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Das Medium als Running Gag: In "Episodes" lästert das Fernsehen über sich selbst

22.02.2011, 16:31 Uhr  ·  Die amerikanische Serie "Episodes" ist eine wunderbar böse Satire aufs TV-Geschäft, in dem Leute den Ton angeben, die keine Ahnung davon haben, wie man erfolgreich Programm macht. Und eine tolle Gelegenheit für Ex-"Friends"-Darsteller Matt LeBlanc, endlich mal jemanden anderes zu spielen als "Joey": sich selbst.

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Als vor ein paar Wochen bekannt wurde, dass “Danni Lowinski” vom amerikanischen Sender The CW adaptiert werden würde, jubelte die hiesige Fernsehbranche: Was für eine Ehre! Erstmals hat es eine deutsche Serie geschafft, von den amerikanischen Kollegen beachtet und ernst genommen zu werden.

Ob Autor Marc Terjung (Interview im Fernsehblog) seine Serie nachher noch wiedererkennt, muss man ihn vielleicht mal fragen, wenn sie tatsächlich im Programm läuft.

Bild zu: Das Medium als Running Gag: In "Episodes" lästert das Fernsehen über sich selbstBritische Programmmacher hatten schon des öfteren das Vergnügen, ihre Ideen als Remake im US-Fernsehen zu sehen. Und es ist kein Geheimnis, dass in manchen Fällen aus dem Vergnügen ein Alptraum wurde. Weil sich die Geschmäcker der Zuschauer in den beiden Ländern – ganz abgesehen von den Vorstellungen derjenigen, die die Budgets verwalten – eben doch nicht immer besonders ähnlich sind. Wie verarbeitet man ein solches Dilemma am besten? Genau: Man macht eine Serie draus.

Am Wochenende lief beim amerikanischen Kabel(bezahl)sender Showtime, der auch “Dexter” und “Californication” zustande gebracht hat, das Finale der ersten Staffel von “Episodes”: Zwei britische Serienautoren lassen sich vom großkotzigen Chef eines US-Networks nach L.A. locken, um dort aus ihrer zuhause mehrfach ausgezeichneten Serie eine Version fürs amerikanische Publikum zu pilotieren. Das geht furchtbar schief: Erst kriegen die beiden ihren Hauptdarsteller abgesägt und Matt LeBlanc (aus “Friends” und “Joey”) vorgesetzt, der den Schauspieler Matt LeBlanc (aus “Friends” und “Joey”) spielt. (Interview dazu bei popeater.com.) Und während der Dreharbeiten wird aus der typisch britischen Sitcom nach und nach ein amerikanisches Mainstream-Programm, das nur noch entfernt ans Original erinnert.

Das ist nicht nur deshalb ungeheuer komisch, weil “Episodes” eine wunderbar böse Satire aufs TV-Geschäft ist, in dem Leute den Ton angeben, die selten fernsehen und freimütig eingestehen, keine Ahnung davon zu haben, wie man erfolgreich Programm macht. Sondern auch, weil “Episodes” etwas hat, das viele andere Serien vermissen lassen: Sie liebt ihre Charaktere.

Stephan Mangan und Tamsin Greig (aus “Black Books”) spielen das Autorenpärchen von der Insel. Sie wäre am liebsten zuhause geblieben, weil sie das ganze Hollywood-Gehabe und die falschen Freundlichkeiten abgrundtief hasst. Er ist hingegen fasziniert vom Luxus, von den Karriereaussichten, von der attraktiven Nebendarstellerin.

Und dann ist da eben – Matt LeBlanc. Der auf der Straße permanent mit seiner früheren Serienrolle verwechselt wird und sich bemüht, trotzdem freundlich zurückzulächeln. Der so viele Witze über seine Karriere gehört hat, dass er inzwischen selbst welche macht. Und bei dem man nie ganz weiß, ob er wirklich ein bisschen einfach gestrickt ist oder nur Energie spart, weil sein Umfeld sowieso nichts anderes von ihm erwartet – und deswegen mit plötzlichen Charme- und Ernsthaftigkeitsoffensiven überrascht.

Alleine die Szene in der ersten Folge, in der das Autorenduo sich zum ersten mal mit den Senderverantwortlichen in L.A. trifft, die den Gästen schonend beibringen müssen, dass ihr Chef die eingekaufte Serie nie gesehen hat, wäre schon einen Preis wert:

“There is a chance, Merc [der Network-Chef] may not have actually have seen your show.”
“What?”
“I’m not saying that he hasn’t seen it.”
“Has he seen it?”
“No.” 

“Episodes” hat keine Off-Lacher aus der Konserve, Tragik und Komik wechseln sich ab, es ist keine Comedy für die Masse und deswegen ein großes Serienvergnügen, das Showtime da geschaffen hat. Eines, das einem wieder schmerzlich in Erinnerung ruft, wie traurig es ist, dass es im zweitgrößten Fernsehmarkt der Welt kein Pay TV gibt, das seinem Publikum etwas Ähnliches bieten könnte oder wollte.

Immerhin: Ende Februar erscheint “Episodes” in Großbritannien auf DVD und Bluray. Mehr zu “Episodes” steht drüben bei britcoms.de, wo der Kollege Oliver Nagel auch herausgefunden hat, dass die erste Folge kostenlos im Netz ansehbar ist.

Screenshot: Showtime/BBC 2

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Veröffentlicht unter: Danni Lowinski, Showtime, Episodes, Matt LeBlanc

 
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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.