Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (9)
 

Die 5 schönsten Thomas-Bellut-Prognosen von 2002 (und was aus ihnen wurde)

20.06.2012, 08:53 Uhr  ·  Seit 100 Tagen ist Thomas Bellut Intendant des ZDF. Und weil das natürlich viel zu wenig Zeit ist, um mit grundlegenden Reformen zu glänzen, prüft das Fernsehblog lieber den wahrsagerische Potenzial der Pläne, die Bellut den Zeitungen nach seinem Amtsantritt als ZDF-Programmdirektor im Dezember 2002 verriet.

Von

Am Ende dieser Woche ist Thomas Bellut seit 100 Tagen Intendant des ZDF. Und weil das natürlich viel zu wenig Zeit ist, um mit grundlegenden Reformen zu glänzen, prüft das Fernsehblog lieber den wahrsagerische Potenzial der Pläne, die Bellut den Zeitungen nach seinem Amtsantritt als ZDF-Programmdirektor im Dezember 2002 verriet.

Bild zu: Die 5 schönsten Thomas-Bellut-Prognosen von 2002 (und was aus ihnen wurde)

Die Gottschalk-Kerner-Prognose

“Die Ehe mit Thomas Gottschalk ist in einer sehr guten Phase”, sagte Bellut im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger im Januar 2003. “Es gibt eine große Harmonie zwischen den beiden Partnern Gottschalk und ZDF. Zu weiteren Sendungen mit ihm sind wir im Gespräch. Ich würde es für sinnvoll halten, wenn wir neben ‘Wetten dass’ ein weiteres Standbein für Gottschalk im ZDF aufbauen.” Neun Jahre später hat Gottschalk die Scheidung eingereicht und seinen Sender sitzen lassen, weil er ausgerechnet den Verlockungen der besten ZDF-Freundin ARD nicht widerstehen konnte. (Was daraus wurde, ist ja bekannt.)

Wenn das mit Gottschalk die Ehe war, muss die Zusammenarbeit mit Johannes B. Kerner wohl eine flüchtige Liebschaft gewesen sein. Die ist auch längst rum, Kerner ist nach seiner Affäre mit Sat.1 derzeit ungebunden und Single. Das ZDF tröstet sich mit Mister Drittewahl Markus Lanz. Vor neun Jahren war davon freilich noch nichts zu ahnen und Bellut sagte im selben Interview: “Herr Kerner wird leider bisweilen unterschätzt. Er ist sehr wichtig für unser Haus. (…) Ich will es klar sagen: Herr Kerner hat eine große Zukunft im ZDF. Auf ihn setzen wir stark.”

Wahrsagerpunkte: 0 von 5

Die Programmideen-Prognosen

Bellut im Januar 2003: “Es wird neue Namen und neue Formate geben, anderes kommt wieder neu, wie etwa beispielsweise die ‘Rosenheim Cops’, eine humoristische Krimiform.”

Und 2012 – hat das ZDF angekündigt, bald den spätgeborenen Bruder der “Rosenheim Cops” zeigen zu wollen: “Die Garmisch Cops”.

Bellut im September 2003 (im Interview mit dem “Focus”): “Im Herbst beginnt die erste deutsche Telenovela nach südamerikanischem Vorbild. (…) Geplant sind zunächst 160 Folgen am späten Nachmittag. Wenn es gut läuft, soll daraus eine Endlosserie werden. Und im Februar beginnen wir mit einer neuen, hauptsächlich von Laiendarstellern gespielten täglichen Fernsehserie.”

Und 2012 – hat das ZDF gerade beschlossen, seinen hundertsten Telenovela-Flop “Wege zum Glück” aus dem Nachmittag zu werfen. Neue Idee gibt es derzeit noch keine. (Aber das mit den hauptsächlich von Laiendarstellern gespielten täglichen Fernsehserien soll bei der Konkurrenz gerade ganz gut laufen, hat neulich irgendwo gestanden.)

Bellut, ebenfalls im “Focus” damals: “Wir haben noch bis Ende 2004 Zeit, ‘Bravo TV’ zum Erfolg zu führen. Wir brauchen solche Programme. Nach und nach werden wir die Alterslücke in der Mitte schließen, auch im Hauptabendprogramm. Derzeit sind mehrere Sitcoms in der Vorbereitung (…).”

