Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

Occupy Cannes!

Sie sehen wild aus, mit rosa Haaren, Horrormasken, grünem Lippenstift. Aber ein Camp hat die "Occupy Cannes"-Bewegung nicht. Sie laufen einfach nur die Croisette rauf und runter.

„Occupy Cannes!“ Es war eine kleine Gruppe nur, die brav auf dem Bürgersteig der Croisette blieb, Richtung Festivalpalast marschierte und ihre Protestschilder mit diesem Slogan hochhielt, aber sie machte eine Menge Krach. Kostümiert waren die vielleicht zwanzig sämtlich sehr jungen Menschen auch, angemalt in wilden Farben, einer hatte grünen Lippenstift aufgelegt, der andere rosa Haare, ein dritter hatte sich gleich ein neues Gesicht übergezogen, mit einem Glubschauge mittendrin und ekligen Wülsten überall.

© dpaFilmwerbung mit dem gekaperten Markennamen des Protests: Bei „Occupy Cannes“ ging es eigentlich um „Return to Nuke ‚Em High: Vol. 1“

Aha, dachte ich, die Occupy-Bewegung, von der sonst ja nicht mehr viel die Rede ist, hat sich jetzt hier niedergelassen, und ich fragte einen der Männer, wo sie ihr Camp aufgeschlagen hätten. Besser hier am Strand, wenn das Wetter besser wird, als im Winter in Frankfurt vorm Theater, dachte ich. Aber es gibt kein Camp. Dafür gibt es einen Film – der heißt zwar nicht „Occupy Cannes“, sondern „Return to Nuke ‚Em High: Vol. 1“, ist eine Produktion von Troma Entertainment und das Remake eines Klassikers des Schunds. Der Mann mit dem grünen Lippenstift nannte ihn eine Horror-Komödie, und mit ihr soll den Mega-Unterhaltungskonglomeraten, die hier überall Suiten in den Hotels gemietet haben und dicke Deals abschließen, der Kampf angesagt werden. An diesem Donnerstag gab es eine Geheimvorstellung, zu der sicher nicht nur ich eingeladen war, im Netz jedenfalls wurde sie schon im März angekündigt. Aber ich hatte keine Zeit. Schade eigentlich.

Die Idee, sich einen Markennamen des Protest zu kapern, um einen Film zu bewerben, konnte nur in oder wenigstens für Cannes geboren sein. Dahinter steckt Lloyd Kaufman, eine kleine Legende des unabhängigen Trashkinos und Präsident von Troma, und sein Ziel ist klar: Gebt die Kunst dem Volk zurück! Wobei das Volk in Cannes nicht sehr zahlreich vertreten ist. Kaufman hat mit Troma einen Stand im Filmmarkt. Es soll auch eine Dokumentation entstehen, eine Hommage an das unabhängige Kino. Die heißt dann auch „Occupy Cannes“ und ist vielleicht im nächsten Jahr hier zu sehen. Dann werde ich auf jeden Fall dabei sein.

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