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Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

250 Hunde und ein Pferd im Fluss

Mehr Tiere waren im Festival nie: Wer trainiert sie? Könnte ich bitte einen der Trainer treffen?

© APKornél Mundruczó zeigt in Cannes seinen Film „Fehér Isten“, einer der Hauptdarsteller seine Zuneigung

Als ich hier kürzlich vom Wetter und den Deutschen und Veronica Ferres in Cannes erzählte, fragten Leser, wann sie denn vom Espresso mit Frau Ferres am Strand lesen könnten. Dieses Jahr nicht und überhaupt vermutlich nie! Ich bin gar nicht so wild darauf, berühmte Schauspielerinnen oder Schauspieler aus Deutschland am Strand zu treffen. Auch in Cannes nicht.

Aber es gibt schon Leute, die ich unbedingt kennenlernen würde. Tommy Lee Jones ist einer von ihnen, da gab es in diesem Jahr sogar einen Interviewtermin für ein paar Minuten, aber ich konnte an dem Tag auf keinen Fall und stelle mir ein Gespräch mit Tommy Lee Jones von wenigen Minuten auch sehr schwierig vor, weil er ja kaum etwas sagt und für diese Einsilbigkeit sehr lange braucht. Und sehr gerne kennengelernt hätte ich die Frau, die für einen ungarnischen Horrorfilm 250 Hunde trainiert hat.

Ich bin nämlich dabei, das ist eines der wenigen ganz persönlichen Bekenntnisse, die Sie hier lesen können, dieser Tage ein lange gepflegtes und immer wieder bestätigtes Vorurteil abzulegen, das auf ein Zital von W.C. Fields zurück geht und umgemünzt fürs Kino etwa so heißt: Wer Kinder und Hunde im Film hasst, kann nicht ganz schlecht sein. Ich fühlte mich jahrzehntelang gut und machte, wenn es sich machen ließ, einen Bogen um Filme mit Kindern und Tieren ganz allgemein.

Dieses Jahr aber faszinieren mich die Tiere. Die wilden anatolischen Pferde in „Winter Sleep“, von denen eines sich im Lasso verheddert und in einem eiskalten Fluss hin- und herwirft, wer bringt ihm sowas bei? Den Pferdetrainer also von Nuri Bilge Ceylan, den würde ich lieber treffen als eine deutsche Schauspielerin.

© Festival de CannesGanz ohne CGI: Die Hunde in Kornél Mundruczós Film

Und die Frau, der 250 Hunde anvertraut wurden! Der Film heißt „Fehér Isten“ von Kornél Mundruczó. Vor der Premiere, wie das hier immer ist, kam das Team auf die Bühne, und zwar als erstes der Hund, der des Mädchens bester Freund ist (stöhnen Sie nicht, es ist wirklich ein großartiger Film), und der später die Horde rächender Straßenköter anführt. Er hatte seine Trainerin dabei, ich vermute jedenfalls, dass sie das war, denn sie führte den nun ganz ruhigen Hund zwar an der Leine, machte aber den Eindruck, auch ohne täte er, was sie verlange. Diese Trainerin, eine schwere, aber quirlig wirkende Frau, würde ich gern treffen! Um zu hören, wie das war, mit mehr Hunden als Menschen zu arbeiten und sie dazu zu kriegen, erst zutraulich und ohne Arg und dann aggressiv und mordlustig zu sein. Es ist, sollten Sie vermuten, ich könne das nicht unterscheiden, kein CGI am Werk, wenn diese Masse Hunde über die Leinwand donnert. Sollte dieser Film jemals in die deutschen Kinos kommen, gehen Sie hin!

Ich habe die Trainerin nicht getroffen. Aber ich habe gehört, dass keiner der Hunde nach dem Dreh in ein Tierheim musste. Alle wurden adoptiert. Ich finde, das ist eine gute Nachricht.

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