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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Schleichwerbung? Bei Ruth Moschner sieht der MDR das nicht so eng

| 17 Lesermeinungen

Die Moderatorin Ruth Moschner lässt sich dafür bezahlen, Sendungen zu moderieren, die aussehen wie redaktionelle Kochshows, in Wahrheit aber dazu dienen, bestimmte Produkte ins Bild zu rücken. Erstaunlicherweise scheint diese Tätigkeit eine Arbeit als Moderatorin beim MDR nicht auszuschließen.

Die Moderatorin Ruth Moschner lässt sich dafür bezahlen, Sendungen zu moderieren, die aussehen wie redaktionelle Kochshows, in Wahrheit aber dazu dienen, bestimmte Produkte ins Bild zu rücken. Erstaunlicherweise scheint diese Tätigkeit eine Arbeit als Moderatorin beim öffentlich-rechtlichen MDR nicht auszuschließen.

Bild zu: Schleichwerbung? Bei Ruth Moschner sieht der MDR das nicht so eng

„Ruth kocht gut“ heißt die Kochshow auf Bild.de, die Unternehmen und Verbände für Werbung buchen können. Präsentiert wie ein redaktioneller Inhalt wirbt sie mal für Seafood aus Norwegen, mal für Putenfleisch aus Deutschland. Ruth Moschner rückt Tiefkühlgerichte ins positive Licht, zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Produkten der Marke Iglo, schwört auf Käse der Marke Bavaria Blu oder lässt Tetra-Paks gut aussehen. Die Karton-Leute zum Beispiel freuten sich

„Mit der Unterstützung des innovativen Kochformats ‚Ruth kocht gut‘ können wir den Getränkekarton erfolgreich auf dem wachsenden Markt der Onlineratgeber platzieren. Ziel ist es, den Getränkekarton weiterhin positiv im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.“

Das wäre nicht problematisch, wenn die Show klar als Werbung gekennzeichnet wäre. Andererseits wäre es dann vermutlich nicht so reizvoll.

So aber scheint Moschner einfach unschuldig zum Beispiel mit einer Kollegin belgische Waffeln zu kochen, bis eine Stelle kommt, an der sie Milch zum Teig gibt: 

„Bei mir kommt ‚n Schlückchen Milch rein, aus dem Tetra Pak. Da taucht jetzt immer öfter dieses FSC-Siegel auf, das ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein. Und dieses Siegel bekommt man nur, wenn die Rohstoffe für die Verpackung aus einem verantwortungsvoll geforsteten Wald stammen. Das ist ganz, ganz wichtig, denn da tut man auch was fürs Kilma und für die Umwelt.“

Und mitten im Gespräch kann es passieren, dass unvermittelt, aber nur scheinbar unmotiviert eine Sammlung von Tetra Paks im Bild herumsteht. 

Auch für die „Abendzeitung“ kocht Moschner seit kurzem, oder genauer: nicht für die „Abendzeitung“, sondern für Iglo. Ihre Kolumne, die auf der Startseite von abendzeitung.de als redaktioneller Inhalt angekündigt wird, handelt zwar scheinbar mal von Küchenpannen, mal von leeren Kühlschränken und mal vom Kochen mit Kindern. Am Ende steht aber bislang immer ein Rezept um ein Tiefkühl-Hähnchenprodukt der Marke Iglo. 

Nun sollte man denken, dass gerade die Redaktion der MDR-Talkshow „Riverboat“ sensibilisiert sein sollte, was die Werbeaktivitäten ihrer Moderatoren angeht. Andrea Kiewel musste gehen, nachdem nicht mehr zu ignorieren war, dass sie diverse Fernsehauftritte dazu genutzt hatte, Schleichwerbung für Weight Watchers zu betreiben. Günther Jauch muss, bevor er im Ersten eine politische Talkshow moderieren darf, sogar seine regulären Werbeverträge aufgeben. Aber wenn Ruth Moschner, die „Riverboat“ seit zwei Wochen zusammen mit Jan Hofer präsentiert, in größerem Stil Werbung macht, die als redaktioneller Inhalt verkauft wird, soll das unproblematisch sein?

Sechs Tage braucht der MDR, bis er eine Antwort auf diese Frage formuliert hat. Dann lässt der Unternehmenssprecher Dirk Thärichen von einer Kollegin ausrichten, dass man ihn wie folgt zitieren dürfe:

„Nach unserem Kenntnisstand präsentiert Ruth Moschner auf Online-Portalen Kochshows, die Sachbeistellungen nutzen. Diese Videos sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben mit dem Hinweis „Unterstützt durch Produktplatzierung“ gekennzeichnet.

