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Unterm Baum mit Steven Spielberg

25.05.2013, 01:07 Uhr  ·  Zwölf Tage lang vergessen alle, dass sie in einem Dorf zu Gast sind. Beim Essen auf der Burg von Cannes, zu dem der Bürgermeister einlädt, fällt es einem wieder ein. Die Jury war auch dabei.

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Am letzten Freitag des Festivals lädt der Bürgermeister von Cannes die Jury und die internationale Presse zum Mittagessen ein. Das ist eine alte Tradition, und wer kann, geht hin. Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, erstaunlich eigentlich. Und verstand sofort, warum alle immer so geschwärmt hatten. Denn erstens ist der Bürgermeister ein filmbesessener, unterhaltsamer Mann, der fürs Kino tut, was er kann: Drehgenehigungen ausstellen zum Beispiel. Zweitens findet das Essen auf der Burg statt, im Freien unter alten Bäumen, mit weitem Blick über die Bucht und auf der anderen Seite die Provence. Eine Blas- und Schlagkapelle in Folklore-Uniform begrüßt mit krachendem Tamtam die Gäste, und Frauen in Tracht halten Girlanden aus frischen Blumen hoch, bis alle da sind. Es ist herrlich. In den wahnsinnigen zwölf Tagen des Festivals wird mehr englisch als französisch gesprochen, Geldströme fließen hier- und dorthin, und alle sind aufgeregt, weil es um so viel geht – Geld und Macht im Geschäft, Ruhm oder wenigstens Anerkennung für die Künstler.

Oben auf der Burg am Freitag nachmittag aber ist man plötzlich im Dorf. In dem Dorf, das aus Cannes wieder wird, wenn wir und später die Touristen abgereist sind. Der Kapellmeister spricht nur französisch. Auch die freundlichen Frauen am Eingang, die jedem einzelnen einen halben Liter Olivenöl in die Hand drücken, aus örtlicher Produktion, haben mit dem internationalen Rummel nichts zu tun. Fraglich, ob sie auch nur einen Filmtitel nennen könnten, der gerade heiß gehandelt wird. Die Jury war auch da. Komplett und dem Ort und Anlass entsprechend mal leger angetreten, blieb sie zwar hinter einem Absperrseil unter sich und wurde von der Polizei bewacht. Aber trotzdem genoss ich das Gefühl, mit Steven Spielberg und Nicole Kidman sozusagen unterm selben Baum zu sitzen sehr. Und dann durchs Dorf nach Hause zu gehen.

 

 

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Redakteurin und Kinokritikerin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.