Und 2012 – ist das ZDF nicht nur ein 100 Prozent Sitcom-freier Sender, sondern (nach der Absetzung von “Bravo TV” Ende 2004) auch einer ohne Jugendprogramm. Die “Alterslücken in der Mitte” sind zu stattlichen Altersklüften geworden, die in Mainz notdürftig mit Digitalsendern abgedeckt werden.

Wahrsagerpunkte: 2 von 5

Die Humor-Prognose

“Ich finde, unser Programm ist insgesamt ein bisschen zu ernst in der Aufmachung. Das müssen wir verändern”, versprach Bellut als neuer Programmdirekor Anfang 2003 im “Kölner Stadtanzeiger”. Seitdem ist “Neues aus der Anstalt” gestartet worden, die “heute show” hat sich nach einem verhaltenen Start zum Hit entwickelt und “Leute Leute” versucht an den Erfolg anzudocken. Da kann man nicht meckern: ein bisschen weniger ernst als früher ist das ZDF definitiv, und Gags auf Senderkosten enden auch nicht mehr mit der Exekution des jeweiligen Redakteurs.

Wahrsagerpunkte: 5 von 5

Die Abwechlsungs-Prognose

Kurz vor dem Start der Maximilian-Schell-Serie “Der Fürst und das Mädchen” musste sich Bellut Schelte von der “taz” anhören lassen, die meinte, das sei ja wohl kein “Bringer für die junge Zielgruppe”. Bellut entgegnete (im September 2003): “Diese klassischen Gefühlsstoffe (…) sind nach wie vor attraktiv. Und was ist die Alternative? Ich kann doch nicht alles mit Krimis bespielen oder mit Rateshows.”

Neun Jahre später steht fest: Doch, er kann. (Freitagabends, samstagabends, sonntagspätabends, in den nächsten Wochen am Dienstagabend sowie werktäglich am Vorabend die Krimis; mittwochs und samstags eine Jörg-Pilawa-Rateshow nach der nächsten.) Für die Abwechslung zuständig sind nach wie vor: “Der Landarzt” und “Das Traumschiff” (bzw., wenn – wie vor anderthalb Wochen – die Originalität mit den Redakteuren mal durchgeht, das Kreuzfahrtspecial vom “Landarzt”, zu dem der Kreuzfahrtveranstalter TUI Cruises “Viel Spaß!” wünschte.)

Wahrsagerpunkte: 1 von 5

Die Verjüngungs-Prognose

Direkt nach der Intendantenwerdung Mitte März dieses Jahres ließ Bellut keinen Zweifel daran, dass eines seiner wichtigsten Projekte die Verjüngung des Senders ist. Laut dpa sagte er (am 16. März 2012): “Die Zielgruppe des ZDF ist die ganze Gesellschaft. Deshalb müssen wir mit unserem Programm verstärkt jüngere Zuschauer erreichen.” Und kündigte ganz konkret an (epd vom 21. April 2012): “Bis 2014 solle das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer von 61 auf 60 Jahren sinken, sagt er [Bellut].”

Dafür ließen sich die Ankündigungen von vor neun Jahren problemlos wiederverwenden. Auch damals war eines seiner wichtigsten Projekte schon: die Verjüngung des Senders. Anfang 2003, kurz nach dem Amtsantritt als Programmdirektor, sagte Bellut im “Kölner Stadtanzeiger”:

“Nichts gegen ältere Zuschauer – ganz im Gegenteil, aber ich will unser Angebot gerade auch für die Jüngeren noch interessanter machen. (…) Dies ist ein Projekt, das auf Jahre terminiert ist. Ich möchte das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer in drei Jahren wenigstens um ein Jahr senken.”

Das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer lag damals laut “Focus” bei 59 Jahren.

Wahrsagerpunkte: minus 1 von 5

Zusammenzählen ist wohl nicht notwendig. Gut, dass Thomas Bellut Intendant geworden ist. Für eine Karriere als Orakel hätte es einfach nicht gereicht.

Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei

Das gefällt Ihnen? Das Fernsehblog gibt’s auch bei Facebook und Google+.

 

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 
Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden

Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.