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Gottschalk, Kerner, Schmidt & Co.: Was wäre eigentlich, wenn …

02.05.2012, 14:46 Uhr  ·  Bevor Harald Schmidt im Bezahlfernsehen verschwindet, moderiert er am Donnerstag seine letzte Late Night bei Sat.1. Thomas Gottschalk verabschiedet sich Anfang Juni aus dem ARD-Vorabend. Und Johannes B. Kerner hat das Ende seines Sat.1-Resteverwertungsmagazins schon hin sich. Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können.

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Spektakuläre Senderwechsel halten die Fernsehbranche in Atem. Bevor Harald Schmidt im Bezahlfernsehen verschwindet, moderiert er an diesem Donnerstag seine letzte Late Night bei Sat.1. Thomas Gottschalk verabschiedet sich Anfang Juni aus dem ARD-Vorabend. Und Johannes B. Kerner hat das Ende seines Sat.1-Resteverwertungsmagazins “Kerner” schon seit Dezember hin sich.

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können. Was wäre eigentlich, wenn …

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… wenn Harald Schmidt bei der ARD geblieben wäre?

Schmidt hätte mit der Neukonzeption seiner etwas beliebig gewordenen Late Night als satirischer Wochenrückblick überrascht und die beiden Aushilfssidekicks Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf offiziell zu Showpartnern ernannt. (Mit Katrin Bauerfeind war das nicht gegangen, die ist eine Frau.) Die beiden hätten mit ihm an einem verlängerten Schreibtisch sitzen dürfen, allerdings tiefer als Schmidt.

“Schmidt, Heufer-Umlauf & Böhmermann” hätte einige junge Zuschauer mehr erreicht als Schmidts Solo. Im Laufe der Zeit hätten sich zwischen den Partnern jedoch unüberbrückbare Witzedifferenzen ergeben. Bei einem Besuch der seriösen Sat.1-Talkerin Britt Hagedorn, die von Böhmermann für ihre “Asi”-Sendungen gescholten würde, wäre die Situation eskaliert und Schmidt hätte ihn vor laufender Kamera als “kleine miese Type” bezeichnet. Heufer-Umlauf würde Spekulationen über einen möglichen Wechsel zu ZDFneo, wo sein früherer Kollege Joko Winterscheidt inzwischen eine erfolgreiche Doppelmoderation mit Nela Panghy-Lee in der wöchentlichen Show “neoShaver” etabliert hätte, nicht energisch genug widersprechen. Daraufhin würde Schmidt “Schmidt, Heufer-Umlauf & Böhmermann” für beendet erklären. Sein Produzent Fred Kogel würde daraufhin zu Protokoll geben: “Die Quoten waren gut, die Show war es insgesamt noch nicht. Ein satirischer Wochenrückblick braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem gute Witze. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.”

Ein Angebot von Sky-Geschäftsführer Brian Sullivan, die Gelegenheit zu nutzen und mit einer Neuauflage seiner früheren Late Night exklusiv zu Sky zu wechseln, hätte Schmidt später in einem Interview als “lächerlich” bezeichnet: “Die können mich doch gar nicht bezahlen.” Nach einer neunmonatigen Sommerpause hätte die ARD “Harald Schmidt” fortgesetzt.

… wenn Thomas Gottschalk beim ZDF geblieben wäre?

Nach seiner letzten “Wetten dass..?”-Ausgabe hätte Gottschalk das Angebot des ZDF angenommen, eine wöchentliche Late-Show mit dem Titel “Gottschalk live” zu moderieren, in der er Prominente in ein Studio-Loft einlädt, das er mit persönlichen Andenken eingerichtet hätte. Die erste Sendung wäre von über 4 Millionen Menschen eingeschaltet worden, danach wäre die Quote aber von Ausgabe zu Ausgabe gesunken. Die Verlegung auf Gottschalks Schloss am Rhein (wo er sich mit seiner Moderation sicherer fühlen sollte) und die Umbenennung der Sendung in “Gottschalks Schloss-Party” hätten zwar zahlreiche Berichte in den Zeitungen veranlasst, aber zu keinerlei Quotenverbesserung geführt. Nach nicht einmal sechs Monaten wäre “Gottschalk live” eingestellt worden.

