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Auserzählt? Vox dehnt den Katzenberger-Erfolg ins Unendliche

15.06.2011, 10:27 Uhr  ·  In der Verwertungskette ist "das Projekt Daniela Katzenberger", wie Produzent Bernd Schumacher seine Entdeckung nennt, bereits ziemlich weit fortgeschritten. Und trotzdem hat das Publikum immer noch nicht genug. Deshalb muss die schlagfertige Pfälzerin in "Natürlich blond" jetzt ein Fernseh-Genre nach dem nächsten nachspielen.

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Sie hat sich die Augenbrauen auf die Stirn tätowiert. Und die Brüste machen lassen. Sie hat sich beim Playboy beworben. Als daraus nix wurde, hat sie ein Café auf Mallorca eröffnet. Sie hat ihre eigene Single aufgenommen und ein Video gedreht. Sie hat in Talkshows darüber geredet, wie sie sich beim Playboy beworben hat, die Brüste machen ließ und ihre Single aufnahm. Sie hat Werbung für eine Telefonauskunft gemacht. Sie stand beim “Dome” auf der Bühne. Sie hat Nacktfotos für eine Tierschutzorganisation gemacht. Und im amerikanischen Fernsehen gastmoderiert.

In der Verwertungskette ist “das Projekt Daniela Katzenberger”, wie Produzent Bernd Schumacher seine Entdeckung nennt, bereits ziemlich weit fortgeschritten.

Bild zu: Auserzählt? Vox dehnt den Katzenberger-Erfolg ins UnendlicheUnd trotzdem hat das Publikum immer noch nicht genug. Im vergangenen Jahr kam Katzenberger in der Vox-Dokusoap “Goodbye Deutschland” so gut an, dass ihre eigene Dokusoap folgte. Als auch das funktionierte, schob Vox die Sendung mitten in die Primetime, wo sich “Natürlich blond” nun dienstags um 20.15 uhr gegen “CSI Miami”, “Die Simpsons” und die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft behauptet.

Am Anfang hatte es durchaus seinen Charme, die schlagfertige Pfälzerin bei ihrem Mediendurchmarsch mit der Kamera zu begleiten, um zu zeigen, wie sie mit der plötzlichen Berühmtheit umgeht. Genau das gehört aber nach anderthalb Jahren zum Alltag, und es fällt zunehmend schwer, Katzenberger noch die sympathische Aufgeregtheit abzunehmen, mit der sie anfangs den Ritualen begegnet ist, die ihr das Fernsehen abverlangte.

Das ist ein Riesenproblem für Vox, weil Katzenbergers Übersetzung ins Fernsehen jenseits der Dokusoap bisher nicht geklappt hat. Der Test, sie bei “Auswanderer sucht Frau” als Moderatorin einzusetzen, verlief aus Quotensicht eher mau.

Und das Problem bei “Natürlich blond” ist: Es gibt längst nichts mehr zu erzählen.

Weil der Sender die 10 Prozent Marktanteil bei den jungen Zuschauern aber nicht so einfach in den Wind schießen will, wird weitergedreht – und die Dokusoap zur Castingshow umgebaut: Seit Anfang Juni sucht Katzenberger mit Unterstützung von “Prominent”-Klatschexpertin Constanze Rick und Produzent Schumacher ihre “Nachfolgerin”: eine junge Frau, die ähnlich ausgeflippt ist, mit ihrem Idol in einem Werbespot auftreten darf und eine eigene Show konzipiert bekommen soll.

Den Zuschauern scheint’s egal zu sein, dass Vox mit dem Casting bloß eine Rampe dafür gebaut hat, Ausschnitte aus älteren Folgen noch einmal als “RÜCK-BLICK” (wie der Off-Sprecher jedes Mal raunt) einzustreuen und irgendwie die Stunde Sendezeit rumzukriegen, auf der zwar weiter Katzenberger draufsteht, die im Moment aber bloß mit den üblichen Castingshow-Versatzstücken und vor allem von Mädchen bestritten wird, bei denen man praktischerweise mindestens zwei schon aus “Popstars” bzw. Pro-Sieben-Modelcastings kennt.

Höhepunkt der Sendung am Dienstag (in voller Länge bei vonnow.de) war, dass eine Teilnehmerin sich weinend in der Toilette flüchtete, weil sie der Katzenberger-Jury nicht, wie verlangt, vortanzen wollte (“eine Choreo einüben” heißt das im Dokusoapdeutsch).

Das ist alles noch ein bisschen schaler als der schon sehr aufgesetzte Versuch Anfang März, Katzenberger einen Mann zu suchen – weil nämlich von vornherein klar war, dass da nichts dabei herauskommen würde. “Ich lass mich jetzt einfach finden”, meine Katzenberger zum Schluss. Wieder drei Folgen rumgekriegt.

Mit dem Nachfolgercasting wird es vermutlich ähnlich laufen. Aber im Anschluss hat Produzent Schumacher sicher ein paar neue Tricks parat, wie er den Katzenberger-Erfolg so lange strecken kann bis das Publikum merkt, dass es bloß noch an der Nase herumgeführt wird. Katzenberger sucht ein Haustier? Katzenberger wird Tierärtzin? Katzenberger renoviert ihr Café?

Gebt der Frau halt endlich ihre eigene Show!

Sie in Dokusoap-Verkleidung einmal alle Fernseh-Genres durchspielen zu lassen, die sonst gerade funktionieren, ist einer Katzenberger nicht würdig. Aber dummerweise halt auch die leichteste Methode, um weiter Geld zu verdienen.

Was meinen Sie?

Screenshot: Vox

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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.