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Filmfestival

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Im Vorraum der Filme - Notizen von der Berlinale

Der zwielichtige Mr. Weinstein

Öffentliche Einflussversuche auf die Jury kommen nicht gut an in Cannes. Einer versucht es trotzdem: Harvey Weinstein, der Superverkäufer der Branche.

Zu Cannes gibt es herrliche Zitate, das schönste sicher ist eines von Somerset Maugham, der meinte, dies sei „a sunny place for shady people“. Nun ist das mit der Sonne in diesem Jahr so eine Sache. Immerhin hat sie heute für ein paar Stunden geschienen, aber leider sass ich da im Kino, und jetzt sieht es schon wieder nach Regen aus. Was machen die Leute auf ihren Yachten, die ziemlich eindrucksvoll in der Bucht ankern, frage ich mich. Auch Steven Spielberg soll eine gemietet haben, für seine Jurytreffen, die manchmal schon morgens um sieben stattfinden sollen. Übernachten die dann auf See? Und was ist der Sinn eines riesigen Bootes, wenn man unter Deck sitzen muss?

Harvey Weinstein jedenfalls, der legendäre und legendär vulgäre Chef der Weinstein Company und ehemals Gründer von Miramax, hat keine Yacht in diesem Jahr, dafür hat er schon bei zwei Gelegenheiten damit geglänzt, seinen Einfluss auf die Jury, wo auch immer sie tagen mag, geltend zu machen. Erstmal sagte er, er habe Steven Spielberg im Lauf der Jahrzehnte schon sehr viel Geld gegeben. Was soviel heißen sollte: Wie wäre es mit einer Revanche? Und dann sprach er die Jurorin Nicole Kidman direkt an, die bei einer seiner Veranstaltungen erst zu spät kam und dann gleich wieder – zu einer Jurysitzung – verschwinden musste. „Hoffentlich entscheiden sie, welcher meiner Filme die Goldene Palme gewinnt!“, rief er ihr nach. Schon wahr, Cannes ist „a sunny place for shady people“. Und Harvey Weinstein ist sicher einer der skrupellosesten Spieler in der amerikanischen Filmindustrie und shady to the max. Ein gerissener Hund. Ein Superverkäufer. Einer, der wie sonst nur Sharon Stone in Martin Scorseses „Casino“ einen Raum voller Leute so bearbeiten kann, dass alle auf ihn schauen und sich später vor allem an ihn erinnern. Das tut er täglich. Wenn er gehört hätte, wie Francis Coppola heute in dem herrlichen Cannes-Film „ Seduced and Abandonned“ sagte, das Kino sei ein Geschenk der Götter, hätte er protestiert. Es gibt keine Götter neben ihm. Aber Weinstein kam in dem Film von James Toback gar nicht vor. Dafür seine Konkurrenten Jeffrey Katzenberg, Mike Medavoy und Ron Mayer. Ich vermute, dass ihm das nicht gefällt.

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