ZDF-Intendant Thomas Bellut hätte gesagt: “Es war ein Experiment, auf das sich Thomas Gottschalk mit seiner ganzen Persönlichkeit eingelassen hat. Er ist mit uns gemeinsam das Wagnis für ein neues Sendekonzept für den Spätabend eingegangen. Wir werden nun in aller Ruhe gemeinsam über eine Zusammenarbeit in anderer Form nachdenken.” Die ARD-Vorsitzende Monika Piel hätte in einem Interview erklärt, Gottschalk wäre besser zur ARD gekommen. Mit dem völlig neuartigen Vorabendformat, das man ihm vergangenen Jahr angeboten habe, wäre so eine Pleite nicht passiert.

… wenn Johannes B. Kerner beim ZDF geblieben wäre?

Im Dezember 2011 wäre Johannes B. Kerner dem Publikum am Ende von Gottschalks letzter “Wetten dass..?”-Sendung als dessen Nachfolger vorgestellt worden. ZDF-Intendant Thomas Bellut hätte gesagt: “Mit seiner professionellen Einstellung wird er an die neue Aufgabe ‘Wetten, dass..?’ gehen und das Publikum bestimmt überzeugen.” Das Konzept solle weiterentwickelt und modernisiert werden, aber im Kern erhalten bleiben.

Kerner hätte gesagt: “Das ist eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue! Die Showidee ist nach wie vor grandios, und ich zweifele nicht daran, dass ich ‘Wetten, dass..?’ als große erfolgreiche Samstagabendshow für die ganze Familie erhalten kann.” Frank Elstner würde twittern: “Ich freue mich auf #JohannesBKerner und #WettenDass. Er hat meine ganze Sympathie.” Am 21. Januar 2012 hätte Kerner die Show zum ersten Mal moderiert und die Stadtwette durch eine regelmäßige Kochwette ersetzt. Innerhalb des ersten halben Jahres wäre der Anteil einfühlsamer Couchgespräche deutlich gestiegen, die Wetten wären sukzessive in den Hintergrund gerückt.

Kerner hätte die Änderungen gegen die Kritik von Journalisten verteidigt: “Auch ‘Wetten dass..?’ muss sich den modernen Fernsehgewohnheiten anpassen.” Die Sendung wäre regelmäßig von 12 bis 14 Millionen Menschen eingeschaltet worden. Die überraschende Einstellung von “Deutschland sucht den Superstar” nach dem Finale im Mai 2012 hätte Kerner zusätzlich geholfen.

… wenn Oliver Pocher bei der ARD geblieben wäre?

Die samstagabendliche Late-Show “Oliver Pocher” im Ersten wäre wegen niedriger Quoten immer später in die Nacht gerückt worden, bis die ARD entschieden hätte, die Sendung zum Digitalsender Eins Festival zu transferieren. Programmdirektor Volker Herres hätte gesagt: “Er ist der Richtige, um dort Aufbauarbeit zu leisten.”

… wenn Markus Lanz bei RTL geblieben wäre?

Am übernächsten Freitag hätte Lanz die Jubiläumsausgabe zu 20 Jahren “Explosiv” moderiert und gelegentliche Vertretungsmoderationen für seine ehemalige Lebensgefährtin Birgit Schrowange erledigen dürfen. Nach der Ankündigung von Dieter Bohlen, “DSDS” rundum zu erneuern und auch Marco Schreyl auszustauschen, hätten mehrmonatige Spekulationen über dessen Nachfolge begonnen. Hape Kerkeling und alle anderen deutschen Moderatoren hätten abgesagt. Lanz hätte den Job übernommen. Nach der nächsten Staffel wäre “DSDS” eingestellt worden.

… wenn Jörg Pilawa bei der ARD geblieben wäre?

Pilawa hätte angekündigt, nicht “als der Quiz-Onkel” in die Fernsehgeschichte eingehen zu wollen und nach einer mehrmonatigen Pause mit einer wöchentlichen Sendung ins Erste zurückzukehren, über die danach aber nie wieder ein Wort verloren worden wäre. Heute würde er die ARD-Shows “Die Quizshow”, “Der Super-Champion”, “Rette die Million” und “Deutschlands Superhirn” moderieren.

Screenshots(M]: Das Erste, ZDF, Sat.1 / Das Fernsehblog

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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.