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Was sonst noch geschah: Notizen aus Berlin

Strandgeschichten

Das Grandhotel Des Bains auf einer Postkarte aus dem Jahr 1913© Mary Evans Picture LibraryDas Grandhotel Des Bains auf einer Postkarte aus dem Jahr 1913

Das Hotel des Bains, seit fünf Jahren geschlossen, nachdem es ein Jahrhundert lang die Besserverdienenden der Welt beherbergt hatte, berühmt geworden als Schauplatz von Thomas Manns „Tod in Venedig“ und dem Film, den Visconti daraus gemacht hat und als Kulisse vieler anderer Filme – dieses Hotel , über dessen Schließung vor fünf Jahren die halbe Welt viele Tränen vergoss, gehört zu den Filmfestspielen wie das Loch neben dem Casinò. Um beide ranken sich Geschichten, bei beiden geschieht vermutlich auf viele Jahre hinaus, möglicherweise für immer: nichts.

Das Hotel, heruntergekommen und damals verkauft an eine Investorengruppe, sollte in exklusive Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Das klappte nicht. Jetzt soll es wieder ein Hotel werden, und der Festivaldirektor rechnet damit, dass es in zwei Jahren wieder für die Illuminati der Filmfestspiele und anderer glamouröser Veranstaltungen zur Verfügung stehen wird. Wenn man diese Geschichte irgendwem, der nicht erst seit gestern am Lido ist, erzählt, grinsen die Leute oder lachen sich kaputt. Ebenso mit dem Loch neben dem Casinò. Auch hier sagte der Festivaldirektor, der Palast, der daraus mal erwachsen sollte, werde zwar zunächst nicht gebaut. Aber im nächsten Jahr werde es da, wo jetzt und seit vielen Jahren ein Bauzaun mit Blick zum Strand auf der einen und zum roten Teppich auf der anderen Seite steht, ein Freilichtkino geben. Auch darüber brechen die Leute in lautes Lachen aus.

Das Hotel des Bains jedenfalls bewachen dieser Tage manchmal ein, manchmal zwei Wächter. Hinter dem mit dicken Ketten verschlossenen Eisentor stehen sie in der Sonne und reagieren nicht, wenn man sie anspricht. Es sind, jedenfalls wenn ich vorbeifuhr, immer Schwarze. Könnte es nicht sein, so fragen sich einige Festivalbesucher, dass sie Teil einer Installation sind, die zur Kunstbiennale gehört, die noch läuft? Und in der Flüchtlinge, Ketten, Boote eine herausragende Rolle spielen?

Ich glaube das nicht, aber was heißt das schon. Doch die Geschichte des mehr als zwei Meter hohen Wellblechzauns, der das Gelände des Hotels, das riesig ist, vor Blicken schützt, die glaube ich schon. Es heißt, der Zaun, der eher eine Wand ist, sei nicht nur hoch, sondern auch tief in die Erde gegraben. Und es gehe nicht so sehr darum, dass niemand hineinkommt, als darum, dass die Ratten nicht herauskommen. Das gesamte Gelände und das Hotel selbst sollen von Hunderten, ja Tausenden fetter Ratten gewohnt sein, und die Bewohner des Lido hätten sich bitterlich darüber beklagt. Dann wurde der Zaun gezogen. Und jetzt stehen ein oder zwei Schwarze davor, und bewachen das Ganze. Vielleicht ist es doch eine Installation. Im nächsten Jahr, wenn die Biennale vorbei ist, sich ansonsten am Lido aber nicht geändert haben wird, werden wir es wissen.

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