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Bevor es richtig losgeht: Besuch bei Christine

14.05.2013, 23:35 Uhr  ·  Robert Redford kommt nicht oft nach Cannes. In diesem Jahr aber wird der Darsteller der "Gatsby"-Verfilmung von 1974 da sein. Ist das Festival diesmal rund um den "Großen Gatsby" gebaut? Vielleicht führen einfach alle Wege nach Cannes.

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Christine Aimé sollte man nur stören, wenn es wirklich wichtig ist. Sie hat einen der härtesten Jobs im Festival, und nur am späten Nachmittag, bevor es losgeht, hat sie noch einen Augenblick Zeit für etwas, das sie nicht erledigen muss. Für ein Hallo, wie geht’s, alles gut? Sie ist jedes Jahr die erste Person, die ich in Cannes besuche. Als Pressechefin des Festivals macht sie ihre Arbeit hinter den Kulissen, gelassen, distanziert, schnell, effizient. Für eine Plauderei ist sie nur zu haben, bevor der erste Film auf die Leinwand kommt.

„Haben Sie den ‘Großen Gatsby’ schon gesehen“, fragt sie. „Hm“, sage ich. Sie schaut aufmunternd, also sage ich: „Irre ich mich, oder ist das Festival in diesem Jahr um den ‘Gatsby’ herum gebaut?“ Sie lächelt fragend. „Na ja“, sage ich, „der alte ‘Gatsby’, 1974, war ja nicht in Cannes.“ Sie nickt. „Aber Francis Coppola, der für den alten ‘Gatsby’ das Drehbuch geschrieben hat, der war damals da, mit ‘The Conversation’.“ Christine strahlt: „Und er hat die Goldene Palme gewonnen!“ „Ja, und in diesem Jahr ist seine Tochter Sofia wieder hier. Und jetzt, da der neue ‘Gatsby’ das Festival eröffnet, kommt auch Robert Redford, der den alten gespielt hat, mit einem Film vorbei.“ „Ja!“ Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir folgt, aber ich mache weiter: „Und Steven Spielberg, der 1974 mit ‘Sugarland Express’ in Cannes war, ist dieses Jahr der Präsident der Jury.“ Ich glaube, sie hat mich unterwegs verloren, aber sie nickt und sagt nachdenklich: „Alle Wege führen nach Cannes.“

© AP Photo/Jean-Jacques LevyGoldene Palme für Francis Ford Coppola: mit Marthe Keller (l.), Marie-Jose Nat, Jack Nicholson und Tony Curtis nach der Preisverleihung in Cannes 1974

So hätte ich das nicht gesagt. Ich wollte eigentlich sagen, dass Cannes ein so besonderes Festival ist, weil in jeder Ausgabe ein Stück seiner Geschichte enthalten ist. Es sind die Blutbahnen des Kinos, die sich hier über die Jahrzehnte kreuzen, und deswegen will jeder dabei sein. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Noch wird man nicht überall angerempelt, wo man geht und steht. Noch gibt es freie Plätze in den Restaurants. Am Mittwoch Mittag, wenn Leonardo DiCaprio zur Pressekonferenz erwartet wird mit all den anderen aus Baz Luhrmanns „Great Gatsby“, geht der Rummel los. Und Christine wird belagert sein von Scharen, die dabei sein wollen und keinen Platz mehr finden.

 

Veröffentlicht unter: Cannes, Redford, Gatsby, Great Gatsby

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Redakteurin und Kinokritikerin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.