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Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

Der Empfang der Deutschen

Am Strand ist es nachts immer schön, auch beim Deutschen Empfang. Früher, als es noch was zu essen gab, musste man in die Berge fahren, zu einer vermutlich teuren Villa mit tollem Blick und beleuchtetem Pool. Seit ein paar Jahren aber braucht man nur an der Promenade entlangzugehen und einzuschwenken, wo Deutsch gesprochen wird. Schon ist man da. Bekommt aber nichts zu essen. Und zu trinken zwar viel, wenn man will, aber ist Auswahl ist nicht so groß.

 

###Open Bar beim Deutschen Empfang

Wie immer gab es auch jetzt wieder eine Rede. Früher hielt sie Bernd Neumann, der auch am Samstag Abend wieder da war, sehr braun gebrannt, erholt. Dieses Jahr hielt sie seine Nachfolgerin Monika Grütters, und von Amts wegen pries die Kulturstaatsministerin den deutschen Film und seine Vertreter und Vermarkter, obwohl die Festivalleitung in Cannes von der Qualität des deutschen Films insgesamt offenbar nicht so überzeugt war, jedenfalls wieder keinen deutschen Film in ihr Programm eingeladen hatte.

Was die Branche, die sich hier versammelt hatte, eigentlich bewegt, manifestiert sich in der Figur von Günther Oettinger. Ein Killersatz für eine Filmparty. Aber es geht um einiges, und da die Verleiher, Produzenten und sonstigen Vertreter des deutschen Filmgeschäfts offenbar mehrheitlich der Meinung sind, Günther Oettinger, in Brüssel zuständig für Digitalwirtschaft, habe vom Filmgeschäft nicht viel Ahnung, reden sie eben ununterbrochen von den Gefahren einer Vereinheitlichung des europäischen Binnenmarkts und der Abschaffung des Territorialitätsprinzips und hoffen, dass es bei ihm ankommt. Erstaunlich, dass dieses Wort, das Territorialitätsprinzip, so vielen so spät am Abend noch stolperfrei über die Lippen kam. Worum es dabei geht, ist dies: Da es ein europäsisches Kino ohne Koproduktionen nicht gäbe, und diese nur zustande kommen, weil jedes Land für sein Geld die Verwertungsrechte für sein Land bekommt, wäre ein einheitlicher digitaler Markt das Ende. Google, Netflix und Co., so sagte es eine, die es wissen muss, brauchten sich dann nur noch zuzulehnen, bis ihnen der europäische Markt in den Schoß falle. So ähnlich, ohne Google und Co., sagte es auch Frau Grütters, bevor sie rief: Viel Spaß bei der magic German film reception.

Hat sie das wirklich gesagt? Es war sehr laut, auch während sie sprach, und alle lachten, bevor die Band, zu der auch zwei deutsche Schauspieler gehörten, anfing, noch enormeren Krach zu machen. Das ist hier immer so. Kaum sagt jemand etwas Lustiges, geht es auch schon im Getöse unter.

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