Soweit uns bekannt ist, tritt Ruth Moschner darüber hinaus nicht als Werbeträgerin für die entsprechenden Hersteller in Erscheinung.

Grundsätzlich ist zwischen dem MDR und der Moderatorin vereinbart, dass Ruth Moschner mögliche werbliche Aktivitäten im Vorfeld mit uns abstimmt.“

Das ist eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Antwort. Tatsächlich sind die Videos auf Bild.de jetzt plötzlich mit dem Hinweis „Unterstützt durch Produktplatzierung“ gekennzeichnet – das waren sie bislang aber nicht. Ein Tetra-Pak-Werbevideo ist komplett verschwunden.

Vorher:
Bild zu: Schleichwerbung? Bei Ruth Moschner sieht der MDR das nicht so eng

Nachher:
Bild zu: Schleichwerbung? Bei Ruth Moschner sieht der MDR das nicht so eng

Aber der Hinweis „Unterstützt durch Produktplatzierung“ ist ohnehin merkwürdig: Die Formulierung stammt nämlich aus den Werberichtlinien für das Fernsehen – mit Online-Videos hat das eigentlich gar nichts zu tun. Nach diesen Werberichtlinien ist aber Product Placement zum Beispiel in Ratgeber- und Verbrauchersendungen verboten. Die inkonsequente Übernahme von Fernseh-Regeln scheint ein halbgarer Kompromiss zu sein, um das unmissverständliche Wort „Werbung“ zu vermeiden. 

Auch wenn der MDR von „Sachbeistellungen“ spricht, ist das in höchstem Maße irreführend. Solche Sachbeistellungen sind in der Regel Produkte, die von einem Partner kostenlos zur Verwendung in einer Sendung zur Verfügung gestellt werden – zum Beispiel das Traumschiff im „Traumschiff“. Es spricht aber nichts dafür, dass zum Beispiel Tetra Pak einfach nur ein paar Kartons Milch und Wein zur Verfügung gestellt hat, ohne dass Geld geflossen wäre. Alles spricht dafür, dass das Präsentieren der Produkte überhaupt der Sinn des Formates ist.

Ruth Moschners Kochshow und ihre Kochkolumne auf abendzeitung.de erfüllen viel eher die Definition von „Schleichwerbung“. Im Rundfunkstaatsvertrag wird der Begriff definiert als: 

„die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Sendungen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zweckes dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erfolgt.“

Der MDR scheint die wie Schleichwerbung wirkenden Aktivitäten seiner neuen Moderatorin nicht nur zu billigen. Er hilft auch noch dabei, ihren wahren Charakter zu verschleiern. 

Ruth Moschner moderiert heute um 22 Uhr im MDR zum zweiten Mal „Riverboat“.

Screenshots: bild.de

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17 Lesermeinungen

  1. Noch unmissverständlicher...
    Noch unmissverständlicher wäre das ehrliche Wort REKLAME.
    Kennt das noch jemand?

  2. Der MDR hatte doch mit...
    Der MDR hatte doch mit Schleichwerbung noch nie Probleme. Man erinnere sich doch einfach nur an die Medikamentenbewerbung in „In aller Freundschaft“. Für Wiederholungen, die leider immer noch viel zu häufig laufen, mußten diese Szenen später nachsynchronisiert werden und der echte Medikamentenname, für dessen Nennung der Hersteller einst gezahlt hatte, wurde durch einen Phantasienamen ersetzt.
    Warum sollte man also irgendetwas gegen zweifelhafte Nebentätigkeiten einer Aushilfsmoderatorin haben?
    Warum haben Frau Moschners Tetra-Packs eigentlich Inhalt?
    Das beworbene Produkt ist doch noch ohne Befüllung.

  3. >Warum haben Frau Moschners...
    >Warum haben Frau Moschners Tetra-Packs eigentlich Inhalt?
    >Das beworbene Produkt ist doch noch ohne Befüllung.
    Warum machen die überhaupt Werbung? Der Hersteller sucht sich doch die Verpackung für seine Produkte aus – und mir ist das Behältnis egal…

  4. Nachtrag:
    Beim Hessischen...

    Nachtrag:
    Beim Hessischen Rundfunk durfte Frau Moschner vor kurzem doch auch in die Kamera quaken und irgendwelche völlig sinnfreien Sendungen moderieren. In wieweit sich dieses Engagement mit ihrer Werbetätigkeit überschnitt oder immer noch anhält kann ich momentan leider nicht sagen.
    Vielleicht wäre im Zweifelsfall auch eine Stellungnahme aus Frankfurt einzuholen.

