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Filmfestival

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Was sonst noch geschah: Notizen aus Venedig

Der Tag der Frauen

Fast alles, was früher auf Papier gedruckt wurde – Einladungen, Ankündigungen, Absagen, Informationen zu Filmen zu Filmen und Filmemachern –, wird inzwischen in Venedig online zur Verfügung gestellt. In Berlin bei den Filmfestispielen ist das auch so, schon seit Jahren, aus Umweltschutzgründen, die in Venedig eher nicht so hoch gehandelt werden. Hier ist der Umstieg aufs Digitale vermutlich die beste Antwort auf die Verteilungs- und Organisationsprobleme, all die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, etwas physisch von einem Ort an den anderen zu transportieren. Die Sache ist nur so, dass am Lido die W-Lan-Verbindungen außerordentlich unzuverlässig sind. Und am Ende also unter Umständen gar nichts zur Verfügung steht, gedruckt nicht, online wohl, aber nicht abrufbar.

Was für ein Segen also, dass es die Frauen gibt! Genauer: Einen Tag, der „Women`s Tales“ gewidment ist – Geschichten von Frauen also, die im offiziellen Rest des Programms arg kurz kommen (zwei von 21 Filmen im Wettbewerb, muss ich mehr sagen?). An diesem Tag also (der eigentlich nur ein Programmpunkt in einer Nebenreihe war), an dem als kreative Beraterin eine Modefirma auftrat, gab es alles: sehr elegante Frauen im Publikum, Filme von Frauen und: Informationsmaterial! Und zwar zu den Kurzfilmen, die eben in der Reihe „Women`s Tales“ produziert wurden und im weiteren Sinn Werbefilme sind, allerdings längere als die üblichen Spots von 1,30 Minuten.

Szene aus "De Djess" von Alice Rohrwacher© Filmfestival VenedigSzene aus „De Djess“ von Alice Rohrwacher

Die Modefirma hat inzwischen zehn dieser Filme von acht bis 12 Minuten Länge in Auftrag gegeben und finanziert. Die beiden jüngsten waren jetzt in Venedig zu sehen, von Agnès Varda der eine, der andere von Alice Rohrwacher. Andere Filme der Serie haben zum Beispiel Miranda July beigesteuert, Hiam Abbass, So Yong Kim, Zoe Cassavetes und Lucrecia Martel, bekannte Frauen allesamt, nur in den Wettbewerben auf den großen Festivals nicht oft gesehen. Anwesend war auch Julie Delpy, die eine ihrer wahnsinnigen Komödien aus Paris dabei hatte („Lolo“, eine Mutter-Sohn-Geliebter-Geschichte irrwitziger Art), und sie und Alice Rohrwacher und Agnès Varda badeten in einer derartig überschwenglichen Welle von Applaus, dass Agnès Varda eine Geste bemühte wie sonst Ronaldo im Stadion: die Hand abwiegelnd nach unten drückend.

Und die zehn Frauen, die bisher „Women`s Tales“ erzählen durften, in denen, so ist zu vermuten, wie in denen von Agnès Varda und Alice Rohrwacher ebenfalls wunderbare Klamotten eine Rolle spielen, bekamen, was die meisten Filmemacher hier nicht bekommen: eine Publikation. Mit Hochglanzfotos, Texten, Stablisten, sehr stilsicher aufgemacht als schwarzes Büchlein in schwarzem Schuber aus dicker Pappe. So soll es sein. Und solche Fotos sind drin, für jeden Film zwei oder drei:

 

###Alice Rohrwacher, “ De Djess“
###Aus Agnès Vardas Kurzfilm „Les trois boutons“
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