Home
Filmfestival

Filmfestival

Was sonst noch geschah: Notizen aus Venedig

Zwischenstand

Nach dem Wochenende sind die Stars vom Lido verschwunden. Heftige Gewitter haben die Atmosphäre gereinigt, es ist kühl geworden, aber der Himmel ist klar. Die Autorenfilmer sind noch da, und vermutlich sehen wir in den nächsten Tagen immer wieder Filme wie heute, in denen es nieselt, nie richtig Tag wird, und die Sonne immer anderswo scheint. Noch nicht abgereist sind neben den Journalisten auch ein paar Menschen aus dem Filmgeschäft, soweit sie nicht doch schon nach Toronto weitergezogen sind wie viele Deutsche. Denn in Toronto (anders als hier) sind deutsche beziehungsweise ko-deutsch produzierte Filme immer wieder gern gesehen. In diesem Jahr sollen es dreißig Filme mit deutscher Beteiligung sein, die in beim Filmfestival in Toronto laufen, kein Wunder, dass sich der Lido leert.

Szene aus "Rabin, the Last Day"© Filmfestival VenedigSzene aus „Rabin, the Last Day“

Alle scheinen einen Gang zurückzuschalten. Außer den Klimaanlagen, die schalten jetzt nach oben. Und damit das Geschehen nicht ganz zum Erliegen kommt, geht immer wieder etwas schief. Wie heute früh, als der Film über die Ermordung von Yitzhak Rabin, immerhin ein Wettbewerbsbeitrag, eine gute Viertelstunde lang ohne englische Untertitel gezeigt wurde. Auf Hebräisch, die Untertitel italienisch. Jemand hatte vergessen, das Abdecktuch von dem Balken zu nehmen, auf dem die Untertitel laufen. Schließlich kam ein junger Mann auf die Bühne, lüfte das Tuch, grinste in die Menge, und alles war gut.

Matthias Schoenarts, Tilda Swinton, Dakota Johnson und Ralph Fiennes in "A Bigger Splash"© Paolo RoversiMatthias Schoenarts, Tilda Swinton, Dakota Johnson und Ralph Fiennes in „A Bigger Splash“

So leicht ist das in den Filmen, die jetzt noch kommen, vermutlich nicht. Alles deutet darauf hin, dass uns ein paar harte Tage bevorstehen. Nicht mehr Sommer am Pool wie in dem Remake von „La Picine“, das Luca Guadagnino im Wettbewerb zeigte („A Bigger Splash“), mit einem sexy Ensemble aus Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Dakota Johnson und Matthias Schoenarts, wobei Ralph Fiennes als tanzender Gockel zu Musik der Rolling Stones ganz ungeahnte Seiten von sich preisgab.

Ralph Fiennes beim Presstermin zu "A Bigger Spalsh"© ReutersRalph Fiennes beim Presstermin zu „A Bigger Spalsh“

Eher Spätherbst in Teheran, wo eine herzzerreißende Geschichte auf die andere folgte, dass man mit dem Mitgefühl haushalten musste, wie in „Wednesday, May 9“, dem gefeierten Debüt von Vahid Jalilvand aus Iran. Morgen gibt’s Vampire in Bobbio statt Frühstück („Blut von meinem Blut“, und das im Wettbewerb!), und es steht zu hoffen, sie beißen den russischen Millionär, der ihr Schloss, das ein altes Kloster ist, nicht. Unsterbliche russische Millionäre! Das wäre das allerletzte, was Venedig noch braucht.

Szene aus Vahid Jalilvands "Wednesday, May 9“© Filmfestival VenedigSzene aus Vahid Jalilvands „Wednesday, May 9“
1