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"stern tv"-Premiere für Steffen Hallaschka: Wie güntherjauchig ist der Neue?

11.01.2011, 22:29 Uhr  ·  In den vergangenen Wochen war er hauptberuflich "der Nachfolger von Günther Jauch". Jetzt kann Steffen Hallaschka endlich zeigen, dass er tatsächlich der Richtige für "stern tv" ist. Im Fernsehblog verrät der Hamburger vorher noch, was er in alles bei der ARD gelernt hat und wieviel körperlichen Einsatz das Publikum von ihm im Studio erwarten darf.

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Kurz vor Weihnachten sitzt Steffen Hallaschka in einem Berliner Hotelzimmer, das sich auch prima als Kulisse für einen schlechten Agentenfilm eignen würde, und gibt geduldig das hundertste Interview zu seinem neuen Job. Ab Mittwochabend ist der 39-Jährige Moderator von “stern tv” bei RTL. In den vergangenen Wochen war er aber erstmal hauptberuflich “der Nachfolger von Günther Jauch”. Hallaschka sagt:

“Das ist ja nicht ohne Charme, jetzt überall in einem Atemzug mit Günther Jauch erwähnt zu werden. Aber ich wurde ja nicht für einen Günther-Jauch-Ähnlichkeitswettbewerb gecastet.”

Ähm: naja.

Bild zu: "stern tv"-Premiere für Steffen Hallaschka: Wie güntherjauchig ist der Neue?
Verstehen sich doch prima: der neue Moderator und sein Chef / Screenshot: RTL

Oder sagen wir’s mal so: Dass sich RTL für Hallaschka entschieden hat, war schon nicht ganz so doof. Als der Vorgänger und sein Nachfolger in Jauchs Abschiedssendung nebeneinander saßen und freundlich gemeinte Sticheleien austauschten, sah es zumindest nicht so aus als müssten sich die “stern tv”-Zuschauer künftig auf große Veränderungen einstellen. (Hier geht’s zur – ähm – 37-teiligen Bildergalerie der Sendung.)

Und in den Trailern, die RTL für die Premierensendung zeigt, ist Hallaschka schon seit ein paar Tagen in einer ganz erstaunlichen Jauchhaftigkeit zu erleben.

Geduldig hat der Hamburger bisher in den Dritten Programmen der ARD Renterabzockbeiträge anmoderiert (in “Markt”), mit Promis getalkt (als Stellvertreter in der “NDR Talkshow”) und einen Haufen Sendungen moderiert, die zugleich Beleg für die Innovationsfähigkeit der Regionalsender und deren Probleme mit dem Durchhaltevermögen sind. Oder erinnern Sie sich noch an “Kanzlerbungalow” (WDR), “Fata Morgana” (NDR), “Ärmel hoch – Spiele rund ums Handwerk” (NDR) und “plietsch” (NDR)? Macht nichts. Die Journalisten auch nicht, weiß Hallaschka, und sieht das erstmal als Vorteil, in noch keiner Schublade untergebracht worden zu sein. Er sagt:

“Jetzt gibt’s eine: ‘der Nachfolger’. In den nächsten Monaten kann ich zeigen, dass ich auch mein Handwerk verstehe und ein erfahrener Moderator bin. Insofern sehe ich das entspannt.”

Bild zu: "stern tv"-Premiere für Steffen Hallaschka: Wie güntherjauchig ist der Neue?
Noch in keiner Schublade, aber schon im “stern tv”-Studio: Hallaschka bei RTL / Screenshot: RTL

Was es sonst noch über Hallaschka zu wissen gibt, erfahren Sie in diesen Tagen in einer Publikation Ihrer Wahl – in dieser, dieser, dieser, dieser, dieser, dieser, dieser, dieser, dieser, dieser und dieser. Oder natürlich im Fernsehblog, wo wir heute ausnahmsweise mal dem Mainstream folgen. Mit einem Mini-Steffen-Hallaschka-Interview!

Das Fernsehblog: Herr Hallaschka! Keine Angst, dass Ihnen jetzt beim Privatfernsehen die Quotenerwartungen auf die Füße fallen?

Steffen Hallaschka: Ich habe noch nie zuvor so viel über Zuschauerzahlen geredet wie in den vergangenen Jahren beim NDR. Auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beschäftigt man sich ja mit Quotenverläufen.

Fiel der Wechsel zu RTL eigentlich leichter, weil die ARD nie so richtig begriffen hat, was sie noch mit Ihnen noch alles anstellen könnte? Im Hauptprogramm vielleicht?

Ich war innerhalb der ARD-Struktur sicher nie der große Mann fürs Mainstream-Programm. Es war aber auch nie mein Ziel, mich möglichst schnell auf den Samstagabend um 20.15 Uhr spülen zu lassen.

Was haben Sie in den vergangenen Jahren bei der ARD gelernt?

Zum Beispiel dass ein Moderator gut beraten ist, wenn er alle journalistischen Jobs in einer Redaktion auch mal selbst gemacht und mit dem Mikrofon bei minus 3 Grad in der Fußgängerzone gestanden hat, um die Menschen im Weihnachtsstress zu fragen, was sie verschenken. Nur so versteht man am Ende, wie die Chemie einer Sendung funktioniert.

Sie betonen stets, wie etabliert “stern tv” ist. Wie sehr kann man sich denn als Moderator noch in eine solche Sendung einmischen?

Die Kollegen wünschen sich für die Zukunft weiterhin einen Moderator, der mitdenkt und mitdiskutiert, auch mal sein Veto einlegt und mit der Redaktion um den erfolgversprechendsten Weg ringt, um ein Thema aufzubereiten. Überzeugend wird eine solche Sendung, wenn der Moderator Teil der Redaktion ist und beide zueinander ein Korrektiv sein können.

Ihr Vorgänger hat sich ja auch durch seinen unermüdlichen körperlichen Einsatz in der Sendung ausgezeichnet. Machen Sie künftig auch mit?

Wenn’s darum geht, sich auch mal selbst auf ein BMX-Rad zu stellen, bin ich dabei – das kenn ich ja aus meinen bisherigen Sendungen. Für einen Faschingskostümtest in ‘Markt’ bin ich mal in einem Zwergenkostüm durch die Hannoveraner Innenstadt gedüst. Wer sich ins Fernsehen begibt, um dort in jeder Sekunde unangreifbar, glamourös und toll auszusehen, wird irgendwann in Langeweile erstarren.

“Markt” ist ja ohne Studiopublikum ausgekommen. Ist es eigentlich schwieriger, vor Zuschauern zu moderieren?

Ich finde, es hilft total, wenn ein kleiner Ausschnitt der Zuschauerschaft im Studio zu Gast ist. Wenn man alleine mit den Kollegen im Studio steht, muss man ja immer gegen die Sterilität der Situation arbeiten. Mit Publikum fühlt man sofort, was funktioniert und was nicht, man kann Unruhe spüren und sieht, wann die Leute bei einer dramatischen Schilderung ganz konzentriert zuhören. Da freu ich mich drauf.

 

Veröffentlicht unter: RTL, ARD, Günther Jauch, stern tv, Steffen Hallaschka

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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.