: "Wir zeigen nicht jedes neue Schiff"Andreas Cichowicz: Zunächst einmal zeigen wir nicht jedes neue Schiff, nur solche, für die besondere Kriterien gelten: wenn es etwa das größte ist, das bisher gebaut wurde, wenn es um eine völlig neue Präsentation geht oder es für ein bestimmtes Klientel gemacht ist. Sicher ist: Schiffstaufen ziehen zehntausende Leute an – das sind Events, bei denen auch der NDR gefordert ist.

Mit einem schönen Nebeneffekt für die Unternehmen, die ihre Schiffe potenziellen Kunden präsentieren dürfen.

Wir sind uns des Problems bewusst. Auf der einen Seite geht es um maritime Wirtschaft, die für den NDR besonders interessant ist. Mir ist aber auch klar, dass da werbliche Effekte entstehen. Wir haben uns des Themas vor ungefähr zwei Jahren in der Geschäftsleitung angenommen. Ich habe mich damals im Anschluss mit den verantwortlichen Kameraleuten und Regisseuren abgesprochen und festgelegt, wie man Einstellungen so aufnimmt, dass werbliche Effekte möglichst vermieden werden. Seitdem achten wir in dem Bereich, den ich für die Programmdirektion Fernsehen verantworte, darauf besonders. Ob berichtet wird, liegt letztlich auch daran, ob sich die Veranstalter auf unsere Bedingungen einlassen.

Wie sehen die denn aus?

Wir benutzen möglichst kein Material von Unternehmen. Und wenn es ein Rahmenprogramm gibt, legen wir Wert darauf, dass das auf einer Bühne passiert, auf der keine Logos zu erkennen sind.

Nach der Taufe des neuen TUI-Schiffs gab es im vergangenen Jahr Ärger, weil das Logo des Unternehmens im Bild war.

Das hätte nicht passieren dürfen, zumal das vertraglich vereinbart war, dass keine Logos zu sehen sein werden. Im entscheidenden Moment der Taufe ist allerdings vom Unternehmen das Logo dazwischen geschaltet worden. Da konnte die Regie wenig machen. Wir haben uns beim Management beschwert und es gab eine schriftliche Entschuldigung. Der NDR hat aber auch klar kommuniziert, dass wir deswegen die Zusammenarbeit erst einmal ruhen lassen wollen. Da war die Grenze überschritten.

Wie will der NDR vermeiden, dass sich bei “Events” die Grenzen zwischen Begeisterungsjournalismus und einer kritisch-zurückhaltenden Berichterstattung auflösen?

Man kann dem teilweise entgehen, indem man zum Beispiel so weit es geht auf Material verzichtet, das von den Veranstaltern angeboten wird. In unserer Berichterstattung gibt es ja immer wieder auch kritische Kommentare. Wenn die Meyer-Werft ein neues Schiff fertig gestellt hat, senden wir die Überführung live. Dann kommen natürlich auch die Naturschützer zu Wort, die gegen den Ausbau der Ems sind. Damit kann die Meyer-Erft gut umgehen. Airbus in Hamburg war ein schwieriger Gesprächspartner: Es gab schon den Fall, dass wir auf dem Werksgelände drehen wollten und das Unternehmen uns vorschreiben wollte, welchen Luftfahrtexperten wir befragen sollen und dass nichts über die Konkurrenz gesagt wird. Das haben wir natürlich abgelehnt.

Manchmal liegt es ja nicht nur an den Unternehmen: Bei der live im NDR übertragenen “Parade der Traumschiffe” im Hamburger Hafen vor anderthalb Wochen sind Moderator und Gäste arg ins Schwärmen geraten.

Man kommt doch bei so einer Veranstaltung gar nicht darum herum, auch über das Thema Kreuzfahrten zu sprechen. Vielleicht schwärmt der ein oder andere Experte ein bisschen stark, das kann schon mal sein. Wenn es direkte Empfehlungen für Kreuzfahrturlaube gäbe, würde ich aber in der Tat einschreiten.

Wie sehr versuchen die Unternehmen denn, mit Marketingmitteln Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen?

Manche sind da sehr stark aktiv. Genau deswegen ist es wichtig, sich auf die journalistischen Gründe für eine Berichterstattung zu besinnen

Foto: NDR

 
 
Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden

Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.