  5. Mal abgesehen davon, dass ich...
    Mal abgesehen davon, dass ich Absonderungen dieser Art im TV keine Sekunde Aufmerksamkeit schenke, finde ich es dann doch zumindest merkwürdig, dass ich ein Tv-Nachrichtensprecher kritik- und beratungsresistenz dazu gesellt 😉
    Restsselenverkäufer bis zum Abwinken …
    Pi

  6. Sogar der Musikantenstadel ist...
    Sogar der Musikantenstadel ist im Prinzip nichts anderes als MTV/Viva mit der Zielgruppe Tonträger oder Konzertkarten an den Rentner zu bringen.
    Die Sportberichterstattung orientiert sich doch ebenfalls an Vereinen dern Spieler handelbare Produkte geworden sind oder bei Länderspielen an nationalgeistiger Identitätsstiftung (muss man als Deutscher dafür sein daß Deutschalnd bei der WM gut abschneidet?).
    Jede Nachrichtensendung ist gefärbt von der THEMENAUSWAHL welche die Redaktion gerne im Programm hätte. Was beim privaten Printmarkt noch relativ einfach geht, ich kenne die ungefähre politische Richtung die der Herausgeber vertritt und kann dementsprechend meinen Zeitungskauf ausrichten. Am deutlcihsten wird das wenn man mal Kanäle wie Euronews einschaltet, bei denen man bemerkt welch Randnotiz das auf fast allen sonstigen Kanälen ach so wichtige Deutschland in der EU allenfalls darstellt.
    Die Probleme welche die Technik heute hat nicht mehr hat (auch deutsche Sat-antennen Empfangen kein autsralisches Fernsehen) erste seit ca. 10 jahren gibt es ein in der Praxis für alle verfügbares Internet liegen im Kultur- und Sprachverständnis. In der Theorie könnte man durhaus mal in den arabischen Teil des Internets die hochinteressante Frage in einem Forum Posten warum denn der ilamische Terrorismus(?) Wirtschaftssymbole (World Trade (=Weltahndels)-Zentriuum) und Miltäreinrichtungen angreift und nicht etwa Kirchen. Wäre ich ein RELIGIÖS motivierter Bin Laden würde ich wahrscheinlich Anschläge gegen kirchliche Symbolbauten machen und nicht wirtschaftliche oder militärische, ist doch logisch oder?
    Und da sind wir wieder beim Gedankengang von Anfang. Eine Atomlobby sponsort die Simpsons. Deshalb sind die Sponsoren von Greenpeace mit ihren Aktioenpakten in solarstromanlagen und Windkraftwerken keine selbstlosen Waisenknaben. Ist wie mit diesem „Single Mom Verein“ Kirche: Man muß es nur medial so darstellen als wäre die Vaterlose Gesellschaft oder diejenige in welcher der männliche Anteil als rechtloses übermutterabhängiges Kind platz findet die einzig legitime Sichweise auf die Welt.
    Auch das ist Propaganda.

  7. > Beim Hessischen Rundfunk...
    > Beim Hessischen Rundfunk durfte Frau Moschner
    Und ich dachte immer es gäbe im OLG Bezirk eine Richterin Moschner, wenn wir schon beim Lokalteil sind, Zumindest sagte mir das mal jemand der nach Eigenauskunft für die Anwaltsprüfung büffelte.
    Seit Saustall und Volkszählung als Pontius Pilatus römischer Statthalter in Jerusalem war kann man sich auf Register aller Art sowieso nicht mehr verlassen.

  8. Hier ein weiteres schönes...
    Hier ein weiteres schönes Beispiel zum Thema MDR und Schleichwerbung:
    http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/14646/

  9. Waffeln kochen????????...
    Waffeln kochen????????

  10. im Prinzip ist es einfach, auf...
    im Prinzip ist es einfach, auf Schleichwerbungstricks von Sendern zu reagieren: konsequent sein und den Sender -MDR – nicht einschalten.
    Ich kann mich nicht erinnern, dass eine MDR-Sendung für uns schon wichtig war.

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